Madden NFL 19 [PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 17.08.2018 um 10:14

 

EAs Sport-Tradition

 

Schon seit fast dreißig Jahren versorgt uns EA jährlich mit neuen Spielen aus den Bereichen Fußball, aber auch die nordamerikanischen Profi-Ligen der NBA, NHL und NFL gehören zu den wichtigen Pfeilern des Publishers.

Sicherlich gehört die „Madden NFL“-Reihe dabei aber eher zu den Nischen-Produkten im deutschsprachigen Raum. So landete American Football in den vergangenen zwei Jahren zwar wieder häufiger in der Bericht-Erstattung von Sport-Medien, allerdings handelt es sich dabei immer noch um eine klassische Randsportart. 

Während vor allem die „NBA Live“- aber auch die „FIFA“-Serie immer wieder einmal qualitative Aussetzer hatte, ist „Madden NFL“ seit Jahren durchgehend eine Bank in Sachen Simulation und Spiel-Qualität. Während man im letzten Jahr mit dem Story-Modus eine große Neuerung eingeführt hat, halten sich diese heuer stark zurück. Ob man die American Football-Simulation trotzdem empfehlen kann, verraten wir euch in unserem Test.

 

Football-Soap und Modi-Vielfalt

 

Neben den üblichen Modi wie Freundschaftsspiel, Ultimate Team oder dem unglaublich umfangreichen Franchise-Modus, in dem ihr ein komplettes Team aufbauen, verwalten und managen könnt, wird natürlich der Story-Modus stark in den Fokus gestellt. In „Longshot“ werden die Ereignisse aus dem Vorjahr fortgesetzt und so verfolgt ihr die Karrieren von Colt Cruise und Devin Wade, die in komplett gegensätzlichen Richtungen verlaufen. Denn während Devin bei den Dallas Cowboys untergekommen ist und sich gegen einen harten Trainer beweisen muss, wartet Colt noch auf den großen Durchbruch und steht erst einmal ohne Team da. 

Vergleicht man „Longshot“ mit der Geschichte und den Features des Story-Modus’ aus „FIFA 18“, verliert die Football-Soap ganz klar. Es gibt wenige Dialogoptionen, die Inszenierung ist super langweilig und die erzählte Geschichte einfach nur peinlich. Das ist höchstens etwas für Freunde von Telenovelas, echte Sport-Fans werden davon wohl kaum angesprochen. Für einen Nicht-Amerikaner ist außerdem die Menge an aufgetragenem Pathos dann doch zu viel. 

 

 

Touchdown!

 

Doch glücklicherweise gibt es ja wie schon erwähnt noch zahlreiche andere Modi und Spielarten für unzählige Stunden Spielspaß. Neben dem schon erwähnten Ultimate Team- und Franchise-Modus dürfte für Neulinge vor allem der umfangreiche Trainingsmodus interessant sein. Egal ob euch die „Madden NFL“-Reihe oder die Sportart generell neu sind, das Training bietet euch den perfekten Einstieg in beides.

Denn dieses startet wirklich bei Null und erklärt euch neben den unterschiedlichen Positionen und ihren Funktionen auch die Besonderheiten verschiedener Spiel-Typen. Das ist essentiell für die eigentlichen Spiele, in denen ihr dann je nach Situation aus unzähligen Taktiken auswählen und so den Gegner an die Wand spielen könnt. Hat man vor zwei Jahren bereits großen Wert auf das Fangen der Bälle gelegt, erweitert „Madden NFL“ dieses Repertoire noch einmal um unterschiedlich ansetzbare Würfe. Schnell und tief, hoch und langsam und so weiter...die Varianten sind zahlreich.

Das Zusammenspiel aus diesen Neuerungen verändert auch die Herangehensweise im Spiel etwas. So ist gerade das Pass-Spiel wesentlich schwieriger geworden und man muss wie ein echter Quarterback seine Augen überall auf dem Spielfeld haben, um den freien Mann zur rechten Zeit anzuspielen. 

 

TV-Optik

 

Spätestens seit dem Wechsel zur aktuellen Konsolengeneration ist die Optik und Präsentation der „Madden NFL“-Reihe auf einem Niveau mit der von TV-Übertragungen. So gibt es immer wieder zahlreiche Einblendungen zu Statistiken und den unterschiedlichen Offensiv- bzw. Defensiv-Reihen der Teams, außerdem sorgen die zahlreichen Einspieler zwischen den Spielzügen für Leben auf und am Rande des Spielfelds.

In Kombination mit Spiegelungen auf den Helmen, Wettereffekten und verschmutzenden Trikots kann man „Madden NFL 19“ hier keinen großen Vorwurf machen, doch mittlerweile leidet die Optik etwas an einer gewissen Kälte und Sterilität. Es wirkt schon fast alles zu perfekt und zu sauber. 

Vergleicht man das Spiel außerdem mit dem zwei Jahre alten „Madden NFL 17“ hat sich nicht viel an der Optik getan, hier herrscht also Stillstand. Zugegebenermaßen auf einem recht hohen Niveau. Gleiches gilt für die Präsentation der Menüs, die aufgeräumt aber unspektakulär wirken. Der Soundtrack hat in EA Sports-Titeln auch schon mal besser geklungen und enthält keine besonderen Highlights. Hier wurde viel Potential verschenkt.

 

 

FAZIT: Kein Kandidat für die Hall of Fame!

 

Die Euphorie bei „Madden NFL“-Spielen war schon mal größer und irgendwie kann man die Historie der Reihe so langsam mit der von „NBA 2K“ vergleichen. In ihrem Genre sind beide konkurrenzlos und hielten dabei aber meist ein sehr, sehr hohes Niveau. Mittlerweile stagniert man auf diesem aber etwas und so bietet sich gerade für Serien-Veteranen einfach nicht viel Neues. 

Da kann auch ein Story-Modus wie „Longshot“ nichts daran ändern, denn dieser ist einfach viel zu plump und pseudo-dramatisch inszeniert. In Kombination mit dem erschwerten Pass-System und der faden Optik und Präsentation enttäuscht das Spiel fast schon und macht es schwierig die guten Seiten zu sehen. Denn auch wenn man an vielen Punkten herummeckern kann, ist und bleibt „Madden NFL 19“ eine richtig gute Simulation und bildet den Sport perfekt ab. Dennoch muss man EA Sports bitten, im nächsten Jahr wieder etwas mehr Mut für Innovationen aufzubringen und das Spiel etwas zu entstauben. Auch wenn man keine Konkurrenz hat, wäre dies zumindest für die langjährigen Serien-Fans wünschenswert.