Mega Man X Legacy Collection 1 & 2 [PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 03.08.2018 um 10:59

 

Schweres Spiel deluxe!

 

Mit einem leichten Gefühl des Surrealen denke ich an meine Kindheit zurück in der ich die „Mega Man“-Spiele auf dem NES rauf und runter gespielt und dabei die meisten der fünf Spiele für Nintendos 8 Bit-System auch beendet habe. Denn eins haben alle Spiele um den blauen Roboter gemein: sie sind bockschwer!

Auch wenn heutzutage „Dark Souls“ als Synonym für fordernde Spiele steht, ist es doch auch die „Mega Man“-Reihe, die sich mit einem unglaublich fordernden Gameplay dem Action-Adventure als „schwerstes Spiel“ entgegenstellen kann. Denn auch hier kommt es vor allem auf Reaktionsschnelligkeit und dem Lernen der Bossmuster an. Nur wer deren Bewegungsabfolge kennt, hat auch eine Chance, diese zu besiegen. Es wäre spannend zu sehen, welches Spiel für mehr defekte Controller sorgt, vielleicht gibt es ja mal einen Weltrekordversuch.

 

 

Der kultige blaue Roboter

 

Nachdem „Mega Man“ bzw. „Rockman“, wie er in Japan heißt, ein großer Erfolg für Capcom war, begann man parallel die Arbeiten an der „Mega Man X“-Reihe, die 100 Jahre nach den Geschehnissen der Hauptserie spielt und Mega Man nicht nur mit neuen Begleitern ausstattete, sondern auch mit einem Haufen voller neuer Fähigkeiten. Innerhalb von elf Jahren erschienen so ab 1993 acht Serien-Teile die vom SNES über die PSone bis hin zur PS2 reichten.

Und nachdem Mega Man im vergangenen Jahr nicht nur dreißig Jahre alt wurde, sondern Capcom auch zwei Legacy Collections der regulären Hauptspiele veröffentlichte, ist nun die „Mega Man X“-Reihe als Spielesammlung dran. In zwei Collections findet ihr so jeweils aufgeteilt Teil 1 bis 4 – welche auf SNES, Saturn, PC und PSone erschienen – und die Teile 5 bis 8, die vor allem auf Sonys PSone und PS2 zuhause waren. Obendrein gibt es noch einen Haufen Bonuskram und neue Spielmodi, dazu aber später mehr.

 

Hüpfen, schießen, sterben

 

Fast alle „Mega Man X“-Spiele präsentieren sich in der klassischen 2D-Seitenansicht, mal von einigen Experimenten in späteren Teilen abgesehen. Ihr bekommt hier also klassische Run’n’Gun-Action geboten, allerdings mit einigen Einschränkungen gegenüber Genre-Hits wie „Metal Slug“ oder „Contra“. So müsst ihr hier oft auch gute Präzision beim Springen beweisen und seid in Sachen Schussrichtungen stark eingeschränkt.

Neben eurem Standard-Schuss könnt ihr diesen auch zu einem mächtigeren Schuss aufladen, außerdem stehen euch in späteren Teilen abhängig vom gewählten Charakter auch Nahkampfwaffen zur Verfügung. Weiterhin gibt es einen Dash-Button und Mega Man kann sich an den Wänden kurze Zeit festhalten bzw. durch Drücken der Sprung-Taste an Wänden hochhangeln. Auch das Absolvieren der Level und das Besiegen der Endgegner belohnen euch mit verschiedenen Item-Upgrades und neuen Waffen. Es macht also Sinn, die die –meist acht Level – in einer bestimmten Reihenfolge anzugehen. Wer dies nicht lange ausprobieren möchte, findet im Internet zahlreiche Tipps dazu. Eure Energieleiste könnt ihr euch dank besiegter Feinde wieder aufladen, da diese häufig Items zur Stärkung hinterlassen.

 

 

Boni soweit das Roboterauge reicht

 

Als wären die acht „Mega Man X“-Spiele nicht schon genug Inhalt, hat Capcom auch einiges an Extras mit auf die Discs bzw. in die Downloads gepackt. So könnt ihr die Spiele wahlweise auch in einem Anfängermodus spielen, der euren genommenen Schaden halbiert. Außerdem gibt es mit dem XChallenge-Modus eine neue Spielart, in  der ihr euch zwei Endgegnern gleichzeitig gegenüber stellen müsst. 

Wem das noch nicht genug ist, der klickt sich durch umfangreiche Bildergalerien oder Musikstücke, auch Original-Trailer zu den Spielen sind enthalten. Spannend ist auch die Merch-Galerie, denn für „Mega Man“ gab es einige spannende Fanartikel. Wer sich einfach mal zurücklehnen und sich berieseln lassen will, kann sich den Anime „Mega Man – Tag des Sigma“ anschauen.

Zusätzlich zu den normalen Trophäen oder Achievements auf den jeweiligen Konsolen, gibt es die sogenannten Hunter-Medaillen, deren Erwerb eine bestimmte Aktion voraussetzt. 

 

 

Pixel und Polygone

 

Die meisten der Spiele in der „Mega Man X Legacy Collection“ präsentieren sich in schönster Pixelpracht, nur selten wurde von Polygonen Gebrauch gemacht. Daher ist die Optik der meisten Spiele recht gut gealtert, wobei hier auch viel der genutzte Filter ausmacht. Denn neben einer Optik mit Scanlines und der pixelgenauen Darstellung der Titel ist die moderne Grafik-Variante mit ihren leicht verwaschenen und den ineinander überlaufenden Farben eher etwas für Menschen, die bei sichtbaren Pixeln Hautausschlag bekommen. Weiterhin könnt ihr das Bildformat der Spiele anpassen und einen neuen Rahmen dafür wählen.

Neben der teils grandiosen Optik sorgt aber vor allem die Musik der „Mega Man X“-Reihe oft für Staunen. Vor allem die ersten Teile bieten eine rockige und treibende Sounduntermalung, die Begehren nach einer Soundtrack-Box wecken.

Ansonsten kann man technisch nicht viel über die beiden Legacy Collections meckern. Neben einer freien Tastenbelegung und einer komfortablen Speicherfunktion – nur zwischen den Level – fehlt für ein einwandfreies „Mega Man“-Spielerlebnis eigentlich nichts.

 

FAZIT: Licht und Schatten

 

In der Theorie hat Capcom mit seinen beiden „Mega Man X Legacy Collections“ also alles richtig gemacht, leider ändert dies nichts an den krassen qualitativen Unterschieden zwischen der ersten und der zweiten Sammlung. So sind vor allem Tail 1 bis 4 es auch heute noch wert, gespielt zu werden, anders verhält es sich mit den anderen vier Teilen. Diese sind einfach schlecht gealtert und waren damals schon nicht das Gelbe vom Ei. Ein fünfter Teil nervt zum Beispiel mit aufploppenden Textboxen während der Gefechte und seltsamen Spielereien mit der Perspektive. Auch der Aufwand, der für die Spiele betrieben wurde, nimmt nach und nach ab. Bekam man bei Teil 4 noch vertonte Anime-Sequenzen, wurde man später mit lieblosen Standbildern  abgespeist. Im Grunde kann man also nur die erste der beiden Collections wirklich empfehlen, nur Komplettisten greifen zu beiden.