Bioshock - The Collection [PS4]

Verfasst von Playzocker am 26.09.2016 um 13:34

 

Pack die Badehose ein, nimm Dein kleines Schwesterlein

 

Ohne Zweifel zählt Ken Levine zu den einflussreichsten kreativen Köpfen der Videospielbranche. „Thief“ (bzw. „Dark Project“) und „System Shock 2“ sind vielen Gamern auch Jahre nach ihrem Release immer noch ein Begriff. Dem entsprechend gespannt waren Fans, als Levine im Jahre 2004 sein neues Spiel „Bioshock“ angekündigt hat. Ein Spiel, in dem Wissenschaftler im 21. Jahrhundert ein Unterwasser-Labor aus dem zweiten Weltkrieg entdecken, in dem sich allerlei genetische Mutationen herumtreiben. Moment, „Bioshock“? In den Jahren bis zum tatsächlichen Release des Spiels haben Levine und sein Team die Geschichte stark verändert, von der ursprünglichen Idee blieben nur noch einzelne Facetten über. So könnte man das Unterwasser-Labor als geistiges Vorbild für die Unterwasser-Utopie Rapture sehen und die genetischen Mutationen mit den schwerwiegenden Nebenwirkungen bei den Splicern vergleichen. Trotz der gravierenden Änderungen war die Spielewelt begeistert von der fertigen Fassung von „Bioshock“, sodass das Franchise zu einem der wichtigsten Meilensteine der vergangenen Konsolengeneration zählt. Wenig überraschend also, dass 2K für die PlayStation 4 und die Xbox One eine überarbeitete Version veröffentlicht. Diese haben wir uns nach einem kurzen Anspielen auf der gamescom nun in Ruhe ansehen können um unsere Eindrücke davon in diesem Testbericht zusammen zu fassen.

 

Bioshock

 

Wäre es nicht genial, wie Superhelden in Comicheften oder auf der Kinoleinwand besondere Kräfte zu besitzen, Feuerbälle zu schleudern, Elektroschocks auszuteilen oder die Umgebung mittels Telekinese zu verändern? Das dachte sich wohl auch der schwerreiche Industrielle Andrew Ryan, der die Unterwasserwelt Rapture errichtet hat. Aus Seeschnecken können Forscher dort die Erbgut verändernde Droge Adam gewinnen, die zur Erstellung der so genannten Plasmide, über die Bewohner zu den eben genannten Fähigkeiten kommen können, benötigt wird. Die Unterwasser-Utopie hält allerdings nicht lange an, die Bewohner rebellieren gegen Andrew Ryan und als Folge der Revolution versiegt der Adam-Nachschub. Die süchtigen Bewohner mutieren zu wahnsinnigen Splicern und Dr. Tennenbaum implantiert kleinen Mädchen die Seeschnecken um weitere Adam-Produktion gewährleisten zu können. Fortan ziehen die so genannten Little Sisters durch Rapture um den Leichen der Opfer der Revolution das wertvolle Adam abzuzapfen – immer beschützt von einem Mann im mächtigen Stahlanzug, dem Big Daddy. Andrew Ryans Charakter wurde auf dem philosophischen Prinzip des Objektivismus aufgebaut und folgt der Lehre von Ayn Rand, die diese 1958 in ihrem Buch „Atlas Shrugged“ (Deutsch: „Wer ist John Galt“) festgehalten hat.

 

 

Spiel trifft auf Kunst

 

Was „Bioshock“ allerdings noch weiter von der Konkurrenz abgehoben hat als der philosophische Unterbau der Geschichte und die damit verbundene, famose Charakterzeichnung ist der schlicht und ergreifend geniale visuelle Stil des Spiels. Die Optik baut auf dem Art Déco Stil auf und erinnert vielerorts an Gestaltungen aus den 1950er-Jahren, hinzu kommt eine perfekt passende Musikauswahl. „Bioshock“ schafft es, ein futuristisches Schreckensszenario in die Vergangenheit zu verlagern und trotzdem glaubwürdig erscheinen zu lassen – ein Geniestreich von Ken Levine und seinem Team, dessen Kultfaktor vor allem aufgrund der wegweisenden Atmosphäre bis heute anhält. Zumal sich „Bioshock“ keinesfalls wie ein einfacher Ego-Shooter anfühlt sondern sehr viele Rollenspielelemente bietet und dem Spieler an einigen wichtigen Punkten der Story Entscheidungsmöglichkeiten gibt. So könnt ihr gefundene Little Sisters beispielsweise aussagen und euch ihr Adam zu Nutze machen, oder aber ihr adoptiert sie, begleitet sie durch Rapture und lässt sie für euch Adam aus Leichen extrahieren.

 

Technische Mankos

 

Neben diesen moralischen Entscheidungen sorgten auch die verschiedenen Plasmide, das bis in die Menüs perfekt durchgezogene Art Design und die spannende, wegweisend erzählte Story für ein einzigartiges Spielgefühl. Allerdings war „Bioshock“ bei deinem Release vor knapp 10 Jahren keinesfalls perfekt und hatte mit einigen Problemen zu kämpfen. So wurde die deutsche Version für die „keine Jugendfreigabe“ Plakette der USK stark zensiert und vermisst Bluteffekte sowie Wundtexturen, sogar Zwischensequenzen wurden teils drastisch abgeändert. Erst 2013 wurde das Spiel auch in Deutschland unzensiert veröffentlicht. Außerdem war die PlayStation 3 Version durch Sub-HD-Auflösung und einen Unschärfefilter, der später per Patch wieder entfernt wurde, technisch die schwächste Auflage.

 

 

Alles neu macht der … September

 

Für den Release auf der PlayStation 4 und der Xbox One deutlich überarbeitet. So läuft „Bioshock“ nun, wie von remasterten Versionen gewohnt, in 1080p und mit 60fps, zudem wurde die grafische Performance des Spiels aufpoliert. Das Spiel bietet nun wahlweise einen größeren Bildausschnitt und liefert schärfere Texturen sowie ein aufwändigeres Beleuchtungssystem. Dennoch kann das Spiel keinesfalls mit der Optik aktueller Spiele mithalten. Immer wieder fallen grobe, pixelige Texturen auf, die nicht zum Gesamtbild passen wollen. Auch die Ladezeiten und die Eigenheit des Spiels, dass bei Eintritt in ein neues Gebiet die Texturen erst verlangsamt eingeladen werden, sind nur bedingt zeitgemäß. Dennoch sieht „Bioshock“ auf der PlayStation 4 weitaus besser aus als noch auf der PlayStation 3. Die überarbeitete Version des Spiels bietet zusätzliche Regie-Kommentare von Ken Levine, die allerdings nicht direkt in das Spiel integriert wurden, sondern als Collectibles gefunden werden müssen und dann über das Menü angesehen werden können. Leider wurde nur „Bioshock“ mit diesen hochinteressanten Kommentaren ausgestattet, die anderen beiden Teile der Trilogie müssen ohne auskommen. Der Challenge Room DLC, der euch separate Herausforderungen und Rätsel bietet, wird direkt mitgeliefert.

 

Bioshock 2

 

„Bioshock“ teilt sich in der remastered Edition eine Disc mit „Bioshock 2“, insgesamt belegen beide Spiele ca. 28 GB auf der Festplatte eurer PlayStation 4. Das Sequel spielt zehn Jahre nach dem ersten Teil, diesmal steckt ihr in der stählernen Haut eines Big Daddy. Im Auftrag von Dr. Tennenbaum sollt ihr die Little Sisters vor der religiösen Fanatikerin Sophia Lamb beschützen. Wenngleich die Story mit dem Vorgänger nicht mithalten kann sind die Geschichte und die Charaktere wieder dermaßen spannend, dass selbst Collectible-Ächter freiwillig nach Audio Diaries suchen um so viel wie möglich über die Spielwelt in Erfahrung zu bringen. Leider ist die Geschichte vor allem in Sachen philosophische Untertöne und narrativer Vielschichtigkeit etwas weniger ausgefeilt als die des Vorgängers. Dennoch ist das Spiel eine würdige Fortsetzung und vor allem eine würdige Fortführung der Handlung, die in erster Linie vom Perspektivenwechsel des Spiels profitiert. „Bioshock 2“ erschien zwar auch in Deutschland ungeschnitten, hatte auf der PlayStation 3 aber wieder deutlich schlechtere Texturqualität als auf der Xbox 360.

 

 

Willst du mit mir Drog… online spielen?

 

„Bioshock 2“ ist zudem der einzige Teil der Reihe, der mit einem Online-Modus ausgestattet war. Bei diesem bot das Spiel allerdings nur Standard-Ware, sodass dieser nicht allzu viel Zuspruch fand und für die remastered Version auch komplett ausgebaut wurde. Logischerweise fehlen dadurch auch die Multiplayer-DLCs, die Single Player DLCs sind allerdings komplett erhalten. Da bietet das Spiel einige Protector Trials und die Mini-Kampagne „Minerva’s Den“, die von den „Gone Home“ Entwicklern erschaffen wurde und durch eine hervorragende Gescichte sowie spannende Umsetzung punkten kann. Die überarbeitete Version des Spiels wurde nach dem selben Schema aufgebessert wie der Vorgänger. Das Spiel bietet eine Auflösung von 1080p und eine Bildwiederholungsrate von 60fps. Zudem wurden einige Texturen überholt und die Beleuchtung verbessert. Dennoch gibt es auch hier immer wieder deutliche Einbrüche in der Texturqualität sowie längere Ladezeiten und verspätetes Einladen einzelner Texturen zu sehen. Allesamt Reliquien einer glücklicherweise bereits vergangenen Epoche der Videospielgeschichte, die man bei der überarbeiteten Version in den Griff bekommen hätte können aber stattdessen in der Portierung fortbestehen ließ.

 

Bis zur Unendlichkeit, und noch viel weiter!

 

„Bioshock Infinite“ macht vieles anders als seine beiden Vorgänger. Selbst der Begriff Vorgänger ist hier nur mit Vorsicht zu genießen, da die Handlung des Spiels vor denen des ersten Teils spielt und man „Bioshock Infinite“ daher als Prequel angesehen kann. Auch spielt die Handlung nicht unter Wasser sondern oberhalb der Wolken, in einer fliegenden Stadt namens Columbia. In der Rolle des Privatdetektivs Booker DeWitt sollen wir die junge Elisabeth aus der Stadt entführen – warum wird uns nicht gesagt. Die Stadt ist wie vom „Bioshock“-Franchise nicht anders gewohnt phantastisch gestaltet und hebt sich in Sachen Visualisierung komplett von den ersten beiden Teilen ab. Diesmal befinden wir uns im Jahre 1912 und sehen uns daher mit völlig anderer Architektur und komplett anderen Charakteren konfrontiert. Die Geschichte ist hervorragend geschrieben und schafft es, den Spieler immer wieder mit vermeintlichen Antworten anzufüttern, nur um letztendlich wieder alles umzudrehen und sogar im Finale der ein oder anderen Antwort noch geschickt aus dem Weg zu gehen. Ein Vergleich mit J.J. Abrams‘ Kultserie „Lost“ ist an dieser Stelle definitiv angebracht.

 

 

Ich bin mein eigener Herr!

 

„Bioshock Infinite“ bekam in der „Bioshock Collection“ eine eigene Disc spendiert und belegt 32 GB auf eurer PlayStation 4 Festplatte – mehr also, als die ersten beiden Teile zusammen. Das Spiel wurde allerdings für sein Current Gen Upgrade nicht überarbeitet. Stattdessen bekommen wir auf der Konsole nun erstmals die bestmöglichen Einstellungsmöglichkeiten der PC-Version zu Gesicht. Das Siel läuft in 1080p und 60fps, eine grafische Weiterentwicklung im Vergleich zu den beiden Vorgängern sind logischerweise („Bioshock“ ist fast 10 Jahre alt, „Bioshock Infinite“ lediglich vier) zu erkennen. Zeitgemäße Grafik ist dennoch nicht zu erwarten, vor allem die verpixelten Standbilder auf den Ladebildschirmen haben uns beim Spielen überrascht. Mit an Bord sind alle drei DLCs, die auf der PlayStation 3 sowohl einzeln als auch mittels Season Pass erworben werden konnten. Dazu gehören der „Clash in the Clouds“ Modus sowie die zweiteilige Story-Erweiterung „Burial at Sea“. Darin verschlägt es uns als Booker (Teil 1) und Elisabeth (Teil 2) nach Rapture. Dort könnt ihr die Revolution in Andrew Ryans vermeintlichem Paradies hautnah miterleben. Mit insgesamt ca. acht Stunden Spielzeit fesselt „Burial at Sea“ mit einer hervorragenden Geschichte, die vor allem sehr viele Hintergründe zum „Bioshock“-Franchise beiträgt und Rature und Columbia mit einander verbindet.

 

Fazit: Ken Levines Geniestreich in der ultimativen Fassung

 

Eines ist absolut unbestritten: „Bioshock“ ist ein Geniestreich und ein Meilenstein des vergangenen Jahrzehnts. Die Mischung aus phantastischem Art Design, philosophischen Ansätzen und einer großartigen Mischung aus Ego-Shooter und Rollenspiel sorgen für eine intensive, atmosphärische und spannende Spielerfahrung. Wenngleich die Genialität des ersten Teils unerreicht bleibt liefern auch „Bioshock 2“ und „Bioshock Infinite“ hervorragende Geschichten, die mit ebenfalls sehr guten Story-DLCs erweitert wurden. In „Bioshock – The Ultimate Collection“ bekommen wir auf zwei Discs alle drei Spiele mit sämtlichen Einzelspieler-DLCs in überarbeiteten Versionen. „Bioshock Infinite“ ist grafisch der beste Teil der Box, wurde allerdings nicht überarbeitet sondern liegt lediglich mit den maximalen Settings der PC Version vor. Die ersten beiden Teile wurden grafisch aufgehübscht, können ihr Alter aber dennoch nicht verstecken. Die Multiplayer-Komponente von „Bioshock 2“ wurde ersatzlos gestrichen. Wer bislang noch keinen Ausflug nach Rapture unternommen hat sollte das unbedingt nachholen – mehr Inhalt und Qualität bekommt man für diesen Preis von keinem anderen Spiel.

 

 

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