Pokémon Sonne [N3DS]

Verfasst von Playzocker am 23.11.2016 um 10:37

 

Viva la Revolution!

 

„Pokémon“ sind Kult und mittlerweile bereits mehreren Generationen von Gamern ein Begriff. Seit nunmehr über 20 Jahren tummeln sich die kleinen Taschenmonster auf diversen Spielsystem und brachten Kämpfe, mehr Kämpfe, Geschichten und sogar Fotosafaris. Das „Pokémon“ Franchise hat in den letzten Jahren sicherlich einiges erlebt, blieb seinen Wurzeln dabei aber weitestgehend treu. 2016, mit der 7. Generation der Spiele, soll sich das aber ändern. Nachdem Niantic vor Kurzem mit „Pokemon GO“ nicht nur unseren Blick auf die Monsterchen sondern zu einem gewissen Grad auch unseren Blick auf die Welt und vor allem unsere Mitmenschen verändert hat liefert Nintendo mit „Pokémon Sonne“ und „Pokémon Mond“ ein weiteres Duo an neuen Handheld-RPGs, die in wenigen Tagen exklusiv für den Nintendo 3DS erscheinen. Für Sammler dürfte interessant sein, dass es von beiden Spielen neben den Standard-Editionen auch limitierte Ausgaben mit exklusivem Steelbook gibt. Wir hatten bereits Zeit, uns in der Welt von Alola zu akklimatisieren und verraten euch in diesem Testbericht, ob sich der Ausflug auf das Inselparadies auch für euch lohnt.

 

Lola Rennt

 

Wenngleich „Pokémon“ in den vergangenen Generationen einige interessante Hauptcharaktere und gelungene Geschichten hatte war die narrative Komponente noch nie eine der großen Stärken des Franchise. „Pokémon Sonne“, das repräsentativ für das Duo der 7. Generation in unserer Redaktion eingetroffen ist, wagt da bereits in den ersten Minuten einen Schritt in eine völlig neue Richtung. Vorbei sind die Zeiten, in denen wir von einem Menü begrüßt werden und nach kurzen Dialogen uns für eines von drei Startpokémon entscheiden müssen. Diesmal startet das Spiel mit einem Mädchen mit weißem Hut, das offensichtlich panisch vor unbekannten Gestalten flüchtet. Diese Eröffnung macht bereits neugierig auf die weiteren Ereignisse im Spiel. So vergeht, ohne dass man das als Spieler wirklich mitbekommt, ungewöhnlich lange bis ihr euch letztendlich für Bauz, Flamiau oder Robball als Startpokémon entscheiden dürft. Das passiert aber immer noch im Rahmen des ca. 30 Minuten langen Intros des Spiels, das auch zugleich als Tutorial fungiert und euch mit der Spielwelt, dem Kampfsystem und einigen anderen Elementen von „Pokémon Sonne“ vertraut macht. Überspringen lassen sich die Tutorials allerdings leider nicht, sodass auch erfahrene Pokémon-Trainer zwangsläufig einen kleinen Auffrischungskurs belegen müssen.

 

 

Alles neu macht der Mond

 

„Pokémon Sonne“ bietet ohne Frage den besten Plot, den das Franchise bislang hervorgebracht hat. Subtil werden wichtige Themen wie Familie und der Zusammenhalt innerhalb einer Community angeschnitten, die Charaktere sind interessant und bekommen zwischendurch auch genügend Zeit um sich weiterzuentwickeln und dem Spieler näher gebracht zu werden. Diesmal bekommt man nicht nur einen Trainer nach dem anderen vorgesetzt sondern tatsächlich NPCs mit Persönlichkeiten, Interessen und deutlichen Unterschieden – und das ist eine große Stärke von „Pokémon Sonne“. Dennoch sind eure Interaktionen mit der Spielwelt und insbesondere die Poké-Fights klar im Vordergrund, sodass die Geschichte im Laufe der knapp 30 Stunden langen Kampagne immer wieder einen Schritt zurück machen muss und dem tatsächlichen Gameplay Platz machen. Die Balance zwischen Story und Spiel hätte noch etwas besser funktionieren können aber dennoch werden auch Pokémon-Veteranen merken, dass durch die bessere Geschichte und vor allem die bessere Charakterzeichnung plötzlich viel mehr Anreiz zum Weiterspielen vorhanden ist.

 

Alola Hey

 

„Pokémon Sonne“ schickt euch nach Alola – einem Inselstaat, der aus vier verschiedenen Inseln besteht. Diese zeigen euch Traditionen und Charaktere, wie ihr sie noch in keinem anderen „Pokémon“ Spiel zuvor gesehen habt. Auch der Aufbau der Spielwelt, das Kampfsystem und die Bonus-Spiele wurden stark verändert, sodass „Pokémon Sonne“ eine Spielerfahrung liefert, die auf der einen Seite komplett neu ist aber auf der anderen Seite die wichtigsten Elemente eines „Pokémon“ Spiels nicht aus den Augen verloren hat. Anstelle der Gym Challenges treten in dem Spiel so genannte Insel Challenges. In diesem müsst ihr eine Reihe von Aufgaben bewältigen um letztendlich vor einem Boss Pokémon und dem Kahuna, dem einflussreichsten Trainer des Gebiets, zu landen. Diese Aufgaben beschränken sich allerdings nicht auf das Erfüllen von kleineren Missiönchen für Dorfbewohner, sondern sind Aufgaben, die in der Spielwelt von „Pokémon Sonne“ gut verankert sind. Mal müsst ihr versteckte Pokémon finden, Items sammeln oder etwas völlig anders tun. Im Gegensatz zu bisherigen Spielen des Franchise ist der Spielverlauf in „Pokémon Sonne“ nicht mehr berechenbar sondern bietet immer wieder (kleinere) Überraschungen. Hinzu kommt, dass nebenbei auch interessante Interaktionen mit NPCs stattfinden können, die allesamt an den stattfindenden Insel Challenges interessiert sind und dem entsprechend auch kleinere Tipps für euch übrig haben.

 

 

Round 1! Fight!

 

Einen großen Teil der Spielzeit werdet ihr in „Pokémon Sonne“ wie gewohnt mit Kämpfen verbringen. Das Kampfsystem wurde dabei nicht nur mit neuen Pokémon und neuen Moves erweitert sondern auch um einige neue Funktionen. So ist das Werfen eines Pokéballs durch die verbesserten Shortcuts jetzt noch komfortabler, Statusveränderungen lassen sich dank kleiner Symbole auch für Neueinsteiger leichter erkennen. Zudem helfen Anzeigen über die Stärke bzw. die Auswirkungen einer Attacke auf den jeweiligen Gegner. Veteranen werden allerdings die Möglichkeit vermissen, diese Stützräder abschalten zu können und würden sich womöglich sogar einen höheren Schwierigkeitsgrad wünschen, da „Pokémon Sonne“ alles in allem nicht sonderlich schwer ausgefallen ist. Ein sehr interessantes Feature ist, dass wilde Pokémon nun, sofern ihr sie zu sehr in Bedrängnis bringt, nach Hilfe rufen können. Dadurch werden sie durch ein weiteres Pokémon vom selben Typ verstärkt. Das hilft euch beim Sammeln von Erfahrungspunkten, macht aber natürlich auch die Hatz auf die Taschenmonster schwieriger, das ein Pokémon das Fangen seines Kollegen logischerweise zu verhindern versuchen wird.

 

Round 2! Fight!

 

Eine besonders große Neuerung im Kampfsystem von „Pokémon Sonne“ sind die so genannten Z Atatchen. Euer Charakter ist mit einem Z Ring ausgestattet, der mit dem Z Kristall eures Pokémons zusammen arbeitet. Z Kristalle bekommt ihr beispielsweise am Ende von Challenges, wenn ihr besonders starke Pokémon besiegt habt oder für andere Heldentaten. Sofern ihr den richtigen Typ an Z Kristall an euer Pokémon gebunden habt könnt ihr die Attacken desselben Typs dahingehend modifizieren, dass sie im besten Fall noch effektiver gegen den jeweiligen Widersacher sind. Dadurch und auch durch die Tatsache, dass ihr diese Z Attachen lediglich ein Mal pro Kampf einsetzen könnt, lässt sich eure Taktik in „Pokémon Sonne“ noch besser planen. Eines erreichen die Z Attacken allerdings nicht – die Animationen, die ihr beim Ausführen der Attacke seht, bleiben die gleichen. Zwar sind diese Animationen weitestgehend hervorragend, allerdings bieten diese keinerlei Variation und werden bei jedem einzelnen Angriff genau gleich abgespielt. Nach einigen Spielstunden können diese somit durchaus am Nervenkostüm des Spielers zehren sodass sich dieser eine Option herbei wünscht, die (nicht gerade langen) Kampf-Animationen abzuschalten.

 

 

Pokédex’ters Labor

 

Der neue Rotom Pokédex hat nicht nur Platz für zahlreiche neue Pokémon sondern bringt auch neue Funktionen mit sich. So habt ihr in diesem eine Art Radar, an dem ihr ablesen könnt wo ihr hin müsst um in der Story voran zu kommen – wer allerdings lieber die hervorragend aufbereitete Spielwelt erforscht bewegt sich in die entgegen gesetzte Richtung. Das Fangen von Pokémon wird durch den neuen Pokédex ebenfalls einfacher, immerhin hat der Rotom die Funktion euch genau anzuzeigen, in welchem Grasfleck und zu welcher Uhrzeit ihr ein bestimmtes Pokémon fangen könnt. Das funktionier so lange sich das Taschenmonster nicht in einem Gebäude befindet. Nach einem erfolgreichen Fang bekommt ihr zudem einen neuen Bildschirm, auf dem ihr euch die Werte des gefangenen Pokémon ansehen, diese mit eurem aktuellen Team vergleichen und sogar bei Bedarf gleich Pokémon austauschen könnt. Im Gegensatz zu vielen anderen Funktionen des Spiels lässt sich diese in den Optionen sogar deaktivieren. Und falls euch zwischendurch langweilig ist könnt ihr mit dem Rotom sogar auf Fotosafari gehen und wilde Pokémon fotografieren. Schnappschüsse lassen sich sogar auf der SD-Karte speichern, bei Fotos von bislang fremden Pokémon werden diese automatisch in den Pokédex eingetragen. Gute Fotos zu machen kann sich aber auch innerhalb des Spiels auszahlen – eure Schnappschüsse werden mit guten Kommentaren in fiktiven sozialen Netzwerken belohnt und bringen euch besseres Kamera-Equipment.

 

Lasertag

 

VMs oder Fahrräder gehören in „Pokémon Sonne“ ebenfalls der Vergangenheit an und sind dem System der Pokérides gewichen. Bestimmte Pokémon lassen sich entweder als Reittiere verwenden oder wie gewohnt dafür einsetzen um Wasser zu überqueren oder große Gesteinsbrocken aus dem Weg zu räumen. Alola fühlt sich dabei weitaus organischer und natürlicher an als die Rasterstädte der bisherigen Spiele und schafft das schachbrettartige Layout vor allem in den größeren Gebieten zum Vorteil des Spiels ab. Das Pokémon Ami System wurde zu Pokémon Refresh und verzichtet komplett auf Minispiele. Stattdessen könnt ihr eure Pokémon streicheln, füttern bzw. nach bestandenen Kämpfen säubern, was nicht nur deren Fröhlichkeit steigert sondern auch einige negative Statuseffekte heilen kann. Das Level-System wurde ebenfalls angepasst und sorgt dafür, dass züchten und aufleveln stärker voneinander getrennt sind, was sich ebenfalls natürlicher und besser anfühlt als bisher.

 

 

Party People

 

Wer noch mehr Zeit auf Alola verbringen möchtest, kann den Festival Plaza besuchen. Auf diesem könnt ihr Fragen eurer Besucher beantworten und dafür Festival-Münzen erhalten. Diese helfen euch dabei euren Plaza opulenter zu gestalten. Außerdem könnt ihr mit Freunden Items tauschen und Poké-Kämpfe austragen – ganz ohne dem klassischen GameBoy Link-Kabel, das einige von euch womöglich noch von Rot/Blau kennen. Der Plaza ist allerdings nur schmückendes Beiwerk und reichert das hervorragende, umfangreiche Spiel um eine weitere Facette an. Die meiste Zeit werdet ihr ohne Frage auf Alola verbringen, das (wie bei dem Namen womöglich nicht allzu schwer zu erkennen ist) an Hawaii angelehnt ist und auch dem entsprechend aufgebaut wurde. Sowohl optisch als auch akustisch wurden einige Elemente in das Spiel integriert, die die Spielwelt mit zunehmender Spielzeit immer interessanter und organischer erscheinen lassen. Eine dezente Ukulele beim Aufheben von Objekten, beispielsweise. Oder die grundsätzlich hervorragenden Animationen der Charaktere, die perfekt mit der Comic-Optik des Spiels harmonisieren.

 

Spieglein, Spieglein

 

Besonders bemerkenswert sind allerdings die Designs der neuen Pokémon. Wenngleich die Taschenmonster vergangener Generationen oftmals etwas überlagen oder einfach nur hässlich waren sind die Monster der 7. Generation hervorragend gestaltet und lehnen sich angenehm an der Tierwelt oder mystischen Kreaturen an. Nicht nur die Charaktermodelle sind überzeugend und detailliert, auch die Spielwelt kann sich sehen lassen. Während der Erkundungstouren in den abwechslungsreichen Umgebungen überzeugt „Pokémon Sonne“ sowohl auf dem New Nintendo 3DS als auch auf seinem Vorgängermodell. Letzterer bekommt allerdings bei Kämpfen gegen mehr als ein Pokémon schnell Probleme und lässt die Animationen der Charaktere gelegentlich sogar für mehrere Sekunden einfrieren. Ein Problem, das bei dem neuen Modell der Handheld-Konsole glücklicherweise nicht auftritt. Die Musik des Spiels ist wie vom Franchise gewohnt hervorragend und liefert sowohl für die Story als auch für die Kämpfe dynamische Tracks mit Ohrwurm-Charakter, die das Spielgeschehen nicht nur untermalen sondern unterstützen.

 

 

Fazit: Unverzichtbarer Spaß für Poké-Trainer und solche, die es noch werden wollen

 

Mit der aktuellen 7. Generation an Pokémon Spielen bringt Nintendo zahlreiche Veränderungen in das Franchise ein. Die wichtigsten Elemente eines Pokémon Spiels sind zwar nach wie vor vorhanden, die Struktur und andere bekannte Bestandteile der letzten Generationen wurden allerdings stark verändert. So fühlt sich die Spielwelt wesentlich organischer an, das Antreten gegen immer stärker werdende Trainer wurde durch wesentlich abwechslungsreichere Insel Challenges ersetzt und auch das Kampfsystem um übermächtige Z Angriffe und andere Kleinigkeiten erweitert. Viele Veränderungen stecken bei dem von uns getesteten „Pokémon Sonne“ im Vergleich zu bisherigen Generationen im Detail – aber sie zahlen sich allesamt aus. Das Spiel liefert die wahrscheinlich beste Story, die das Franchise jemals erzählt hat, starke Charaktere und ein tolles Spielgefühl. Die Technik des klassischen 3DS ist mit dem Spiel allerdings stark überfordert und beginnt bei Kämpfen gegen mehr als einen Widersacher stark zu ruckeln – mit einem New Nintendo 3DS ist uns das während des Tests allerdings nicht passiert. Fans der Taschenmonster müssen bei diesem Abenteuer unbedingt dabei sein.

 

 

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