Assassin's Creed Ezio Collection [PS4]

Verfasst von Playzocker am 23.11.2016 um 11:14

 

Audite Auditore!

 

Ezio Auditore. Zwei Worte, die vielen „Assassin’s Creed“ Fans das Herz höher schlagen lassen. Die drei Spiele mit Ezio/Desmond in der Hauptrolle zählen zu den beliebtesten Teilen der Reihe. Dabei handelt es sich um „Assassin’s Creed 2“, „Assassin’s Creed - Brotherhood“ und „Assassin’s Creed - Revelations“. Desmond ist allerdings nicht der einzige, der in den vergangenen Jahren als virtueller Auftragskiller durch den Animus gehetzt ist. Seit 2009 veröffentlichte Ubisoft jedes Jahr einen Ableger des Franchise – heuer legt dieses allerdings eine kreative Pause ein. Indirekt. Zwar erscheint heuer kein neuer Open World Kracher (zuletzt durften wir vergangenes Jahr in „Assassin’s Creed Syndicate“ das viktorianische London unsicher machen) dafür wurde mit „Assassin’s Creed Chronicles“ ein dreiteiliger Sidescroller veröffentlicht und um Weihnachten herum startet der „Assassin’s Creed“ Kinofilm in den deutschen und österreichischen Lichtspielhäusern. Klingt nach dem perfekten Timing dafür, alte Klassiker aus der Reihe neu aufleben zu lassen – und wer bietet sich dafür besser an als der gute alte Ezio. Die „Assassin’s Creed – Ezio Collection“ enthält alle drei Teile der Trilogie inklusive sämtlicher Single Player DLCs und bietet außerdem die beiden Kurzfilme Lineage (2009) und Embers (2011). Da stellt sich die Frage, ob Ubisoft genügend Arbeit in die Spiele gesteckt hat, damit sich ein Neukauf lohnt. In unserem Test erfahrt ihr die Antwort.

 

Zeitreise

 

Irgendwie fühlt man sich, als würde man selbst in den Animus steigen und in der Zeit zurückreisen. Die drei Teile der Ezio Trilogie wurden zwischen 2009 und 2011 veröffentlicht und unterscheiden sich nicht nur von der Optik sondern auch vom Spielgefühl her stark von „Assassin’s Creed Syndicate“ aus dem Jahre 2015. Vier Jahre waren offensichtlich ausreichend, um die Dynamik eines Open World Spiels insoweit zu verfeinern, das sich die Welt organischer anfühlt, die Steuerung besser auf die Kommandos reagiert und man generell ein besseres Gefühl für die Spielwelt entwickeln kann. Das soll aber noch lange nicht heißen, dass die Ezio-Trilogie plötzlich keine guten Spiele mehr sind – im Gegenteil. Sie repräsentieren das damals aktuelle Entwicklungsstadium ihres Genres und lassen sogar über die drei Jahre ihrer Entwicklung deutliche Unterschiede erkennen. Dennoch zählt „Assassin’s Creed 2“ aufgrund seines hervorragenden Balancings und der guten Dynamik zwischen Story- und Nebenmissionen nach wie vor zu den besten Teilen der Reihe. Ezios erster Ausflug in die Vergangenheit liefert auch heute noch spannende Konfrontationen, Missionen und eine interessante Geschichte. Brotherhood und Revelations haben ihn in den Folgejahren in andere Städte und Epochen geschickt aber auch die Ereignisse rund um Desmond weiter beleuchtet.

 

 

Same old, same old

 

Grundsätzlich gibt es für „Assassin’s Creed – The Ezio Collection“ zwei Zielgruppen – jene, die Ezios Abenteuer auf der PlayStation 3 verpasst haben und jene, die sie bereits erlebt haben, sie aber ein weiteres Mal spielen wollen. Beiden Gruppen lässt sich ohne große Bedenken eine Kaufempfehlung für die Trilogie aussprechen. Wer die Abenteuer bereits kennt wird sich in Florenz, Venedig, Rom und Konstantinopel sofort zurechtfinden. Die Spiele an sich wurden für die Remastered Version nicht verändert und auch bei Steuerung, Inventar und Menüführung blieb alles beim Alten. Wer diese drei Teile des „Assassin’s Creed“ bislang noch nicht gespielt hat sollte dank der übersichtlichen Minimap und des logischen, für Ubisoft-Spiele nicht allzu ungewohnten, Aufbaus ebenfalls keine Navigationsschwierigkeiten haben. Erfreulich ist, dass sämtliche Single Player DLCs – vornehmlich „The Da Vinci Disappearance“ für „Assassin`s Creed Brotherhood“ und „The Lost Archive“ für „Assassin`s Creed Revelations“ – mit an Bord sind. Allerdings gibt es auch Einschränkungen, so wurde der Multiplayer-Modus von Brotherhood und Revelations bei der Portierung ausgeklammert und fehlt in der Ezio Collection komplett.

 

Ist da jemand?

 

Das dürfte allerdings kaum jemanden verwundern. Immerhin hat Ubisoft bereits beim 2015 veröffentlichten „Assassin`s Creed Syndicate“ auf einen Mehrspieler-Modus verzichtet und auch die „Bioshock“ Collection und die „Uncharted“ Retrospektive hatten keine Multiplayer-Komponente mehr an Bord. Die wichtigste Frage für viele dürfte allerdings sein, ob sich ein Neukauf der Spiele durch die technischen Verbesserungen lohnt – und die Antwort ist wie bei vielen anderen Remastered Versionen schwer zu geben. Einerseits sehen die Spiele deutlich besser aus als ihre jeweiligen Vorbilder, andererseits können sie mit dem aktuellen Standard für die PlayStation 4 und die Xbox One keinesfalls mithalten. Alle drei Spiele wurden einem grafischen Upgrade unterzogen und laufen im Gegensatz zu den Originalen auf der PlayStation 3 nicht mehr in 720p sondern in 1080p FullHD. Allerdings werden die Spiele nur mit 30 Bildern pro Sekunde wiedergegeben, auf das von Fans gefragte 60fps Upgrade hat man leider verzichtet. Alle drei Spiele können ihr Alter nicht verbergen, wenngleich das zwei Jahre jüngere Revelations noch deutlich besser aussieht als „Assassin’s Creed 2“.

 

 

Hallo, Echo!

 

Die damaligen Einschränkungen bei der Architektur, der Bevölkerungsdichte und anderen aufwändigen Grafikeffekten wurden deutlich. Leider hat man das Bild für die Ezio Collection nicht mit einer umfangreichen Frischzellenkur mit neuen Post Processing Effekten und überarbeiteten Lichteffekten unterzogen, die die Spiele tatsächlich in frischem Glanz erstrahlen lassen hätten können. Stattdessen bekommen wir ein Standard-Upgrade, das vor allem bei den Texturen Verbesserungen aufweist. Dadurch bekommt das Bild einige Details, die in den Vorbildern gefehlt haben und vor allem die Gesichter und Kleidungen der Hauptcharaktere sehen wesentlich besser aus. Leider wurden unwichtigere Charaktere oder selten besuchte Orte mit weitaus weniger Sorgfalt bedacht, sodass der Look der Spiele etwas inkonsequent sein kann. Bei einem direkten Vergleich der Grafil auf der PlayStation 3 und der PlayStation 4 machen sich vor allem unterschiedliche Farben bemerkbar, die das Bild auf der aktuellen Konsolengeneration etwas stilisierter aber dafür auch deutlich cineastischer wirken lassen.

 

Da war doch was?

 

Alles in allem sind grafische Verbesserungen bei allen drei Spielen offensichtlich, die Spiele bleiben aber wie viele andere überarbeitete Versionen weit hinter den Möglichkeiten der PlayStation 4 zurück und hätten mehr Arbeit vertragen. Zumindest die Popups und Clipping-Fehler bei „Assassin’s Creed 2“ hätten sich locker ausbügeln lassen. Von akustischer Seite her werden die Spiele weitestgehend unverändert präsentiert. Weder die Dynamik der Musik noch die Kraft der Soundeffekte und die Abmischung sowie Verarbeitung der Soundeffekte lassen im Vergleich zum Original Unterschiede erkennen. Da die Soundqualität bereits bei den Originalen hervorragend war kann das aber nicht als Kritikpunkt gewertet werden. Die Steuerung funktioniert ebenfalls wie gehabt und übersetzt eure Kommandos sehr gut in das Spiel. Spielt man kurze Zeit vorher „Assassin’s Creed Syndicate“ fällt allerdings auch bei der Steuerung auf, wie sehr sich Videospiele in den letzten Jahren weiterentwickelt haben. Im direkten Vergleich fällt doch auf, dass die Kommandos nicht so fein angenommen werden wie im jüngsten AC-Familienmitglied.

 

 

Fazit: Umfangreiches Meuchel-Paket zu gutem Preis

 

Ezio Auditore da Firenze ist für viele „Assassin’s Creed“ Fans der beste Hauptcharakter der Franchise und daher überrascht es kaum, dass sich Ubisoft zu einer Remastered Version der Ezio-Trilogie entschieden habt. Nachdem das Meuchel-Franchise heuer pausiert und nach „Assassin’s Creed Syndicate“ erst kommendes Jahr wieder zu einer umfangreichen Open World Erfahrung lädt bietet sich der Kinostart des „Assassin’s Creed“ Kinofilms für das Revival der Geschichte rund um Ezio und Desmond förmlich an. Die Collection bietet „Assassin’s Creed 2“, „Assassin’s Creed - Brotherhood“ und „Assassin’s Creed - Revelations“ inklusive aller Single Player DLCs und hat damit genügend Inhalt an Bord um ca. 50 Stunden Spielspaß zu liefern – Komplettisten können sogar mit einer Zeitforderung jenseits der 100 Stunden rechnen. Die Multiplayer-Modi von Brotherhood und Revelations wurden bei der Portierung allerdings ersatzlos gestrichen. Mit dieser Ausnahme wurde an den Spielen nichts geändert, diese spielen sich genauso wie vor 5-7 Jahren und werden Fans der Trilogie demnach erneut unterhalten können. Die grafischen Updates bewegen sich bestenfalls im Mittelfeld, bringen 1080p bei allerdings nur 30fps und einige verbesserte Texturen. Man merkt den Spielen ihr Alter zwar deutlich an – die Qualität der Inszenierung und das hervorragende Gameplay wissen allerdings auch Jahre nach der Erstveröffentlichung der Spiele zu begeistern. Wer die Ezio-Trilogie noch nicht kennt sollte sich das Remaster unbedingt zulegen, wer einen erneuten Spieldurchgang geplant hat profitiert ebenfalls von den Neuerungen.