Final Fantasy XV [PS4]

Verfasst von Playzocker am 07.12.2016 um 12:19

 

Final Fantasy

 

Zwei Worte, die ausreichen dürften um jedem Rollenspiel-Fan feuchte Augen zu bescheren. Ein Franchise, um das es in den letzten knapp 3 Jahren nie ruhig wurde. Ein Universum, das sich immer weiterentwickelte und Spieler mit immer neuen Welten, Charakteren und Mythen konfrontierte und auch in seiner Präsentation immer wieder neue Wege ging. So ist auch „Final Fantasy XV“ mehr als nur der fünfzehnte Eintrag in einem der langlebigsten Franchises der Videospielgeschichte sondern einer, der noch mehr im „Final Fantasy“ Universum verankert ist als viele zuvor. „Final Fantasy XV“ ist Teil des „Fabula Nova Crystallis“ dem bereits „Final Fantasy XIII“ und „Final Fantasy Type-0“ angehörten. Die Produktion des Spiels begann vor zehn Jahren als Exklusivtitel für die PlayStation 3 unter dem Titel „Final Fantasy Versus XIII“. Als Game Director und Character Designer fungierte Tetsuya Nomura, der bereits seit „Final Fantasy IV“ Teil der FF-Familie ist. 2012 wurde das Konzept des Spiels grundlegend verändert. Wenngleich das Spiel nach wie vor zum selben Zyklus wie „Final Fantasy XIII“ gehört wurde es ein völlig eigenständiger Titel mit einem neuen Universum, einer neuen Hintergrundgeschichte und neuen Charakteren und bekam Zuwachs in der Form von anderen Medienprojekten. Zu diesen zählen eine Anime-Serie, der Spielfilm „Kingsglaive – Final Fantasy XV“, der Sidescroller „A King’s Tale – Final Fantasy XV“ (der im deutschsprachigen Raum aktuell nur als Vorbesteller-Bonus für Amazon.de-Kunden verfügbar ist und nur bis zum 28.11.2016 gewährt wurde) sowie kommende VR-Inhalte. Als Game Director fungierte seit 2012 Hajime Tabata, der ebenfalls seit über 10 Jahren am Mammutprojekt „Final Fantasy“ mitarbeitet. 

 

All Good Things Come To an End

 

Nach zehn Jahren Entwicklungszeit ist es zwar bestenfalls eine Kleinigkeit, am Anfang unserer Reise nach Lucis aber dennoch erwähnenswert: Unser Trip wurde nämlich recht kurzfristig um mehrere Wochen nach hinten verschoben, da das Team von „Final Fantasy XV“ noch etliche Bugs korrigieren wollte. Man wollte bereits eine optimale Version des Spiels veröffentlichen, damit Spieler nicht auf einen großen Day One Patch angewiesen seien – von offizieller Seite wurde das damit begründet, dass nicht alle Spieler ihre Konsole mit dem Internet verbunden haben oder eine entsprechende Datenverbindung für den Download großer Datenmengen haben. Eigentlich eine löbliche Geste, die sich letzten Endes allerdings selbst ad absurdum geführt hat. „Final Fantasy XV“ erschien mit mehrwöchiger Verspätung und hatte trotzdem einen Day One Patch im Reisegepäck. Wie schon erwähnt eine Kleinigkeit, an die sich Spieler im Jahre 2016 mit Sicherheit bereits gewohnt haben, im Fall dieses Spiel aber zumindest kurios genug um ihr in diesem Review einige Zeilen zu spendieren. Für viele zählt „Final Fantasy XV“ zu den meisterwarteten Spielen des Jahres – durch die weitreichenden Änderungen an Konzept, Struktur, Kampfsystem und vielen anderen Spielelementen bleibt allerdings bis zuletzt die Frage, ob Fans mit dem fertigen Spiel glücklich sein werden. Dieser Frage haben wir uns auf der PlayStation 4 gestellt und liefern euch die Antwort in diesem Testbericht.

 

 

Es gibt nur Eine Richtung: Vorwärts!

 

Was auf den ersten Blick wie ein gerendertes Musikvideo einer japanischen Boyband aussieht ist tatsächlich die Gruppe rund um unseren „Final Fantasy XV“ Helden Noctis. Wie auch von bisherigen Haupt-Serienteilen gewohnt bietet das Spiel eine neue Welt, neue Charaktere und eine neue Hintergrundgeschichte. Im Fall von „Final Fantasy CV“ gehen die Änderungen sogar noch weiter und wir bekommen zum ersten Mal eine Geschichte in einer quasi-modernen Zeit, in der Autos, Diner und andere auch außerhalb der Spielwelt bekannte Technologien vorhanden sind. Das sorgt einerseits für ein vertrautes, zumindest für das „Final Fantasy“ Universum aber mindestens gleichermaßen befremdliches Spielgefühl. Wenngleich die Story letztendlich keinesfalls zu den Highlights des Franchise zählt bietet sie dennoch eine deutliche Franchise gegenüber der eher schwachbrüstigen „Final Fantasy XIII“-Trilogie, leidet allerdings dennoch an mitunter sehr flachen und uninteressanten Charakteren. Zu Beginn des Spiels verlässt Protagonist Noctis mit seinen Freunden Prompto, Ignis und Gladiolus die Königsstadt Lucis, um sich auf seine Hochzeit mit dem Orakel Lunafreya vorzubereiten. Der angedachte ‚schönste Tag seines Lebens‘ rückt allerdings schlagartig in weite Ferne, als Truppen der verfeindeten Nation Niflheim in Lucis eindringen, die Stadt in Schutt und Asche legen und Noctis‘ Vater, König Regis, töten. Eine Tragödie, immerhin hätte die Hochzeit die angespannte Situation zwischen Lucis und Niflheim verbessern sollen. Daraus wird allerdings verständlicherweise nichts. Noctis schwört Rache und der Rest der Geschichte von „Final Fantasy XV“ ist in seinem Kern eine reine Rachestory – wenngleich mit einem interessanten Twist.

 

Sesam, öffne Dich!

 

Rollenspiele beginnen zumeist linear und offenbaren erst nach einigen Spielstunden ihre offene Welt. So zumindest hat es „Final Fantasy XIII“ gemacht. „Final Fantasy XV“ hingegen hat dieses Zugang komplett umgedreht. So beginnt ihr diesmal bereits in der offenen Spielwelt, die euch in den ersten Stunden mit einer Vielzahl an Nebenaufgaben, Möglichkeiten und optionalen Zielen förmlich erschlagen könnte. Mit voranschreitender Spieldauer engt sich euer Aktionsradius allerdings stark ein und gegen Ende führt ihr einen rein linearen Rachefeldzug gegen Niflheim. Diese Entscheidung könnte bei RPG-Fans auf den ersten Blick für Missgunst sorgen, ist bei näherer Betrachtung allerdings ein logischer und zugleich interessanter Schritt. So könnte die Spielwelt auch das repräsentieren, was sich in Noctis abspielt. Nach dem Angriff und dem Mord an seinem Vater ist er verzweifelt und unschlüssig, wie er weiter vorgehen soll. Je länger seine Reise allerdings dauert, je weiter sich seine Fähigkeiten entwickeln und je näher er seinem Ziel kommt, desto konkreter werden seine Vorstellungen und Pläne. Es ist eine interessante Idee, den Spieler gleich zu Beginn in einer offenen Welt ‚freizulassen‘, ihm schier nicht enden wollende Möglichkeiten zur Entwicklung des eigenen Charakters zu geben und ihn dann letztendlich doch an der Hand zu nehmen und zum tatsächlichen Ende des Spiels zu führen. Bis ihr dieses tatsächlich erreicht erwarten euch allerdings einige gehetzt inszenierte Handlungspassagen aber auch gleichermaßen Längen sowie etwas unrund und sprunghaft eingeführte neue Handlungselemente. Hier bekommt man oft das Gefühl, das Team von „Final Fantasy XV“ wollte zu viel in zu kurzer (Spiel-)Zeit erreichen.

 

 

Kurzes Vergnügen!?

 

Der Weg zum Ende des Spiels wird, frei nach Xavier Naidoo, zwar kein Leichter sein – aber auch kein besonders Langer, vor allem im Vergleich mit einigen anderen RPGs der letzten Jahre. Einzelne Spieler haben den Haupthandlungsstrang in 11-13 Stunden durchgespielt, haben dabei allerdings wohlgemerkt sämtliche Nebenaufgaben ausgelassen und damit den kompletten Sinn und Zweck eines Open World RPG ad absurdum geführt. Beschäftigt man sich auch mit den zahlreichen optionalen Angeboten von „Final Fantasy XV“ wächst die Spielzeit auf mindestens 50 Stunden an, was im Verhältnis zu „The Elder Scrolls V – Skyrim“ und „The Witcher III – Wild Hunt“ allerdings ebenfalls kaum jemanden vom Hocker hauen wird können. „Final Fantasy XV“ wird das Genre somit weder mit seiner Story noch mit seinem Umfang revolutionieren, setzt den Hebel dafür aber letztendlich an einer völlig anderen Stelle an. Wenngleich in den vergangenen Monaten nahezu ausschließlich von „Final Fantasy XV“ gesprochen wurde ist das Spiel Teil eines riesigen Universums, das – wie eingangs bereits beschrieben – aus zahlreichen anderen Spielen, Film- und Anime-Produktionen, VR-Inhalten, etc. besteht. Die Verschmelzung der verschiedenen Teile des „Final Fantasy XV“ Universums geht so weit, dass das Spiel fast komplett auf gerenderte Zwischensequenzen verzichtet und seine Geschichte entweder in Spielgrafik oder mit Ausschnitten aus dem Film „Kingsglaive – Final Fantasy XV“ erzählt.

 

The Fast and the Furious

 

Trotz Schwächen in der narrativen Komponente zählen die ersten Stunden von „Final Fantasy XV“ zu den besten der Seriengeschichte. Viele werden sich noch an den Moment erinnern können, an dem sie in „Final Fantasy XIII“ zum ersten Mal auf die große Oberwelt marschiert sind oder in früheren Serienteilen Zugang zu Sids Raumschiff erhalten haben. Dieses Gefühl der Freiheit wird durch die hervorragende grafische Umsetzung des Spiels – dazu allerdings erst später mehr – und durch die lebendige Spielwelt noch verstärkt. So habt ihr neben eurem fahrbaren Untersatz selbstverständlich wieder Zugang zu Chocobos, dem gelben Federvieh das in nahezu jedem „Final Fantasy“ zum Reittier abgerichtet werden kann, und auch zu einem Fast Travel System. Dieses funktioniert grundsätzlich einfach: Wenn ihr einen Ort zum ersten Mal besucht müsst ihr diesen selbst erreichen, könnt aber fortan über die Schnellreise dorthin zurückkehren. Leider ist die Verwendung der Schnellreise mit derart langen Ladezeiten verbunden, dass man diese nur zur Überwindung von weiten Strecken verwenden sollte. Wenngleich euch das Spiel an einigen Stellen wohlwollend unter die Arme greift steigt es anderenorts wiederum auf die Bremse uns zwingt euch beispielsweise, bei eurem Auto auf die Treibstoffanzeige zu achten und gelegentlich tanken zu fahren. Ein Spielelement, auf das wir getrost hätten verzichten können. Dennoch zeigt dieses Detail, wie wichtig Realismus bei der Entwicklung von „Final Fantasy XV“ war.

 

 

Is this the real life?

 

Nicht nur, dass das Spiel das wahrscheinlich realistischste Verständnis bzw. auch die Darstellung von Essen bietet, könnt ihr euch in Unterhaltungen in bester Telltale-Manier zwischen verschiedenen Antworten entscheiden und einen Teil der Persönlichkeit von Noctis damit selbst bestimmen. Allzu große Auswirkungen auf den Verlauf der Geschichte scheint dies allerdings nicht zu haben. Dennoch ist es in aktuellen Spielen immer ein willkommenes Element, Einfluss auf die Interaktionen eures Charakters und der NPCs nehmen zu können. Diese versorgen euch mit einem großen Teil der Nebenaufgaben des Spiels, die von cineastisch inszenierten und spannenden Aufgaben bis hin zu stupidem „Sammel das“ und „Töte den“ reichen – gewohnte Kost für Rollenspiel-Fans. Was „Final Fantasy XV“ allerdings besser beherrscht als viele andere Genreproduktionen – insbesondere aus dem eigenen Haus – ist dynamisches, flüssiges Gameplay. RPG-Fans wissen, wie sehr es nerven kann, wenn der Spielfluss beispielsweise in „Final Fantasy Type-0“ immer wieder unterbrochen wird. Dialoge, das Aufheben von Gegenständen, die Vergabe von XP am Ende eines Kampfes und viele andere Spielemente laufen bei „Final Fantasy XV“ so flüssig wie noch nie zuvor ab. Eine weitere Kleinigkeit, aber eine die letztendlich eine große Auswirkung auf den Spielspaß hat.

 

Bite … I mean Fight Me!

 

Apropos Kämpfe. Mit denen verbringt ihr – RPG-typisch – auch in „Final Fantasy XV“ einen Großteil eurer Spielzeit. Das Kampfsystem hört diesmal auf den Namen Active Cross Battle und verbindet einige Elemente, die man bereits aus anderen Serienteilen kennt mit neuen Ideen. Das Ziel waren offensichtlich dynamische Echtzeitkämpfe – und dieses Ziel hat man auch erreicht. Ihr übernehmt während der Kämpfe ausschließlich die Kontrolle über Noctis, seine Begleiter werden von der KI gesteuert. Wenngleich diese ihre Arbeit die meiste Zeit über gut macht kommt es immer wieder zu Situationen, in denen entweder Gegner euch nicht wahr- bzw. ernstnehmen oder gar eure Weggefährten offensichtlich Spaß daran haben, euch die gesamte Arbeit zu überlassen. Einfache Kämpfe könnt ihr in „Final Fantasy XV“ mit einer bzw. zwei Tasten absolvieren. Die Angrifftaste lässt Noctis logischerweise attackieren, diese Taste gedrückt zu halten erzeugt automatisch Kombos. Ebenso gibt es eine Taste, die Noctis parieren lässt. Das Kampfsystem von „Final Fantasy XV“ folgt allerdings der Devise ‚leicht zu lernen, schwer zu meistern‘, bei größeren Gegnern werdet ihr mit dieser Taktik alleine nicht allzu weit kommen. Mit dem richtigen Taktik beim Blocken könnt ihr gegnerische Angriffe gemeinsam mit euren Weggefährten kontern, außerdem teleportiert ihr euch mit den immens wichtigen Warp-Angriffen quer über das Schlachtfeld und könnt eure Gegner sogar inmitten des Kampfgetümmels immer wieder – und gelegentlich sogar etwas zu oft – überraschen.

 

 

Abra Kadabra

 

Natürlich beherrscht auch Noctis zahlreiche Zaubersprüche, die allerdings nicht wie in älteren Serienteilen gelernt und mit MP abgegolten werden müssen, sondern Teil eines Crafting-Systems sind, mit denen ihr euch die „Magiebomben“ zusammensetzen könnt. Das Crafting wird wie auch einige andere taktische Elemente des Spiels etwas Eingewöhnungszeit von euch abverlangen, ist letzten Endes aber übersichtlich und nicht unnötig kompliziert aufgebaut. Ebendas gilt auch für die Summons, die euch bekannte Bestias wie Shiva und Leviathan bieten, diese allerdings an neue Bedingungen knüpfen. Wie gewohnt müsst ihr eine Bestia im Kampf besiegen um sie gegen eure Feinde einsetzen zu können, allerdings werdet ihr auf diese im Spiel weit seltener zurückgreifen (können) als noch in älteren Serienteilen. Einige Bestias unterstützen euch nur, wenn eure Gesundheit bereits kritisch ist, der Kampf eine bestimmte Zeit lang dauert oder machen ihren Auftritt sogar von bestimmten Wetter- bzw. Umweltverhältnissen abhängig. Letztendlich liegt es an euch, die Schlacht zu kontrollieren. Das Ausrüsten von Waffen und Rüstungsgegenständen ist in „Final Fantasy XV“ allerdings im Verhältnis zu einigen anderen Teilen der Reihe sehr einfach ausgefallen, die Charakterentwicklung mit zehn verschiedenen Skilltrees gewohnt komplex aber überschaubar. Dafür hat man allerdings wieder das Gefühl, die Weiterentwicklung der eigenen Charaktere nicht nur beeinflussen, sondern tatsächlich steuern zu können. Ein weiteres wichtiges Element des Kampfsystems ist der Pausemodus – die einzige Möglichkeit, ein Echtzeitgefecht zu unterbrechen. Dieser Modus pausiert allerdings nicht einfach das Spiel sondern friert alle Gegner ein und informiert euch über deren Statistiken sowie Stärken und Schwächen um euch bei eurer Planung zu helfen. Letzten Endes ist das Kampfsystem von „Final Fantasy XV“ merklich einfacher als bei vielen anderen Serienbrüdern, sodass einige „Final Fantasy“ Veteranen vermutlich enttäuscht sein werden. Zumindest bei den Bosskämpfen sollten allerdings auch diese etwas gefordert werden.

 

Licht am Ende des Tunnels

 

Wer die Geschichte des „Final Fantasy“ Franchises schon seit einigen Jahren und Konsolengenerationen verfolgt weiß, dass die Spiele die technischen Möglichkeiten ihrer Systeme meist bis an die Grenzen ausnützen und damit optische Brillanz liefern, die man ihnen teilweise gar nicht zugetraut hätte. „Final Fantasy XV“ ist da keine Ausnahme. Zwar ist die Optik keinesfalls makellos, dennoch zählt das Spiel zu den Schönsten des Jahres. Die Charaktermodelle sind hervorragend und auch die Umgebungen werden detailliert dargestellt. Selbst die alte PlayStation 4 liefert ein scharfes, detailreiches und schlichtweg beeindruckendes Bild, bleibt aber dennoch hinter der PlayStation 4 Pro zurück. Diese bietet zwei verschiedene Grafikoptionen. Bei „Visuell“ bekommt ihr wesentlich mehr Umgebungsdetails, bessere Schatten, mehr Antialiasing und somit ein glatteres, schärferes Bild. Wählt ihr hingegen „Leistung“, seht ihr das selbe Bild wie auf der PlayStation 4, dieses allerdings deutlich flüssiger. Die klassische Konsole (sowie auch die Pro-Version bei der „Visuell“-Einstellung) bietet zwar grundsätzlich ein angenehm flüssiges Spielerlebnis, gelegentlich kann es allerdings auch zu leichten Einbrüchen der Framerate kommen. Das ist wie auch leichte Popups in der offenen Spielwelt allerdings nichts, das euren Spielspaß auch nur ansatzweise beeinträchtigt. Dieser genießt eher die wunderschönen Grafikeffekte im Kampf, die vor allem beim Einsatz von Magie zu sehen sind, die abwechslungsreichen und detaillierten Landschaften sowie das visuell schlicht und ergreifend beeindruckende Gesamtergebnis. Das einzige, das an der technischen Präsentation des Spiels tatsächlich nerven kann sind unsichtbare Wände, die gerne auch bei hüfthohen Hindernissen eingesetzt werden und eure Weiterreise behindern.

 

 

Ein Satz heiße Ohren

 

Die Präsentation der Spielwelt und der Charaktere ist allerdings hervorragend, so wirken die Designs der Personen und Umgebungen wie aus einem Guss und bieten daher ein Level an Kohärenz, das das Gameplay wie bereits erwähnt leider nicht zu jeder Zeit erreichen kann. Hervorragende Arbeit wurde auch beim Klang des Spiels geleistet. Ein weiteres Beispiel für die Detailverliebtheit bei der Umsetzung von „Final Fantasy XV“ zeigt sich bei kleinen Unterhaltungen mit euren Begleitern, die immer wieder interessante References bieten – einer euer Mitstreiter stimmt sogar während Kämpfen die klassische „Final Fantasy“ Siegeshymne an. Die Soundeffekte sind nicht immer 100% realistisch, passen dafür allerdings zu jeder Zeit in das Fantasy-Setting des Spiels. Dafür ist das Klangspektrum sehr breit, Effekte bieten sowohl den nötigen Druck als auch die wichtigen Höhen um vor allem im Kampfgeschehen ein differenziertes und angenehmes Klangbild zu erzeugen. Bei der Abmischung der Stimmen passieren in der von uns getesteten Version leider immer noch Fehler, durch die gelegentlich Charaktere gleichzeitig sprechen. Bei der Musik sind Übergänge wenig dynamisch sondern abrupt und störend, grundsätzlich können die Klänge von Yōko Shimomura allerdings mehr als nur überzeugen. Bekannt ist Shimomura als Komponistin des „Kingdom Hearts“ Franchises, mit „Final Fantasy XV“ ist sie zum ersten Mal auch in einem Hauptspiel des „Final Fantasy“ Franchise vertreten. Ihre Musik ist abwechslungsreich und bietet sowohl Lounge und Jazz als auch große Orchesternummern. Letztere sind es, die auch nach dem Spielen im Ohr bzw. im Gedächtnis bleiben und richtig beeindrucken können. Andere Stücke bleiben im Verhältnis etwas flach.

 

Fazit: Beeindruckendes Mammutprojekt mit tollen Ideen und vereinzelten Schwächen

 

„Final Fantasy XV“ soll – so beschreibt sich das Spiel selbst – Fans und Neueinsteiger gleichermaßen ansprechen. Letztendlich werden beide Lager an dem Spiel vieles finden, das sie mögen, aber leider auch einige Kritikpunkte. Die Story des Spiels beginnt interessant und entlässt den Spieler in eine riesige offene Welt voller Möglichkeiten, drängt ihn allerdinge gegen Ende immer mehr in eine lineare Handlung mit einigen Längen und sprunghaft sowie gehetzt erzählten Momenten. Die Möglichkeiten zur Entwicklung und Individualisierung sind hervorragend, der dynamische Spielfluss mit Verteilung von XP nach dem Kampf ohne Unterbrechung des Spiels ist eine maßgebliche Weiterentwicklung von „Final Fantasy XIII“. Veteranen werden das Kampfsystem allerdings als zu leicht empfinden und bestenfalls bei den Bosskämpfen etwas gefordert werden. Nebenaufgaben reichen von stupiden Botengängen und gewohnten Sidequest-Einheitsbrei bis hin zu wirklich hervorragenden, cineastisch inszenierten Missionen, die eure Zeit wirklich wert sind. Aber trotz aller Kritikpunkte sei eines klar gesagt: „Final Fantasy XV“ als Gesamtpaket ist sowohl eure Zeit als auch euer Geld ohne Frage wert. Kleinere Probleme in der Narrative, im Gameplay und in der Grafik werden durch den schieren Bombast anderer Momente und durch die gelegentlich unbegrenzt wirkenden Möglichkeiten ausgeglichen, sodass „Final Fantasy XV“ – wenn auch völlig anders und auch weniger Umfangreich als beispielsweise „The Elder Scrolls V – Skyrim“ oder „The Witcher III – Wild Hunt“ – eine Spielerfahrung bietet, die RPG-Fans im Jahr 2016 nicht missen dürfen.

 

 

Bestellen bei Pretz-Media: