Rainbow Skies [PlayStation4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 06.07.2018 um 10:16

 

Entwicklungen aus deutschen Landen

 

Der deutschsprachige Raum hat in Sachen Videospiel-Entwicklung im internationalen Vergleich in den vergangenen Jahren gehörig aufgeholt. So zählen nicht mehr nur Strategietitel oder Point’n Click-Adventures zu deren Portfolio, mit Hardcore-Spiele wie „The Surge“ oder Vorzeige-Shootern wie „Spec Ops: The Line“ hat man gezeigt, was in unserem Raum alles möglich ist.

Doch auch im Indie-Bereich gibt es seit vielen Jahren spannende Entwicklungen, so unter anderem von Sidequest Studios. Diese widmen sich seit Jahren den Spielen unserer Kindheitstage und brachten so die Teile von „Söldner X“ sowie das Taktik-Rollenspiel „Rainbow Moon“ auf den Markt. Letzteres erhält nun ein Sequel in Form von „Rainbow Skies“, welches sowohl für PS4, Vita als auch PS3 erschienen ist und den Geist einer Zeit atmet, in der wir noch mit kabelgebundenen Controllern an Röhrenfernsehern gespielt haben. Wie sich das Taktik-RPG dabei schlägt, erfahrt ihr im Test der PS4-Fassung.

 

Von Katern und Monsterzähmen

 

Eigentlich sollte es ein großer Tag für euren Helden werden, denn heute legt er endlich seine Prüfung zum Monsterbändiger ab. Doch zunächst sorgt ein ausgewachsener Kater dafür, dass er fast zu spät zu diesem Test kommt und dann geht auch noch bei diesem alles schief was schiefgehen kann. So können die Monster aus ihrem Gehege entkommen und die ganze Stadt über den Wolken gerät in Gefahr. Nach einer missglückten Aktivierung der Sicherheitszäune finden sich beide plötzlich auf Lunah wieder, einem Planeten der von der Wolkenstadt Arca umkreist wurde und eigentlich als unbewohnbar gilt. Zusammen mit der Magierin Ashly und Kollege Layne schlittert unser Held nun von einem ins andere Abenteuer.

 

 

Erst denken, dann handeln

 

„Rainbow Skies“ spielt ihr in einer isometrischen Ansicht, sowohl in den Kämpfen als auch außerhalb. Wie in den guten alten JRPGs seht ihr dabei aber immer nur den aktuellen Anführer eurer Party, die aus maximal drei Personen bestehen kann. Zu Beginn seid ihr aber entweder alleine oder zu zweit unterwegs.

Die Feinde sind in der Welt immer sichtbar, sobald ihr aber einen der Gegner berührt, beginnt der Kampf. Auch Zufallskämpfe könnt ihr bestreiten, diese aber von selbst auswählen. Sobald nämlich die Möglichkeit eines Kampfes besteht, wird dies unten am Bildschirm eingeblendet – inklusive Anzeige wer und wie viele euch erwarten. In den Kämpfen zieht ihr dann nach einem festen Turnus eure Figuren über das Schlachtfeld, das meist aber nur aus einem Bildschirm besteht. Seid ihr in der Nähe des Gegners könnt ihr entweder mit einem Standardangriff zuschlagen oder greift auf eure anderen Optionen zurück. So beherrscht jedes der drei Gruppenmitglieder eine Fernkampfattacke, die mit jeder Nutzung levelt oder ihr versorgt euch mit Tränken, die eure Hitpoints oder Mana-Punkte wieder auffüllt. Sollten euch die Widersacher zu mächtig sein, könnt ihr auch aus dem Kampf fliehen, verliert dann aber die wertvollen XP, die eure Figuren von Kampf zu Kampf stärker machen.

Zwischen den Kämpfen sprecht ihr mit den Einwohnern von Arca und Lunah, füllt eure Vorräte bei den Händlern auf oder lasst eure Ausrüstungen und Waffen beim Schmied verbessern. 

 

Allerlei zu tun

 

Neben der umfangreichen Handlung, die euch in vielfältige Gebiete wie Wüsten oder Wälder schickt, gibt es auch zahlreiche Nebenquests von NPCs. Außerdem sind die Welten voller Schatzkisten und Beutel, an die man nur herankommt, wenn man besonders schwere Feinde erledigt.

In der Welt selbst gibt es einen Tag- und Nachtwechsel, der natürlich einige Auswirkungen hat. So könnt ihr im Dunkeln zum Beispiel versteckte Schätze nicht sehen. Abhilfe schafft hier die Fackel, die die Umgebung wieder erhellt und das Navigieren erleichtert. Wie in keinem anderen Rollenspiel dieser Tage darf auch in „Rainbow Skies“ ein Angelspiel nicht fehlen, außerdem müsst ihr eure Charaktere regelmäßig mit Nahrung versorgen, damit sie nicht hungern.

Die große Detailverliebtheit der Entwickler äußert sich auch dadurch, dass man die neu aufgetragenen Rüstungen und Items an den Figuren selbst sieht, außerdem ist das Tutorial zu den verschiedenen Features sehr liebevoll gestaltet und mit allerlei Wortwitz und Anspielungen versehen.

Wie es sich für einen echten Monsterbändiger gehört, könnt ihr später auch Monstereier finden und diese ausbrüten. Die Monster stehen euch dann in den Kämpfen zur Seite, aktuell nicht genutzte Wesen gebt ihr einfach in ein Heim, in dem sie versorgt werden.

Eure Figuren levelt ihr nicht nur durch XP auf, sondern auch durch die Fähigkeitssteine, die ihr für besiegte Gegner erhaltet oder in Schatzkisten findet. Hierdurch werdet ihr nicht nur stärker, sondern verbessert eure Zuggeschwindigkeit oder die Magie-Fähigkeiten.

 

 

Japan lässt grüßen!

 

Nicht nur das Spielsystem erinnert an alte Klassiker aus Japan, auch die Optik macht davor nicht halt. So erstrahlen die Figuren in Manga-Optik, generell ist die Welt sehr bunt gehalten und wirkt manchmal wie eine Bonbontüte.

Die Menüs sind übersichtlich gestaltet und wirken aufgeräumt, die Tutorials sind hin und wieder ein bisschen zu lang gehalten und erklären zu viel. Auch die Steuerung ist sehr gut gelungen, lediglich in den Kämpfen tat sich die PS4 manchmal schwer zu erkennen, welche Richtungseingabe nun erfolgte. Dies ist der isometrischen Perspektive geschuldet und so musste man manche Eingabe wiederholen. Aber nur in seltenen Fällen.

Was beim Looten der Schatzkisten und Gegner auffiel, war ein fehlender „Alles nehmen“-Button. So muss man jedes Item einzeln anwählen und bestätigen. Im Zusammenspiel mit dem umständlichen Taschen-System ist das nicht so gut gelöst. Zwar könnt ihr euer Inventar vergrößern, aber dafür müsst ihr Taschen für die jeweiligen Items kaufen. Diese müssen dann noch einmal explizit ausgerüstet werden, bevor man mehr Items mitnehme kann. 

Die Sprachausgabe ist auf wenige englische Worte beschränkt, die Musik untermalt das Geschehen immer perfekt und erinnert an die großen JRPGs der Vergangenheit. Toll!

Leider ist die komplette Inszenierung der Geschichte aber etwas holprig. Die wenigen CGI-Zwischensequenzen wirken sehr statisch und mancher Story-Inhalt hätte eine bessere Inszenierung verdient.

 

FAZIT: Gelungenes Taktik-Rollenspiel mit Verneigung vor den Großen!

 

„Rainbow Skies“ hat mich ziemlich überrascht, denn der zunächst recht unscheinbare Titel hat es ganz schön in sich. Sei es das Kampfsystem, was spätestens mit dem Einsatz der Monster guten Tiefgang erreicht oder die sehr sympathischen Figuren, hat man nur im geringsten etwas für Taktik und Rollenspiel übrig, sollte man auf jeden Fall zuschlagen. Hier kommt auch die praktische Crosssave-Funktion ins Spiel, mit der ihr unterwegs dann auf der PS Vita weiterzocken könnt.

Sowohl was den Umfang als auch den Inhalt an Story und Features angeht, weiß das Taktik-RPG zu überzeugen, allerdings holpert es vor allem in Sachen Inszenierung. Klar ist hier kein First Party-Studio tätig gewesen, aber wie wäre es zum Beispiel mit schön gezeichneten Standbildern statt der sehr statischen CGI-Sequenzen um die Story zu erzählen? Auch einige Ärgernisse in der Handhabung der Item-Verwaltung und den kleinen Steuerungsschnitzern während der Kämpfe könnte man vielleicht mit Hilfe eines Patches nochmal an den Kragen gehen, oder?