Call of Duty - Modern Warfare Remastered [PS4]

Verfasst von Playzocker am 15.11.2016 um 00:09

 

Die Pflicht ruft!

 

Als „Call of Duty“ 2003 das Licht der Welt erblickte beschränkte sich unsere Gaming-Erfahrung noch auf wesentlich einfachere Systeme – und ein großer Teild er aktuellen Zielgruppe des Franchises war noch nicht einmal geboren. Zwei Jahre später veröffentlichte Original-Entwickler Infinity Ward die Fortsetzung „Call of Duty 2“, überließ das Ruder im Folgejahr allerdings Treyarch, die mit „Call of Duty 3“ ebenfalls der Thematik treu blieben. 2007 allerdings kehrte Infinity Ward zurück und veränderte das Erscheinungsbild der Reihe nachhaltig. Einerseits schufen sie mit „Call of Duty 4 – Modern Warfare“ einen der beliebtesten Ego-Shooter aller Zeiten, andererseits versetzten sie die Handlung des Spiels in die Neuzeit. Eine Entwicklung, die nach einem kurzen Ausflug zurück in den zweiten Weltkrieg (Treyarch’s „Call of Duty – World at War“ 2008) konsequent beibehalten wurde und 2016 in dem intergalaktischen Shooter „Call of Duty – Infinite Warfare“ gipfelte. Fans waren über das futuristische Konzept des Spiels mäßig erfreut, wie sich anhand der Kommentare und Dislikes auf YouTube – die das Video zu einem der unbeliebtesten Trailer des Jahres auf der Plattform werden ließen – erkennen kann. Für viele gibt es allerdings noch einen Lichtblick: Wer sich „Call of Duty – Infinite Warfare“ in der Legacy Edition oder einer noch luxuriöseren Ausführung kauft, der bekommt eine Remastered Version von „Call of Duty 4 – Modern Warfare“ mit dazu. Informationen über einen Einzel-Release sind derzeit nicht bekannt. Wir haben den Klassiker auf der PlayStation 4 gespielt und sind dabei etwas in unseren nostalgischen Gedanken versunken.

 

ACHTUNG! WICHTIGER HINWEIS! (dieser Absatz enthält leichte Spoiler)

 

Bevor wir mit dem eigentlichen Testbericht loslegen möchten wir darauf hinweisen, dass „Call of Duty 4 – Modern Warfare“ 2007 nur in einer zensierten Fassung in Deutschland veröffentlicht wurde. Diese Version weist drei Unterschiede gegenüber der Originalversion auf. In den Multiplayer-Statistiken wurde das Wort „Headshots“ recht dezent mit „Volltreffer“ übersetzt. Außerdem gibt es in der 11. Mission eine Szene, in der ihr einen Gegner mit einem Scharfschützengewehr treffen sollt. Egal, wohin ihr zielt verfehlt ihr und trennt ihm den Arm ab. Während in der Originalversion viel Blut fließt kommt die deutsche Version komplett ohne den roten Lebenssaft aus. Die größte Änderung hingegen findet sich im Arcade Modus – beziehungsweise dessen ersatzloser Streichung. Eigentlich schaltet man mit dem Durchspielen des Spiels einen Bonus-Modus frei, in dem man für das Töten von Gegnern Punkte bekommt. Boni für Kopfschüsse oder besonders schnelle Tötungen, schnelles Vorgehen und das Erledigen der Missionen ohne sterben sorgen für zusätzliche Punkte. Es dürfte wohl hauptsächlich dieser Modus gewesen sein, der nicht nur dafür gesorgt hat, dass das Spiel in der Originalfassung keine Freigabe von der USK bekommen hat, dass es zwei Jahre nach seinem Release auf Liste A der Liste für jugendgefährdende Medien landete und dass vor allem selbst 2016 der von Activision unternommene Versuch einer Listenstreichung erfolglos blieb. „Call of Duty 4 – Modern Warfare“ ist somit weiterhin indiziert und erscheint in Deutschland daher auch nur in einer zensierten Remastered Version. Ein Import der PlayStation 4 Version gestaltet sich ebenfalls schwierig, da „Call of Duty 4 – Modern Warfare“ nur als Download-Code beiliegt und nicht auf der Disc enthalten ist. Der Code einer Import-Fassung lässt sich höchstwahrscheinlich von einem deutschen Konto aus nicht einlösen. Außerdem betreffen die Zensuren alle deutschsprachigen Versionen des Spiels, sodass auch die Importversion aus Österreich nur die entschärfte Version enthält.

 

 

Back to the future … in the past

 

Es ist bemerkenswert, wie sich ein Game-Franchise innerhalb von zehn Jahren verändern kann. Was 2007 ein Sprung in die Zukunft ist, ist 2016 angesichts der Geschichte von „Call of Duty – Infinite Warfare“ wieder ein Schritt zurück in die Vergangenheit. Zehn Jahre ist außerdem ein großes Zeitfenster, um Spielern ein effektives und immer noch spielenswertes Remaster zu liefern. Viele überarbeitete Spiele konnten in ihren Neuauflagen nur bedingt überzeugen, da einerseits die Geschichten bzw. das Game Design nicht gut gealtert sind oder gar nur marginaler Aufwand in die Neuauflage an sich investiert wurden. Auf „Call of Duty – Modern Warfare Remastered“ trifft glücklicherweise beides nicht zu. Die Kampagne ist mit einer Nettospielzeit von rund fünf Stunden nicht allzu lang ausgefallen, bietet dafür allerdings abwechslungsreiche und hervorragend durchdachte Missionen, die auch im Jahre 2016 noch überzeugen können. Viele Spieler erinnern sich an „Call of Duty – Modern Warfare“ als einen der besten Shooter des vergangenen Jahrzehnts zurück, und Missionen wie All Ghillied Up oder High Mile Club leisteten dazu ihren wichtigen Beitrag. Auch wenn diese Levels in den vergangenen Jahren oft kopiert wurden wirken sie in der überarbeiteten Version des Originals wieder frisch. Auch heute noch zählt die Kampagne des Spiels sicherlich zu den besten, die das Franchise jemals hervorgebracht hat.

 

Let it be

 

Raven Software hat das Original für „Call of Duty – Modern Warfare Remastered“ einem umfangreichen grafischen Update unterzogen, das grundlegende Gameplay und das Design des Spiels allerdings weitestgehend unangetastet gelassen. Wer das Original in und auswendig kennt, dem werden geringfügige Änderungen im Ablauf einzelner Sequenzen auffallen, die das Spielgeschehen aber allesamt positiv verändern. Zudem wurden einige Bugs des Originalspiels ausgemerzt, andere fanden ihren Weg allerdings auch ins Remaster. Der wichtigste Aspekt der Neuauflage ist allerdings die Grafik und in diesem Punkt hat Raven Software ganze Arbeit geleistet. Vergangene Remastered Games zeigten oft lediglich geringfügig detailliertere und schärfere Texturen, was in Kombination mit der höheren Auflösung zwar ein etwas schöneres Bild erzeugte aber den antiken Look des Spiels nur bedingt beeinflussen konnte. Bei „Call of Duty – Modern Warfare Remastered“ hat man die Grafik dermaßen umfangreich angepasst, dass sich das Spiel auch nach heutigen Standards tatsächlich sehen lassen kann. Zwar spielt „Call of Duty – Infinite Warfare“ grafisch in einer völlig anderen Liga, dennoch braucht sich „Call of Duty – Modern Warfare“ angesichts seines Alters auch nicht zu verstecken. Verleugnen kann das Spiel sein Alter durch das Leveldesign und das Spieltempo allerdings auch nicht.

 

 

How do I look?

 

Während man bei einigen Remastern wie einzelnen Teilen des „Resident Evil“ Franchise tatsächliche Verbesserungen der Grafik mit der Lupe suchen musste springen diese in „Call of Duty – Modern Warfare Remastered“ förmlich aus dem Fernseher. Die Gesichter und deren Animationen wurden von Grund auf neu erstellt und entsprechen fast modernen Standards. Bemerkenswert ist auch, wie sich Raven Software um Kleinigkeiten in den Levels bemüht hat. So ist eine herumliegende Wassermelone nun tatsächlich als solche zu kennen und in einer Küche hängende Pfannen sind nicht mehr nur Deko-Objekte sondern fallen bei Beschuss tatsächlich nach unten. Das ist eines der vorher angesprochenen Details durch die zu erkennen ist, dass man sich bei der Neugestaltung des Spiels viel Mühe gegeben hat. Die dynamische Beleuchtung trägt zudem viel zur Atmosphäre des Spiels bei, sodass einzelne Sequenzen im direkten Vergleich mit dem Original kaum wiederzuerkennen sind. Zudem spielt sich das Spiel dank einer Bildwiederholungsrate von 60fps angenehm flüssig. Wenngleich vereinzelte Umgebungstexturen oder eine Rauchwolke gegen Ende der Kampagne von „Call of Duty – Modern Warfare Remastered“ etwas schwächer aussehen als der Rest des Spiels ist der allgemeine Look dieser überarbeiteten Version hervorragend, die Änderungen sinnvoll und vor allem rein kosmetisch. Wer das Original gespielt hat wird sich in der neuen Version zurechtfinden.

 

10 out of 16 cats

 

Zusätzlich zu der Kampagne des Originals bietet „Call of Duty – Modern Warfare Remastered“ auch zehn Multiplayer-Maps. Die noch fehlenden sechs sollen nächsten Monat über ein kostenloses Update nachgereicht werden. Wer in den letzten Jahren viele Stunden in den Mehrspieler-Schlachten der letzten „Call of Duty“ Spiele verbracht hat, wird sich für „Call of Duty – Modern Warfare Remastered“ etwas umgewöhnen müssen. Das hektische Gameplay der (noch) moderneren Ausgaben ist zwar auch hier im Ansatz vorhanden, fühlt sich allerdings komplett anders an. Das Spieltempo ist zwar bereits wesentlich höher als beispielsweise in „Battlefield 1“ aber dennoch deutlich langsamer als in „Call of Duty – Infinite Warfare“. Zudem bleibt ihr in „Call of Duty – Modern Warfare Remastered“ wesentlich mehr auf dem Boden der Tatsachen. Dem Angriff eines Gegners mit einem rasanten Doppelsprung auszuweichen und dann an der Wand entlang in Sicherheit laufen ist hier nicht möglich, hier müsst ihr noch auf die gute alte Art und Weise Deckung suchen. Zudem ist das Balancing des Multiplayer-Geschehens völlig anders. Mit zahlreichen übermächtigen und anderen beinahe nutzlosen Fähigkeiten macht es fast noch mehr Spaß, die verschiedenen Optionen freizuschalten, auszuprobieren und den eigenen Soldaten zu individualisieren. Beim Gameplay hat sich Raven Software darauf konzentriert, nur Kleinigkeiten anzupassen um den Spielern eine möglichst originalgetreue Spielerfahrung liefern zu können.

 

 

Stay down, soldier!

 

Dem Map Design merkt man das Alter des Spiels sowohl im Singleplayer als auch im Multiplayer am deutlichsten an. Während aktuelle Maps viel Wert auf Dynamik und das Unterstützen verschiedener Spielstile legen wirken die Umgebungen in „Call of Duty – Modern Warfare Remastered“ teilweise etwas überladen. Sowohl Gebäude als auch zerstörte Autos und andere Objekte bieten bestenfalls Deckung oder helfen bei der Suche nach sicheren Punkten um sich zu platzieren, andere Maps wiederum bieten große, offene Areale, die Spieler zu einer sicheren Zielscheibe machen. Damit ist das Map Design abwechslungsreich und erfüllt die Standards, die Spieler vor zehn Jahren von Shootern gewohnt waren, heutzutage haben sich diese allerdings drastisch verändert. Neben kleineren Änderungen zugunsten des Balancings ist die offensichtlichste Neuerung in „Call of Duty – Modern Warfare Remastered“, dass auch der bei „Call of Duty – Modern Warfare 3“ erst eingeführte Spielmodus Kill Confirmed mit an Bord ist, der sich aber sehr gut mit den klassischen Maps verträgt und sogar die spannendsten Multiplayerschlachten ermöglicht.

 

Fazit: Hervorragend überarbeitetes Kultspiel mit ärgerlicher Zensur

 

Activision hat sich bemüht „Call of Duty – Modern Warfare Remastered“ auch in Deutschland ungeschnitten veröffentlichen zu können. Der Antrag auf Listenstreichung wurde allerdings abgelehnt, sodass sich deutsche Spieler nachwievor mit der bekannten, zensierten Version zufriedengeben müssen. Leider enthalten auch deutschsprachige Importversionen nur die zenszierte Version, was gleichermaßen überraschend und ärgerlich ist. Als österreichisches Entertainment-Magazin halten wir für diesen Umstand eine Abwertung um 0,5 Punkte für angebracht. Das Hauptspiel an sich macht auf der PlayStation 4 allerdings eine sehr gute Figur. Die Grafik wurde mit viel Liebe zum Detail aufbereitet, der Unterschied zwischen dem Original und dem Remaster ist wesentlich deutlicher als bei zahlreichen anderen überarbeiteten Spielen. Das Spiel kann sein Alter zwar nicht verleugnen – insbesondere im Map Design hat sich das Genre in den letzten Jahren massiv weiterentwickelt – aber bietet sowohl Fans als auch Neueinsteigern die Möglichkeit, eines der beliebtesten Spiele aus dem „Call of Duty“ Franchise in einer generalüberholten, optisch überzeugenden Version spielen zu können. Schade wird für einige allerdings sein, dass das Spiel zum Zeitpunkt dieses Testberichts nur im Bundle mit „Call of Duty – Infinite Warfare“ verkauft wird.

 

 

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