Dragonball Xenoverse 2 [PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 02.11.2016 um 11:28

 

Dragonball meets Destiny

 

Für viele war "Dragonball" der Start in die Leidenschaft für Manga und Anime. Nachdem in den 42 Bänden der Hauptserie die Suche nach den sieben Dragonballs einge Male wiederholt wurde und sich so mancher Kampf über zig Taschenbücher hinzog, folgten mit Ablegern wie "Dragonball Z", "Dragonball GT" und "Dragonball Kai" einige Serien, die die Story von Son Goku, Bulma und Muten-Roshi weitererzählten. Die Beliebtheit der Serie ist ungebrochen, aktuell gibt es mit "Dragonball Super" eine neue Staffel der Anime-Serie und samt unzähligen Kinofilmen und Videospielen für keinen Fan, Grund zu jammern. Nun erscheint mit "Dragonball Xenoverse 2" nur eineinhalb Jahre nach dem Erstling der überarbeitete Nachfolger, der quasi "Destiny" für "Dragonball"-Fans sein könnte. Ob die Mixtur aus Rollenspiel und Beat'em Up überzeugen kann, lest ihr in den folgenden Zeilen.

 

Back to the past!

 

Ohne große Umschweife startet das Spiel mit dem Charaktereditor, der euch umfassende Methoden bietet, eure Figur so zu gestalten, wie ihr möchtet. Nach der Wahl aus fünf Rassen wie Erdling, Sayajin oder Namekianer entscheidet ihr über Geschlecht, Aussehen und Name eures Charakters. Anschließend heißt euch die Kaoshin der Zeit in Conton City willkommen und schickt euch nach erfolgreicher Beendigung des Tutorials gleich auf eure erste Mission. Denn ihr müsst den Rou Kaoshin finden, der euch mehr über Sinn und Zweck eures Daseins erklären wird. Auch dieser zögert nicht lange und entsendet euch in die Vergangenheit, wo ihr den Kampf zwischen Son Goku und Radditz positiv beeinflussen sollt. Denn wie ihr dann noch erfahren werdet, reisen die beiden Dämonen Towa und Miira durch die Zeit und verändern Kämpfe zu Gunsten der Bösewichte. Dies sollt ihr künftig in der Rolle als Zeit-Soldat der Zeitpatrouille verhindern.

 

 

Kämpfen, kämpfen, kämpfen

 

Wie auch schon die Anime- und Manga-Vorlage, dreht sich "Dragonball Xenoverse 2" trotz Rollenspiel-Aspekt hauptsächlich ums Prügeln. So nehmt ihr nach und nach Missionen an, in denen ihr zu wichtige Kämpfe der Vergangenheit reist und euch entweder solo oder im Team mit einem oder mehreren Gegnern prügelt. Weiterhin könnt ihr in Conton City allerlei andere Beschäftigungen finden, die sich aber letztlich zu 90% ums Kämpfen drehen. So trefft ihr auf Charaktere aus der Serie, die euch in Trainingseinheiten neue Spezialmanöver beibringen oder erledigt für Bekanntheiten wie Mr. Satan oder Boo Missionen. Für Letzteren sammelt ihr zum Beispiel Essen und füttert den einstigen Rivalen von Son Goku damit, so dass er Nachfahren bekommen kann. Diese Missionen haben meistens einen starken Bezug zu dem auftraggebenden Charakter und bieten somit einiges an Fanservice.

 

Das A und O ist aber wie in jedem Rollenspiel das Hochleveln eures Charakters und das Auffinden von wertvollen und seltsamen Items. Dies könnt ihr nicht nur durch die normalen Storymissionen oder die erwähnten Nebenaufgaben, sondern auch durch die sogenannten Parallelquests. Diese bestreitet ihr entweder online oder offline mit zwei KI-Kollegen an eurer Seite. Besonders in diesem Modus gibt es immer wieder zahlreiche, hilfreiche Items als Belohnung für euren Erfolg. Conton City ist dabei in verschiedene Bezirke unterteilt. So gibt es einen Bereich für Shops(für Kleidung, Items oder Fähigkeiten), für Online-Kämpfe oder eben für die Storymissionen. In der Welt verstreut findet ihr auch immer wieder unterschiedliche Gegenstände oder trefft auf NPCs, die euch entweder neue Gesten lernen oder Quests für euch bereithalten.

 

 

Optik wie aus einem Anime



Seitdem die HD-Optik Einzug in die Welt der Videospiele gehalten hat, profitieren vor allem Anime-Versoftungen vom technischen Fortschritt. Denn so ist eine originalgetreue Umsetzung der Vorlage möglich und auch "Dragonball Xenoverse 2" sieht in guten Momenten aus wie der Anime. Vor allem die Charaktere sind wunderschön modelliert und scheinen wie von Akira Toriyama persönlich handgezeichnet. Auch die Effekte der Kämpfe könnten direkt aus der Comicvorlage stammen. Zur Umgebung und der Hintergrundgrafik kann man leider nicht so viel Positives sagen. Denn diese ist höchstens zweckmäßig und leider sehr steril. Weiterhin wiederholen sich so manche Texturen wie z.B. der Boden sehr häufig, was zu dem langweiligen Look der Umgebung beiträgt. Was wirklich negativ auffiel, war der milchige Filter, der über einigen Zwischenszenen lag und die Farben verblassen ließ. Komischerweise tritt dieser aber nicht in allen Sequenzen auf. Neben den Szenen mit Ingame-Grafik wird das Spiel hin und wieder mit Anime-Szenen aufgelockert.

 

Technisches KO?

 

Eigentlich müsste man Bandai Namco dafür loben, dass sie auch die PS Vita immer noch mit aktuellen Titeln wie "Dragonball Xenoverse 2" versorgen. Dadurch kann sich aber die hier getestete PS4-Version technisch nicht mit Ruhm bekleckern, denn das Spiel wäre so wohl auch auf der PS3 möglich gewesen. Zwar läuft das Spiel technisch einwandfrei, aber gerade in Sachen Texturvielfalt und Umgebungsgrafik wäre hier wohl ohne Rücksicht auf Sonys Handheld mehr drin gewesen. Auch dass sich die Schäden in den Levels nach kurzer Zeit wieder wie von Geister Hand selber reparieren, hätte man vermeiden können und ist wohl auf die Hardware-Beschränkungen der Vita zurückzuführen. Die Kämpfe laufen dank Lockon-Funktion gut ab, jedoch verliert man dann doch hin und wieder den Überblick. Dies ist vor allem dem Durchschalten der Ziele per rechtem Analogstick geschuldet, den man ja üblicherweise zum Drehen der Kamera nutzt. Dass ihr bei den meisten Kämpfen in der Luft unterwegs seid, erschwert das Ganze ab und an und fordert euren Orientierungssinn.

 


 

Gut gelungen ist die Steuerung eurer Figur. Neben einer leichten und schweren Attacke, könnt ihr außerdem noch KI-Angriffe durchführen wie z.B. Feuerbälle verschießen. Eure Spezialattacken vollführt ihr dann per Knopfdruck mit einer Kombination aus Schulter- und Aktionsbuttons. Ganz großer Kritikpunkt außerdem: die Musik! Beim rockigen Openingsong im Titelbildschirm ist man noch positiv überrascht, aber was das Spiel dann in den folgenden Stunden bietet, ist kaum in Worte zu fassen. Besonders die Melodie während des Aufenthalts in Conton City verursacht mit hoher Wahrscheinlichkeit Ohrenkrebs. Glücklicherweise kann man zumindest bei der Sprachausgabe zwischen englischem und japanischem Ton wählen.

 

Zusammen ist man stärker

 

Der Online-Faktor ist ein wichtiger und großer Bestandteil von "Dragonball Xenoverse 2". So trefft ihr in Conton City neben NPCs nämlich auch auf andere Mitspieler aus aller Welt. Mit diesen könnt ihr euch zu einem Team zusammenschließen und gemeinsam in den Kampf ziehen. Bandai Namco legt hierbei viel Wert auf ein faires Miteinander, denn Spieler, die Kämpfe vorschnell abbrechen, werden mit rot unterlegtem Benutzernamen gekennzeichnet. Das klingt in der Theorie alles recht gut, leider kam es aber zum Testzeitpunkt in den Tagen nach dem offiziellen Release leider zu einigen Serverproblemen. So musste man einige Sessions komplett offline spielen, ab und an verlor das Spiel plötzlich die Verbindung. Neben den üblichen Missionskämpfen könnt ihr euch aber auch davon unabhängig einige zünftige Online-Prügeleien mit anderen Mitspielern liefern. Für die Zeit ohne Onlinezugang ist sogar ein klassischer Couch-Versusmode enthalten.

 

 

Fazit: Ein Fest für "Dragonball"-Fans mit wenig Abwechslung

 

"Dragonball Xenoverse 2" bietet eigentlich alles, was das Fanherz begehrt. Eine eigene Figur im "Dragonball"-Universum erstellen? Check. Bekannte Serienhelden treffen? Check. Wichtige Kämpfe der Geschichte beeinflussen? Check. Hinzu kommt die fast perfekte Nachbildung der bekannten Figuren in Anime-Optik und ein einprägsames, aber umfangreiches Kampfsystem. Dieses lässt euch auch viel Entscheidungsfreiheit in der Wahl eures Stils, so dass ihr euch entweder auf Nah- oder Fernkampf oder eine ausgewogene Mischung aus beidem konzentrieren könnt. In den Kämpfen selbst kommt durch die tolle Inszenierung echtes "Dragonball"-Feeling auf, so kann man auch mal über den ein oder anderen hektischen Moment hinweg schauen. 

 

Was jedoch nach einiger Zeit den guten Gesamteindruck trübt, ist das monotone Missionsdesign. Zwar bieten zum Beispiel die großen Schlachten gegen Weraffen und Konsorten einige besondere, taktische Kniffe, aber ob es Trainingseinheiten oder die Parallel-Quests sind, der Ablauf der Missionen bleibt gleich. Da hilft auch keine Abwechslung in Form der Milchlieferungen oder der Aufgaben von Boo & Co. Warum man hier das Potential eines Rollenspiels so vergibt und nicht mehr Vielfalt eingebaut hat, bleibt unverständlich. Da man gerade zu Beginn darauf angewiesen ist, in den Leveln aufzusteigen, müssen hier einige Schlachten geschlagen werden bis man eine Chance gegen die großen Gegner hat. Auch die Stabilität der Online-Server sollte noch verbessert werden, jedoch muss man "Dragonball Xenoverse 2" nicht unbedingt online spielen. Aber ein Spiel was dafür angelegt ist, sollte schon ein stabiles Netzwerk bieten. Auch wenn sich die Neuerungen gegenüber Teil 1 in Grenzen halten, wurde das Spiel in Details verbessert und bietet "Dragonball"-Fans wohl gerade das ultimative Spielerlebnis. Alle anderen bekommen ein solides Beat'em Up mit Anime-Einschlag, dem es etwas an Abwechslung fehlt.