Shadow of the Beast [PS4]

Verfasst von Playzocker am 18.05.2016 um 18:33

 

Adios, Amigas

 

In den letzten Jahren fühlt man sich als Gamer immer wieder ziemlich alt. Immer mehr Spiele der letzten Jahre bzw. Jahrzehnte werden für die aktuelle Konsolengeneration neu überarbeitet, aktualisiert oder von Grund auf neu gestaltet. Und mit jedem dieser Reboots bzw. Remakes wird man zwangsläufig damit konfrontiert, wie viel Zeit seit der Veröffentlichung der Originale bereits vergangen ist. Das von Heavy Spectrum inszenierte Reboot von „Shadow of the Beast“ versetzt einen zurück ins Jahr 1989, in denen Actiongames überwiegend als Sidescroller inszeniert wurden und das Wort Schwierigkeitsgrad noch eine andere Bedeutung hatte als heute. Viel ist passiert in den letzten Jahren – ein guter Grund, den Klassikern aus fast vergangenen Jahren neues Leben einzuhauchen und einerseits den Fans der Originale ein Stück Nostalgie zu liefern, aber die Geschichten und Charaktere auch einem neuen Publikum zugänglich zu machen. Aktuell so geschehen mit „Shadow of the Beast“ aus dem Jahre 1989, das im Mai 2016 exklusiv für die PlayStation 4 neu aufgelegt wurde. Wir haben uns durch Monstermassen im vierstelligen Ausmaß geschnetzelt und verraten euch im Test, ob „Shadow of the Beast“ zu einer neuen Hochform aufläuft, oder ob dieser Dämon ähnlich wie sein Kollege aus „Altered Beast“ besser in den Annalen der Videospielgeschichte begraben geblieben wäre.

 

Darf ich mich vorstellen?

 

Ähm, nein! So viel Zeit bleibt nicht. „Shadow of the Beast“ startet mitten im Geschehen und wirft den Spieler mehr oder minder unvorbereitet ins kalte Wasser. Bereits nach den ersten Schritten wird klar, dass sich die Erwartungen einiger Spieler, „Shadow of the Beast“ könnte vom Spieldesign her in Richtung „God of War“ gehen, nicht bewahrheiten werden. Das Reboot bleibt dem Stil des Originals treu und präsentiert sich als klassischer Sidescroller. Der (Anti-)held läuft von einer Seite des Bildschirms auf die andere und dezimiert unterwegs die Dämonenpopulation. Am Ende des ersten Levels wird man zum ersten Mal mit der Hintergrundgeschichte des Spiels konfrontiert. Aarbron – so der Name eures Charakters – trifft auf einige Priester mit einem Baby. Einer der Priester, der an Aarbrons Krallen sein Leben aushaucht, entpuppt sich als dessen Vater. Über das Schicksal des Babies wollen wir aus spoilertechnischen Gründen an dieser Stelle nichts verraten.

 

 

Schnapp sie dir alle!

 

Fortan kämpft sich durch eine ungefähr fünf Stunden lange Kampagne, die neben (überwiegendem) Gemetzel auch aus Platforming bzw. zahlreichen versteckten Geheimnissen und Collectibles besteht. Letztere sind in „Shadow of the Beast“ wichtiger als in den meisten anderen Spielen, da man fast ausschließlich über diese neue Informationen über die Charaktere und Einblicke in die Hintergrundgeschichte bekommt. Während der Levels bekommt man nur kurze Zwischensequenzen zu sehen, in denen die Charaktere in Alien-Sprachen sprechen (und auch in diesen untertitelt werden), sodass man als Spieler logischerweise kein Wort verstehen wird. Wenngleich dies auf den ersten Blick fremd (engl. alien) anmuten mag, leistet es doch einen wertvollen Beitrag zur Immersion in die Spielwelt.

 

1989 vs. 2016

 

Mit erspielten Punkten kann man sich über das Bonus-Menü des Spiels aber ein Übersetzungskästchen kaufen, um beim wiederholten Spielen der Levels neue Einblicke bekommen zu können. Wer sich in der Welt des Spiels aber tatsächlich auskennen möchte, kommt um die sammelbaren Timeline-Clips nicht herum. Im Bonus-Menü des Spiels verstecken sich auch einige andere Goodies, die genügend Motivation für mehrere Spieldurchgänge liefern sollten. Neben dem Soundtrack des Spiels lassen sich nämlich auch ein Video eines kompletten Spieldurchgangs des Original sowie eine 1:1 portierte Version des Amiga-Klassikers aus dem Jahre 1989 freischalten. Eine gehörige Portion Fanservice die unter Beweis stellt, wie wichtig es den Entwicklern war den Wurzeln von „Shadow of the Beast“ treu zu bleiben.

 

 

Der Weg ist das Ziel

 

„Shadow of the Beast“ präsentiert sich, ähnlich wie „Assassin’s Creed Chronicles“ als 2.5D Sidescroller. Die meiste Zeit hindurch bewegt ihr euch auf einer Ebene, gelegentlich könnt ihr über bestimmte Portale allerdings auch in den Hintergrund abtauchen und eure Reise dort fortsetzen. Was „Shadow of the Beast“ allerdings von „Assassin’s Creed Chronicles“ unterscheidet ist der Grafikstil. Anstelle von stark stilisierter Grafik in Comic- bis Aquarell-Look bietet der Dämonenschnetzler moderne Grafik im 3D Stil. Die Weitsicht ist dabei vor allem in den Außenarealen hervorragend und bietet gleich in den ersten Minuten einige schöne Ansichten. Die Höhlen und alten Gebäude hingegen bieten einen verhältnismäßig kahlen, eingeschränkten Look, der zwar die Rechenpower der PlayStation 4 weit weniger beansprucht, aber dennoch einige ansprechende Bilder erzeugen kann. In Sachen Soundtrack leistet das Reboot von „Shadow of the Beast“ ebenfalls hervorragende Arbeit.

 

In 20 Metern rechts abbiegen

 

Die Levels des Spiels sind grundsätzlich linear aufgebaut und präsentieren euch den Weg zum Ziel bzw. zum nächsten Kampf wie ein in Aarbrons Dämonenschädel eingebaute Navigationsgerät. Lediglich in seltenen Fällen sind Missionsgegenstände gut versteckt, sodass man einen großen Teil des Levels genau absuchen muss. Das lohnt sich aufgrund der zahlreichen versteckten Collectibles, insbesondere der Timeline Orbs, aber auf jeden Fall. Wieso man zum Öffnen/Zerstören dieser Orbs allerdings eine der besten Angriffe des Spiels, den man zudem nicht unbegrenzt oft einsetzen kann, opfern muss, wissen wohl nur die Entwickler. Die meiste Zeit in „Shadow of the Beast“ verbringt ihr allerdings im Kampf auf Leben und Tod mit anderen dämonischen Kreaturen. Auch das Kampfsystem stellt unter Beweis, dass sich die Entwickler intensiv mit der Vorlage und dem Genre des Sidescrollers beschäftigt haben. Der Schwierigkeitsgrad von „Shadow of the Beast“ ist nämlich nicht von der Hand zu weisen.

 

 

Hau den Lukas

 

Jeder Kampf beginnt damit, dass sich vor und hinter euch Portale aufbauen, die euch nicht nur den Weg versperren sondern auch eine vorgegebene Anzahl an Dämonen auf euch loslassen. Diese Kämpfe spielen sich letztendlich aber wesentlich taktischer, als es auf den ersten Blick den Anschein haben könnte. Vor allem in den späteren Levels werdet ihr der einströmenden Monstermasse nur dann Herr, wenn ihr Aarbrons Fähigkeiten verinnerlicht habt. Einfaches Buttonmashing führt dabei nur bedingt zum Ziel, wesentlich effektiver ist eine geschickte Mischung aus Angriffen, Blocks sowie dem Ausweichen von feindlichen Attacken. Habt ihr euren Blut-Meter aufgefüllt, könnt ihr einen Spezialangriff ausführen, dessen Erfolg allerdings stark von eurem Timing abhängt. Da Feinde grundsätzlich von beiden Seiten auf euch heranstürmen habt ihr kaum die Möglichkeit, euch auf einen Gegner wirklich zu konzentrieren, sondern müsst den Rhythmus des Kampfes durchschauen um nicht inmitten eines Moves eine feindliche Kralle in euren Rücken gerammt zu bekommen.

 

Bonus Round

 

Jeder Move und Kill bringt euch Punkte ein, werdet ihr über längere Zeit nicht von den Gegnern getroffen steigt auch euer Multiplikator. Am Ende eines Kampfes werdet ihr abhängig von euren Punkten mit einer Medaille belohnt. Um an bestimmten Stellen im Spiel Bonus-Kämpfe freizuschalten müsst ihr mindestens eine Gold-Medaille bekommen, für eine Platin-Medaille bekommt ihr einen wertvollen Elexir mit dem ihr Aarborn nach einem Bildschirmtod von den Lebenden zurückholen könnt. „Shadow of the Beast“ ist mit diesem Kampfsystem genauso fordernd, wie man es von klassischen Sidescrollern gewohnt ist. Allerdings hat sich Heavy Spectrum bemüht, das Spiel auch für Einsteiger attraktiv zu machen. Sterbt ihr im Kampf oder bei den Platforming-Sequenzen habt ihr die Möglichkeit, entweder einen Elexir zu konsumieren oder eine unschuldige Seele zu opfern um euer eigenes Leben zu retten. Auf dem einfachsten Schwierigkeitsgrad stehen euch unendlich Seelen zur Verfügung, auf den höheren Schwierigkeitsgraden müsst ihr euch auch diese erst verdienen. Allerdings hat das Opfern dieser Seelen auch auf den niedrigeren Schwierigkeitsgraden einen Preis – und den bezahlt nicht nur der Mensch, dem die verwendete Seele gehört hat.

 

 

I did it my way

 

Um das Spiel mit dem besten Ende abzuschließen dürft ihr nämlich keine einzige Seele opfern. Ein weiteres Ende gibt es für Spieler, die mit weniger als 10 geopferten Seelen durch das Spiel kommen. Wahre Massenmörder bekommen ebenfalls ein zu ihnen passendes Ende zu sehen. Die Rechnung dafür, dass ihr euch das Dämonenleben erleichtert habt, bekommt ist somit erst zum Schluss zu spüren. Mit diesem System motiviert „Shadow of the Beast“ zu mehreren Spieldurchgängen, um nicht nur alle Geheimnisse sondern auch alle möglichen Enden zu entdecken. Der ebenfalls verfügbare Biest-Modus wird selbst für die härtesten Sidescroller-Veteranen noch eine würdige Herausforderung darstellen. Sich dieser zu stellen zahlt sich allerdings aus, da Heavy Spectrum Spieler, die eine bessere Leistung abliefern, auch entsprechend belohnt.

 

Fazit: Gelungenes Revival eines klassischen Oldschool-Sidescrollers

 

Wenngleich die ersten Bilder von „Shadow of the Beast“ womöglich einen anderen Eindruck vermittelt haben präsentiert sich das Spiel treu seiner Vorlage als klassischer Sidescroller. Dabei wurde nicht nur die Inszenierung der Levels an das bekannte Spielprinzip angepasst, sondern auch der Schwierigkeitsgrad. Selbst im einfachsten Modus sind einige Passagen des Spiels eine Herausforderung, zudem wird man von dem Spiel am Schluss tatsächlich abhängig von der eigenen Leistung mit einem der verschiedenen Enden belohnt. Hinzu kommt, dass die im Rahmen der Kampagne erzählte Story nur einen Auszug der tatsächlichen Geschichte von „Shadow of the Beast“ darstellt. Viele Infomationen bekommt man erst über freigespielte Timeline Orbs – Collectibles, die durch ihre zusätzlichen Einblicke im Gegensatz zu vielen anderen Spielen die Suche tatsächlich wert sind. Grafisch und akustisch macht das Spiel für seinen geringen Preis eine saubere Figur, das Kampfsystem ist zudem weitaus anspruchsvoller als es auf den ersten Blick den Anschein haben kann. Oldschool-Gamer und Fans von Sidescrollern allgemein und „Shadow of the Beast“ können bei diesem Reboot getrost einen Blick riskieren.