Steep [PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 13.12.2016 um 01:03

 

Sport im Grenzbereich

 

Um gegen Ende der 1990er in der Gaming-Branche ernst genommen zu werden, musste man als Publisher mindestens einen Extrem- bzw. Trendsport-Titel im Portfolio haben. Ob das Activision mit „Tony Hawk’s Skateboarding“ war oder Nintendo mit „1080° Snowboarding“, Hauptsache der Sport war angesagt und die Umsetzung lässig und cool. So ging das bis zu Zeiten von PS2 & Co., doch auf der vergangenen Konsolengeneration taten sich Skateboard- oder Snowboard-Spiele schwer bzw. waren nur wenig verbreitet. Diesen Umstand will Ubisoft nun beheben und schickt mit „Steep“ ein Spiel ins Rennen, in dem ihr die Alpen nicht nur per Snowboard oder Skiern erkundet, sondern auch mit Paraglider oder Wingsuit. Ob es spielspaßtechnisch an vergangene Zeiten anknüpfen kann, lest ihr in unserem Test.

 

Die Bretter, die die Welt bedeuten

 

Obwohl man in „Steep“ keiner Story folgt, nimmt euch zu Beginn ein netter Herr an die Hand und führt euch auf der ersten gemeinsamen Tour in die verschiedenen Disziplinen und Möglichkeiten des Spiels ein. Schauplatz sind die Alpen, die realistisch nachgebildet wurden und den ein oder andern bekannten Berg zu bieten haben. Hauptsächlich geht es aber darum, die Strecken entweder möglichst schnell oder mit einer hohen Punktzahl zu beenden. Ob ihr dabei einer vorgegebenen Route folgt oder ihr euch euren eigenen Weg durch das kalte Nass sucht, bleibt dabei euch überlassen. Habt ihr erste Challenges erfolgreich gemeistert und die Grundfunktionen des Spiels erlernt, könnt ihr euch fortan selber aussuchen, welchen Rennen oder Herausforderungen ihr euch stellt. Highlights sind dann die Events zu denen meist ein bekannter Hersteller von Outdoorkleidung oder Energydrinks einlädt oder die Berggeschichten, die euch die Faszination der Berge näher bringen sollen.

 

 

Knochenbrechen leicht gemacht!

 

Wie oben schon beschrieben, müsst ihr bei „Steep“ auf einen Story- oder Karrieremodus verzichten. Ihr entscheidet immer, welche Herausforderung oder welches Rennen ihr als nächstes annehmt und wie ihr euch die Zeit im Spiel vertreibt. Freigeister starten einfach an irgendeinem Punkt in den Bergen und fahren hinab ins Tal, genießen dabei die Aussicht und versuchen sich an neuen Tricks oder suchen per Fernglas nach neuen Dropzones und Missionen. Diese reichen dabei von Zeitrennen über Highscore-Jagd bis hin zu Wettrennen mit anderen Teilnehmern. Dabei seid ihr aber eben nicht nur auf Skier oder Snowboard beschränkt, sondern könnt auch Höhenluft mit Paraglider oder Wingsuit schnuppern. In diesen Wettbewerben kommt es darauf an, dass man bestimmte Torte abfliegt oder in der richtigen Landezone ankommt. Neben einigen Onlinefunktionen, auf die wir später zu sprechen kommen, könnt ihr eure Bergabfahrten oder Flüge auch noch einmal per Replayfunktion bewundern und mit verschiedenen Kamerawinkeln analysieren.

 

Rauf, runter! Rauf, runter!

 

Ein Glanzstück ist Ubisoft definitiv mit dem schnörkellosen Wechsel von eurer aktuellen Position zur nächsten Challenge gelungen. Durch einen einfachen Knopfdruck zoomt das Spiel von eurer Figur in die Komplettansicht, in der ihr dann eure nächste Aufgabe anwählen könnt. Ein weiterer Knopfdruck bringt euch dann zum Start dieser und so könnt ihr innerhalb weniger Sekunden neue Herausforderungen angehen. Das ist super gelungen! Solltet ihr während einer Abfahrt stürzen, könnt ihr ebenso schnell das Rennen neu starten. In „Steep“ bekommt ihr für viele Aktionen XPs, seien es erfolgreiche Missionsabschlüsse und Tricks oder spektakuläres Fahren im Freeride-Modus. Durch diese Erfahrungspunkte schaltet ihr nicht nur neue Events frei, sondern auch frische Items für euren Fahrer. Denn diesen könnt ihr neben der Auswahl aus acht verschiedenen Figuren auch mit neuen Skiern, Snowboards oder Kleidungsstücken individualisieren. Diese haben aber nur rein optische und keine spielerischen Auswirkungen. Diese Items könnt ihr aber nicht nur mit erspielter Ingame-Währung kaufen, sondern auch mit Echtgeld. Ob diese Mikrotransaktionen wirklich nötig sind, sei dahingestellt.

 

 

Alpenpanorama

 

Grafisch präsentiert sich „Steep“ ziemlich gut. Zwar bietet das Setting nicht gerade viel optische Abwechslung, dennoch sind die Berge schön modelliert und auch die Dörfer, durch die ihr gelegentlich fahrt, machen einen guten Eindruck. Dennoch sehen sich der ein oder andere Stein oder Baum oft erstaunlich ähnlich. Besonders positiv fällt aber der Schnee auf, in dem ihr Spuren hinterlasst und der sehr voluminös wirkt. Zwar gibt es auch einen Wechsel der Tageszeiten, doch leider verzichtete man bei Ubisoft auf ein Wettersystem. So gibt es nur ab und zu leichtes Schneegestöber, auf Fahrten in einem dichten Schneesturm müssen wir aber leider verzichten. Trotzdem ist die ein oder andere Abfahrt in Richtung Sonnenuntergang optisch unglaublich beeindruckend und atmosphärisch.

 

Technik ist das A und O

 

Neben der ordentlichen grafischen Umsetzung kann man auch über die Technik bei „Steep“ nicht meckern. So begeistert eben nicht nur der schnelle Wechsel der Locations und Aufgaben, sondern auch das Gesamtbild. Einziges Manko, das vor allem bei Flügen mit den Paraglidern und Wingsuits auffällt, ist das gelegentliche späte Nachladen von Texturen der Umgebung. Das reißt etwas aus der alpinen Atmosphäre heraus. Die Menüs sind klar strukturiert und übersichtlich gehalten, jedoch etwas nüchtern in der Präsentation. Das passt nicht so ganz zu dem „lässigen“ Trendsport-Flair, den „Steep“ in einigen Momenten verbreiten will. Eigentlich hat man auch einen ganz ordentlichen Soundtrack in das Spiel integriert, der jedoch irgendwie komplett untergeht. So sind die Grundeinstellungen so, dass die Musik oft kaum wahrnehmbar ist und auch wenn man viele Songs lizensiert hat, kann man sich leider keine eigene Playlist erstellen. Auch das haben die früheren Titel aus diesem Genre besser gemacht. Ein weiteres Ärgernis sind einige fehlende Erklärungen. Was hat es zum Beispiel mit den G-Kräften auf sich, die während einer Abfahrt angezeigt werden? Und warum wird der Bildschirm plötzlich schwarz-weiß und mein Fahrer stürzt ohne ersichtlichen Grund? Leider war dies während des Tests nicht herauszufinden und wurde vom Spiel nicht erklärt.

 

 

Mit anderen Leuten auf die Piste!

 

Wie schon Ubisofts „The Crew“ ist auch „Steep“ ein Spiel, das eine ständige Onlineanbindung benötigt. So trefft ihr während euren Touren durch die Berge ständig auf andere Fahrer mit denen ihr euch entweder zu einer Gruppe zusammenschließen und künftig gemeinsame Events abhalten könnt oder euch mit den Ergebnissen anderer Gamer weltweit messt. Solange ihr euch nur auf der Piste begegnet, sind die Kommunikationsmittel aber sehr eingeschränkt. Per Druck auf den X-Knopf der PS4 könnt ihr so zum Beispiel eine von verschiedenen Gesten machen und somit euren Mitspieler grüßen. Für längerfristigen Spaß sorgen sicherlich die selbsterstellten Herausforderungen. So könnt ihr eine eigene Route erstellen, die euer Gegenüber dann entweder auf Zeit fahren oder euren Trick-Highscore schlagen muss. Habt ihr Freunde, die das Spiel ebenfalls besitzen, werden euch deren Challenges und Zeiten bzw. Punktestände automatisch angezeigt. Während des Tests liefen die Server ziemlich zuverlässig und stabil. Ab und an bemerkte man bei Onlinespielern in der eigenen Welt aber, dass diese plötzlich von einem Punkt zum anderen sprangen oder an ähnlichen Punkten erscheinen und plötzlich auf eurem Kopf stehen.

 

FAZIT: „Steep“ ist auf einem guten Weg!

 

Zunächst muss man Ubisoft loben, dass sie mit „Steep“ wieder einmal eine neue IP auf die Spielerschaft loslassen, die definitiv das Potential hat, eine längerfristigere Serie zu werden. So leidet das Spiel zwar an einigen Kinderkrankheiten, kann aber vom Gesamteindruck her absolut überzeugen.  Neben der schönen Umsetzung und den spaßigen Abfahrten auf Skiern und Snowboard, wirken die zwei Flugdisziplinen noch etwas unausgereift und nicht ganz so unterhaltsam. Auch die Motivation, die Herausforderungen zu meistern und den gesetzten Highscore noch einmal zu brechen, ist definitiv vorhanden. Ob dies allerdings jeden Spieler so zufriedenstellt, ist fraglich. Denn heutzutage gehört ein Story- bzw. Karrieremodus doch zum guten Ton eines jeden Spiels und ist ausschlaggebend für dessen Langzeitmotivation. Neben kleinen technischen Makeln wie den spätladenden Texturen oder gelegentlichen Übersichtsproblemen wegen Bäumen auf der Piste, steht aber dennoch der großartige Spielspaß, der euch dank sehr feinfühliger Steuerung das ein oder andere Mal die Berge herunterfahren lassen wird. Anhänger von den früheren Funsport-Titeln seien allerdings gewarnt: „Steep“ bietet kein arcadiges Spielverhalten wie Ableger mit Kelly Slater oder Tony Hawk. Dem Trickanteil kommt keine so große Bedeutung zu, sondern bleibt im realistischen Rahmen. Vergesst also Aneinanderreihungen von 1080s, Grinds und Grabs und anschließendem Killer-Suicide-Mega-Backflip! Es bleibt abzuwarten, was Ubisoft mit kommenden DLCs und eventuellen Updates aus „Steep“ macht, bis dahin geben wir allerdings sehr gute...

 

 

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