Uncharted: The Lost Legacy [PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 22.08.2017 um 15:57

 

Naughty Dogs Meisterstück

 

 Die „Uncharted“-Reihe ist eines der großen Steckenpferde für Sony und deren PlayStation-Systeme, auch wenn zum Beispiel der PS Vita-Ableger etwas hinter den Erwartungen zurück blieb. Mit dem vierten und letzten Teil setzte man auf der PS4 einen riesigen Meilenstein, der nicht nur technisch, sondern auch inszenatorisch alle anderen Spiele aus diesem Genre in den Schatten stellte. Statt einem regulären DLC für „Uncharted 4“ geht Naughty Dog den Schritt und veröffentlicht nun mit „Uncharted: The Lost Legacy“ ein Spinoff, welches bei dem ein oder anderen Entwickler vom Umfang her als vollständiges Spiel veröffentlicht werden würde. Ob man sich damit einen Gefallen getan hat und in die riesigen Fußstapfen eines Nathan Drake treten kann, lest ihr in unserem Test.

 

 Zwei Engel für Ganesha

 

 Wie schon bekannt schlüpft ihr bei „Uncharted: The Lost Legacy“ in die Haut von Chloe Frazer, einer alten Bekannten aus der Hauptserie und verfolgt sie auf ihrer Reise durch Indien und gleichzeitig bei der Aufarbeitung ihrer eigenen Familiengeschichte. Ihr zur Seite eilt nach einem kurzen Solospiel zu Beginn Nadine Ross, ihres Zeichens ehemalige Chefin der Söldnertruppe Shoreline und auch aus Teil 4 als Gegenspielerin von Nathan Drake bekannt. Zusammen begebt ihr euch auf eine abenteuerliche Reise und seid auf der Suche nach dem Stoßzahn der Gottheit Ganesha. Dabei trefft ihr immer wieder auf den Warlord Asav, der ebenfalls Interesse an dem Relikt hat.

 

 

Abenteuerkost wie Indy sie lieben würde

 

 Wer die Hauptteile der „Uncharted“-Serie kennt, weiß auch ungefähr was ihn in dem Spinoff erwartet. Dennoch hat das Gameplay einen anderen Ansatz bei den Spielmechaniken und so schleicht ihr mit Chloe sehr viel durch die Level, außerdem hat sie ordentliche Nahkampffähigkeiten. Doch auch Fans von bleihaltigen Ballereien kommen auf ihre Kosten, denn natürlich findet ihr wieder allerlei Schießeisen und Granaten. Hierbei setzt Naughty Dog wieder auf die üblichen Deckungsshooter-Mechaniken. Doch wer ein ordentlicher Abenteurer sein will, muss auch gute Kletterfähigkeiten haben. Und diese sind sowohl bei Chloe als auch Nadine, die euch immer wieder in den Kämpfen assistiert oder Hinweise gibt, definitiv vorhanden. Ähnlich simpel wie in den Hauptteilen springt ihr so elegant von einem Kliff zum anderen oder behelft euch mit eurem Kletterseil, in dem ihr euch zwischen Abgründen hin und her schwingt.

 

 Die Suche nach dem Zahn und anderen Relikten

 

 Auch wenn euch ihr euch hauptsächlich auf die Suche nach dem verschwundenen Zahn von Ganesha konzentrieren solltet, könnt ihr nebenbei allerlei zusätzliche Aufgaben erledigen. So findet ihr in jeder noch so dunklen Höhle Schätze wie man es aus der Hauptserie kennt, lohnenswert ist aber definitiv die Suche nach elf über der Karte verteilten Münzen, die euch bei erfolgreichem Abschluss mit einem hilfreichen Item belohnt. Da ihr im Spiel selbst nur in einem Gebiet, mal abgesehen von dem Einstiegslevel, unterwegs seid, findet ihr dort auch alle Sammelobjekte und Zusatzaufgaben. Neben lehrreichen Dialogen über die hinduistische Religion und deren Götter kann man auch einige Fotospots entdecken, an denen Chloe kurz verharrt und mit ihrem Smartphone ein Foto schießt. Als Spieler würde man dies zwar gerne an jedem Eck des Spiels machen, aber dafür gibt es ja auch noch den Fotomodus, in dem ihr eure Screenshots mit allerlei Filtern und Kniffen verschönern könnt. Multiplayer-Freunde erhalten mit dem Erwerb des Spinoffs Zugang zum regulären „Uncharted 4“-Multiplayermodus, der mit einigen neuen Figuren aus diesem erweitert wurde.

 

 

Eyecandy deluxe!

 

 Die Optik von „Uncharted: The Lost Legacy“ ist wie auch schon in Teil 4 eine Granate! Zwar fehlt es durch die Beschränkung auf Indien etwas an Abwechslung, allerdings gibt es auch in diesem Gebiet viele unterschiedliche Orte zu entdecken. Ob Dschungel, Seenpanorama mit Flamingos oder düstere Tempelruine, die Umgebung ist wieder einmal fantastisch umgesetzt. Hinzu kommen die wunderschönen Animationen und die einzigartige Mimik und Gestik der Figuren, die das Spiel zu einem sehenswerten Ereignis machen. Unglaublich, wie viel Leben vor allem in den Augen steckt und wie natürlich die Gesichtsausdrücke und die Handlungen der Figuren wirken. Einzig und allein die Grundhaltung von Chloe wirkt etwas arg seltsam, da sie immer leicht nach vorne gebeugt steht. Aber das hatte Nathan Drake auch schon und ist wohl ein Stilmittel von Naughty Dog.

 

 FAZIT: Kurzweiliger Actionspaß mit sympathischen Heldinnen

 

 Aus dem Lauftext wird schon ziemlich klar, dass „Uncharted: The Lost Legacy“ das gewohnt hohe Niveau der Serie hält und mit neuem Fokus in Sachen Gameplaymechaniken etwas neuen Schwung in die Spiele bringt. Auch technisch kann Naughty Dog hier wieder voll und ganz überzeugen und zeigt, wie man Spiele auf der PS4 richtig inszeniert und alles aus Sonys schwarzem Kasten herausholt. Doch es gibt leider auch etwas zu kritisieren bei „Uncharted: The Lost Legacy“. So ist das Spiel ohne die Erledigung der Nebenaufgaben ziemlich kurz. Auch wenn Naughty Dog im Vorfeld bis zu 12 Stunden Spielzeit ankündigte, diese Zahl erreicht man höchstens ohne den Einsatz von Waffen und wenn man wirklich alle Schätze auf der Karte finden will. Hier hätte man etwas mehr erwarten können. Aber wenn man dann den toll geschriebenen Dialogen von Chloe und Nadine Lauscht oder wieder einmal atemlos in einer Actionszene vor irgendeiner Gefahr davon gehastet ist, hat man das wieder ganz schnell vergessen. Naughty Dog setzt die Latte für Spinoffs für den schmalen Taler ziemlich hoch und es bleibt spannend, wie man mit der Serie weiter verfahren wird.