Matterfall [PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 22.08.2017 um 16:08

 

Was für eine Marke!

 

 Housemarque ist zwar bereits ein fast 20 Jahre altes Entwicklerstudio aus Helsinki, dennoch wurden sie erst um 2005 herum für den Konsolenmarkt bedeutend. Vor allem „Super Stardust HD“ machte viele Gamer aufmerksam auf das Unternehmen und spätestens mit Release der PS4 dürfte man mit dem Namen vor allem treibende Arcade-Shooter verbinden. So konnte man nämlich als früher Käufer der PS4 und PS Plus-Mitglied den SciFi-Shooter „Resogun“ gratis herunterladen, der die Mechaniken der kommenden Spiele schon andeutete. Pumpende Elektromusik, ein Effektgewitter vom Feinsten und Twinstickshooter-Action waren von nun an fast immer feste Bestandteile der Titel von Housemarque und fanden im Juni ihren vorläufigen Höhepunkt in „Nex Machina“. Keine zwei Monate später erscheint mit „Matterfall“ ein neues Spiel der Finnen und wirkt auf den ersten Blick wie „Nex Machina“ mit einer anderen Perspektive. Ist der neue Titel nun ein eigenständiges Spiel oder nur eine Kopie des letzten Spiels? Das klären wir in unserem Test.

 

 SciFi-Gedöns nach Schema F?

 

 In der Zukunft hat die Menschheit mit allerlei Material aus dem Weltraum herum experimentiert und dabei Smart Matter erschaffen. Leider verbreitet sich diese sehr schnell in einer der größten Städte außerhalb der Erde und erschafft dabei eine ganze Horde euch feindlich gesinnter Gegner. Ihr schlüpft dabei in die Rolle von Avalon Darrow, die teilweise stark an Samus Aran aus der „Metroid“-Reihe erinnert, und ballert euch fortwährend durch die Feindmassen. Nebenbei befreit ihr Housemarque-typisch außerdem gefangen Zivilisten und rettet diese vor der außerirdischen Gefahr.

 

 

Ballern bis der Arzt kommt

 

 In der Grundmechanik handelt es sich bei „Matterfall“ um einen Twinstickshooter. Einziger Unterschied zu seinen Genrekollegen: ihr seht das Spiel aus der Seitenansicht und nicht wie so häufig von oben. Also lenkt ihr eure Figur mit dem linken Stick und schießt durch Bewegen des rechten Sticks in die entsprechende Richtung.
Wie schon bei „Nex Machina“ gibt es in diesem Spiel eine Dash-Funktion, die euch kurzzeitig unverwundbar macht und euch so vor unzerstörbaren Objekten wie den feindlichen Projektilen rettet. Neben dem Dashen könnt ihr außerdem auf einige Sekundärwaffen wie Granaten oder die Überladungsfunktion zurückgreifen. Bei der letztgenannten verringert sich die Spielgeschwindigkeit und ihr könnt Feinde so schneller und effektiver besiegen.

 

 Ich schieß mit meiner Materie!

 

 Neben der ganzen Dasherei und Ballerei gibt es aber auch noch ein weiteres Feature, welches eingesetzt werden will. Durch Druck auf R2 generiert ihr nämlich Materie, aber nur an dafür vorhergesehenen Plätzen. So könnt ihr neue Plattformen schaffen und schützt euch so zeitweise vor dem feindlichen Beschuss oder nutzt diese um höhere Ebenen zu erreichen. Wie schon bei „Resogun“ oder „Nex Machina“ müsst ihr auf eurem Weg durch die sehr linearen Level immer wieder Zivilisten befreien. Diese Rettungstaten bringen euch in der finalen Abrechnung einige Punkte, ebenso wie die Multiplikatoren, die ihr durch das Besiegen der Gegner in die Höhe schraubt. Am Ende jedes Levels könnt ihr dann sehen, wie ihr euch punktemäßig in der weltweiten Rangliste geschlagen habt. „Matterfall“ besitzt weder einen Koop- noch Onlinemodus. 

 

 

„Nex Machina“ war schöner!

 

 Die technische Seite von „Matterfall“ ist ein zweischneidiges Schwert. Denn einerseits ist das Gameplay zu jeder Zeit flüssig und läuft einfach rund, auf der anderen Seite wirkt die Grafik doch häufiger recht trist und teils auch etwas unscharf. Wenn man den Stil mit dem von „Nex Machina“ oder „Resogun“ vergleicht, wirkt er definitiv langweiliger und unrunder. Dafür ist jedoch die Musik wieder einmal ein echter Genuss. Housemarque hat richtig gute Musiker an Bord und weiß wie man den Spieler durch den Einsatz von Musik zu Höchstleistungen bringt. Auch die bekannten Soundsamples sind wieder mit von der Partie. Die Steuerung wirkt gerade zu Beginn sehr überladen und man muss sich schon einige Zeit einspielen, um nicht wieder den Sprung-Button mit dem Dash-Button zu vertauschen. Hier wäre weniger mehr gewesen.

 

 FAZIT: Oldschool-Shooter mit einigen Schönheitsfehlern

 

 „Matterfall“ begeistert auf der einen Seite mit seiner motivierenden Highscorejagd, scheitert aber dann an Umfang und Inszenierung. So könnte der Artstyle etwas aufwändiger und die Levels eventuell etwas spannender designt sein. In den neun Levels(plus je drei Endgegnern) gibt es leider abseits der Shooteraction nicht viel zu entdecken. Geübte Spieler werden zwar auf den höheren Schwierigkeitsgraden gefordert, aber dennoch dürfte das Spiel nur wenige Stunden beschäftigen. Dennoch erwischt man sich immer wieder wie man einen Level erneut spielt, um diesen zu perfektionieren. Das ähnelt dann etwas dem sagenhaften „Vanquish“ von Platinum Games, in dem man elegant von Deckung zu Deckung dashte und dazwischen sein Arsenal gegen die Gegnerflut klug einsetzte. Fans von Oldschool-Shootern oder Housemarque an sich können beruhigt zugreifen, alle anderen sollten sich „Matterfall“ vorher mal genauer anschauen.