Paper Mario - Color Splash [Wii U]

Verfasst von Playzocker am 17.10.2016 um 19:35

 

Farbe bekennen

 

Die einen verbringen unzählige Stunden in den riesigen Welten eines „The Elder Scrolls V – Skyrim“ oder „The Witcher III – Wild Hunt“. Andere wiederum verbringen ihre Zeit lieber mit klassischen Pen and Paper Rollenspielen. „Mario Paper“ hat diese Konzepte vor über 15 Jahren zusammengeführt – na ja, nicht wirklich, aber zumindest kann sich das Spiel auf die Fahnen schreiben mit seinem innovativen Stil den Weg für Spiele wie beispielsweise „LittleBigPlanet“ oder „Tearaway“ geebnet zu haben. Nachdem mit „Paper Mario – Sticker Star“ der letzte Teil der Reihe für den Nintendo 3DS erschienen ist erscheint nun der erste – und mit ziemlicher Sicherheit einzige – Ausflug des Franchise auf die Wii U. Wir halten unseren Rotstift bereit und verraten euch im folgenden Testbericht, ob „Paper Mario – Color Splash“ genügend frische Ideen und Unterhaltungswert hat, um ein empfehlenswertes Spielerlebnis zu bieten.

 

Charisma auf Prisma

 

Prisma. Eine wunderschöne Urlaubsinsel. Mario, Prinzessin Peach und Toad wollen dort eine schöne, entspannende Zeit verbringen. Wieso wissen wir bereits im Vorfeld, dass die letzten beiden Sätze keinesfalls koexistieren können? Es dauert nicht lange und Bowser tritt in seinem besten Ventablack-Anzug auf und stiehlt die Farbsterne aus dem Regenbogen-Brunnen. Nicht nur, dass es der vormals paradiesischen Urlaubsinsel durch diese Gemeinheit vielerorts an Farbe mangelt, finden Mario und Co. sogar einen gefalteten, farblosen Toad, der als Postkarte missbraucht wurde. Etwas, das Mario keinesfalls dulden kann! Auf der Suche nach Farbsternen und Gerechtigkeit hüpft, rätselt und kämpft er sich durch zahlreiche Levels, die sich wie vom „Paper Mario“ Franchise gewohnt wie ein Action-Adventure mit leichtem RPG Einschlag anfühlen. Durch seinen grandiosen visuellen Stil geht „Paper Mario – Color Splash“ sogar noch einen Schritt weiter und liefert eine Atmosphäre, die den von Nintendo gewohnten Charme in ungeahnte Ausmaße hebt und ein einzigartiges Spielerlebnis bietet.

 

 

Cut & Paste

 

Millionen Spieler haben über den großartigen Stil von „LittleBigPlanet“ gestaunt, einige verliebten sich in die Papierwelt von „Tearaway (Unfolded)“ und auch die perfekt nachgebaute Serien-Optik in „South Park – Der Stab der Wahrheit“ sorgte für Begeisterung. Dieses Gefühl wird „Paper Mario – Color Splash“ auch auslösen. Alle Objekte auf dem Bildschirm wurden aus Papier bzw. Karton oder Pappe hergestellt und bieten somit eine einzigartige Kulisse. Selbst die Charaktere werden nicht als dreidimensionale Figuren präsentiert sondern wurden in 2D auf ein Stück Papier gedruckt. Animationen halten sich dem entsprechend zwar in Grenzen, wurden aber trotzdem hervorragend ausgenützt. Die Optik von „Paper Mario – Color Splash“ eignet sich hervorragend zum Nachbau in Form von Dioramas, vor allem weil nahezu jeder Level etwas eigenes an sich hat und sich durch bestimmte Elemente von anderen Gebieten unterscheidet. Einzelne Passagen sind rätsellastig, andere erfordern eure Geschicklichkeit und in wieder anderen müsst ihr euch gegen besonders viele Gegner behaupten.

 

Round 1, Fight!

 

Beginnen wir mit dem Kampfsystem. Dieses ist in der Theorie dem von „Paper Mario – Sticker Star“ recht ähnlich, wurde in der Praxis allerdings wesentlich besser umgesetzt. Auch diesmal bauen die Kämpfe des papiernen Mario auf Karten auf, die ihr sammeln oder kaufen müsst. Diese können im Kampf jeweils nur ein Mal ausgespielt werden und lassen euren Charakter eine bestimmte Aktion bzw. Attacke ausführen. Genial ist, dass die verbleibende Lebensenergie direkt auf den Papierschnipsel eurer Gegner angezeigt wird. Je nachdem, wie viel Schaden ihr ihnen bereits zugefügt habt, desto mehr von ihrer Darstellung entfärbt sich. Ein tolles Konzept, das leider nicht konsequent durchgezogen wird. Marios Lebensenergie wird nämlich mit einer klassischen HP-Anzeige dargestellt, sein Schnipsel verändert durch eingesteckten Schaden auch nicht die Farbe. Auch bei „Paper Mario – Color Splash“ wird für jeden Bosskampf ein bestimmter Gegenstand benötigt ohne den der Kampf nicht zu gewinnen ist, dennoch wirkt das Kampfsystem weit besser durchdacht und vor allem besser in das Spiel implementiert. Bei „Paper Mario – Sticker Star“ konnte man gelegentlich das Gefühl haben, dass die Kämpfe nur vorhanden sind weil sie in einem RPG vorhanden sein müssen. Auch wenn diese in „Paper Mario – Color Splash“ immer noch sehr einfach sind fügen sie sich besser und vor allem passender ins Spiel ein.

 

 

Riddle Me This

 

Auch wenn Mario im Laufe des Spiels mächtig mit seinem Hammer austeilt und nicht nur Gegnern die Lebensfarbe entzieht sondern auch in der Umgebung einen bleibenden Eindruck hinterlassen wird verbringt ihr doch die meiste Zeit des Spiels mit Denk- und Geschicklichkeitsaufgaben. Diese reichen von Platforming-Sequenzen bis hin zu Schalterrätseln und anderen konventionellen Aufgaben, die aber angenehm abwechslungsreich in Szene gesetzt wurden. Gelegentlich kann man beim Spielen von „Paper Mario – Color Splash“ allerdings das Ziel aus den Augen verlieren, da euch oftmals mehr als nur ein Level zur Verfügung stehen und ihr diese in einer bestimmten Reihenfolge besuchen solltet. So findet ihr in einem Level beispielsweise etwas, das euch bei der Bewältigung der Aufgabe in einem anderen hilft – ein Umstand, den ihr allerdings in einigen Fällen nicht wissen könnt. Allerdings steht euch ein Toad, der in einer Mülltonne wohnt (!) mit Rat und Tat zur Seite, sodass ihr etwaige Unsicherheiten recht schnell beseitigen werdet können. Dennoch werden auch diese kleinen Unsicherheiten den Spielspaß auf keinen Fall trüben können.

 

Es kommt auf die Technik an

 

Technisch ist „Paper Mario – Color Splash“ hervorragend gelungen. Die Grafik sieht – logischerweise – wesentlich besser aus als auf dem Nintendo 3DS und das Spiel punktet mit Schärfe sowie kräftigen Farben, die den einzigartigen Papier-Look toll zur Geltung bringen. Außerdem hat sich Nintendo einige nette Ideen für die Wii U Hardware einfallen lassen, sodass ihr auch den Bildschirm eures Gamepads oder den Stylus an einigen Stellen einsetzen müsst. Diese Funktionen wirken allerdings nie aufgesetzt sondern fügen sich nahtlos ins Geschehen ein. Zusätzlich zur charmanten und liebenswerten Optik bietet „Paper Mario – Color Splash“ eines der besten Dialogbücher, die wir seit Langem in einem Videospiel gesehen haben. Nahzu jede einzelne Dialogzeite strotzt nur so vor References, kleinen Gags, Wortspielen oder selbstreferentiellem Humor, sodass bei diesem Spiel nicht nur das jüngere Zielpublikum auf seine Kosten kommt. Vertont wurden die Dialoge allerdings nicht. Über die Lautsprecher geben die Charaktere auch diesmal nur vereinzelte Geräusche von sich, die tatsächlichen Inhalte werden nur in Textform präsentiert.

 

 

Fazit: Abgefahren, charmant und einzigartig – tolle Unterhaltung für jung und alt

 

Mario hat es nicht leicht – sein Leben besteht in großen Teilen daraus, Prinzessin Peach oder Sternen in verschiedenen Ausführungen hinterherzujagen. „Paper Mario – Color Splash“ durchbricht dieses System zwar auch nicht, setzt dieses allerdings auf eine völlig andere und absolut liebenswerte Art und Weise um. Das Spiel sieht aus, als würden die Charaktere und die Hintergründe ausschließlich aus Papier, Pappe und Karton bestehen. Der Look erscheint dabei noch charmanter als beispielsweise bei „Tearaway (Unfolded)“. Inhaltlich punktet das Spiel mit abwechslungsreichem Gameplay, das mit Kämpfen, Platforming und Puzzles zwar ebenfalls altbekannte Genrekonventionen abdeckt, diese aber angenehm abwechslungsreich in das Spiel integriert. Letztendlich macht „Paper Mario – Color Splash“ einfach Spaß, und genau darauf kommt es an. Das Kampfsystem wirkt wesentlich durchdachter und besser implementiert als beim Vorgänger „Paper Mario – Sticker Star“ und das Spiel überzeugt insgesamt trotz seiner kleinen Schwächen auf alle Fälle.

 

 

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