LEGO Die Unglaublichen [PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 25.06.2018 um 13:33

 

Unglaublicher Spaß mit Klötzchen

 

LEGO gehört mittlerweile wieder zu einer der erfolgreichsten Spielzeugmarken der Welt und ist im Kinderzimmer meist mit Filmen, Serien, Videospielen und natürlich Spielsets vertreten. 

Zwar gab es schon seit Mitte der 1990er Videospiele mit LEGO-Inhalten, diese kamen aber vorwiegend für PC und Mac auf den Markt. So richtig gelang der Durchbruch aber mit den Lizenzspielen zu Marken wie „Star Wars“ oder „Harry Potter“, die ab dem Jahr 2005 Fans die Möglichkeit boten, die bekannten Filme nachzuspielen. Seitdem gibt es pro Jahr mehrere Spiele egal ob zu den Avengers, Batman oder den hauseigenen Marken wie „Ninjago“ oder „LEGO City Undercover“. Auch wenn diese Titel vor allem für das jüngere Publikum relativ gute Unterhaltung bieten, muss man ihnen jedoch auch einen gewissen Stillstand vorwerfen. Sowohl in Sachen Technik als auch im Gameplay haben sich die Spiele seit dem ersten „LEGO Star Wars“ im Jahr 2005 nur wenig weiterentwickelt. 

Ob sich „LEGO Die Unglaublichen“ von diesem Konzept abwendet und etwas gänzlich Neues bietet, klären wir in unserem Test der PlayStation4-Version.

 

Unglaublich komisch!

 

In „LEGO Die Unglaublichen“ erlebt ihr nicht nur die Abenteuer der Superhelden-Familie aus Teil 1 nach, sondern startet im Spiel gleich mit den Erlebnissen in Teil 2 in leicht abgeänderter Version. Das verwundert als Spieler etwas, schließlich hätte man mit der chronologischen Anordnung auch einige spannende Inhalte kreieren können.

Im Spiel müsst ihr euch also in der Rolle der Familie Parr gegen allerlei Superschurken zur Wehr setzen, die das idyllische Municiberg in Angst und Schrecken versetzen. Darunter der Pantomime Bomb Voyagé und der Screenslaver, der seine Hypnosetricks einsetzt und die Einwohner paralysiert. Doch auch alltägliche Verbrechen wollen verhindert werden, so dass ihr Taschendiebe verfolgt oder gelegte Brände löscht.

 

 

Unglaublich bewährt

 

Wie auch schon die LEGO-Spiele der letzten Jahre, setzt die Versoftung von „Die Unglaublichen“ auf ein bewährtes Spielkonzept. Das bedeutet, dass ihr euch mit mindestens zwei Charakteren durch die Levels bewegt, Feinde verklopft und deren Fähigkeiten für bestimmte Aufgaben nutzen müsst. Im Fall der Familie Parr habt ihr so den bärenstarken Vater dabei, die biegbare Mutter und die beiden Kinder. Der Sohnemann ist dabei so schnell wie Flash, die Tochter kann mit ihrem Energiefeld allerlei gefährliche Substanzen überwinden. Sollte euch einmal eine der Fähigkeiten nicht ausreichen, könnt ihr auf weitere, freispielbare Charaktere zurückgreifen. So zum Beispiel auf Frozone, der dank seines Eisstrahls Dinge einfrieren kann.

Die Story-Missionen finden dabei meist in abgeschlossenen Levels statt, ansonsten bewegt ihr euch aber frei durch die verschiedenen Bezirke von Municiberg, Nomanisan Island und New Urbem. Dort könnt ihr verschiedenen Aufgaben nachgehen, seien es die Hauptmissionen oder Nebenbeschäftigungen wie Rennen, kleinere Sammelaufgaben oder Minimissionen wie „Zerstöre 5 Steinfiguren“.

Außerdem findet ihr wie in den früheren Spielen überall die silbernen oder goldenen Steinchen verteilt, die als Währung dienen und mit denen ihr euch zum Beispiel neue Fahrzeuge kaufen könnt.

Am wichtigsten sind jedoch die auffindbaren Incredi-Steine, die man auch als Belohnung für erledigte Aufträge bekommt. Mit Hilfe dieser Steine könnt ihr bei den Pixar Familienbausets im Rahmen eines kleinen Quick Time Events bekannte Objekte aus anderen Filmen der Animations-Trickschmiede bauen. Diese schalten außerdem einen der Charaktere frei, so zum Beispiel Dorie aus „Findet Nemo“. Mit deren Eigenschaft, dem Schwimmen, könnt ihr so zu dem erbauten Set hinunter tauchen und euch einen roten Stein sichern. 

 

Unglaublich viel zu tun!

 

Mit Hilfe dieser roten Steine könnt ihr letztlich Cheats freischalten, so dass ihr zum Beispiel die doppelte Anzahl an Punkten für das Aufsammeln der Steinchen bekommt oder euch tanzend durch das Spiel bewegt. 

Habt ihr größere Missionen erledigt, bekommt ihr goldene Steine für die ihr euch letztlich Tütchen sichern könnt, in denen sich weitere Figuren befinden. So könnt ihr nach und nach 113 Figuren sammeln, die ihr aber auch während des Spiels benutzen könnt. Cool ist auch die Funktion, euch einen eigenen Superhelden zusammenzubauen. Hier greift ihr auf die freigeschalteten Körperteile der Figuren zurück und könnt sogar deren Fähigkeiten übernehmen.

Kommt ihr das erste Mal in einen Stadtteil wird das Spiel von einer News-Sendung unterbrochen, die euch über eine Verbrechenswelle informiert. Das bedeutet, dass ihr erst mehrere Missionen erledigen müsst, bevor ihr euch in Ruhe in diesem Stadtteil bewegen könnt. So müsst ihr im Hafen zum Beispiel einen Eiswagen in Sicherheit bekommen oder mehrere Eisverkäufer vor Angriffen schützen. Auch Bomben gilt es mal zu entschärfen oder einen Bankräuber zu stellen. Habt ihr das erfolgreich gemeistert, könnt ihr euch nicht nur frei durch den Stadtteil bewegen, sondern auf der Karte werden auch interessante Punkte und Objekte einsehbar.

Vom Umfang her darf man bei „LEGO Die Unglaublichen“ kein 50-Stunden-Spiel erwarten, die Story ist locker innerhalb von sechs Stunden durch. Wollt ihr alle Nebenmissionen erledigen, seid ihr allerdings etwas länger beschäftigt. Natürlich ist auch wieder ein Zweispieler-Modus an Bord, mit dem ihr euch gleichzeitig durch die Gegnerhorden prügeln könnt und so entfällt natürlich das lästige Umschalten zwischen den Charakteren.

 

 

Unglaublich real!

 

Den großen Charme der LEGO-Spiele macht natürlich aus, dass die Klötzchen mittlerweile genau so aussehen wie in der Realität und man meinen könnte, sich in geschrumpfter Form durch sein Kinderzimmer zu bewegen. Auch wenn manche Objekte nicht aus den dänischen Klötzchen gebaut sind wie es zum Beispiel in dem Kinofilm noch der Fall war, sieht das alles mit der aktuellen Engine ganz gut aus.

Dennoch kämpft das Spiel mit einigen technischen Unsauberheiten. Selbst auf einer Konsole wie der PS4 leiden die Open World-Szenen unter einem arg verspäteten Bildaufbau, langen Ladezeiten und einigen Rucklern. Auch die Kamera macht in einigen Momenten was sie will und sorgt für mehrere Sprünge ins Nichts. Und auch wenn solche Spielereien wie die Ansicht durch eine Überwachungskamera oder durch die Kamera an Bord eines Helikopters recht kreativ sind, stören dann einige blinde Flecke bei denen ich nicht weiß, wo mein Charakter gerade ist oder festhängt.

Auch die Steuerung des Spiels ist nicht ideal. So fühlen sich vor allem die Fahrzeuge viel zu schwammig an und gerade weil das Spiel nur von wenigen Knöpfen Gebrauch macht, verstehe ich die Doppelbelegung einiger Buttons nicht, so zum Beispiel wenn ich mit Violetta jemanden in die Schutzhülle aufnehmen will. Das wirkt unüberlegt. Auch die unzähligen Quick Time Events müssten so nicht sein und könnten eleganter gelöst sein.

Die deutsche Synchronisation des Spiels geht in Ordnung, die musikalische Untermalung ebenso.

 

FAZIT: Unglaublicher Spaß sieht anders aus!

 

Man muss „LEGO Die Unglaublichen“ sicherlich aus zwei Blickwinkeln betrachten. Auf der einen Seite steht die Zielgruppe von Kindern, die an dem Konzept und dem Gameplay sicherlich ihren Spaß haben werden. Für die kann man bei der Wertung sicherlich noch einige Punkte drauf legen. Gleiches gilt für Gelegenheitsspieler, die ein eher anspruchsloses Game ohne viel „Arbeit“ genießen wollen.

Auf der anderen Seite stehen dann aber natürlich die Konsolenspieler, die sich schon durch viele Games geschossen, gekämpft und gelitten oder die vielleicht schon das ein oder andere LEGO-Spiel konsumiert haben. Und diese Gruppe wird „LEGO Die Unglaublichen“ nicht mehr in Staunen versetzen. Dafür ist das Konzept der Spiele mittlerweile viel zu verbraucht und auch wenn die Open World-Features ein bisschen mehr Frische reinbringen, viel zu schemenhaft.

Loben muss man TT Games jedoch für die Detailverliebtheit, wie man nicht nur die Vorlage sondern auch die vielen anderen Pixar-Filme ins Spiel verbaut hat. Das ist einfach perfekter Fanservice und dürfte jeden Kenner der Filme glücklich machen.