NBA 2K17 [PS4]

Verfasst von Christian Suessmeier am 30.09.2016 um 11:01

 

Das Runde muss ins...Runde

 

Es begann im Jahr 1999 als sich Entwickler Visual Concepts im Auftrag von Sega an eine neue Basketball-Reihe setzte, die dem Platzhirschen „NBA Live“ von EA Sports den Kampf ansagen sollte. Zunächst exklusiv auf Sega Dreamcast, erarbeitete man sich einen so guten Ruf, dass man nach Ende des Dreamcast mit „NBA 2K2“ auch auf alle anderen gängigen Konsolen übersiedelte. In den letzten Jahren verdrängte man die Reihe von EA Sports vollständig vom Thron und hatte den kanadischen Entwickler so weit, dass diese einige Jahre sogar auf einen Release ihrer Serie verzichteten. Auch im Jahr 2016 will man wieder klar machen, wer der Meister der Basketball-Simulationen ist. Ob dies gelingt, lest ihr in den folgenden Zeilen.

 

Alles hat einen Anfang

 

Auf die Karriere legte man bei Visual Concept schon immer viel Wert. Nachdem Regiegrößen wie Spike Lee schon die Geschichte eines aufsteigenden NBA-Stars inszenieren durften, überlegte man sich dieses Jahr wieder etwas Neues. So konnte man bereits vor Release des Spiels die Einleitung namens „The Prelude“ herunterladen, in der ihr euren eigenen Spieler erstellen durftet und eure ersten Schritte als Basketballer machen könnt. In der Rolle eures Charakters mit dem Spitznamen „The President“ startet ihr am College und könnt euch bei entsprechendem Erfolg auch für ein Spiel mit dem US-Team qualifizieren. Immer begleitet werdet ihr dabei von eurem Kumpel Justice(gespielt von Michael B. Jordan), der später auch mit euch im NBA-Team spielen wird. Außerdem verfolgt ihr immer wieder Gespräche eurer Figur mit dem Trainer, der Mutter oder der Freundin. Falls ihr diesen Einstiegshappen gespielt habt, könnt ihr eure Figur direkt in „NBA 2K17“ integrieren und sofort mit dem NBA-Draft starten. Eure Position in diesem ist abhängig von der Leistung, die ihr bei den College-Spielen erbracht habt. Seid ihr dann von einem NBA-Team gewählt worden, beginnt der eigentliche Spaß. So müsst ihr zunächst in Trainingseinheiten euer Geschick unter Beweis stellen, bevor es an die ersten Saisonspiele geht. Denn jeder Star fängt mal klein an...

 

 

NAB-Spieler, Manager oder doch lieber Europa

 

Der „My Career“-Modus ist das Herzstück von „NBA 2K17“, denn nicht nur eure Karriere hängt mit dieser zusammen, auch die Online-Spielerei „My Park“ ist Teil davon. Dort trefft ihr euch mit anderen Spielern an unterschiedlichen Courts, auf denen 1v1v1 oder 3v3 spielt. Anhand eurer Leistungen bekommt ihr XP und die virtuelle Währung VC, mit denen ihr euren Spieler verbessern könnt. Wollt ihr nicht direkt auf dem Spielfeld zum Erfolg eures Teams beitreten, sondern lieber als Manager, könnt ihr das im „My GM“-Modus, der euch von Finanzen über Spielerverträge bis hin zu Auftritt des Teams allerhand Entscheidungsmöglichkeiten gibt. Ihr könnt mit eurem Team sogar in eine andere Stadt umziehen und euch um die Ausstattung eures Stadions kümmern.

 

Aber auch für Spieler, die einfach eine Saison mit ihrem Lieblingsteam oder einfach ein Freundschaftsspiel mit klassischen Teams der NBA-Geschichte aus den letzten 50 Jahren spielen möchten, ist was geboten. Außerdem sind alle 16 Teams der Europa League vertreten, sowie fünf weitere Mannschaften unseres Kontinents. Fans von Alba Berlin oder Brose Baskets Bamberg kommen also auch auf ihre Kosten. Warum man mit dem US-Team und der australischen Nationalmannschaft allerdings nur zwei Nationalteams integriert hat, ist fraglich. „NBA 2K17“ ist ein Fest für Fans des Basketball-Sports und punktet auch mit einem unvergleichlichen Fanservice. Neben den klassischen Teams könnt ihr euch in den Folgen von 2K TV über die aktuelle NBA-Saison informieren und Interviews mit Spielern und Machern verfolgen.

 

 

Man riecht förmlich den Schweiß

 

Schon seit Zeiten des Dreamcast-„NBA 2K“ war die Basketballsimulation grafisch etwas besonderes. Denn auf eine realitätsnahe Umsetzung des Sports legte man beim Entwickler schon immer viel Wert. Mit dem Sprung auf die aktuelle Konsolengeneration machte man auch einen großen Schritt in Richtung realistischer TV-Übertragung. Dazu tragen nicht nur die Animationen bei, die in diesem Jahr noch einmal ein ganzes Stück geschmeidiger sind, auch das Drumherum während eines Spiels ist NBA pur. War es in den letzten Jahren oft so, dass man nach Knopfdruck etwas warten musste, falls der Spieler noch in einer Animationsphase war, geht es dieses Jahr viel flüssiger von statten. So reagiert euer Spieler wesentlich flotter auf einen Tastenbefehl, der Übergang von einer Animation in die andere ist sehr viel geschmeidiger.

 

Die Spieler sehen ihren Vorbildern in 99% der Fälle wirklich ähnlich, dazu tragen nicht nur die lebendigen Gesichter bei, auch Kleinigkeiten wie Tattoos oder andere Accessoires sind der Realität nachempfunden. Umso ärgerlicher, dass das bei eurem selbst erstellten Spieler nicht der Fall ist. So verkommen einige Gesichtszüge zu schrecklichen Fratzen und auch die Optionen zur Charaktererstellung sind teilweise etwas eingeschränkt.Am Spielfeldrand überzeugen nicht nur lebendige Zuschauer, sondern auch eine geschäftige Spielerbank und Pressevertreter oder Maskottchen. Die Zwischensequenzen schwanken stark in ihrer Qualität, grafische Standards werden hier aber nicht festgelegt.

 

 

Nicht ganz sauber im Abschluss

 

Technisch war die Reihe schon immer ein Vorzeigeprodukt und zeigte vor allem während der Spiele, was die aktuelle Konsolengeneration kann. Auch „NBA 2K17“ stellt hier keine Ausnahme dar. So laufen die Spiele, abgesehen von gelegentlichen Rucklern, sehr sauber auf der PS4. Dies kann man von den Ladezeiten allerdings nicht sagen. Vergleicht man „NBA 2K17“ mit aktuellen Sportspielen wie „PES 2017“ fallen die extrem langen Ladezeiten vor den Spielen und zwischen einigen Menüs negativ auf. Zwar wird dies vor allem vor den Spielen mit Szenen aus dem hauseigenen 2K TV und der Pre-Game Show überbrückt, trotzdem wäre hier ein schnellerer Einstieg ins Spiel wünschenswert. Was in einigen Momenten wirklich stark genervt hat, waren Anzeigen, die die Sicht auf wichtige Ausschnitte des Spiels versperren. Dies hängt zwar auch von der Kameraperspektive ab, die man gewählt hat, aber trotzdem ist es ärgerlich, wenn man wichtige Situationen des Spiels verpasst, weil die Punkteanzeige darüber liegt.

 

Bewegt man sich vor allem im Karriere-Modus ist man natürlich auf die KI der Mitspieler angewiesen, auf die man sich eigentlich verlassen können sollte. Jedoch passiert es sehr häufig, dass man trotz freier Position nicht angespielt wird oder der ballführende Spieler sekundenlang verharrt und so unnötige Zeit von der Spieluhr nimmt. Noch ärgerlicher ist es dann, wenn man den Ball in so einer Situation anfordert und dafür dann Minuspunkte bekommt, da der Mitspieler die Aufforderung ignoriert. Im Vergleich zu „Madden NFL 17“ sind die Texte der Basketball-Sim komplett übersetzt und tragen so zum besseren Verständnis des Sports für Unwissende bei. Einige Punkte sind zwar etwas unglücklich übersetzt, wie z.B. die „Fleissig“-Punkte für absolvierte Traingseinheiten, aber alles in allem ist die Lokalisierung gelungen. Auch die Moderatoren machen ihren Job wieder sehr gut und komplettieren mit dem groovigen, Hip Hop-lastigen Soundtrack das gute, audiovisuelle Gesamtpaket.

 

 

Onlinezwang und Glücksspiel

 

Neben klassischen Online-Funktionen, in denen ihr euch weltweit mit anderen Spielern messen könnt, legt „NBA 2K17“ viel Wert auf die Anbindung eurer Figur in „My Park“ und der offiziellen Companion App. Denn durch beide könnt ihr euch weitere VC erspielen, mit denen ihr nicht nur eure Spieler-Attribute verbessert, sondern auch das Auftreten eures Spielers verändern könnt. Neben Klamotten eures Lieblingsteams bekommt ihr so Zugang zu Tattoos, Schuhen oder gar Items, die eure Leistung für eine bestimmte Zeit verbessern.

 

In der App könnt ihr nicht nur Codes für VC einlösen, die 2K über das Jahr immer wieder über ihre Social Media-Kanäle verteilt, sondern auch auf die laufende NBA-Saison und die Spiele tippen und euch so die virtuelle Währung verdienen. Ganz ungeduldige Gamer können sich die VC auch mit Echtwährung kaufen und sich so relativ schnell einen Top-Basketballer zusammen stellen. Diese Online-Anbindung ist leider aber immer zwanghaft und so könnt ihr eure Karriere nicht fortsetzen, wenn eure Konsole offline ist. Das ist besonders ärgerlich, denn so ist man stark davon abhängig, dass der Online-Service eurer jeweiligen Plattform und von 2K einwandfrei funktionieren.

 

 

Fazit: Trotz keiner großen Leistungssteigerung, immer noch der beste Spieler auf dem Feld!

 

„NBA 2K17“ kann man die üblichen Vorwürfe machen, wie jedem anderen Sportspiel, das jährlich geupdated wird. Die Neuerungen halten sich auch in diesem Jahr wieder in Grenzen, mit dem Karrieremodus macht man sogar fast einen Rückschritt im Vergleich zu „NBA 2K16“. So ist der diesjährige Modus zwar unterhaltsam, warum man aber auf mehr Interaktion mit euren Teamkameraden verzichtet oder ihr nicht mehr Einfluss auf Sponsoren-Events, die ihr besucht, nehmen könnt, bleibt unverständlich. Das würde das Leben eine NBA-Profis wesentlich realistischer abbilden. Dafür ist der Modus aber im Vergleich zu anderen Karriere-Spielereien in „FIFA“ oder „Madden“ wesentlich mehr darauf ausgelegt, euren Spieler zu perfektionieren. Und die Möglichkeiten hierfür sind zahlreich vorhanden. Ob ihr das in Trainingsspielen macht, in „My Park“ oder während der Saisonspiele, dies sorgt auf jeden Fall für Motivation.

Auch die Präsentation sorgt für ein authentisches Gefühl und für Gänsehaut, wenn man die ersten guten Spiele für sein Team macht oder auch entscheidend zum Sieg beiträgt. Dafür sorgt natürlich auch das Gameplay, das mit seiner schnörkellosen und flüssigen Abbildung des Basketball-Sports zum Spielspaß beiträgt. Trotz der vorhandenen, aber kleinen Mängel kann „NBA 2K17“ vollends überzeugen, sollte im nächsten Jahr aber wieder mehr Fokus auf eine schöne und motivierende Story im Karriere-Modus legen. Besser wurde Basketball auf einer Konsole noch nicht abgebildet, jedoch wäre wie schon bei EAs „Madden NFL“-Serie auch hier ein Konkurrent wünschenswert, der 2K vielleicht zu der ein oder anderen Innovation zwingt.

 

 

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