Fifa 17 [Xbox One]

Verfasst von Playzocker am 07.10.2016 um 23:59

 

Photorealismus

 

Ein Wort. Ein Ziel. Von Jahr zu Jahr arbeitet sich das Team von Electronic Arts immer näher an die Verwirklichung photorealistischer Stadien, Spieler und Animationen. Mit der erstmaligen Verwendung der Frostbite Engine soll bei „FIFA 17“ ein großer Schritt in diese Richtung gemacht worden sein. Das ist allerdings nicht die einzige Neuerung, die der aktuelle Ableger des beliebten Fußball-Franchises mit sich bringt. Der neue Story-Modus „The Journey“ soll eine revolutionäre Mischung aus sportlicher Spannung und emotionalem Drama mit sich bringen. Wir hatten in den letzten Tagen die Möglichkeit, das Spiel in unserer Redaktion auf Herz und Nieren zu prüfen und verraten euch in diesem Testbericht, was wirklich hinter den versprochenen Neuerungen steckt, ob sich das Spiel gegenüber seinem direkten Konkurrenten „Pro Evoluton Soccer“ behaupten kann und ob sich ein Kauf auch für Spieler lohnt, die „FIFA 2016“ bereits in ihrer Sammlung haben.

 

Rasenfuß

 

Beginnen wir mit der wichtigsten inhaltlichen Neuerung von „FIFA 17“, dem Story-Modus „The Journey“. In diesem übernehmt ihr die Rolle von Alex Hunter, der mit 11 Jahren vor einer großen Chance steht, die seinen weiteren Lebensweg maßgeblich beeinflussen kann und ihn seinem Ziel, ein neuer Fußballstar zu werden, einen Schritt näher bringt. „The Journey“ ist allerdings weitaus mehr als ein glorifizierter Karrieremodus. Eure Leistungen in den Spielen kann sich im weiteren Verlauf der Geschichte deutlich abzeichnen. Spielen wir beispielsweise zu schlecht, fliegen wir einfach aus der Mannschaft und der Traum von der Karriere ist geplatzt. Spielen wir allerdings wesentlich besser, als es das System für möglich hält, stoßen wir an die Grenzen der Story-Mechanik. In den ersten drei Spielen hat unser Chefredakteur beispielsweise 23 (!) Tore geschossen und wurde dann trotzdem an eine schwächere Mannschaft ausgeliehen, weil Alex „super Potential hat aber sein Können für den Verein noch nicht ausreichend ist“. Ein Punkt, an dem er sich von einer „dynamischen Kampagne“ logischerweise etwas veräppelt fühlte. Derartige Ausrutscher passieren „The Journey“ glücklicherweise allerdings nur selten und werden zudem nur von Spielern wahrgenommen, die die Grenzen des Systems in derartigem Ausmaß austesten.

 

 

Eine Frage hätte ich da noch

 

Wir hatten das Gefühl, dass eure Leistungen auf dem Rasen für euer Fortkommen in der Liga weniger relevant ist als euer Verhalten während der Interviews. Für die Interview-Fragen stehen euch immer drei Antwortmöglichkeiten zur Auswahl. Mit einer macht ihr eure Fans glücklich, verärgert allerdings euren Trainer. Eine weitere hilft euch beim Ansehen bei eurem Trainer, vergrämt dafür aber die Fans. Mit der dritten bewegt ihr euch im gemütlichen Mittelfeld und geht den Weg des geringsten Widerstands. Ein System, das auf den ersten Blick nicht besonders fair erscheint, letztendlich aber gnadenlos realistisch ist. Dadurch könnt ihr „eurem“ Alex – den ihr übrigens nicht per Charakter-Editor erstellen sondern nur aus wenigen Möglichkeiten auswählen könnt – neben spielerischem Können vor allem auch eine Persönlichkeit geben, was „The Journey“ auf jeden Fall von herkömmlichen Karriere-Modi abhebt.

 

Work hard, play hard!

 

Neben den Interview und den Matches müsst ihr im Laufe eurer „Reise“ auch einige Trainings absolvieren. Diese helfen euch einerseits dabei, selbst besser mi dem digitalen runden Leder umgehen zu können, wirken sich aber auch auf Alex‘ Skillpunkte aus. Wenn ihr wollt, könnt ihr die Trainingseinheiten auch simulieren, müsst dabei aber heftige Abzüge in der B-Note in Kauf nehmen und werdet kaum einen wirklich konkurrenzfähigen Spieler erschaffen wollen. Präsentiert wird der Modus im englischen Originalton mit deutschen Untertiteln und wurde trotz klischeehafter Charaktere filmreif inszeniert. Allzu lang nachdenken sollte man über die Handlung allerdings auch nicht, so müsst ihr beispielsweise in einem Match als Stürmer Vorlagen geben aber in einer späteren Partie als Mittelfeldspieler Tore schießen. Ein solcher Positionswechsel ist im Fußball allerdings höchst unüblich.

 

 

Doppelt hält besser

 

Trotz der Implementation von „The Journey“ hat EA nicht auf den klassischen Story-Modus verzichtet. Dieser könnte zwar im Hinblick auf einen wesentlich ausgefeilteren und inhaltlich interessanteren Kampagnen-Modus überflüssig erscheinen, noch überflüssiger wäre es allerdings gewesen diesen etablierten Modus aus dem Spiel zu streichen. Hier erstellt ihr euch einen eigenen Spieler, könnt (wie im übrigen auch bei „The Journey“) wählen, ob ihr nur diesen oder das komplette Team kontrollieren wollt und euren Spieler gemeinsam mit einer selbst gewählten Mannschaft zum Sieg verhelfen. Wie gewohnt punktet „FIFA 17“ mit einer unüberschaubaren Menge an Lizenzen. Das Spiel bietet über 650 Mannschaften, 36 Ligen, 70 Stadien (davon 50 lizenziert) und auch wieder Frauenfußball-Nationalmannschaften. Das Sortiment ist umfangreich, wenngleich trotzdem nicht komplett. Schmerzlich vermissen wir die Nationalmannschaften aus Island oder Kroatien, bei denen die Lizenzverhandlungen gescheitert sind. Außerdem fällt deutlich auf, dass EA offensichtlich bei der Verarbeitung der Mannschaften und der Spieler nach einem Prioritätensystem vorgeht. Je wichtiger eine Mannschaft oder ein Spieler, desto besser wurde dieser animiert und charakterisiert. Die Größen sehen ihren realen Vorbildern dadurch oft zum Verwechseln ähnlich, in kleineren Mannschaften treten allerdings oftmals Klonkrieger auf den Rasen, die mit ihren Vorlagen bestenfalls artverwandt sind.

 

Same procedure as every year

 

Trotz der unterschiedlich authentischen Umsetzung der Charaktermodelle sehen die virtuellen Spieler überwiegend hervorragend aus, alleine die sehr gut umgesetzten Gesten beim Einlauf lassen Stadionfeeling aufkommen. Die beiden Kommentatoren Wolff Fuss und Frank Buschmann liefern auch diesmal Stimmung während der Partien. Wenngleich EA sicherlich bemüht ist, die Menge der verfügbaren Kommentare sowie auch deren passende und dynamische Implementation in den Spielverlauf zu verbessern stößt auch „FIFA 17“ in diesem Punkt schnell an seine Grenzen. Bereits nach wenigen Spielstunden fallen oftmalige Wiederholungen der Kommentare auf, auch sind diese nicht immer zum Spielgeschehen passend. Die Präsentation des Spiels unterscheidet sich kaum von „FIFA 16“, Kenner des Vorgängers werden sich somit auch beim aktuellen Ableger schnell in den Menüs und bei den verschiedenen Einstellmöglichkeiten zurecht finden.

 

 

FIFA macht einiges Neuer

 

„FIFA 17“ ist das erste Spiel der Reihe, das mit EAs neuer Frostbite Engine umgesetzt wurde. Die Unterschiede in Sachen Grafikqualität fallen in den ersten Spielminuten deutlich auf. Die Stadien, die Spieler und vor allem das Publikum sahen noch nie so realistisch aus, vor allem die Beleuchtung und Farbpalette hat eine deutliche Aufstockung erfahren. In vereinzelten Kameraeinstellungen machen sich diese Verbesserungen weniger bemerkbar, in der Hitze des Ballgefechts treten die technischen Neuerungen oftmals in den Hintergrund. Dennoch ist eines deutlich festzuhalten: „FIFA 17“ sieht deutlich besser aus als sein Vorgänger, selten war der grafische Sprung des alljährlichen Fußball-Murmeltiers dermaßen umfassend wie heuer. Besonders viel Zeit wurde in den vergangenen Monaten offensichtlich in die Steuerung investiert. Das Spiel wirkt etwas körperbetonter, unser Spieler schirmt den Ball wesentlich besser vor Gegnern ab. Generell wir hatten zudem den Eindruck das Geschehen noch besser im Griff zu haben. Dribblings oder Flachpässe funktionieren geringfügig leichter, mit einer einfachen Tastenkombination lassen sich Torschüsse und sogar Kopfbälle flach halten. Ein neuer Cursor erleichtert Flanken und vor allem Eckbälle. Besonders deutlich macht sich die Verbesserung bei Elfmetern bemerkbar, die nun weniger von eurem Timing abhängig sind sondern mit dem linken Stick gespielt werden.

 

Taktischer Rückzug

 

In Sachen Taktikoptionen hat „Pro Evolution Soccer“ immer noch deutlich die Nase vorn. EA hat allerdings auch in diesem Punkt nachgelegt und bietet nun die Möglichkeit, Spieler in der Aufstellung frei zu positionieren. Der für den österreichischen Markt immer schon ungünstig abgekürzte Modus „FIFA Ultimate Team“ wird nun durch „FUT Champions“ (seriously?) erweitert, in dem ihr mit eurem zusammen gestellten Team an wöchentlichen Turnieren teilnehmen könnt. Über die Verwerflichkeit von Mikrotransaktionen möchten wir an dieser Stelle allerdings kein Wort verlieren, diese Problematik aktueller Spiele wurde bereits an vielen anderen Orten hinlänglich ausdiskutiert. Stattdessen möchten wir die verbleibende Zeit lieber nützen um auf den genialen Modus Pro Clubs hinzuweisen, in dem ihr mit euren Freunden gemeinsam ein Team gründen könnt. Jeder Spieler ist dabei auf einen Spieler fixiert, sodass dies einer taktischen Multiplayer-Schlacht mit eSports Charakter am nächsten kommt.

 

 

Fazit: Markante technische Weiterentwicklungen, intelligentes Feintuning im Gameplay

 

Die technischen Weiterentwicklungen zwischen „FIFA 16“ und „FIFA 17“ sind bereits nach wenigen Minuten Spielzeit eindeutig zu erkennen. Die Frostbite Engine liefert hervorragende Grafik, die sowohl die Spieler als auch die Stadien und das Publikum ein Stück näher an den angepeilten Photorealismus bringt. Was das Spiel allerdings mindestens genauso stark ausmacht sind die Detailverbesserungen der Steuerung. Das Spiel wirkt körperbetonter, greifbarer und einige Funktionen lassen sich leichter und zielsicherer vollführen. Der Story-Modus „The Journey“ ist eine gut durchdachte Neuerung und bietet sehr interessante Facetten, konfrontiert den Spieler gelegentlich auch mit etwas frustrierenden Einschränkungen. Ein klassischer Story-Modus, „FIFA Ultimate Team“ und weitere Dauerbrenner sind auch dieses Jahr wieder mit von der Partie. Wer taktische Rasenschlachten möchte ist mit „Pro Evolution Soccer“ wahrscheinlich besser bedient, in nahezu allen anderen Punkten hat „FIFA 17“ die Nase vorn – wenngleich oftmals allerdings nur um Haaresbreite.

 


 

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