Just Sing [PS4]

Verfasst von Playzocker am 27.09.2016 um 13:41

 

Game of Thrones

 

Die letzten Konsolengenerationen haben viele Karaokeprogramme von verschiedenen Herstellern erlebt, durchsetzen konnte sich davon allerdings nur eines. Sonys "SingStar" war das krönende Highlight des Genres, bis sich das Unternehmen aus unverständlichen Gründen dazu entschlossen hat es auf der PlayStation 4 mit Höchstgeschwindigkeit an die Wand zu fahren. Kontroverse Änderungen in Sachen User-Interface und satte 30 neue Songs im gesamten Jahr 2016 (wobei das letzte Update mittlerweile mehr als sechs Monate zurück liegt) sorgen dafür, dass sich Karaoke-Fans bereits nach neuem Futter sehnen. Auftritt Ubisoft, die mit "Just Sing" vergangene Woche ein eigenes Karaoke-Programm für die PlayStation 4 und die Xbox One veröffentlocht haben. Dieses verspricht 40 Songs und enthält einige aktuelle Tracks, zudem ist der Kaufpreis mit weniger als 30 Euro lukrativ. Ob das Spiel eure Karaoke-Parties aber tatsächlich in Schwung bringen kann verraten wir euch in unserem Testbericht.

 

Plug and Play

 

Das Tanzspiel "Just Dance" erfreut sich bereits seit einigen Jahren großer Beliebtheit und wird von Ubisoft jedes Jahr mit frischen Tracks neu aufgelegt. Dieses Jahr hat man das eigene Sortiment an Musikspielen aufgestockt und bietet mit "Just Sing" erstmals ein Karaoke Spin-Off an. Die Verwandschaft beider Spiele ist bereits auf den ersten Blick anhand der Avatare und der Aufmachung offensichtlich. Die Gemeinsamkeiten setzen sich allerdings bis hin zum Gameplay fort, da Ubisoft auch bei "Just Sing" auf leichte Zugänglichkeit setzt. Das Spiel kann wahlweise mit USB-Mikrophonen oder einer App für Android (4.3+) bzw. iOS (8.1+) gespielt werden. So liest es sich zumindest in der Werbung - in der Praxis ist Kompatibilität (logischerweise) nicht mit allen Geräten gewährleustet. "SingStar"-Mikrophone sind mit "Just Dance" beispielsweise nicht kompatibel. Ein anderes USB-Mikrophon in unserer Redaktion wurde vom Spiel zwar erkannt und konnte Gesang aufzeichnen, jede einzelne Performance endete aber mit vernichtenden 0 Punkten. Parallel dazu lieferte ein LG Smartphone Ergebnisse, mit denen man sich schon fast bei einer Casting-Show melden muss. Eines ist klar: Eine Karaoke-Simulation ist "Just Sing" nicht - und das will es auch nicht sein. Durch die vielen möglichen Eingabegeräte fällt auch die Vergleichbarkeit der Ergebnisse weg, da das Spiel nicht nur von seinen eigenen 'Bauteilen' sondern auch von jenen der Mikrophone/Smartphones abhängig ist.

 

 

Du bist in der Band!

 

Während eurer Performance zeigt euch das Spiel auf einem fortlaufenden Balken an, ob ihr richtig singt. "Just Dance" scheint dabei mehr Wert auf den Rhythmus und eure Einsätze zu legen als auf die tatsächliche Tonhöhe. Anders als bei "SingStar" bekommt ihr auch nicht angezeigt, ob ihr zu hoch oder zu tief singt sondern werdet nach jedem Wort lediglich mit einem Feedback a la 'OK' 'Gut' oder 'Perfekt' belohnt. Dafür sticht "Just Dance" seine direkte Konkurrenz in anderen Kategorien gnadenlos aus. So ist es beispielsweise möglich, dass ein Spieler mittels USB-Mikro singt und drei weitere über die Smartphone-App. Die Initialisierung der Companion-App funktionierte in unserem Test hervorragend. Das Smartphone muss ins selbe Wlan-Netz eingewählt sein wie die Konsole, findet diese nach einem Start zuverlässig und kann dann unverzüglich verwendet werden. Dabei nützt "Just Sing" das Smartphone nicht nur als Mikrophon sondern auch als Kamera, um Bilder der Mitspieler auf den Bildschirm zu bringen, lässt euch euer Video mit verschiedenen Effekten verfremden, zeigt euch den Songtext an und bietet euch die Möglichkeit zur Playlist-Erstellung - direkt auf dem Smartphone-Display! Es ist theoretisch auch zwischen zwei Songs nicht notwendig zum PlayStation 4 Controller zu greifen, das Spiel lässt sich auch mit dem Smartphone problemlos steuern. Verbindungs-Abbrüche und andere Spaßbremsen sind bei unserem Test nicht aufgefallen, allerdings verbraucht die App durch die permanente Verwendung des Bildschirms viel Strom.

 

Modus Operandi

 

Eure Gesangstalente könnt ihr in verschiedenen Spielmodi zum Besten geben. Im Party-Modus treten bis zu vier Spieler gegeneinander an und singen ein Lied nach dem anderen. Dabei ist es möglich, jedes Lied einzeln über das Menü auszuwählen oder aber eine Playlist mit mehreren Tracks zusammenzustellen. Verwendet ihr eine PlayStation Kamera (oder ein Smartphone) wird auf dem Fernseher zudem ein Video von eurer Performance gezeigt, das ihr mit Themes, Filtern etc. individualisieren könnt. Natürlich könnt ihr eure Performances lokal speichern oder auch der Online-Community zur Verfügung stellen. Etwas wilder geht es im Battle-Modus zu. Dieser Modus beginnt damit, dass jeder Spieler einen 7 Sekunden langen Taunt für seinen Mitstreiter aufnimmt, dann wird gnadenlos um die Wette gesungen. Zusätzlich zu den maximal fünf Sternen pro Song werdet ihr im Battle-Modus für eure Leistungen mit Mikrophonen belohnt und stiehlt dem Gegner auch wortwörtlich die Schau, wenn ihr ihn für eine besonders gut gesungene Passage wortwörtlich vom Bildschirm drängt. Auch in diesem Modus könnt ihr zahlreiche Effekte und Themes verwenden um den Unterhaltungswert eurer Performances zu erhöhen.

 

 

Walk of Fame

 

Ziel des Spiels ist es - logischerweise - Spaß zu haben und allein sowie im besten Fall mit gut aufgelegten Freunden zu singen. Daher hat Ubisoft wie bereits in den "Just Dance"-Spielen ein Belohnungssystem eingebaut, über das ihr neue Goodies wie beispielsweise Avatare freischalten könnt. Bei "Just Sing" ist das die Star Road, von deren Ende euch exakt 700 Sterne trennen. Diese müsst ihr euch im Laufe zahlreicher Performances erst verdienen. Leider - und das ist für ein Musikspiel sehr schade - bietet das Spiel keine Möglichkeit, die persönlichen Highscores oder maximalen Sterne-Bewertungen einzusehen. Das ist besonders dann frustrierend, wenn das Spiel sogar eine Trophäe dafür vergibt, alle Songs mit fünf Sternen zu absolvieren aber einem nicht die Möglichkeit gibt zu kontrollieren, bei welchen Titeln man sich noch verbessern sollte.

 

What were they thinking?

 

Das wichtigste bei einem Musikspiel ist aber logischerweise die Musikauswahl. Und die liest sich auf den ersten Blick hervorragend. Auf den ersten Blick! Spätestens dann wird man sich wundern, warum wir in der Tracklist am Ende dieses Reviews bei einigen Songs "Original" ergänzt haben. Das hat (leider) einen Grund. Von den insgesamt 48 Songs, die "Just Sing" zum Launch bietet (inklusive Star Road und U-Play Boni) liegen lediglich zehn Stück in der Original-Version vom Original-Interpreten vor. Bei den anderen 30 Tracks handelt es sich um Cover-Versionen. Diese sind zwar zumeist gut produziert, kommen aber trotz des zumeist ähnlichen Klangs nicht einmal ansatzweise an die Originale heran. Vereinzelte klang- und gesangstechnische Enttäuschungen muss man leider ebenfalls hinnehmen. Zudem erschwert es das eigene Nachsingen unnötig, wenn man im Hintergrund nicht die Version eines Liedes hört, die man bereits kennt. Die Original-Musikvideos sind - wenig überraschend - ebenfalls nicht an Bord.

 

 

Nachschub!

 

Dafür bietet "Just Sing" einen Shop, über den man den eigenen Musikkatalog erweitern kann. Zum Zeitpunkt dieses Reviews waren drei zusätzliche Songpakete verfügbar: Ein Disney-Paket mit 5 Songs für ein grünes Ticket (4,99 Euro) und ein Disney-Paket mit 20 Songs (15 Songs plus 5 Gratis-Songs) für ein blaues Ticket (9,99 Euro) sowie ein Maroon 5 Paket, das im Tausch gegen ein grünes Ticket 5 Songs bietet. Man darf gespannt sein, welche und wie viele Pakete in den kommenden Monaten erscheinen werden. Jede Woche bekommen Besitzer des Spiels für einen begrenzten Zeitraum kostenlos Zugang zu einem Bonus-Song. Auch durch das Einlösen eurer U-Play Punkte könnt ihr zusätzliche Songs freischalten. Wer das Spiel vor dem Kauf lieber ausprobieren möchte bekommt eine kostenlose Demo mit "What Do You Mean" von Justin Bieber und "I Want To Break Free" von Queen.

 

Fazit: Langerwarteter Karaoke-Nachschub, leider mit vielen Cover-Versionen

 

Ein Karaoke-Abend mit Freunden macht unglaublich viel Spaß - und das schon seit mehr als 10 Jahren, seit "SingStar" sein Debut auf der PlayStation 2 gefeiert hat. Sonys Interesse an der Fortführung des Programms scheint derzeit allerdings enden wollend, der Nachschub an neuen und vor allem aktuellen Liedern hielt sich heuer stark in Grenzen. Umso erfreulicher ist es, dass Ubisoft mit "Just Sing" ein Spin-Off des erfolgreichen Tanzspiels "Just Dance" liefert und den Karaokemarkt belebt. Das Spiel erlaubt es, sowohl mit USB-Mikrophonen als auch mit Android bzw. iOS Smartphones zu singen - allerdings sind nicht alle Geräte gleichermaßen mit dem Spiel kompatibel. Da lohnt es sich vor dem Spiel die kostenlose Demo auszuprobieren um die geplanten Eingabegeräte einem Test zu unterziehen. Auch wenn "Just Sing" wesentlich arcadelastiger ist als "SingStar" und in Sachen Punktevergabe und Feedback wesentlich oberflächlicher bzw. vor allem weit weniger transparent bleibt macht das Singen einfach Spaß. Der einzige schwerwiegende Wermutstropfen ist die Tatsache, dass von den 40 Liedern nur 10 in ihrer Original-Version vorliegen und es sich bei den restlichen 30 um Cover-Versionen handelt.

 

 

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Tracklist:

  • All About That Bass – Meghan Trainor (Original)
  • All of Me – John Legend
  • … Baby One More Time – Britney Spears
  • Call Me Maybe – Carly Rae Jepsen
  • Can You Feel the Love Tonight – Disney’s Lion King
  • Can’t Feel My Face – The Weeknd
  • Chandelier – Sia (Original)
  • Colors of the Wind – Disney’s Pocahontas
  • Counting Stars – OneRepublic
  • Don’t Worry, Be Happy – Bobby McFerrin
  • Drag Me Down – One Direction (Original)
  • Focus – Ariana Grande
  • Girls Just Want to Have Fun – Cyndi Lauper
  • Hallelujah – Leonard Cohen
  • Happy Birthday (Rock Version) - Happy Birthday Songs (U-Play Bonus)
  • Hound Dog – Elvis Presley (Star Road Bonus)
  • I Love Rock ‘n’ Roll – The Arrows
  • I Want to Break Free – Queen (Original)
  • I Want You Back – Jackson 5
  • I Will Survive – Gloria Gaynor
  • It’s Raining Men – The Weather Girls
  • Kryptonite – 3 Doors Down
  • Let Her Go – Passenger
  • Let It Go – Disney’s Frozen
  • Love Me Like You Do – Ellie Goulding (Original)
  • Love Shack – The B-52’s
  • My Heart Will Go On – Celine Dion
  • No One – Alicia Keys
  • One More Night – Maroon 5 (Original)
  • Radioactive – Imagine Dragons (Original)
  • Relax, Take It Easy – MIKA
  • Rude – MAGIC!
  • She'll Be Coming Round The Mountain - 1960s Standards (U-Play Bonus)
  • Shut Up and Dance – Walk the Moon
  • Silent Night - Justin Bieber (U-Play Bonus)
  • Stand By Me – Ben E. King
  • Stay – Rihanna ft. Mikky Ekko
  • Stitches – Shawn Mendes
  • Take on Me – a-ha
  • Torn – Natalie Imbruglia (Star Road Bonus)
  • The Fox (What Does the Fox Say?) – Ylvis
  • Two Princes – Spin Doctors
  • U Can’t Touch This – MC Hammer
  • What Do You Mean? – Justin Bieber (Original)
  • What’s Up – 4 Non Blondes
  • When I Was Your Man – Bruno Mars
  • Wonderwall – Oasis (Star Road Bonus)
  • Zombie – The Cranberries