The Crew 2 [PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 11.07.2018 um 15:14

 

Rennspiel-Dilemma

 

Das Genre der Rennspiele steckt irgendwie seit einigen Jahren in der Krise. Neben Hardcore-Simulationen wie „Assetto Corsa“, „Gran Turismo“ oder „Project Cars“ und Arcade-Rasereien wie „Burnout Paradise“ gibt es dazwischen nicht so wirklich viele, gute Alternativen. Diese Lücke füllte eigentlich immer „Need for Speed“, leider war dessen letzter Teil dank Zufalls-Tuning und Mikrotransaktionen ein rechter Griff ins Klo. Glücklicherweise füllt die „Forza“-Reihe diese aber ganz gut und bekommt hin und wieder neue Konkurrenz dazu.

Und nun kommt mit „The Crew 2“ Ubisofts Online-Raserei zurück, die damals sowohl mit ihrer Multiplayer-Komponente als auch der abgebildeten USA im Kleinstformat auf sich aufmerksam machte. Ob das Rennspiel die Lücke füllen kann und inwiefern die Verbesserungen und Neuerungen Sinn machen, verraten wir euch in unserem Test der PlayStation4-Version.

 

Geschichte?!? 

 

In den vielen Jahrzehnten seit dem Aufkommen von Videospielen hat es bisher kein Rennspiel geschafft, eine wirklich faszinierende Geschichte zu erzählen. Auch „The Crew 2“ scheitert daran, denn man versucht es erst gar nicht.

So seid ihr als namenloser Nobody in den verschiedenen Disziplinen Streetracing, Offroad, Boots- und Flugzeugrennen unterwegs und müsst euch dort jeweils mit einem speziellen Konkurrenten messen. Beim Streetracing ist das zum Beispiel Tio Marquez, der die Illegalität der Straßenrennen beibehalten will und nichts davon hält, künftig faire und legale Rennen abzuhalten. Im Großen und Ganzen geht es aber letztlich nur darum, möglichst viele Follower zu kreieren und den jeweiligen „Boss“ in den verschiedenen Disziplinen zu schlagen. 

 

 

Stadt, Land, Luft

 

Bereits recht früh zur Ankündigung von „The Crew 2“ wurde bekannt, dass man sich im Nachfolger nicht nur auf zwei bzw. vier Räder schwingen kann, sondern auch in der Luft und auf dem Wasser den Trip durch die USA genießen kann. So stehen euch also neben Motorrädern und Autos Schnellboote und Flugzeuge zur Verfügung.

Neben Story-Rennen für die einzelnen Kategorien gibt es aber auch allerlei Dinge abseits davon zu tun. So könnt ihr euch – abhängig vom gewählten Fahrzeug – in unzählige Nebenaufgaben stürzen. Neben Klassikern wie Radarfallen, in denen ihr die jeweilige Höchstgeschwindigkeit schlagen müsst, geht ihr außerdem auf Foto-Safari. Diese ist dank dem Fotomodus recht einfach handelbar, manche Fotospots sind jedoch recht gut versteckt und erfordern einiges an Kreativität. Bei anderen Nebenaufgaben flieht ihr mal vor einem, sich ausweitenden Kreis(auf der Minimap sichtbar) oder durchfliegt Tore in einem bestimmten Winkel.

Während sich die Disziplinen in den Rennen mit Autos und Booten recht ähnlich gestalten und sich hauptsächlich durch die gewählte Kategorie des Fahrzeugs unterscheiden, sind die Flüge mit den Propellermaschinen mal etwas Neues. Denn hier kommt es nicht unbedingt auf Schnelligkeit an, vor allem euer Geschick wird durch das Ausführen verschiedener Tricks und Manöver gefordert. Egal welches Fahrzeug ihr übrigens wählt, jedes verfügt über einen Nitro-Boost, bei den Booten kann man außerdem durch die Steuerung teilweise noch einige km/h herausholen.

 

Born in the USA!

 

Während ihr also so durch die Miniatur-Ausgabe der Vereinigten Staaten fahrt, könnt ihr einiges sehen und erleben. Neben idyllischen Landstrichen, öden Wüsten und wunderschönen Bergpanoramen, sind natürlich auch einige Städte enthalten. Dabei gehören vor allem New York, Miami, LA und San Francisco zu den größeren Gebieten, allerdings merkt man gerade in Big Apple, wie die Framerate in die Knie geht.

Dank einer stufenlos zoombaren Karte, die ihr über das Touchpad des Controllers aufruft, habt ihr immer einen optimalen Überblick über euch umgebende Rennen und Nebenaufgaben und könnt sehr gezielt Wegpunkte setzen. Musste man in Teil 1 für eine Blitzreise noch Ingame-Credits verwenden, ist dies in „The Crew 2“ nicht mehr nötig. Allerdings verliert das Spiel dadurch etwas von seinem Charme, denn früher überlegte man es sich zweimal, ob man die Credits nun ausgibt oder lieber einen Roadtrip von 10 bis 15 Minuten auf sich nimmt. 

Die Ingame-Währung ist übrigens wieder doppelt vorhanden, so bekommt ihr für das erfolgreiche Absolvieren von Aufgaben oder Rennen hauptsächlich die Hauptwährung Bugs, die Crew Creditsgibt es nur bei Story-Missionen. Warum Ubisoft diese doppelte Schiene fährt, ist mir nach wie vor ein Rätsel und nicht gerade förderlich für die Bedienbarkeit des Spiels.

Die Ingame- Währung nutzt ihr außerdem nicht nur für den Erwerb von Autos, sondern auch für deren optisches Tuning. Viele Zusatzteile wie neue Motorhauben findet ihr zwar nur in den LIVE-Kisten, aber bereits das Standard-Angebot lässt viel Individualisierung zu. Ärgerlich ist hier das Zusammenschließen einiger Fahrzeug-Teile, so kann man meist den Auspuff nicht ohne komplette Änderung der Heckschürze auswechseln. Dafür sind die vielen erhältlichen Designs von anderen Spielern teilweise echte Hingucker!

 

 

„Lootboxen“-Tuning

 

Vor allem für die umfangreiche Auswahl an fahrbaren Untersätzen muss man „The Crew 2“ loben. Auch wenn man nicht an Genre-Kollegen wie „Forza Motorsport“ herankommt, kann sich das Angebot sehen lassen. Neben Tuning-Klassikern wie Nissan Skyline, Mazda RX-7 oder Honda Civic, gibt es Supersportwägen von Koenigsegg & Co. Auch in Sachen Motorrädern, Booten und Flugzeugen gibt es authentische Marken bei den Händlern, später steigt ihr in Story-Rennen außerdem hinter das Lenkrad eines Formel-Wagens. Wer konkurrenzfähig bleiben will, muss sein Fahrzeug natürlich aufmotzen und dieses System wird bei „The Crew 2“ sicherlich nicht viele Freunde finden. Denn Ubisoft greift auch hier auf das bewährte Item-Konzept zurück, das sie in so vielen anderen Spielen verwenden. 

So sind die unterschiedlichen Teile wie Kupplung, Reifen, Getriebe, Aufhängung oder Auspuff wieder einmal in verschiedene Seltenheitsstufen unterteilt. Das Ausrüsten geht dabei recht einfach, denn unter dem Punkt „Performance“ in eurer Garage könnt ihr die Teile einfach an- und ablegen. Nicht mehr genutzte Teile könnt ihr mit anderen Autos verwenden. 

An die Teile kommt ihr durch gewonnene Rennen oder erledigte Nebenaufgaben, allerdings aber auch durch das Auffinden von LIVE-Belohnungen. Dies sind Lootboxen, die einfach in der Gegend herumstehen und deren Gegenwart euch durch euren Radar der Minimap aufgezeigt wird. Je schneller das Sonar aufblinkt, desto näher seid ihr. Beim Tuning herrscht aber leider das Prinzip Zufall, denn wenn ihr gezielt einen Part eures Autos aufmotzen wollt, müsst ihr unter Umständen einige Zeit warten bis ihr das richtige Teil bekommt. Technik-Fetischisten können generell wenig an den Autos ändern, mal von einigen Grundeinstellungen wie Bremsen oder Federung abgesehen

 

FAZIT: Es hätte so schön sein können!

 

Auch wenn „The Crew 2“ im Kern ein recht gutes Rennspiel ist und mit seinen Boots- und Flugzeug-Passagen etwas Frisches in das Genre bringt, ärgern einen die vielen kleinen Designfehler. Zunächst einmal muss man Ubisoft – wie auch schon EA im letzten Jahr – stark für dieses Zufalls-Tuning der Autos kritisieren. Zwar bekommt man die meisten Teile recht schnell, wenn man Rennen fährt, aber warum kann man nicht seine erspielten Credits für gezieltes Tuning ausgeben? Schließlich sind wir hier nicht im Casino...

Dazu gesellen sich Dinge wie die katastrophale Musikauswahl der unterschiedlichen Radiosender und die mal wieder fürchterliche Gummiband-KI, die die PS-Anforderungen der Autos für die unterschiedlichen Rennen obsolet macht. Auch das Navi, was hin und wieder selber nicht weiß wohin es nun gehen soll oder die unüberischtlche Streckenführung bei Rennen sind kleine, aber feine Details, die das Spiel wertungstechnisch herunterziehen. Dabei habe ich das maue Schadensmodell und die fürchterliche Handhabung in den Hauptquartieren noch gar nicht erwähnt.

In „The Crew 2“ hätte soviel mehr stecken können als uns das Endergebnis präsentiert. Sicherlich stimmt aber der Umfang und spielerisch kann man – die Gummiband-KI mal ausgenommen- eigentlich auch nichts kritisieren. Doch die vielen kleinen Mängel schmälern den Gesamteindruck.