Dead Cells [PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 06.08.2018 um 18:05

 

Modernes Genre mit langer Geschichte

 

Die sogenannten Rogue-likes sind ein Genre, das man mittlerweile in der Videospiel-Branche sehr häufig antrifft. Basierend auf dem Spiel „Rogue“ aus dem Jahr 1980 setzen viele Spiele heutzutage auf das Zufallsprinzip und fordern den Spieler in jedem Durchgang mit einer anderen Anordnung von Items, Gegnern und teilweise sogar Levels. Die beliebtesten Genre-Vertreter heutzutage sind sicherlich Titel wie „The Binding of Isaac“, „Enter the Gungeon“ oder „FTL“.

Der französische Entwickler Motion Twin setzt nun noch einen oben drauf und kombiniert das Spielkonzept mit leichten Ansätzen aus „Dark Souls“ indem man ein forderndes Kampfsystem einführt. Garniert mit einer 2D-Pixeloptik hat das Spiel in der Theorie also alle Zutaten, die ein aktueller Indie-Titel so braucht. Ob das Spiel in dieser Form überzeugen kann, verraten wir euch in unserem Test der PS4-Version.

 

Untot und ohne Plan

 

Die Handlung von „Dead Cells“ erklärt sich in den ersten Durchgängen nicht wirklich. So erwacht ihr plötzlich in einer Gefängniszelle, doch anstatt eines richtigen Kopfes aus Fleisch und Blut sitzt da nur ein Gebilde aus Rauch und einem leuchtenden Auge. Recht schnell trefft ihr auf eine Ritterdame, die euch aber auch nur sagen kann, dass ihr von der Insel entkommen müsst, aber komplett auf euch allein gestellt seid.

 

 

Loot, Gold und Upgrades

 

Von da an bewegt ihr euch in der Seitenansicht durch die verschiedenen Levels, die vom Inneren einer Festung über eine Kanalisation bis zu einem Wald reichen und erledigt dabei allerlei Feinde. Neben Zombies wollen euch so zum Beispiel Bogenschützen, bombenwerfende Plasmamonster oder Giftschnecken ans Leder.

Zu Beginn seid ihr nur mit einer Standardwaffe ausgestattet, könnt aber noch zwischen einem Bogen oder einem Schild als Sekundärwaffe wählen. Doch nach dem Erledigen der ersten Gegner werdet ihr recht schnell neue Items finden und könnt so nicht nur eure primäre und sekundäre Waffen recht schnell verbessern, sondern euch mit Zusatzobjekten wie Bärenfallen oder Eisgranaten recht gut verstärken. Besiegte Gegner hinterlassen außerdem Gold und Edelsteine, die ihr beim Händler gegen bessere Items eintauschen könnt. Hin und wieder findet ihr solche Schätze auch versteckt in Wänden oder bei verwesenden Leichen.

Neben euren Waffen könnt ihr auch von einer Ausweichrolle Gebrauch machen, die euch vor dem ein oder anderen feindlichen Hieb schützen kann und gerade in den späteren Kämpfen gegen dicke Brocken von Nöten ist. Auch einen Doppelsprung beherrscht eure Figur und stellt sich als recht guter Kletterer heraus. Im späteren Spielverlauf lernt ihr außerdem Kletterranken wachsen zu lassen oder wie man sich mit Hilfe der Totems teleportiert. In den Levels stehen von Beginn an aber auch Portale herum, die ihr nutzen könnt, um schneller von A nach B zu gelangen.

Neben Standard-Gegnern gibt es auch Elite-Feinde, die besonders hartnäckig sind, euch aber mit sehr hochwertigen Items oder Entwürfen belohnen. Hin und wieder findet ihr außerdem Upgrades, die ihr entweder in die Primär-, Sekundärwaffe oder eure Energieleiste investieren könnt und werdet so nach und nach stärker und besser.

 

Der Sammler, Mutationen und Heilung

 

Habt ihr ein Level gemeistert, könnt ihr beim Sammler verschnaufen und dort die gesammelten Dead Cells eintauschen. Die großen, hellblauen Orbs werden von Gegnern hinterlassen und können gegen neue Fähigkeiten, Waffen und Objekte eingetauscht werden. So stattet ihr euch zum Beispiel recht schnell mit einer Medizin-Phiole aus, die eure Energie auffüllt oder aktiviert die Möglichkeit, zu Beginn einen stärkeren Bogen wählen zu können. 

Habt ihr das erledigt, könnt ihr euch noch – gegen den Einsatz einer bestimmten Menge Gold – für eine Mutation entscheiden, die euch ein zweites Leben beschert, die Primärwaffe mit bestimmten Effekten versieht oder durch die ihr Energie durch das Töten von Gegnern erlangt. Schafft ihr mehrere Levels hintereinander, könnt ihr so bis zu drei Mutationen gleichzeitig aktivieren. Aber wie bei allen anderen Rogue-like verliert ihr auch hier fast alles sobald ihr sterbt. Die Zusatzfertigkeiten wie Ranken wachsen lassen oder die Teleportier-Fähigkeit einmal ausgeschlossen. Denn diese sind sehr wichtig, um andere Bereiche und so alternative Pfade zu erreichen. 

Die gefundenen Pläne reicht ihr auch beim Sammler ein, wo dann künftig diese Objekte freigeschalten werden könne und so baut ihr euch nach und nach ein gutes Arsenal auf und werdet immer besser. 

Ein gemeines Feature sind die verfluchten Truhen, die ihr zwar öffnen könnt, aber dann einem Fluch untergeben seid. So müsst ihr zum Beispiel zehn Feinde am Stück ohne Gegentreffer töten. Glücklicherweise gibt es aber auch nette, unverfluchte Truhen.

 

 

Pixelkunst mit Ambientsound

 

Die grafische Darstellung von „Dead Cells“ orientiert sich ganz klar an den Vorlagen wie „Castelvania“ oder „Metroid“ und präsentiert sich sehr detailreich und liebevoll gestaltet. Neben der tollen Level-Settings sind es auch die Monster und anderen Wesen, die das Spiel vom Artstyle her sehr einzigartig machen.

Passend zur perfekten Optik präsentiert sich auch die Sound-Untermalung, die die verschiedenen Welten mit passenden Klängen unterlegt und dazu verleitet, die Anlage mal ordentlich aufzudrehen. Außerdem passt sie sich an das Spielgeschehen an und wird in den Händlerräumen wesentlich ruhiger als im Bereich mit Feinden.

Ansonsten kann man bei „Dead Cells“ nichts meckern. Auf der PS4 erlebten wir während unseres Tests keinerlei Ruckler oder sonstige Ärgernisse, die die fordernden Kämpfe stören könnten. Auch die Steuerung ist präzise und wirkt trotz voller Belegung der Tasten nie überladen.

 

FAZIT: Rogue-like mit großem Spaßfaktor!

 

Zu Beginn wirkt „Dead Cells“ wie eines der üblichen Indie-Spiele: Pixeloptik mit einem Spielkonzept vergangener Tage. Doch nach den ersten Minuten und spätestens beim ersten dauerhaft anhaltenden Upgrade steigt die Motivationskurve ins Unermessliche und das Spiel zieht einen in seinen Bann.

So erwischt man sich mit der bekannten Floskel „Also einmal probier’ ich es noch!“ auf den Lippen und im Nu ist eine Stunde vorbei. Und genau dieser Sog ist es, der das Spiel so einmalig macht. In Zusammenarbeit mit der tollen Grafik, der fehlerfreien Technik und dem bombastischen Sound ist „Dead Cells“ vermutlich eines der besten Rogue-likes und kann es locker mit solchen Genregrößen wie „The Binding of Isaac“ aufnehmen. Einen kleinen Kritikpunkt gibt es allerdings, denn das Heilen mit den Phiolen dauert viel zu lange. In einem hektischen Bosskampf findet man nur selten die Zeit, das Item zu benutzen ohne vom Gegner erwischt zu werden. Ansonsten kann man das Spiel ohne Bedenken empfehlen. Richtig tolle Überraschung im Sommerloch 2018!