Nintendo Labo Multi-Set [Nintendo Switch]

Verfasst von Alexander Pretz am 10.06.2018 um 10:24

 

Nintendo liebt es zu experimentieren!

 

Auch wenn sich Sony und Microsoft in den letzten 10 Jahren den Videospiel-Thron im Heimbereich geteilt haben, spielt auch Nintendo immer noch eine gewichtige Rolle im Business. Besonders der Mut des Kyotoer Konzerns muss dabei immer wieder gelobt werden, denn seit der Wii und dem DS gab es eigentlich keine Konsole bzw. Handheld mehr aus dem Hause Nintendo, die den normalen Standards entsprach. Dadurch fanden Dinge wie Bewegungssteuerung, eingebaute Mikrofone oder Touchdisplays den Weg in die Games-Industrie und gehören heute zum modernen Standard.

Auch die Switch ist mit ihrer Mischung aus Handheld und stationärer Konsole wieder einmal eine kleine Revolution, doch mit Nintendo Labo setzt der Konzern nun noch  einen oben drauf. So kombiniert die Reihe eine Software mit aus Pappe zusammengesetzten Gerätschaften und erschafft so interaktive Objekte. In unseren beiden Reviews zu den Labo-Sets klären wir, inwiefern Nintendo damit vielleicht wieder neue Maßstäbe für die Industrie setzt.

 

Basteln bis der Arzt kommt!

 

Das Labo Multi-Set kommt in einem großformatigen Karton daher und beinhaltet neben allerlei Kartonage auch die Software auf Modul und eine Tüte mit Stickern, Fäden und Ösen. Eine physische Anleitung zum Zusammenbauen der einzelnen Toy-Cons gibt es nicht, dieses befindet sich alles auf dem Modul.

So legen wir dieses also in unsere Switch ein und starten mit einem ersten Feldversuch. Zunächst soll man eine Halterung für einen der Joy-Cons bauen, was relativ schnell und einfach geschehen ist. Die Kartonagen sind an den entsprechenden Stellen leicht ausgedünnt, so dass man sie gut knicken kann. Zur besseren Übersicht hat jedes Toy-Con einen andersfarbigen Karton und ist mit Buchstaben markiert. Die einzelnen Sets haben sehr unterschiedliche Aufbauzeiten, so kann man das RC-Auto innerhalb von zehn Minuten zusammen bauen, komplexere Objekte wie die Angel oder das Klavier benötigen schon einmal zwei bis drei Stunden...je nach Talent.

Doch sicherlich muss man Nintendo dafür loben, dass der Aufbau nie zu komplex oder verwirrend ist. Die Anleitung, die man auf dem Screen der Switch oder per Controller stufenlos zoomen und hin- und herdrehen kann, ist immer klar und deutlich zu verstehen. Außerdem kann man sie vor- und zurückspulen.

 

 

Knick-knack!

 

Wie oben schon beschrieben, besteht eure Hauptarbeit bei Labo zunächst darin, stundenlang Kartons zu knicken und aneinander zu befestigen. Dies geschieht auch alles ohne Schere oder Kleber, sondern wirklich nur durch eine gute Konstruktion und Planung der einzelnen Kartonteile. Das Multi-Set bietet euch dabei fünf verschiedene Toy-Cons, nämlich einem RC-Auto, einer Angel, einem Haus, einem Klavier und einem Motorrad-Lenker.

Hat man die ganzen Objekte in liebevoller Arbeit zusammengesteckt und geknickt, folgt jedoch die große Ernüchterung. Denn keines der Spiele kann so wirklich überzeugen. So langweilt das Angelspiel schon nach wenigen Minuten, beim Motorrad-Spiel für das Lenkrad hat man nach einigen Runden Angst, dass man gleich den Gashebel – den man wirklich drehen muss um zu beschleunigen – zerquetscht. Zwar sind hier Details wie das Motorenstarten auf Knopfdruck oder die integrierte Hupe am Lenker ganz nett, aber die drei Wettbewerbe sind auch in zwanzig Minuten alle gewonnen und der Streckeneditor sorgt da auch nicht wirklich für Langzeitmotivation.

In dem Haus-Toy-Con wohnt ein plüschiger Geselle, den man durch Einstecken verschiedener Objekte in die Seitenwände des Hauses unterhalten oder etwas ärgern kann. So setzt man seine Wohnung unter Wasser oder dreht ein Mobile bis er eingeschlafen ist. Etwas mehr Abwechslung kommt dann erst ins Spiel, wenn ihr mehrere der Objekte gleichzeitig in die Hauswände einsteckt. Vermutlich ist dieses Toy-Con mit dem Klavier eines der unterhaltsamsten.

Das Klavier ist sicherlich eines der aufwändigsten Toy-Cons, bietet aber vor allem für musisch begabte Menschen sicherlich die beste Unterhaltung. Empfehlenswert ist hier vor allem das Studio, in dem man etwas komplexere Stücke komponieren kann.

 

Zauberkasten

 

Setzt man sich einmal mit der Technik hinter dem Labo-Projekt auseinander, ist das schon recht durchdacht aufgezogen. So benötigt jedes der Toy-Cons beide Joy-Cons, die durch ihre vielen Sensoren und Vibrationsmotoren viele der Mechaniken auslösen und steuern. Beim Zusammenbau benötigen viele der Toy-Cons nämlich auch reflektierende Sticker als Markierungen, die dem rechten Joy-Con, also dem mit dem Infrarotsensor, die aktuelle Position anzeigen. Oder beim RC-Auto bewegt sich das Gefährt nur durch die Vibration der Motoren in den Joy-Cons. 

Um dies alles zu verstehen, hat Nintendo auch die Entdecken-Sektion ins Hauptmenü der Software gepackt, die euch spielerisch und mit Videos die ganzen Funktionsweisen der Toy-Cons erklärt. In Kombination mit dem Geheimlabor und der Toy-Con-Werkstatt könnt ihr so noch mehr aus den Labo-Kits herausholen und eure eigenen Abläufe programmieren. Dies ist mit einem klaren Interface recht logisch und leicht aufgebaut und ist somit auch der jüngeren Generation zugänglich.

 

Zweckmäßig

 

So ausgebufft und kreativ die verschiedenen Toy-Cons sind, die technische Seite der Software ist eher durchwachsen. Zwar kann man Nintendo für die klasse Anleitungen und deren Handhabung loben und auch die Führung durch die Menüs und die Handhabung der Toy-Cons ist mal wieder toll umgesetzt, die grafische Qualität der Spiele lässt aber zu wünschen übrig. Sicherlich kann man bei solch einem Switch-Zubehör über Sinnigkeit von toller Grafik sprechen, aber dieses Smartphone-Grafikniveau geht auch auf der Switch einfach besser.

Die Spiele laufen zwar alle recht flüssig, aber mit dieser Hardware müssen sie das auch. Vielleicht hätten einige aufwändigere Spiele einen besseren und vor allem bleibenden Eindruck hinterlassen als das gebotene. 

 

 

FAZIT: Viel Bastelspaß, wenig Spielspaß

 

Bei Nintendo Labo verzichten wir auf eine Wertung, denn der Spielspaß kann sich nur schlecht messen lassen. Am spannendsten war sicherlich die Aufbauphase der komplexeren Toy-Cons wie dem Klavier oder der Angel, vor allem weil der Aufbau der Gerätschaften schon recht klug gelöst ist. Aber als nach den ersten beiden Toy-Cons klar war, dass man nur wenig Spielspaß aus den beigelegten Games herausholen kann, sank auch die Motivation beim weiteren Zusammenbau.

Sicherlich ist man mit Mitte 30 nicht mehr unbedingt die Zielgruppe für Nintendo Labo, aber dann fragt man sich auch wie lange die Toy-Cons exzessives Spielen aushalten. Denn das ständige Öffnen und Schließen, z.B. beim Lenker, geht doch an die Substanz der Kartons. Zwar soll man in Zukunft relativ leicht Ersatzbögen zu einem günstigen Preis bestellen können, aber wer will schon ständig wieder die Toy-Cons neu zusammensetzen.

Am spannendsten ist und bleibt die Funktion der Software, dass man auch eigene Ideen umsetzen und programmieren kann. Durch die verständliche Umsetzung dieses Features kann bei dem ein oder anderen sicherlich etwas wie Langzeitmotivation entstehen, aber alles in allem hinterlässt Labo keinen so tollen Gesamteindruck.