Bayonetta 2 [Nintendo Switch]

Verfasst von Christian Suessmeier am 24.02.2018 um 15:35

 

Rückkehr einer Hexe

 

Im Jahr 2009 erschien in Japan ein kleines aber feines Hack’n’Slay von Sega und Platinum Games namens „Bayonetta“. Die namensgebende Hexe war im Nu eine recht beliebte Figur, denn sie gab sich nicht nur sonderlich sexy in ihrem Auftreten, sondern konnte auch ziemlich Draufhauen und zeigte den bösen Engeln wo der Hammer hängt.

Außerdem glänzte das actionreiche Spiel mit einigen atemberaubenden Szenen und einem schnellen und durchdachten Kampfsystem mit Kombos und skurrilen Finishingmoves. Natürlich wurden da die Forderungen nach einer Fortsetzung immer lauter, doch bei der Entwicklung von „Bayonetta 2“gab es irgendwann finanzielle Probleme, so dass Nintendo für Sega in die Bresche sprang und mitfinanzierte. So erschien der Nachfolger letztlich auch nur exklusiv für die WiiU, ging aber aufgrund deren geringer Verbreitung recht schnell unter.

Etwas über drei Jahre nach dem Release von „Bayonetta 2“ erscheint das fantasievolle Hack’n’Slay nochmals für die Switch und hat in der normalen Retailfassung sogar den Erstling als Downloadcode mit an Bord. Ob sich das Spiel immer noch so einwandfrei zocken lässt wie vor ein paar Jahren, verraten wir euch nun in unserem Test.

 

 

Umbra-Hexen, Loki und Dämonen

 

Nach den Geschehnissen aus Teil 1 genießt Bayonetta ihre Freizeit mit vorweihnachtlichem Shopping. Doch der Frieden soll nicht lange währen, denn plötzlich werden sie und ihr Begleiter Enzo von einem Kampfjet angegriffen und auch die Engel erheben sich erneut gegen sie. Eigentlich kein Problem für die Umbra-Hexe, doch plötzlich wendet sich der von ihr beschworene Dämon auch noch gegen unser aller Lieblingshexe. Das alles endet damit, dass die Seele ihrer Hexenschwester Jeanne in die Unterwelt gezogen wird und sich Bayonetta in diese aufmacht, um Jeanne zu retten.

In der geheimnisvollen Welt angekommen, trifft Bayonetta nicht nur auf alte Bekannte, die ihr freundlich gesinnt sind, sondern auch auf Engel und Dämonen, die nach ihrem Leben trachten.

 

Kombos, Ballern, Treten

 

Dreh- und Angelpunkt von „Bayonetta 2“ ist natürlich das Kampfsystem, welches sich vor allem auf Kombos konzentriert und euch meist gegen mehrere Gegner gleichzeitig kämpfen lässt.

Dabei verwendet ihr sowohl Schläge und Tritte als auch eure Pistolen. Letztere sind nicht so wirksam wie eure anderen Angriffe, können aber dafür genutzt werden, dass ihr Gegner von euch fernhaltet oder in der Luft festsetzt um sie dann mit Schlägen und Tritten zu malträtieren. Die Waffen an euren Händen und Füßen könnt ihr übrigens austauschen, so dass ihr nicht nur auf die Standard-Knarren festgelegt seid sondern auch mit Hieb- und Stichwaffen auf die Gegnerschaft losziehen könnt.

Sollten euch die eigenen Waffen mal nicht gefallen, könnt ihr auch die eurer Gegner nach deren Ableben aufnehmen. Mit etwas Glück sind diese auch immer etwas wirksamer gegen die Engel & Co. als eure eigenen Waffen.

Die wahren Highlights von „Bayonetta 2“ sind aber Kampf-Features wie Hexenzeit, Folterangriffe oder Umbra Klimax-Attacken. Weicht ihr einem gegnerischen Schlag nämlich im rechten Zeitpunkt aus, schaltet das Spiel in die Hexenzeit, die das Spieltempo verlangsamt und in der euch die Gegner ausgeliefert sind. Mit den Folterangriffen oder den Umbra Klimax-Attacken richtet ihr besonders großen Schaden an, diese können durch den Einsatz eurer Magiepunkte ausgeführt werden. Meist sind sie mit einem Quick Time Event verbunden und belohnen den Spieler mit einer großartigen Kampfsequenz und bildschirmfüllenden Kreaturen.

 

 

Sammeln und Brauen

 

Neben den großartigen Kampfkünsten kann die Hexe Bayonetta aber auch von einigen anderen Kräften Gebrauch machen. So verwandelt ihr euch bei Bedarf in ein tierisches Wesen wie einen Panther – und seid so schneller – oder durchquert Gewässer als Natter.

Wie schon in Teil 1 kann Bayonetta verschiedene Lollies nutzen, um Energie zurückzugewinnen oder sich dadurch mit einem Schild vor gegnerischen Attacken schützen. Diese Lutscher findet ihr entweder in zerstörbaren Objekten in den Levels oder braut dieses durch das Kombinieren von Zutaten selber. Auch die Zutaten findet ihr in den Resten von zerstörten Kisten, Fässern & Co.

Nebenbei sammelt ihr goldene Ringe, die einen immer wieder an Sonic denken lassen und als Währung im Spiel dienen. In Rodins Bar könnt ihr euch dann mit neuen Attacken, Waffen oder Fähigkeiten eindecken. Besonders freut sich der Barbesitzer aber über goldene LPs und besorgt euch im Austausch für diese neue Waffen..

In den Levels verteilt sind auch Mondstein- und Hexenherzteile. Habt ihr genügend davon gesammelt, erhöht ihr eure Magie- oder Energieleiste. Besonders wertvolle Items könnt ihr übrigens bei den Herausforderungen in Muspellsheim sammeln. Diese entsprechen denen aus dem Erstling – damals noch unter dem Namen Alfheim – und schicken euch unter erschwerten Bedingungen gegen Feinde in den Ring.

Weitere Herausforderungen findet ihr in Form der Umbra-Schreine, denn neben den regulären, leicht zerstörbaren Schreinen, gibt es auch blau schimmernde, deren Einzelteile ihr erst in einer vorgegebenen Zeit finden müsst bevor ihr sie öffnen könnt.

 

 

Hexe zum Anfassen

 

Die Switch-Version von „Bayonetta 2“ bekam eine Touchsteuerung spendiert, mit der ihr die Hexe auch über den Bildschirm der Switch steuern könnt. Die Befehle sind dabei recht einfach gehalten, mit dem Controller macht das Spiel aber wesentlich mehr Spaß.

Neben der Kampagne über etwas mehr als ein Dutzend Kapitel gibt es außerdem einen Mehrspielermodus in dem ihr mit einem Mitspieler ähnliche Herausforderungen bestehen müsst wie in den Kämpfen in Muspellsheim. Hierfür bekommt ihr für das Absolvieren eines Levels der Story meist Verskarten, die dann jeweils ein Extralevel für diesen Modus freischalten. Als Bonus könnt ihr für die Hexe außerdem neue Kostüme in Anlehnung an Metroid oder Link anziehen, die euch diverse Boosts verleihen.

Wie oben schon erwähnt enthält die Switch-Fassung des zweiten Teils netterweise einen Downloadcode für den Erstling, aber nur wenn ihr „Bayonetta 2“ auf Modul gekauft habt. Dieser entspricht dem WiiU-Port, der damals mit dem Nachfolger erschien.

Auf der technischen Seite kann man nicht viel meckern, das Spiel läuft flüssig und bewältigt jede noch so atemberaubende Kampfszene ohne Murren. Ärgerlich sind jedoch die recht pixeligen Zwischensequenzen, die nicht nur eine starke Treppchenbildung haben, sondern selten auch lippensynchron vertont sind. Meist sind die Szenen eher statisch und werden nur hier und da mit Animationen versehen. Das wirkt im Jahr 2018 nicht mehr ganz so zeitgemäß.

 

FAZIT: Bayonetta kann es immer noch!

 

„Bayonetta 2“ steht seinem Vorgänger in nichts nach und legt in den Actionszenen meist noch einen drauf. Spielt man den Erstling auch nochmal auf der Switch fallen vor allem die wesentlich bessere Grafik und die fantasievollere und größere Levelgestaltung auf. Auch die buntere Optik trägt hier zu einer Besserung bei.

Das Kampfsystem mit seinen zahlreichen Kombos und ausufernden Finishingmoves ist einfach einzigartig und lässt einen immer wieder staunend vor dem Fernseher sitzen. Was Platinum Games hier bietet, ist ganz große Action-Kunst und großartig inszeniert. Auch wenn man über technische Schlampereien wie die groben Zwischensequenzen schimpfen kann, kommt es letztlich auf saubere und flüssige Kämpfe an. Und die bietet „Bayonetta 2“ auf jeden Fall! Garniert mit dem kruden Humor, den seltsamen Charakteren und den grandios designten Gegnern, wird hier jedem Action-Fan das Nonplusultra geboten. War „Bayonetta 2“ schon auf der WiiU ein Kaufgrund für die Konsole, kann man dies bei der Switch-Portierung getrost auch so sagen!