WWE 2K17 [Xbox One]

Verfasst von Playzocker am 28.10.2016 um 09:11

 

Es gibt immer ein nächstes Mal!

 

In den letzten Jahren haben sich einige Franchises zu Dauerbrenner in den Konsolen entwickelt, obwohl oder gerade weil jedes Jahr neue Ausgaben erscheinen. Was EA bereits im vergangenen Jahrtausend begonnen hat wird aktuell auch von Ubisoft, Activision und auch 2K zelebriert. Mit NBA und WWE sind sogar zwei Sportarten fest in der Hand des amerikanischen Publishers. Nachdem wir euch bereits vor drei Wochen die Neuerungen aus dem digitalen Basketball vorgestellt haben folgt heute die Antwort auf die Frage, ob „WWE 2K17“ ein guter Titel für Neueinsteiger ist und ob sich Franchise-Veteranen die neueste Ausgabe holen sollten, oder ob man das Spiel getrost in sicherem Wissen, dass in einem Jahr „WWE 2K18“ in den Händlerregalen stehen wird, übergehen kann. Dafür haben wir das Spiel auf der Xbox One getestet. 2Ks WWE-Spiele waren in den vergangenen Jahren nie perfekt, haben sich allerdings konstant weiterentwickelt. Das Gameplay wurde immer mehr verfeinert, der Umfang sowohl in Bezug auf Wrestler als auch in Bezug auf Spielmodi erweitert. „WWE 2K17“ ist dabei keine Ausnahme, wenngleich es dieses Jahr nicht nur Feintuning und Erweiterungen gab sondern Spieler auch auf einige Details und Modi verzichten müssen, an die sie sich in den vergangenen Jahren womöglich gewöhnt haben.

 

What were they thinking?

 

Beginnen wir gleich mit dem kontroversesten Teil von „WWE 2K17“, dem 2K Showcase Modus. Dieser bot in den letzten Jahren die Möglichkeit, klassische Matches aus der Wrestling-Geschichte nachzuspielen und gab Spielern auch die Möglichkeit, Fantasiekämpfe auszutragen, die sich in den vergangenen Jahren sicherlich in den Köpfen zahlreicher Wrestling-Fans abgespielt haben. Wieso man in „WWE 2K17“ auf diesen Modus – der immerhin seit „WWE 2K17“ fester Bestandteil der Reihe war – verzichtet und diesen mehr oder weniger ersatzlos gestrichen hat ist eine absolut unverständliche Entscheidung seitens des Entwicklerteams von Yukes und Visual Concepts, die sich auch dieses Jahr für die Aktualisierung von 2Ks WWE-Rehe gekümmert haben. Trotz des Fehlens dieses Modus kann man „WWE 2K17“ keinesfalls mangelnden Umfang unterstellen. Das Spiel bietet bereits in der Standard-Version 130 Wrestler aus der aktuellen Zeit und der Vergangenheit, mittels DLCs lässt sich der Umfang sogar auf 150 erhöhen und eigene Charaktere können ebenfalls wieder erstellt werden. Die Vielzahl an Kämpfern sowie unterschiedlichen Spielstilen ermöglicht abwechslungsreiches Gameplay innerhalb und außerhalb des Rings. Ganz auf der Höhe der Zeit ist der Roster allerdings nicht, weil beispielsweise der aktuelle Roster Split nicht in das Spiel integriert wurde.

 

 

You are the 1%

 

Das Gameplay von 2Ks Wrestling-Franchise konnte uns bereits vergangenes Jahr überzeugen. Wenngleich die Grundmechanik nahezu unverändert für den neuen Ableger übernommen wurde hat sich das Entwicklerteam in den vergangenen Monaten offensichtlich um Feintuning bemüht, die einzelne Elemente des Spielgeschehens leichter, dynamischer bzw. realistischer werden ließen. Ein Fokus der Verbesserungen lag offensichtlich auf den theatralen Elementen des Werstling-Geschehens, die nun einen wichtigen Standpunkt im Spiel einnehmen. Auch bei Matches mit mehr als zwei Kämpfern wurde der Hebel angesetzt, sodass diese keine unüberschaubare Massenschlägerei mehr sind sondern beispielsweise auch Ringpausen (per Buttonmashing) und das gezielteres Anvisieren eines Gegners möglich. Präzises Wechseln eures Ziels ist ebenfalls möglich, sodass ihr problemlos einen Gegner attackieren und nahtlos den Angriff eines anderen Gegners kontern könnt. Dadurch können auch Triple Threats oder Fatal 4-Ways taktischer gespielt werden und machen schlicht und ergreifend wesentlich mehr Spaß.

 

Right in the Feels

 

Das Wichtigste bei einem Sportspiel ist ohne Frage, ob sich die dargestellte Sportart richtig anfühlt. Wenngleich dies bereits auf „WWE 2K16“ zugetroffen hat zeigt „WWE 2K17“ durch diese und zahlreiche andere, kleinere Tweaks im Gameplay, dass dieses Feeling noch weiter ausgebaut werden konnte. Die Fleischberge durch den Ring zu bewegen fühlt sich wuchtig an, die Kraft hinter den Angriffen lässt sich bis in den Controller hinein spüren. Die Geschwindigkeit der Kämpfe wurde geringfügig reduziert, außerdem scheint das Zeitfenster für Reversals etwas größer geworden zu sein. Leitern erlauben jetzt mehr Interaktionen, sodass TLC-Matches deutlich interessanter werden. Am Ende jedes Matches wird eure Leistung mit Sternen bewertet. Je besser ihr euch im wahrsten Sinne des Wortes geschlagen habt, desto mehr VC – die Währung des Spiels – werden eurem Konto gutgeschrieben. Dieses virtuelle Geld könnt ihr dann für neue Wrestler, Movesets, Arenen sowie Ausstattungen ausgeben. Einfaches Buttonmashing bringt euch demnach innerhalb des Spiels weniger weit als in den Vorgängern und regt zu etwas taktischerem Vorgehen an.

 

 

Was Guckst Du?

 

Die Grafik war noch nie eine Stärke von 2Ks Wrestling-Spielen. „WWE 2K17“ ist da keine Ausnahme und ist in seiner visuellen Präsentation zwar stimmig und themenbezogen, die Technik an sich wirkt allerdings eher zweckmäßig. Wenngleich das Spiel keinesfalls schlecht aussieht wird die Grafik wohl niemanden begeistern. Während die Wrestler an sich zumeist sehr gut umgesetzt wurden ist das Publikum immer noch einer der größten Schwachpunkte des Spiels. Da man sich mittlerweile auch inmitten der Zuschauer prügeln kann wird dies im Spielgeschehen nur noch offensichtlicher wird. Die bekannten technischen Schwächen der Vorgänger wurden leider ebenfalls nicht ausgemerkt. Während unserem Test sind zahlreiche Grafikfehler aufgefallen, die zumindest keine spürbaren Auswirkungen auf das Gameplay hatten. Absoluten Nachbesserungsbedarf haben Yukes und Visual Concepts auch bei der Soundkulisse des Spiels. Vor allem die Kommentare wiederholen sich oft, werden gelegentlich bestenfalls mäßig passend in das Kampfgeschehen integriert und wirken manchmal sogar etwas lustlos. Es gibt zahlreiche Sportspiele auf dem Markt, die wesentlich bessere Kommentare bieten.

 

Allein gelassen

 

Nachdem Yukes und Visual Concepts dieses Jahr auf den 2K Showcase Modus verzichtet haben konzentriert sich die Einzelspielererfahrung von „WWE 2K17“ einzig und allein auf den My Career Modus. Dieser wurde zwar etwas erweitert und bietet vor allem außerhalb des Rings einige neue Interaktionsmöglichkeiten, kann die Lücke des Showcase-Modus aber trotzdem nur bedingt füllen. Immerhin muss man sich zu Beginn der eigenen Kariere wiederholt mit zahlreichen nichtssagenden Wrestlern herumschlagen, bis man Zugriff auf größere Namen und damit auch spannendere Matches bekommt. Wie gewohnt kann man für diesen Modus einen eigenen Kämpfer erstellen oder einen von Freunden erstellten downloaden. Die Präsentation des Karrieremodus ist leider nicht völlig ausgereift, vor allem die neuen Promo-Sequenzen zählen zu den größten Schwächen des Spiels. In diesen darf man vorgegebene Aussagen wählen um sich entweder als Face oder Heel zu positionieren. Die Antwortmöglichkeiten erscheinen allerdings oftmals unpassend, die Implementation der entsprechenden Aussagen in die Szene ist oftmals unfreiwillig komisch. Zudem versucht sich das Spiel an inhaltlicher Tiefe, da verschiedene Städte auch verschiedenes Publikum haben, das anders auf eure Aussagen reagiert. Es bleibt leider weitestgehend bei dem Versuch, da nur sehr schwer zu erkennen ist, wie das Publikum auf eure Aussagen reagieren könnte und das System damit oftmals zu einem Ratespiel verkommt.

 

 

Pimp My Skillz

 

Im Karrieremodus könnt ihr eure VC auch dafür einsetzen, euren Kämpfer mit neuen Fähigkeiten und Talenten auszustatten. Um aus eurem Anfänger in einen konkurrenzfähigen Wrestler zu verwandeln, der zurecht in die Hall of Fame aufgenommen wird, werdet ihr allerdings sehr viele VC benötigen. Ein großer Teil eurer Spielzeit wird demnach für VC-Grinding aufgewendet werden, was gelegentlich etwas monoton erscheinen kann. Mit interessanten Zwischensequenzen und narrativer Abwechslung hätte man den Modus noch etwas motivierender gestalten können. Wer möchte, kann zwischendurch den mitgelieferten Video Editor des Spiels verwenden um aus Replays und Stock Footage Highlight-Videos zu erstellen. Wenngleich das Spiel nicht immer die besten Teile bzw. Aufnahmen der Kämpfe bereit hält lassen sich mit dem Spiel einige visuell ansprechende Videos erstellen. Wer sich nebenbei auf die Ereignisse außerhalb des Rings konzentrieren möchte bekommt dazu im WWE Universum Modus die Gelegenheit. In diesem müsst ihr neben den eigentlichen Kämpfen noch eure Fehden pflegen, und einen Show-Ablauf festlegen.

 

Fazit: Besseres Gameplay als der Vorgänger, allerdings leider ohne 2K Showcase Modus

 

„FIFA 17“ bietet einen neuen, ausgeklügelten Story-Modus. Trotzdem hat EA den klassischen Story-Modus ebenfalls in das Spiel implementiert – immerhin ist dieser ein Modus, an den sich Spieler gewöhnt haben und den einige wohl trotz des völlig neuen Konzepts vermisst hätten. Ähnliches hätten wir uns auch von 2K und „WWE 2K17“ erwartet. Wenngleich das Spiel in einigen Punkten mehr Umfang bietet als sein Vorgänger und mit 130 Wrestlern in der Standard-Version ein beeindruckendes Roster bietet ist es absolut schade, dass 2K Showcase – einer der absoluten Vorzeige-Modi der Reihe – dieses Jahr nicht mit an Bord ist. Dafür hat das Entwicklerteam von Yukes und Visual Concepts die letzten Monate für Feintuning im Gameplay verwendet. Einige Moves fühlen sich besser an, die wuchtigen Schlagabtäusche lassen sich etwas besser kontrollieren und vor allem Fights mit mehr als zwei Wrestlern profitieren von einer stark verbesserten Zielmechanik. Im Endeffekt trifft das Fazit, das wir vor einem Jahr bei „WWE 2K16“ gezogen haben, auch auf den neuesten Ableger zu. Dieser macht einiges besser als sein Vorgänger, ist allerdings immer noch nicht einwandfrei.