Gal Gun 2 [PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 22.04.2018 um 10:02

 

Es wird schmutzig!

 

Die Themen Erotik und Sex sind in Videospielen meist sehr heikel und werden sehr häufig nicht gerade gut um und in Szene gesetzt. Entweder gibt es Vertreter wie „Dragon Age“ oder „Mass Effect“, in denen man zwar eine körperliche Beziehung zu Teamkolleginnen und   –kollegen aufbauen kann, allerdings sind die Momente der Zweisamkeit eher peinlich. Denn die Charaktermodelle tragen meist noch Rüstungsteile und auch die Szenen an sich sind meist nicht sehr knisternd präsentiert. Dann gibt es seit einigen Jahren aus Japan aber auch Spiele, die sehr viel unterschwellige Sexualität zeigen, diese aber meist in Kombination mit sehr jungen, scheinbar minderjährigen Charakteren. In Deutschland führte dies sogar soweit, dass Spiele wegen zu sexuell eindeutiger Handlungen an solchen Figuren nicht in den Handel gebracht wurden. Eines davon ist „Gal Gun 2“, welches gerade für PS4 und Nintendo Switch erschienen ist. Woher das Spiel seinen umstrittenen Ruf hat und ob sich dahinter vielleicht sogar ein recht gutes Spiel verbirgt, verraten wir euch in unserem Test.

 

Ihr und eure Love Gun

 

Eines normalen Schultages liegt plötzlich ein Karton auf eurem Tisch, der seltsame Gegenstände enthält. Neben einer komischen Brille ist auch noch ein pistolen-artiges Gerät enthalten, dessen Zweck ihr zu einem späteren Zeitpunkt erfahren sollt. Natürlich probiert euer Protagonist die Brille sofort auf, denn sie sieht aus wie eine dieser neumodischen VR-Brillen, doch mit einer vollkommen anderen Wirkung.

Denn durch die Brille sieht er plötzlich Engel Risu, die ihm erklärt, dass ihr in den nächsten 30 Tagen Dämonenpunkte sammeln müsst, um Ober-Dämonin Kurona von der Schule zu vertreiben und somit eure Mitschülerinnen vor den bösen Mächten zu bewahren. 

 

 

Es ist kompliziert...

 

Das pistolen-artige Gerät ist dabei eure größte Hilfe, denn die Love Gun kann die befallenen Schülerinnen von den dämonischen Kräften erlösen. Somit startet ihr in einen klassischen Lightgun-Shooter – ohne Lightgun – mit ziemlich viel skurrilen Momenten, die ab und an zum Fremdschämen einladen.

Die besessenen Mitschülerinnen rennen nämlich auf euch zu und wollen euch entweder küssen, umarmen oder gar einen Liebesbrief zustecken. Doch auch Fernkampfangriffe gibt es, wenn euch die Damen besonders liebevolle Worte zurufen. Doch dank der Lovegun könnt ihr euch diesen Angriffen erwehren und schießt mit dieser solange auf die Mädels, bis diese vor Erregung zu Boden fallen und somit erlöst sind. Dabei können diese mit speziellen Ecstasy-Shots mit einem Schuss besiegt werden, allerdings spielt hier das Glück eine große Rolle, denn die Mitschülerinnen haben diese Ecstasy-Zone immer woanders. Mal sind es die Beine, mal die Taille usw....

Doch mit der Lovegun können nicht nur die besessenen Damen erlöst werden, dank Saugfunktion könnt ihr auch die Dämonen, die ihr mit gezielten Schüssen von einigen Schulkameradinnen entfernen könnt, aufsaugen und so zusätzliche Dämonenpunkte sammeln. 

 

Das Leben als Schüler ist schwer!

 

Eure Dämonenpunkte könnt ihr aber nicht nur durch das Erfüllen der Hauptmissionen auffüllen, sondern auch durch zahlreiche Nebenquests. Diese erhaltet ihr über euer Handy und in diesen gilt es meist nicht nur wild um sich zu ballern. So wollen Mitschülerinnen mal vor Dämonenhorden beschützt werden, ein anderes mal müsst ihr vermisste Gegenstände finden. Als Dank gibt es nicht nur besagte Punkte, sondern auch die Telefonnummern eurer Auftragsgeberinnen und Items, vor allem aber Süßigkeiten und Snacks. Mit diesen könnt ihr, euch nahestehende Mädels beschenken. 

Die Telefonnummern nutzt ihr, um eure Mitschülerinnen zu Dates einzuladen, seid ihr dabei erfolgreich könnt ihr sie letztlich sogar zu euch nach Hause einladen. Spielerisch hat das ganze kaum einen Mehrwert und ist mehr Zeitvertreib.

Nach einer bestimmten Anzahl an Missionen ist der Schultag auch schon wieder rum und ihr kehrt in euer Zimmer zurück. Dort könnt ihr entweder die gewonnenen Items wie Figuren der Dämonen in eurem Schrank oder Poster an der Wand platzieren, eure Nachbarin hilft euch außerdem bei der Modifikation eurer Lovegun und der AR-Brille. 

 

 

Steinzeit-Optik und lautes Stöhnen

 

Technisch war die „Gal Gun“-Serie noch nie auf dem aktuellsten Stand und auch Teil 2 bleibt hier der Serientradition treu. So sind die Charaktermodelle recht nett, wenn auch schnell repetitiv, die Hintergründe sind an Sterilität und Statik kaum zu übertreffen. Zwar kann man hier und da das ein oder andere Sammelobjekt finden, aber ansonsten langweilen diese mit immer gleichen Objekten und Ausstattungen...spielt aber eben alles an einer Schule und der näheren Umgebung.

Bei der Bedienung fällt auf, dass sich das Spiel trotz fehlender PS VR-Unterstützung wie einer der Titel für die VR-Brille spielt. Daher ist das UI recht aufgeräumt und klar strukturiert. Eventuell will man ja einen VR-Support noch nachreichen?

Das leichte Gefühl des Fremdschämens beim Spielen erzeugt aber auch die Soundkulisse, denn jeden Schuss aus eurer Lovegun erwidern die getroffenen Damen mit einem Stöhnen, das je nach Trefferstärke variiert. Spielt ihr den Titel also über eure Surround-Anlage, solltet ihr euch auf Fragen der Nachbarn einstellen. Die Musik dudelt während des Spielens vor sich hin und ist nichts besonderes.

 

FAZIT: Schwierige Thematik trifft auf spielerische Anspruchslosigkeit

 

Zunächst einmal: ja, die Charaktere in „Gal Gun 2“ wirken alle verdammt jung und lösen in vielen Situationen irgendwie ein schlechtes Gefühl aus. Andererseits muss man sich als Anhänger der Anime- und Manga-Kultur schon seit den 1990ern – also dem Aufkommen dieser im Westen - mit dem Vorwurf auseinandersetzen, dass die Charaktere viel zu jung aussehen und dass doch alles Kinder wären, die sich in so manch aufreizender Pose präsentieren.
Auch in „Gal Gun 2“ ist dies nicht anders und dies wirkt sicherlich recht befremdlich. Auch die zweideutig-eindeutigen Situationen lassen das Spiel in vielen Momenten recht pubertär und peinlich wirken und wären auch spielerisch nicht unbedingt nötig. Leider  entspricht dies dem sogenannten Moe-Trend der aktuell auch nicht vor Mainstream-Serien aus dem Bereich Anime und Manga Halt macht. 
Spielerisch ist „Gal Gun 2“ nun auch kein Meisterwerk. Zwar ist die Steuerung des Fadenkreuzes recht direkt und genau, allerdings ist die Spieltiefe nicht sonderlich ausgefeilt und entspricht eher dem Inhalt einer „Moorhuhnjagd“ als einem „Virtua Cop“ oder „Time Crisis“ – um mal im Genre zu bleiben. 

Alles in allem ist „Gal Gun 2“ eine Skurrilität, die es leider in vielen Momenten einfach übertreibt und Grenzen viel zu weit überschreitet. Somit bleibt beim Spieler ein unangenehmes Gefühl zurück, das das an sich zwar anspruchslose, aber kurzweilige Gameplay übersteigt.