God of War [PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 07.05.2018 um 19:33

 

Kratos is back!

 

Die „God of War“-Serie gehört seit der PlayStation2 untrennbar zur Marke Sony und hat es zu drei offiziellen Serienteilen und drei Spin-offs gebracht. Dabei stand immer Kratos im Mittelpunkt des Geschehens, der sich durch allerlei mystische Kreaturen aus der griechischen Götterwelt geschnetzelt hat.

Auch die exzessive Gewaltdarstellung sorgte bei der „God of War“-Serie schon immer für Gesprächsbedarf, vor allem Teil 3 auf der PS3 war so explizit, dass man sich das ein oder andere Mal verwundert die Augen gerieben hat. Leider stagnierte die Serie aber gehörig und fand in „God of War Ascension“ seinen traurigen Höhepunkt. Denn auch wenn das Spiel in Sachen Gameplay immer noch ziemlich gut war, war man diesem doch etwas überdrüssig. Schließlich hatte sich seit dem Erstling nichts geändert: starre Kameraperspektiven, QTEs, kombo-basiertes Kampfsystem und die üblichen Gewaltausbrücke Kratos’.

Deswegen wollte man bei Sony Santa Monica mit dem ersten „God of War“-Spiel für die PS4 etwas komplett Neues schaffen und verfrachtet den gealterten Kriegsgott samt frischen Spiele-Features kurzerhand in den kühlen Norden. Ob das gut geht, klären wir in unserem Review.

 

Kratos & Sohn

 

Zurückgezogen im nordischen Wald leben Kratos und sein Sohn Atreus in einem kleinen Häuschen. Gerade müssen beide den Verlust der geliebten Ehefrau bzw. der Mutter überwinden und auch die Beziehung zwischen den beiden ist zunächst stark unterkühlt und distanziert. Um seiner Frau die letzte Ehre zu erweisen, will er ihre Asche zum höchsten Berg des Reichs bringen und macht sich zusammen mit seinem Sohn Atreus auf eine abenteuerliche Reise. Denn nicht nur die alltäglichen Gefahren machen den beiden zu schaffen, auch die nordische Götterwelt hat es auf den unbekannten Gast aus dem warmen Süden abgesehen.

 

 

Kratos 2.0

 

„God of War“ hat mit den bisherigen Serienteilen eigentlich so gut wie nichts mehr zu tun. Vorbei sind die Zeiten der QTEs, der festen Kamera oder den unzähligen Kampf-Kombos, denn die Saga um Kratos wurde hervorragend weiterentwickelt.

Zunächst einmal fällt da die neue Thirdperson-Ansicht auf, deren Kamera immer recht nahe am Kriegsgott dran ist, aber in den meisten Fällen für perfekte Übersichtlichkeit sorgt. Auch euer Sohnemann Atreus ist als Begleiter eine große Hilfe, denn er kann Gegner nicht nur durch seinen Pfeil und Bogen ablenken bzw. bekämpfen, sondern kommt auch mal an Stellen an die Muskelberg Kratos nicht kommt.

In Sachen Waffe setzt man im neuen Spiel nicht mehr auf die altbewährten Ketten, sondern auf eine Axt, die man bei Bedarf auch auf den Gegner schleudern kann. Ein Druck auf den Dreieck-Button holt diese wieder zu Kratos zurück, besonders bei Feinden in der Distanz oder beim Lösen von Rätseln ist dies oft hilfreich.

An vorgesehenen Stellen darf Kratos auch wieder klettern und hüpfen, jedoch ist man nicht so frei in seinem Erkundungsdrang wie in klassischen Open World –Spielen. Dennoch hängen die verschiedenen Welten alle zusammen, immer wieder könnt ihr Abkürzungen finden oder mit Hilfe von Portalen schneller von A nach B reisen. Da manche Wege erst mit neuen Fähigkeiten begehbar sind, ist dies recht sinnvoll gelöst.

 

Kratos kann’s!

 

Stichwort: Fähigkeiten. Ähnlich wie in anderen modernen Action-Adventures wie „Assassin’s Creed Origins“ könnt ihr sowohl Kratos als auch Atreus dank erworbener Erfahrungspunkte nach und nach verbessern. Neben allerlei neuen Kampftechniken, könnt ihr aber auch eure Rüstung und eure Waffen hochleveln und so zum Beispiel die Axt mit Hilfe von Runden zu einer bärenstarken Waffe machen.

Neue Rüstungen, die ihr bei den Schmieden Brok und Sindri herstellen lassen könnt, verbessern eure Attribute in Kategorien wie Glück, Vitalität oder Abwehr und verändern eure Charaktere auch optisch.

Sind euch diese Verbesserungen noch nicht genug, greift ihr auf Zauber oder einen Talisman zurück. Diese können beim Schmied gegen in der Spielwelt verteiltes Silber eingetauscht werden. Für die Herstellung von Rüstungen oder anderen Gegenständen braucht Brok außerdem noch Rohstoffe und Ressourcen, die ihr in der Spielwelt finden könnt.

Im Kampf könnt ihr auf einen leichten und schweren Angriff zurückgreifen, außerdem blockt ihr gegnerische Attacken mit eurem Schild. Macht ihr dies zum rechten Zeitpunkt, könnt ihr einen Konterangriff starten. Weiterhin steht euch wieder Spartas Rage zur Verfügung für die ihr nach und nach Energie sammelt und dann auf Knopfdruck(L3 und R3 gleichzeitig) entfacht.

 

 

Kratos sammelt und rätselt!

 

Doch nicht nur Kämpfe müssen der Kriegsgott und sein Sohnemann bestreiten, auch eure Intelligenz wird immer mal wieder gefordert. So kann man nämlich mit der geworfenen Axt auch Dinge wie Zahnräder einfrieren und so zum Beispiel Türen blockieren, damit ihr durch diese hindurch gehen könnt. Auch beim öffnen von durch Runen verschlossener Truhen, kommt diese Fähigkeit zum Einsatz.

In der weitläufigen Spielwelt von „God of War“ findet ihr außerdem allerlei andere Herausforderungen, die euch Erfahrungspunkte bringen. So gibt es Aufgaben wie „Erledige 100 Gegner“, die euch bei erfolgreichem Abschluss weitere XP bringen. An bestimmten Stellen lasst ihr euch von Atreus Runen vorlesen oder zeigt ihm eine Tafel mit Geschichten aus der nordischen Mythologie. Oder ihr begebt euch auf die Jagd nach 51 magischen Raben und zerstört diese mit eurer Axt.

Auch die obligatorischen Truhen sind wieder mit an Bord, allerdings scheint Kratos endlich mal was für seine Muckis getan zu haben, denn diese müsst ihr nicht mehr durch ständiges Drücken der Kreistaste öffnen, sondern schlagt einfach ein Loch in den Deckel der Truhe. Energie ladet ihr diesmal dank sogenannter Heilungssteine auf, die in der Welt herumliegen.

 

Kratos ist schön!

 

Nachdem uns letztes Jahr „Horizon Zero Dawn“ auf der PS4 optisch verzauberte, ist „God of War“ diesem mindestens ebenbürtig, in manchen Momenten sogar überlegen. Was Sony Santa Monica hier aus der Hardware rauskitzeln, ist einfach Spitzenklasse. So sind die Figuren auf einem hohen Games-Standard, das wahre Highlight sind die Spielwelt und vor allem die großartigen Kreaturen. Selten hat man ein solch wunderbares Design bei Gegnern oder Tieren in der Spielwelt gesehen, durch manche besondere Effekte wie leuchtendes Geweih sehen diese noch einmal ein ganzes Stück geheimnisvoller aus.

Die Gegner, die von normalgroßen Standardfeinden bis hin zu haushohen oder sogar bildschirmfüllenden Monstern reichen, werden höchstens noch von einem „Dark Souls“ getoppt, sind aber in ihrer Detailfülle und Kreativität etwas ganz besonderes.

Vor allem die Farbgebung und die Lichtstimmung der Umgebung trägt dazu bei, das man immer wieder staunend stehen bleibt und einfach den Moment genießt. Die Spielwelt wirkt wie aus einem Guss und hat zu keiner Zeit langweilig oder nicht abwechslungsreich gewirkt. Großes Gaming-Kino!

Passend zur tollen Optik präsentiert sich „God of War“ mit einer großartigen deutschen Synchronisation und einer herausragenden musikalischen Untermalung. Ähnlich wie in „The Legend of Zelda: Breath oft he Wild“ gibt es auch viele ruhige Passagen ohne Musik, aber wenn diese einsetzt, wird es episch. Auch die Songs, für die das Spiel immer wieder einen Platz findet, sind großartig und unterstreichen die Mystik.

 

 

FAZIT: „Absolutes Highlight!“, sagt Kratos

 

„God of War“ zeigt auf beeindruckende Weise, was die mittlerweile über vier Jahre alte PS4 zu leisten im Stande ist. Denn die Optik und die akustische Untermalung sind hervorragend, auch die schnittfreie Inszenierung tut ihr übriges zum frischen Auftritt des Spiels dazu.

Doch eine tolle Technik allein macht noch lange kein gutes Spiel aus, aber auch in Sachen Story weiß „God of War“ zu überzeugen und erzählt eine tolle Geschichte über das schwierige Verhältnis von Vater zu Sohn. Dass man außerdem nun auf ein neues Spielkonzept setzt, war wohl die klügste Entscheidung, die man bei Sony treffen konnte, denn mit dem alten Gameplay hätte „God of War“ wohl niemanden mehr hinter dem Ofen hervorgelockt.

Lobenswert ist auch die Spieldauer des Titels, in dem euch zwar auch die ein oder andere Nebenmission geboten wird, aber der den Spieler nicht mit tausenden von Mini-Erledigungen erschlägt. Auch wenn es ein paar kleinere Kritikpunkte wie die manchmal etwas unübersichtliche Kamera bei Kämpfen oder das träge Ausweichen gibt, ist das Spiel ein ganz heißer Kandidat auf den Titel „Game oft he Year“ und sollte in keiner Sammlung fehlen! Applaus für Kratos!