Call of Duty: Infinite Warfare [PS4]

Verfasst von Playzocker am 13.11.2016 um 22:16

 

Haters Gonna Hate

 

2016 war kein gutes Jahr für Infinity War und das „Call of Duty“ Franchise. Der erste Trailer von „Call of Duty – Infinite Warfare“ stritt sich mit dem Trailer zum „Ghostbusters“ Remake um das unbeliebteste Video des Jahres auf YouTube und selbst zu den ersten Gameplay-Szenen inklusive der kürzlich veranstalteten Beta-Phase äußerten sich Spieler weitestgehend negativ. Aber wie kann es passieren, dass ein beliebtes Franchise auf einen Schlag dermaßen in Verruf gerät? Die Antwort darauf ist recht schnell gegeben. „Call of Duty“ und seine beiden Sequels gelten für viele als drei der besten Shooter mit der Thematik des 2. Weltkrieg. 2007 ging Infinity Ward mit „Call of Duty – Modern Warfare“ einen neuen Weg und setzte das Szenario in der Zukunft an, bevor Treyarch im Folgejahr mit „Call of Duty – World at War“ wieder in den 2. Weltkrieg zurückkehrte. Seit diesem Zeitpunkt entfernte sich das Franchise – im wahrsten Sinne des Wortes – immer weiter von seinen Wurzeln und legte seinen Fokus auf futuristisches Gameplay. Viele Fans wünschen sich seit einigen Jahren wieder ein „Call of Duty“ mit historischem Hintergrund und reagierten entsprechend wütend über Infinity Wards Entscheidung, einen weiteren Schritt in die „falsche“ Richtung zu tun. Jetzt ist „Call of Duty – Infinite Warfare“ erschienen und wir haben auf der PlayStation 4 überprüft, ob der Vorschuss-Giftefeu gerechtfertigt war, oder ob das Spiel womöglich eine der großen Überraschungen des Jahres 2016 darstellt.

 

Beam Me Up, Scotty

 

Es ist ein Szenario, das uns in einigen Jahrzehnten tatsächlich blühen könnte, sollten wir den Umgang mit unserer Umwelt und den Ressourcen unseres Planeten nicht überdenken. Die Erde ist völlig ausgelaugt und die Menschen müssen sich andere Planeten suchen, um weiterhin die benötigten Rohstoffe abzubauen. Die Expansion im Weltall geht allerdings schief und es bilden sich zwei Gruppierungen. Die Settlement Defense Force (SDF) übernimmt in dieser Geschiche die Rolle der Widersacher, attackiert Siedler auf brutale Weise und sabotiert deren Pläne. Angeführt wird die SDF von Salen Kotch, dessen englische Originalstimme vor allem „Game of Thrones“ Fans als die von Kit Harrington wiedererkennen könnten. Wir empfehlen, das Spiel in der englischen Originalfassung zu spielen, da die englischen Sprecher hervorragende Arbeit geleistet haben und die deutschen Kollegen lediglich mittelmäßig klingen. Nachdem Treyarch vergangenes Jahr bei „Call of Duty – Black Ops 3“ in Sachen Storytelling einen etwas anderen Weg gegangen ist verlässt sich Infinity Ward wieder auf eine klassische „Gut gegen Böse“ Story. Wenngleich die Inszenierung der Geschichte phantastisch ist schafft es die knapp sechs Stunden lange Kampagne nicht, uns eine emotionale Bindung zu den Charakteren aufbauen zu lassen. Wenngleich diese nicht unsympatisch oder bedeutungslos erscheinen leben wir über die Laufzeit der Geschichte mit ihnen mit, ohne uns von deren Schicksal wirklich berühren zu lassen. Besonders deutlich wird das bei Widersacher Kotch, der nach seinem hervorragenden Auftritt gegen Ende recht blass bleibt und letztendlich einer der uninteressantesten Kontrahenten der „Call of Duty“ Geschichte ist.

 

 

You magnificent bastard, I read your book!

 

Grundsätzlich läuft die Kampagne von „Call of Duty – Infinity Warfare“ recht streng nach dem Lehrbuch ab, bietet aber dennoch einige Neuerungen für das Franchise. Zum ersten Mal seid ihr nicht ausschließlich an eine lineare Erzählweise und ein ebenso lineares Leveldesign gebunden sondern habt gelegentlich geringfügige Freiheiten. Diese beschränken sich allerdings weitestgehend darauf, dass ihr in der Kommandozentrale eures Schiffs in bester „Mass Effect“ Manier neben der nächsten Hauptmission auch verschiedene Nebenmissionen auswählen könnt, die das Spielgeschehen auflockern. Auch habt ihr wie bereits bei „Call of Duty – Black Ops 3“ die Möglichkeit, die Hauptmissionen in beliebiger Reihenfolge zu spielen. Das passt allerdings bei „Call of Duty – Infinite Warfare“ wesentlich besser zum Konzept des Spiels. Eine tatsächliche Möglichkeit, in die Geschichte des Spiels oder die Beziehung der Charaktere zueinander einzugreifen, bekommt ihr nicht. Die Nebenmissionen gliedern sich dabei in zwei verschiedene Kategorien. Bei den Jackal-Gefechten klemmt ihr euch wie an anderen Stellen der Kampagne hinter das Steuer eures Raumjägers und erfüllt repetitive Zerstörungsmissionen. Anders ist es bei den Ship Assaults in denen ihr gegnerische Schiffe angreifen müsst und beispielsweise einen Prototypen sicherstellen oder eine Waffe unschädlich machen müsst. Diese Missionen spielen sich recht abwechslungsreich und kommen den tatsächlichen Einzelspieler-Missionen des Spiels recht nahe. Die insgesamt neun Nebenmissionen beschäftigen euch ca. drei Stunden.

 

Wo war noch mal dieser rote Faden?

 

Den Überblick über die einfache Geschichte werdet ihr durch die Nebenmissionen nicht verlieren – im Gegenteil. Nachdem bereits „Call of Duty – Black Ops 3“ eine Hub Area bot, in der ihr euer Loadout verändern und Upgrades kaufen konntet bekommt ihr in „Call of Duty – Infinite Warfare“ zum ersten Mal einen ersten Hauch von offenerem Gameplay geboten. Hauptsächlich werdet ihr die Kommandozentrale aber dennoch nur aufsuchen, um die nächste Mission in Angriff zu nehmen. Durch das Weltall-Setting hat das Spiel die Möglichkeit, visuell noch mehr Abwechslung auf euren Bildschirm zu zaubern als seine Vorgänger. Und das Spiel profitiert davon, wenngleich der grundlegende Spielaufbau recht bekannt ist. Logischerweise gibt es neben den regulären Schießereien mit Gegnern aus Fleisch und Blut bzw. Metall und Hydraulikflüssigkeit Fahrzeugpassagen und kurze Schleichpassagen als Verschnaufpause, die konventionellen Puzzleteile wurden allerdings gekonnt kombiniert. Womit „Call of Duty – Infinite Warfare“ besonders überzeugen kann ist seine Soundkulisse, die auch dank der gelungenen musikalischen Untermalung von Sarah Schachner viel Atmosphäre aufbauen kann. Neben den gewohnten, pompösen Fanfaren sind es vor allem ruhigere Momente, in denen die Musik besonders zur Geltung kommt.

 

 

Houston, wir haben ein Problem!

 

Dadurch hat „Call of Duty – Infinite Warfare“ sogar vereinzelte, kurze Momente, in denen der Look und die Atmosphäre an „Dead Space“ erinnern könnte. Alleine schon, wenn man ein riesiges Fenster zerschießt um Gegner nach draußen saugen zu lassen. Oder wenn man, wie bereits in einer Vorab-Demo gezeigt, vor Sonnenstrahlen davon laufen muss um nicht bei lebendigem Leib verbrannt zu werden. Derartige Passagen und kurze Zero-Gravity-Einlagen sind es, die das Gameplay von „Call of Duty – Infinite Warfare“ von bisherigen Ablegern der Reihe abheben und dazu führen, dass sich die grundsätzlich konventionelle Story weitaus weniger konventionell anfühlt. Die einzelnen Missionen sind lang und werden sehr abwechslungsreich in Szene gesetzt. Trotz der leichten Kritikpunkten an der Kampagne sollte festgehalten werden, dass „Call of Duty – Infinite Warfare“ die wahrscheinlich beste Einzelspieler-Erfahrung seit „Call of Duty – Modern Warfare 2“ bietet. Technisch hat Infinity Ward dabei von ins Schwarze getroffen. Die Steuerung funktioniert wie gewohnt hervorragend und lässt euch die dynamischen Hüpf- und Slide-Manöver sowie Wall Runs ohne merkbare Verzögerungen ausführen. Das Handling der Waffen ist zudem flüssig, sodass sowohl in der Kampagne als auch im Multiplayer-Modus dynamisches Gameplay möglich ist. 

 

Space. The Final Frontier.

 

Zum flüssigen Gameplay trägt auch bei, dass „Call of Duty – Infinite Warfare“ grundsätzlich auf der PlayStation 4 grundsätzlich mit 60fps laufen möchte. Zwar schafft es das nicht immer und sackt oftmals auch in die niedrigen 50er ab, auffällige Slow Downs oder gar Ruckler sind bei unserem Test nicht aufgetreten. Grafisch liefert das Spiel eine solide Performance ab. Vor allem dank der hervorragenden Lichteffekte machen vor allem die zuvor angesprochene Flucht vor den Sonnenstrahlen und andere Segmente im Weltall einen besonders beeindruckenden Eindruck. Das Spiel bietet viele abwechslungsreiche Texturen und damit einzigartige Locations. Bemerkenswert sind vor allem Grafikeffekte, die ihr bei Rauch, Staub oder dem Einsatz einiger futuristischer Waffen zu Gesicht bekommt. Diese sind es – vor allem in Kombination mit erhöhtem Gegneraufkommen – auch, die gelegentlich die Framerate etwas zurückgehen lassen. Bei näherer Betrachtung fallen allerdings immer wieder Texturen wie beispielsweise Wände auf, die weit weniger Details zu bieten haben, als man von einem AAA-Spiel aus dem Jahre 2016 erwarten würde. Überraschend ist, dass es Infinity Ward gelungen ist trotz des völlig neuen Settings ein Spiel zu entwickeln, dass sich sowohl optisch als auch spielerisch hervorragend in das „Call of Duty“ Franchise einreiht.

 

 

Silence is Golden

 

Zum Franchise gehören auch die wuchtigen Waffensounds, durch die der Austausch von Projektilen jeglicher Art erst zum bedrohlichen wie schweißtreibenden Kraftakt wird. Einzelne Waffen hätten zwar noch etwas druckvoller klingen können und vor allem vom Lase hätten wir uns einen weniger klischeehaften Klang erwartet, insgesamt kann man mit dem Klangbild von „Call of Duty – Infinite Warfare“ aber sehr zufrieden sein, was das Spiel natürlich zu großen Teilen auch dem hervorragenden Soundtrack von Sarah Schachner sowie den guten Sprechern zu verdanken kann. Diese betreiben keinesfalls Overacting, sondern finden sich fast schon dezent in ihre Rollen ein, was den Charakteren und Situationen einen noch realistischeren Anstrich verleihen kann. Allerdings gibt es bei der Soundkulisse ein großes Problem: Eigentlich sollte es diese gar nicht geben. Eigentlich! Immerhin ist das Weltall bekannt als luftleerer Raum, in dem logischerweise auch keine Schallübertragung stattfinden kann. Nachdem bereits „Raumschiff Enterprise“ in den 60er Jahren wusste, wie spannend Weltraumsequenzen ohne Ton sein würden kann man es „Call of Duty – Infinite Warfare“ nicht übelnehmen, den wohl gängigsten Logikfehler der Film-/Videospielgeschichte ebenfalls auszuleben. Im Schlimmsten Fall kann man bei den Weltraumschlachten mittels „Mute“-Knopf den Realismusgrad in Eigenregie erhöhen. Dadurch würde man allerdings etwas verpassen, immerhin liefern die Schlachten eine bombastische Soundkulisse und könnten akustisch das absolute Highlight des Spiels darstellen.

 

So schwer wie noch nie zuvor

 

Zumal Infinity Ward es auch hervorragend verstanden hat, die Standard-Steuerung des Spiels auf euren Raumgleiter, den Jackal, zu übertragen, dessen Handhabung ist intuitiv und geht von der ersten Sekunde an leicht von der Hand. Dadurch machen die Flugsequenzen trotz des eher eintönigen Missionsdesigns viel Spaß. Die Aufgaben in den Flugsequenzen beschränken sich beist darauf etwas zu zerstören, etwas kaputt zu machen oder so lange auf etwas zu schießen, bis dieses in Flammen aufgeht. Den physikalischen Hintergrund von bildgewaltigen Explosionen im luftleeren Raum lassen wir an dieser Stelle ebenfalls unangesprochen. Allerdings muss man aufpassen, da Gegner euch gerne von hinten überraschen und das selbst auf dem normalen Schwierigkeitsgrad schnell euer Ende bedeuten kann. Generell könnt ihr in „Call of Duty – Infinity Warfare“ nicht allzu viel aushalten. Der Schwierigkeitsgrad ist dennoch weitestgehend fair, vereinzelte Frustmomente durch ungünstige Gegnerspawns außen vor gelassen. Zusätzlich zu den gewohnten Schwierigkeitsgraden bietet das Spiel übrigens noch einige verschärfte Modi. In „Spezialist“, den ihr erst nach dem einmaligen Durchspielen freischaltet, zeigt jeder Treffer eine nachhaltige Wirkung. Werdet ihr ins Bein getroffen, könnt ihr nicht mehr richtig gehen. Nach einem Treffer in den Arm fällt euch das Zielen schwer. Heilen könnt ihr euch pro Mission nur drei Mal. Eine interessante Herausforderung und vor allem eine völlig neue Spielerfahrung. Wer es noch eine Spur härter möchte, der spielt den YOLO-Modus, in dem ihr die komplette Kampagne mit nur einem einzigen Leben schaffen müsst. Um es mit den Worten des Angry Video Game Nerd zu sagen: „One Life? No Continues?“

 

 

Brrrrrraaaaaaiiiiinnnnssssss!

 

Was wäre „Call of Duty“ ohne einen Zombie-Modus? Nachdem „Call of Duty – Black Ops 3“ vergangenes Jahr bei diesem Modus recht enttäuscht hat – dieser war für viele Spieler schlichtweg zu schwierig und vor allem zu uninteressant – hat sich Infinity Ward für „Call of Duty – Infinite Warfare“ etwas Besonderes einfallen lassen. Ein Film im Film im Spiel im Spiel. Klingt komisch, ist aber so! Ihr seid ein Schauspieler, der unter der Führung eines zweifelhaften Produzenten bei einem Zombiefilm mitwirken wollt. Blöd nur, dass die Zombies echt sind – und euer Überlebenskampf damit auch. Nach einer unterhaltsamen, gezeichneten Zwischensequenz werdet ihr in den Spielmodus entlassen, in dem ihr euch zu Beginn ein Kartendeck zureckt legen müsst um im Laufe der Partie mit diesem wertvolle Boni freizuschalten. Abschüsse werden wiederum finanziell vergütet, sodass ihr euch an Automaten Nachschub besorgen könnt. Zum Launch bietet der Modus nur die Map „Zombies in Spaceland“, andere werden wohl wie vergangenes Jahr per DLC nachgereicht. Das große Highlight des Zombie-Modus ist allerdings David Hasselhoff, der nicht nur den Soundtrack überwacht sondern auch in das Match eingreifen kann. Dieses Jahr ist der Zombie-Modus wieder genau das, was er sein soll – ein kurzweiliges Vergnügen für zwischendurch.

 

Army of Two

 

Der Modus, in dem Spieler auch heuer wieder vermutlich die meiste Zeit verbringen werden ist der kompetitive Mehrspieler-Modus. Dieser setzt den Stil von „Call of Duty – Black Ops 3“ fort und setzt durch das Layout der Maps noch etwas mehr auf Vertikalität. Rasantes Gameplay mit Doppelsprüngen, Slides, Wallruns, etc. sind somit auch diesmal nicht nur mit von der Partie sondern schon fast Pflicht, wenn man auf dem Schlachtfeld eine gute Figur machen will. Wer lieber langsamere, realistischere Multiplayer-Schlachten austrägt, der ist mit „Battlefield 1“ definitiv besser bedient. Wer hingegen das dynamische Gameplay von „Call of Duty – Black Ops 3“ geschätzt hat, wird sich auch heuer sofort in der Multiplayer-Welt des COD-Universums zurecht finden. Zwar hat Infinity Ward einige Details verändert, in gewisser Hinsicht gehen die Änderungen allerdings auch nicht weit genug. Zum Launch bietet das Spiel 12 verschiedene Maps und über 15 Spielmodi – Zahlen, die auf den ersten Blick beeindruckend aussehen. Und das sind sie auch, allerdings bietet der Multiplayer-Modus des Spiels weitestgehend altbekannte Spielmodi und geht keinerlei Risiken ein. Dieses „sichere“ Gameplay bekommt man auch auf den Maps zu spüren die zwar unterschiedliche Stile unterstützen und wie von „Call of Duty“ gewohnt recht kompakt ausgefallen sind, aber ebenfalls nichts bieten das man nicht bereits im Vorfeld hätte erwarten können. Raum für DLC hat man sich hier ebenfalls gelassen, da nahezu alle Locations aus der Kampagne abgedeckt sind, aber es beispielsweise beine Multiplayer-Gefechte in der Schwerelosigkeit gibt.

 

 

Never change a winning team

 

Trotzdem gibt es einige interessante Änderungen an der Funktionalität des Mehrspieler-Modus. So wurde das mit „Call of Duty – Black Ops 3“ eingeführte Klassensystem wieder überarbeitet. Vergangenes Jahr gab es die Spezialisten, dieses Jahr werden die Combat RIGs angeboten. Diese bieten euch weitaus mehr Individualisierungsmethoden durch die Kombination von sechs Grundausstattungen, sowie zahlreichen Payloads (Spezialfähigkeiten) und Traits (Perks). Durch die zahlreichen Kombinationsmöglichkeiten kann sich jeder Spieler seinen Charakter so zusammenstellen, wie er ihn auf dem Schlachtfeld am besten einsetzen kann. Dazu ist es natürlich auch notwendig, verschiede Möglichkeiten auszuprobieren und Zeit in das Kennenlernen des Klassensystems zu investieren. In den ersten Spielstunden kann dieses aufgrund der Vielzahl an Kombinationsmöglichkeiten noch schwer überschaubar wirken, was vor allem an der Vielzahl der freischaltbaren Waffen und Gadgets liegt. Vor allem die Menge der verfügbaren Waffen, Skins und Gadgets ist so groß, dass man froh sein wird diese erst langsam mit einigen Levelaufstiegen freizuschalten. Das Balancing der einzelnen Spielelemente – vor allem das der oftmals vernichtenden Spezialfähigkeiten – ist recht gut ausgefallen, zumindest in unserem Test kurze Zeit nach dem Launch des Spiels sind uns keine schwerwiegenden Balancing-Probleme aufgefallen. Der Einstieg in die Multiplayer-Erfahrung ist Infinity Ward allerdings gut gelungen, da man sich zu Beginn automatisch den Wolverines aus der Kampagne anschließt und später natürlich auch anderen Teams beitreten kann. Insgesamt gibt es vier verschiedene Teams, die jeweils exklusive Aufträge in Form von Mini-Missionen bereit halten und euch für deren Erfüllung mit weiteren Goodies belohnen.

 

Modus Operandi

 

Mit über 15 Spielmodi hat Infinity Ward ein umfangreiches Multiplayer-Paket geschnürt. Logischerweise könnt ihr euch in den altbekannten Modi wie Deathmatch, Domination, Uplink oder Kill Confirmed mit anderen Spielern aus der ganzen Welt matchen, mit Defender und Frontline sind allerdings auch zwei neue Modi mit von der Partie. Defender erinnert dabei am ehesten an Oddball aus dem „Halo“-Franchise. Dabei spawnt auf der Karte eine Drohne, die ein Spieler in seinen Besitz bringen kann. Dadurch sammelt er für sein Team Punkte. Ziel des Spiels ist es also, die Drohne so lange wie möglich im Besitz zu haben – statt sich nur verschanzen und auf den Feuerschutz der Teamkameraden hoffen zu können ist es auch möglich, die Drohne zu einem Mitspieler zu passen. Für besseres Balancing wird die Drohne in regelmäßigen Abständen zurückgesetzt. Frontline dürfte eher ein Modus für „Call of Duty“ Neulinge sein. In diesem gibt es vor der Basis eures Teams eine Sicherheitszone, die euch doppelte Lebensenergie verpasst. Dafür bekommt ihr für einen Kill in diesem Bereich nur einen halben Punkt. Außerhalb der Zone habt ihr weniger Energie, bekommt dafür aber den vollen Punkt. Während Defender etwas Neues zum Multiplayer-Modus des Spiels beiträgt werden „Call of Duty“ Veteranen auf Frontline wohl getrost verzichten können.

 

 

Hunde, wollt ihr ewig leben?

 

Für Einsteiger ist „Call of Duty – Infinite Warfare“ aber eigentlich kaum geeignet. Das Spiel leidet unter demselben Problem, das auch bereits andere Teile des Franchise geplagt hat: dem Matchmaking. Das Spiel nützt eine Mischung aus Dedicated und Peer-to-Peer Servern und findet daher sehr schnell ein Spiel für euch. Das Problem ist dabei, dass das Spiel keine Anpassung an euren Spielerlevel vornimmt und euch daher bereits zu Beginn in eine Lobby mit erfahrenen Spielern schickt, gegen die ihr logicherweise keine Chance habt. Der Einstieg in den Multiplayer des Spiels wird für einige daher frustrierend, unangenehm und schlichtweg enttäuschend sein, was im Umkehrschluss dazu führen kann, dass sich eine von „Call of Duty – Infinite Warfare“ genauso schnell abwenden wie vergangenes Jahr von „Call of Duty – Black Ops 3“. Sehr schade, denn das ist ein Problem, das „Battlefield 1“ beispielsweise nicht hatte. Dafür bietet „Call of Duty – Infinite Warfare“ die Möglichkeit, online im Splitscreen gemeinsam mit einem Freund von der selben Konsole aus zu spielen. Zudem können logischerweise auch Partien gegen Bots bzw. lokal gegen Freunde ausgetragen werden. Im Gegensatz zu „Call of Duty – Black Ops 3“ dürft ihr die Kampagne von „Call of Duty – Infinite Warfare“ allerdings nicht im Ko-Op mit Freunden spielen sondern seid ausschließlich auf euch allein gestellt.

 

Fazit: Hervorragende Kampagne, aber wenig Neues im Multiplayer

 

„Call of Duty – Infinite Warfare“ hatte es nicht leicht bei den Fans des Shooter-Franchises. Viele wollen, dass „Call of Duty“ endlich wieder dorthin zurückkehrt, wo es herkommt – in den zweiten Weltkrieg. Aber Infinity Ward kehrt diesem wortwörtlich den Rücken und reist weiter in die Zukunft. Zum ersten Mal in der Geschichte von „Call of Duty“ gibt es nicht nur Weltraumschlachten, sondern auch geringfügig offene Spielabschnitte in denen ihr auch optionale Nebenmissionen annehmen könnt. Trotz des von vielen unerwünschten Settings überzeugt „Call of Duty – Infinite Warfare“ mit einer hervorragenden, bombastisch inszenierten Kampagne, deren Charaktere zwar allesamt etwas blass bleiben, die allerdings durch die beeindruckende Soundkulisse, gute Lichteffekte und spielerische Abwechslung in der ca. sechs Stunden langen Laufzeit einiges zu bieten hat. Der Zombie-Modus überzeugt weit mehr als vergangenes Jahr, vor allem, weil der Schwierigkeitsgrad wesentlich fairer ausgefallen ist. Im Multiplayer-Modus erwarten euch viele bekannte Spielmodi, aber auch bekannte Probleme. So wird man nach wie vor zu Beginn seiner Multiplayer-Karriere mit etwas Pech in einer Lobby mit lauter erfahrenen Spielern und entsprechender Ausrüstung landen und dem entsprechend schlechte Karten haben. Eine frustrierende Erfahrung, aber wer bereits von den Vorjahren entsprechende COD-Skills mitbringt bzw. die Geduld mitbringt um sich diese anzueignen kann sich Stunden, Wochen oder gar Monate lang in den Mehrspielerschlachten des Spiels verlieren.

 

 

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