King's Quest: Episode 4 - Schnee von Gestern [PS4]

Verfasst von Playzocker am 04.10.2016 um 19:45

 

Graham, der Weise

 

Drei Monate nach der dritten Episode „Im Turm Erobert“ veröffentlicht The Odd Gentlemen die vierte – und damit leider bereits die vorletzte – Episode der Adventure-Reihe „King’s Quest“. Unter dem Titel „Schnee von Gestern“ sehen wir eine Geschichte, die alles andere als eben das ist. Graham erzählt von einer der unerfreulichsten Ereignisse seines Lebens, der Entführung seines Sohnes. Alexander wurde vor Grahams Augen gestohlen und 18 Jahre von seinem Erzfeind gefangen gehalten. Jetzt konnte Alexander allerdings fliehen und berichtet seinem Vater davon, welche Strapazen er dafür auf sich nehmen musste. Ein Geniestreich – Alexander erzählt dabei nämlich die Story von „King’s Quest 3“, in dem der Spieler genau jenes Szenario durchleben musste. Es sind Details wie dieses die zeigen, dass das neue „King’s Quest“ Abenteuer für Neueinsteiger uneingeschränkt verständlich ist aber dennoch viele Details versteckt, die nur Fans verstehen und erkennen werden.

 

Need for Speed: Tone Shift

 

Die ersten drei Episoden von „King’s Quest“ boten jeweils einzigartige Settings und Charaktere, waren sich grundsätzlich in einigen Aspekten allerdings auch recht ähnlich. So handelte es sich immer um Adventures, die in erster Linie von den Charakteren und Dialogen lebten und einige fordernde Kombinationsaufgaben bereit hielten. Für die vierte Episode hat sich The Odd Gentlemen von dieser Formel verabschiedet. Durch den hervorragenden Aufbau der Charaktere in den bisherigen Episoden und die gelungene Einführung neuer Personen funktioniert die Chemie zwischen den Charakteren ausgezeichnet, Christopher Lloyd als Erzähler ist auch diesmal wieder phantastisch und im Endeffekt genießt man jede einzelne Minute der 2-3 Stunden langen Spielzeit. Dennoch wird man das Gefühl nicht los, dass „Schnee von Gestern“ etwas weniger zu bieten hat als seine Vorgänger. Das ist in erster Linie auf die Rätsel zurückzuführen, die den Spieler immer wieder mit tatsächlichen Rätseln a la Block-Schiebe-Puzzles konfrontiert und nicht mit offeneren Kombinationsaufgaben wie die bisherigen Episoden. Einerseits ist die Abwechslung willkommen, andererseits hätte man sich innerhalb der Episode etwas mehr Rätselvariation wünschen können. Das Hauptthema der Episode ist die Zusammenarbeit zwischen Graham und seiner Familie. Wenngleich, wie sollte es auch anders sein, er/ihr den Großteil der Lauf- und Denkarbeit übertragen bekommt wurden die NPCs sehr gut in die Geschichte integriert und auch in die Rätsel mit einbezogen.

 

 

Fazit: Unterhaltsam, anders aber leider nicht perfekt

 

Wenngleich „Schnee von Gestern“ eine unterhaltsame Episode aus der neuen „King’s Quest“ Reihe ist und wir jede Minute der ca. 2-3 Stunden Spielzeit genossen haben wurden wir dennoch das Gefühl nicht los, dass das Spiel in bisherigen Episoden vieles bereits besser konnte. Anspielungen auf ältere „King’s Quest“ Spiele beispielsweise durch die Erzählung von Alexanders Flucht sind genial und Christopher Lloyd ist gewohnt grandios als Erzähler. Dennoch hatten die Dialoge bereits mehr Herz und Charme. Wenngleich das deutlich veränderte Rätselsystem auf den ersten Blick eine willkommene Abwechslung darstellt wird man spätestens in der zweiten Hälfte die offeneren Adventure-Aufgaben der bisherigen Episoden dem klassischen Puzzle-Solving der vierten Episode vorziehen. „Schnee von Gestern“ bietet zwar grundsätzlich gute Unterhaltung, bleibt aber dennoch hinter den ersten drei Episoden zurück. Man darf gespannt sein, was sich The Odd Gentlemen für das Finale in Episode 5 einfallen lassen, die voraussichtlich Anfang 2017 veröffentlicht wird.