Crash Bandicoot N. Sane Trilogy [Nintendo Switch]

Verfasst von Christian Suessmeier am 05.07.2018 um 13:17

 

Die Zeit der Maskottchen

 

Zu Beginn der 1990er teilten sich Sega und Nintendo den Heimkonsolen-Markt und konnten andere Geräte wie die PC Engine oder das Neo Geo zu reinen Nischengeräten machen. Dies war auch die Zeit der Maskottchen, denn keine anderen Figuren standen für den jeweiligen Konzern wie Igel Sonic oder Klempner Mario.

Da wollte Neuling Sony natürlich nicht das Nachsehen haben und war seit Veröffentlichung der PlayStation recht bemüht, eine eigene Ikone für das Gerät und die Firma zu schaffen. Einer dieser Versuche war Beuteldachs Crash, der 1996 mit „Crash Bandicoot“ die Herzen der Spielerinnen und Spieler erobern wollte. Zwar war das Spiel recht beliebt und heimste viele gute Wertungen ein, allerdings konnte der Beuteldachs trotz vieler Sympathiepunkte nicht den Kultstatus von Sonic & Co. erreichen. Über zwanzig Jahre später erscheint nun mit „Crash Bandicoot N. Sane Trilogy“ eine überarbeitete Fassung der ersten drei Spiele und das sogar für die „Konkurrenz“ von Microsoft und Nintendo.

 

Crash vs. Cortex

 

Nachdem es jahrelang ruhig um die Spielereihe und Crash mittlerweile durch einige Rechtevergaben bei Activision gelandet war, sehnten sich Fans zumindest nach einer Neuauflage der ersten Spiele. Gerade Teil 1 bis 3 der Jump’n Run-Reihe sind aufgrund ihres Entwicklers nämlich recht begehrt, wurden sie doch von Sonys Haus- und Hof-Studio Naughty Dog gemacht.

Deshalb war die Freude auch sehr groß als die Remake-Trilogie angekündigt wurde, die nun von Vicarious Visions quasi von Grund auf neu gebaut wurde. „Crash Bandicoot N. Sane Trilogy“ enthält also die ersten drei Spiele der Reihe und lässt euch diese von Beginn an auch frei auswählen. 

Im Grunde erzählt jeder der drei Teile den Kampf von Crash gegen den bösen Dr. Cortex, hat dabei aber immer wieder unterschiedliche Schwerpunkte. So geht es in Teil 3 zum Beispiel um Zeitreisen, der Erstling hingegen erzählt eine klassische Gut gegen Böse-Geschichte.

 

 

Esst mehr Wumpa-Früchte!

 

Bei den „Crash Bandicoot“-Spielen in dieser Kollektion handelt es sich um klassische 3D-Jump’n Runs, die zwar nie die Offenheit von Genrekollegen wie „Super Mario 64“ oder „Banjo Kazooie“ erreichen, aber spielerisch spannende Kost bieten.

So hüpft ihr meist in der Schulterperspektive durch Level, die von Dschungel- über Eis- hin zu Mittelalter-Welt reichen und werdet mit allerlei Gegnern konfrontiert. Um euch gegen diese zur Wehr zu setzen, kann Crash den Feinden nicht nur auf den Kopf oder den Rücken springen, mit eurer Wirbelattacke setzt ihr so manchen Kontrahenten ganz schnell außer Gefecht.

Wie in einem klassischen Jump’n Run bekommt ihr pro 100 gesammelter Wumpa-Früchte ein Extraleben, manchmal verstecken sich diese aber auch in Kisten. Die Holzboxen stehen in den Levels zuhauf herum und wollen von euch zerstört werden. Denn neben Extraleben beinhalten diese auch die begehrten Früchte, Checkpoints oder Aku Aku-Masken. Sammelt ihr drei von letzteren seid ihr für kurze Zeit unbesiegbar, was bei dem knallharten Spielprinzip recht hilfreich ist. Doch auch gefährliche TNT-Kisten verstecken sich zwischen den Boxen und mögen Berührungen nicht sehr gerne.

Auch nach den Items in Form eurer Schwester Coco solltet ihr Ausschau halten, denn nach dem Aufsammeln von drei dieser Gegenstände könnt ihr ein Bonuslevel betreten, in dem ihr weitere Wumpa-Früchte sammeln könnt. Dieser Mechanismus kommt allerdings nur im ersten Teil zum tragen, denn in den beiden Nachfolgern betretet ihr diese Welten mit Hilfe von Teleportern, die einfach so in den Level herumstehen. 

Habt ihr einen Abschnitt erfolgreich absolviert, könnt ihr ihn übrigens immer wieder betreten und so zum Beispiel an einem Speedrun teilnehmen. Außerdem könnt ihr bei Bedarf auch mit Coco die Level spielen, da sie die gleichen Eigenschaften wie Crash besitzt.

 

 

Fellpflege!

 

Auf den ersten Blick wirkt die überarbeitete Optik von „Crash Bandicoot N. Sane Trilogy“ zwar zeitgemäß, aber auch nicht besonders raffiniert. Vor allem der Erstling leidet gerade in den Anfangsleveln doch sehr unter der monotonen Inszenierung. Doch innerhalb der drei Spiele zieht die optische Qualität in Sachen Detailverliebtheit und Vielfalt an und präsentiert sich vor allem in Teil 3 in wunderschöner Grafik, die außerdem mit toller Lichtstimmung überzeugen kann. Hier kann man sich schon sehr glücklich schätzen, dass man nicht bloße Remastered-Auflagen mit aufgebohrten Texturen bekommen hat, sondern die Titel wirklich von Grund auf neu gebaut wurden. Auch die Animationen sind ein absolutes Highlight, das Gesicht von Crash auf der Flucht vor dem Felsen ist einfach göttlich!   

Die „Crash Bandicoot“-Spiele waren dabei aber niemals sonderlich einfach und in einigen Abschnitten wird das auch sehr durch die sture Kamera begünstigt, die es euch manchmal schwer macht, Abstände richtig einzuschätzen. So vergeudet man doch hin und wieder einige Extraleben, die man sich für andere Level hätte sparen können. 
Neben den vertonten CGI-Sequenzen präsentiert sich auch der Rest des Spiels sehr gut lokalisiert. Ebenso passen die coolen Soundeffekte perfekt zum Geschehen, die variantenreiche Musik ebenfalls.

 

FAZIT: Charmante Jump’n’Run-Herausforderung

 

Als jemand, der mit 8 und 16 Bit-Spielen aufwuchs und damals die harte Schule von Titeln wie „Mega Man“ oder „Battletoads“ durchlief, könnte man sich an dem sehr niedrigen Schwierigkeitsgrad mancher moderner Games wirklich stören. Dank zahlreicher harter Brocken wie den Spielen von From Software oder so macnhem Indie-Entwickler gibt es aber auch heute noch viele, nicht weichgespülte Titel zu entdecken. Auch „Crash Bandicoot N. Sane Trilogy“ gehört zu den anspruchsvolleren Spielen. Vor allem Teil 1 macht einem das Leben in Verbindung mit der teils holprigen Inszenierung nämlich alles andere als leicht, aber auch die runder wirkenden Nachfolger fordern den Spieler in Sachen Timing und Präzision heraus. Das dürfte nicht jedem gefallen, aber auf der Switch dürfte man in Sachen fordernder Jump’n’Runs einiges gewohnt sein, Stichwort „Donkey Kong Country“.

Technisch gibt es an der Kollektion nichts zu meckern, sowohl am TV als auch im Handheld-Modus weiß die Hüpferei zu überzeugen. Sicherlich sollte man sich für so eine Herausforderung aber den Pro Controller gönnen, die fummeligen Joy Con-Sticks sind nicht immer so optimal für die Steuerung von Crash.

Für eine UVP von 39,99€ bekommt man mit der Beuteldachs-Trilogie ein sehr umfangreiches Paket geboten, das einen dank des Schwierigkeitsgrades zwar einige Nerven kosten wird, aber auch sehr lange motiviert.