Salt and Sanctuary [Nintendo Switch]

Verfasst von Christian Suessmeier am 09.08.2018 um 12:18

 

Im Geiste von „Dark Souls“

 

Heutzutage vergleicht man schwere Action-Adventure leider viel zu schnell mit den Titeln von From Software, also „Dark Souls“ oder „Bloodborne“. Eines dieser Beispiele ist „Nioh“, welches recht fordernd ist, aber in seiner Spielmechanik doch sehr viel Eigenständigkeit bewies. Selbst „The Legend of Zelda – Breath of the Wild“ dichtete man bei Release einen Hauch „Soulsborne“ an, was etwas albern wirkte. 

Wenn man aber ein Spiel als richtigen „Dark Souls“-Klon bezeichnen kann, dann ist das „Salt and Sanctuary“, welches bereits im Jahr 2016 für PS4, Vita, Mac und PC erschien.  Zu Release machte es vor allem mit seiner kuriosen Google Translator-Übersetzung von sich reden, in Sachen Wertungen konnte sich das von einem Zwei-Mann-Team geschaffene Werk trotzdem sehen lassen.

Nun erscheint eine Umsetzung für die Nintendo Switch, die wir auf Herz und Nieren geprüft haben.

 

Von Prinzessinnen und Untergängen

 

In einer Zeit in der Länder und Königreiche im ständigen Krieg miteinander lebten, liegt es nun an euch, zumindest für euer Land Frieden herzustellen. Denn ihr seid als Begleiter einer Prinzessin an Bord eines Schiffes, welches ein nameloses Königreich ansteuert. Dort soll die Prinzessin den König ehelichen und somit endlich Frieden zwischen den beiden Nationen schließen. Doch als euer Schiff plötzlich von Feinden angegriffen wird, versinkt das Schiff sowohl im Chaos als auch im Meer. Zwar könnt ihr euch ans Ufer retten, doch von der Prinzessin fehlt jede Spur. Außerdem sind euch die Einheimischen nicht sehr wohlgesonnen...

 

 

„Dark Souls“ in 2D

 

Wer einmal „Dark Souls“ oder ein ähnliches Spiel durchlitten hat, weiß, was ihn in „Salt and Sanctuary“ erwartet. Einziger Unterschied sind die 2D-Grafik und ausufernde Angriffskombos plus Finisher.

So wählt ihr zunächst eure Charakterklasse, die sich dann in Attributen wie Stärke, Abwehr oder Magie-Fähigkeiten voneinander unterscheiden, außerdem könnt ihr Geschlecht, Haut- und Haarfarbe ändern. Nachdem ihr eurer Figur einen Namen gegeben habt, zieht ihr auch schon in den Krieg. Was bei „Dark Souls“ die Benachrichtigungen am Boden der Spielwelt sind, sind bei diesem Spiel kleine Vasen oder Totem, die euch zunächst die Steuerung erklären, aber auch Hinweise geben. Neben einer normalen und einer starken Attacke könnt ihr hüpfen und die Art und Weise eurer Waffenhaltung von ein- auf zweihändig wechseln. Auch eine Ausweichrolle gibt es, deren Schnelligkeit sich wie im Vorbild auch, an eurem Gewicht orientiert. Natürlich schlagen sich Moves wie Angriffe oder Rollen auf eure Ausdauerleiste nieder, so dass ihr damit gut haushalten müsst.

Gegner hinterlassen neben verschiedenen Items diesmal keine Seelen, sondern Salz. Mit Hilfe dieses Salzes könnt ihr euch an Altären aufleveln. Dies geschieht aber nicht so detailliert wie in „Soulsborne“-Titeln, sondern recht allgemein. Für spezifischere Verbesserungen gibt es nämlich noch einen Fähigkeiten-Baum, der euch recht viel Handlungsspielraum gibt. An den Altären selbst könnt ihr euch durch das Aufstellen von kleinen Figuren einige NPCs versammeln, die als Shop oder als Zugang zum Multiplayer-Part dienen. 

 

Schönheit mit Mängeln

 

Das handgezeichnete Action-Adventure „Salt and Sanctuary“ sticht vor allem mit seiner Optik und dem eigenwilligen Design hervor. Selten waren 2D-Level so detailliert gestaltet und mit so viel schönen Licht- oder Nebeleffekten versehen wie hier. Auch die Animationen sind zahlreich und werden nicht so schnell langweilig.

Leider gibt es aber auch einige Mängel, die besonders im TV-Modus der Switch auffallen. So wirkt das Spiel generell sehr verwaschen und ist weit entfernt von einer HD-Schönheit. Neben dem sehr pixeligen, weil aufgezoomten Charakter im Editor-Menü nervt vor allem die extrem dunkle Präsentation und macht Spielen unterwegs bei viel Licht fast unmöglich. Hier gibt es leider auch keine Option, das Spiel selber heller zu machen. 

Loben kann man aber noch die Musik, die zwar spärlich eingesetzt wird, aber mit ihren atmosphärischen Klängen überzeugt. Gleiches gilt für die Soundeffekte. Gut gearbeitet, Ska Studios.

 

 

FAZIT: Forderndes Action-Adventure, dem die Selbständigkeit fehlt

 

Dass man „Salt and Sanctuary“ vor zwei Jahren noch sehr lobte, kann man zwar nachvollziehen, 436 „Dark Souls“-Klone später wirkt das Spielprinzip aber leider etwas langweilig. Hinzu kommen bei dieser Umsetzung für die Switch dann eben doch wieder ärgerliche Mängel wie das verwaschene Bild am großen TV oder die zu dunkle Spiel-Helligkeit. Ebenso seltsam war ein Bug in unserer Testversion, der ein Umstellen der Sprache nicht mehr möglich machte. Trotz mehrerer Versuche und nachdem es beim ersten Durchlauf noch funktionierte, blieb es bei der englischen Version.

Trotzdem muss man die Entwickler für ihr Spiel loben. Denn man hat hier nicht nur erfolgreich die „Dark Souls“-Komponenten in ein 2D-Spiel umgewandelt, man setzte außerdem die Feinheiten des Kampfsystems der Vorlage sehr gut um. Wer also noch auf der Suche nach einem fordernden Spiel ist, sollte sich „Salt and Sanctuary“ mal genauer anschauen.

PS. Die Übersetzung ist mittlerweile in einem verständlichen Deutsch gehalten! Hier hat man nachgebessert.