Battleborn [PS4]

Verfasst von Playzocker am 09.05.2016 um 19:15

 

I was born to make you dead!

 

Vor sieben Jahren veröffentlichte Gearbox mit „Borderlands“ eines der kreativsten, skurrilsten und schlichtweg unterhaltsamsten Spiele unserer Zeit. Klassisches Open World FPS Gameplay wurde um komplexe RPG Elemente erweitert um eurem Charakter und eurer Ausrüstung mehr Tiefgang zu verleihen. Der größte Pluspunkt des Spiels waren aber ohne Frage die Charaktere und die Dialoge. Ein NPC war durchgeknallter als der nächste, hatte eine eigene Geschichte zu erzählen und selbst nach über 50 Stunden Spielzeit konnte „Borderlands“ dank seines grandiosen Humors und der tollen Charaktere immer noch begeistern. Bevor sich Gearbox nach zwei Fortsetzungen („Borderlands 2“, „Borderlands – The Pre-Sequel“) um das bereits angekündigte „Borderlands 3“ kümmert, bringt das Studio im Mai 2016 ein komplett anderes Spiel. Na ja, vielleicht nicht komplett. Wir haben uns „Battleborn“ auf der PlayStation 4 näher angeschaut und gehen der Frage nach, inwiefern die oft geäußerten Vergleiche mit „Borderlands“ tatsächlich zutreffen – oder ob wir in Zukunft vielleicht eher Querverweise auf „Aliens – Colonial Marines“ bringen müssen.

 

To be Borderlands, or not to be Borderlands

 

Im Rahmen der gamescom 2015 konnten wir zum ersten Mal Hand an „Battleborn“ anlegen. Und eines war uns bereits nach der kurzen Präsentation und Hands-On-Zeit klar: An irgendeinem Punkt in seiner Entwicklungsgeschichte trug das Spiel den Titel „Borderlands Online“. Die Ähnlichkeiten zwischen den beiden Titeln sind frappierend und gehen so weit, dass man sich nicht nur die Charaktere und Dialoge ohne Weiteres im „Borderlands“-Universum vorstelle könnte, sondern sogar die Anzeige für eure Lebens- und Schildenergie sowie jedes einzelne Icon im Spiel, von Skills bis hin zu Loot. Dies soll aber auf keinen Fall als Kritikpunkt interpretiert werden sondern stellt das genaue Gegenteil dar. Fans von „Borderlands“ werden sich im „Battleborn“-Universum sehr schnell zurecht finden und dennoch einige interessante Neuerungen entdecken, die das Spiel durch seine MOBA (Multiplayer Online Battle Arena) Anleihen bekommt.

 

 

Wer MOBA sagt, muss auch MOBB sagen

 

FPS meets RPG meets MOBA – damit könnte „Battleborn“ eines der interessantesten Genre-Crossover des Jahres 2016 sein. Was ihr in dem Spiel konkret zu tun habt, klären wir in den folgenden Absätzen. Bevor ihr auf den vollen Umfang von „Battleborn“ zugreifen könnt, müsst ihr zunächst eine Prolog-Mission absolvieren. Vor dieser bekommt ihr eine Intro-Sequenz in Zeichentrick-Optik zu sehen, die euch in die Geschichte der „Battleborn“ einführt. 25 Rassen, die fünf verschiedenen Fraktionen angehören, mussten aus ihrer Heimat fliehen um der sicheren Vernichtung zu entgehen. Auf einem neuen Planeten gelandet beginnen die Krieger umgehend damit, sich gegenseitig zu bekämpfen. Wesentlich mehr erfahrt ihr auch in den insgesamt acht Story-Missionen nicht. Das ist schade, da „Borderlands“ einen großen Teil seines Humors, der skurrilen Atmosphäre und des fesselnden Gameplays gerade durch die vielen Details, Hintergründe und Geschichten gewinnt. Im direkten Vergleich dazu bleibt „Battleborn“ ziemlich oberflächlich.

 

Level me up, Scotty

 

Das Spiel lebt eindeutig von den 25 verschiedenen Charakteren, die nicht nur grandios gestaltet wurden, sondern sich auch unterschiedlich spielen. Einige Zugeständnisse an die Spieler machen sich allerdings auch beim Charakterdesign bemerkbar – so sind auch die Battleborn, wie in der überwiegenden Anzahl an Science-Fiction Filmen/Spielen weitestgehend menschenähnlich und mit Armen und Beinen ausgestattet. Jeder Charakter bietet allerdings einzigartige Waffen und Spezialfähigkeiten, die ihr im Laufe des Spiels erst freischaltet. Das Levelling-System ist dabei eine der interessantesten Komponenten von „Battleborn“, da dieses auf drei verschiedenen Ebenen funktioniert. Ihr startet jede Mission und jedes Match auf Level 1 und könnt durch das Sammeln von Erfahrung – sei es durch das Töten von Gegnern oder das Erfüllen bestimmter Missionskriterien – bis maximal Level 10 verbessern. Mit jedem Level könnt ihr in eurem Doppelhelix-Skilltree eine neue Fähigkeit freischalten. Dabei stehen euch jeweils 2-3 verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, von denen ihr euch zwingend für eine entscheiden müsst und auch bei späteren Levelaufstiegen keinen Zugriff auf die andere Option mehr habt. 

 

 

(Skill-)Tree of Life

 

Über diesen Skilltree könnt ihr euren Charakter sowie dessen Spezialangriffe erweitern bzw. verstärken. Alle Fähigkeiten, die ihr im Rahmen eines Matches auswählt, gelten allerdings nur für dieses eine Match – die nächste Partie startet ihr wieder auf Level 1 und könnt entweder die selben und für euch vertrauten oder komplett andere Fähigkeiten ausbauen. Dadurch bleibt die Charakterentwicklung immer dynamisch und ihr könnt euren Battleborn nicht nur an eure Wünsche anpassen sondern auch im wahrsten Sinne des Wortes ohne Rücksicht auf Verluste verschiedene Spielweisen ausprobieren. Nach dem Abschluss einer Partie erhaltet ihr von anderen Online-Spielen gewohnt Erfahrungspunkte, die sowohl in den Rang des Charakters als auch in euren einfließen. Mit dem Charakter-Rang schaltet ihr alternative Skins für eure Charaktere (leider nur veränderte Farbpaletten) und coole Gesten frei, über euren Spieler-Rang bekommt ihr Zugang zu neuen Battleborn. Zu Beginn des Spiels habt ihr nur auf fünf verschiedene Kämpfer Zugriff, alle anderen müsst ihr euch erst erarbeiten. Um alle Battleborn freizuspielen müsst ihr unzählige Stunden in das Spiel investieren, da ihr selbst auf den niederen Rängen sehr viel Erfahrung für den nächsten Level-Aufstieg sammeln müsst.

 

Solo für O.N.K.E.L.

 

„Battleborn“ ist ein Multiplayer-Spiel, das zu jeder Zeit eine Internetverbindung voraussetzt – selbst, wenn ihr alleine spielt. Bei den Story-Missionen stellt euch das Spiel vor die Möglichkeit, entweder per Matchmaking eine Gruppe von bis zu fünf Spielern zu finden oder alleine (bzw. mit einer von euch zusammen gesellten Party) in die Schlacht zu ziehen. Während ihr beim Matchmaking auf den normalen Schwierigkeitsgrad beschränkt seid könnt ihr im privaten Modus auch einen Hardcore-Modus (ohne Respawns) sowie den erweiterten Schwierigkeitsgrad auswählen. Wollt ihr online spielen gibt euch das Spiel vor jedem Missionsstart ein paar Missionen zur Auswahl, sodass ihr nie sicher wissen könnt, ob ihr eine Mission spielen könnt, die ihr noch nicht kennt. Angesichts der Tatsache, dass jede Mission 30-45 Minuten in Anspruch nimmt, ein entscheidender Faktor. Die Missionen sind wendiger wie Levels sondern mehr wie Raids aufgebaut und geben euch verschiedene Aufgaben wie beispielsweise Angriff, Verteidigung, Eskorte und Bosskämpfe. Trotz dieser Abwechslung können die Story-Missionen schnell eintönig werden, was vor allem auf das lineare Level-Design und auf das Fehlen einer spannenden Story zurückgeführt werden kann. Respawns sind im Story-Modus begrenzt, wird aber beispielsweise ein Objekt, das ihr verteidigen sollt, ist die Mission sofort gescheitert. In diesem Fall müsst ihr die Mission neu starten, was angesichts der Länge und eintönigen Inszenierung schnell frustrierend werden kann.

 

 

Zusammen ist man weniger allein

 

Der Story-Modus ist allerdings keinesfalls das Hauptaugenmerk von „Battleborn“ sondern eher als Bonus zu sehen, der einerseits ermöglicht sich alleine mit dem Spiel vertraut zu machen oder im Co-Op mit Freunden bzw. Fremden gegen die KI in die Schlacht zu ziehen. Trotz der Schwächen dieses Modus ist es in Zeiten wie diesen sehr lobenswert, dass Gearbox zumindest an eine Kampagne gedacht hat. Der Großteil eurer Spielzeit werdet ihr aber ohne Frage im PvP-Modus verbringen, der zum Launch des Spiels aus drei verschiedenen Modi mit jeweils zwei Maps besteht. Der einfachste Spielmodus ist ohne Frage „Capture“, hier müsst ihr in bester King of the Hill Tradition die Kontrolle über drei Generatoren übernehmen und halten. „Incursion“ hingegen ist der komplexeste Spielmodus, da ihr in diesem kleine Roboter über die Map zur Basis des gegnerischen Teams eskortieren müsst, damit sie dort die Schilde der Sentinels außer Kraft setzen und ihr diese zerstören könnt. Jedes Team kann sich in diesem Modus von Bots unterstützen lassen. Hier lehnt sich das Spiel am ehesten an das MOBA-Genre an. Etwas überschaubarer geht es in „Meltdown“ zur Sache, hier müsst ihr lediglich kleine Roboter zu einem Schmelzofen begleiten und sammelt auf diese Art Punkte.

 

Wie sehe ich aus?

 

Wie von Multiplayer-Spielen gewohnt kann „Battleborn“ eine Menge Spaß machen – sofern man in einem richtigen Team spielt und nicht in einer Gruppe aus fünf Einzelkämpfer. Letztere hat aufgrund der taktischen Komponente eigentlich kaum eine Chance. Man darf sich von der Optik auf keinen Fall täuschen lassen – „Battleborn“ ist ein komplexes Spiel, sowohl was die Charakterentwicklung und das Loadout-Management angeht, als auch auf dem Schlachtfeld. Apropos Optik, diese ist eine weitere große Stärke von „Battleborn“. Gearbox hat dem Spiel bewusst keine Cel Shading Look wie „Borderlands“ verpasst aber dennoch nicht auf einen übertriebenen, comichaften Look verzichtet. Vor allem die Charakterdesigns sind hervorragend, detailliert und abwechslungsreich. Die Maps haben ebenfalls viele Details zu bieten, diese wird man allerdings erst nach einigen Spielstunden wirklich durchschauen und zum eigenen Vorteil nützen können. Durch die farbenfrohe, um nicht zu sagen quietschbunte, Optik und die blutleeren Schlachten ist „Battleborn“ auch für jüngere Spieler geeignet. Zu Beginn des Spiels wird man sich womöglich etwas in dem Chaos auf dem Schlachtfeld verlieren, dieses beherrscht man allerdings bereits nach kurzer Zeit. Auf der PlayStation 4 läuft das Spiel zwar nur mit 30fps, dafür allerdings durchgehend flüssig und ohne auffällige technische Probleme.

 

 

Stetiger Geldfluss in die Kalauer-Kasse

 

Das angenehm flüssige Gameplay ist eines der wichtigsten Elemente von „Battleborn“. Trotz seiner komplexen Spielelemente habt ihr mit dem Controller alles perfekt im Griff, könnt unkompliziert auf euren Skilltree zugreifen und zudem mit wenigen Eingaben todbringende Spezialfähigkeiten auf eure Gegner entlassen. Eine weitere Stärke des Spiels ist in dessen Akustik zu finden. Auch wenn die Musik bestenfalls im oberen Durchschnitt anzusiedeln ist und zu keiner Zeit wirklich präsent oder gar treibend über dem Geschehen thront ist die Abmischung hervorragend. Selbst über Stereo-Lautsprecher lassen sich Gegner problemlos orten, der Mix bleibt zudem immer Herr über das Chaos auf dem Schlachtfeld. Überlagerungen oder andere störende Tonbugs sind uns selbst in den hitzigsten Gefechten nicht aufgefallen. Bleiben nur noch die Dialoge – und damit der vermutlich größte Pluspunkt von „Battleborn“. Die Stimmen sind abwechslungsreich, passen hervorragend zu den Charakteren und sprechen humorvolle Dialoge und One-Liner. Diese sind zwar nicht so skurril wie bei „Borderlands“ aber trotzdem over-the-top genug, um einen immer wieder schmunzeln zu lassen und den humorvollen Comic-Stil einwandfrei zu transportieren.

 

Fazit: Hervorragendes Konzept mit mäßiger Story und geringem Umfang

 

Umfang ist im Fall von „Battleborn“ ein schwierig zu definierendes Wort – immerhin bietet das Spiel 25 grundverschiedene, abwechslungsreiche, toll gestaltete und humorvoll gesprochene Charaktere. Um alle freizuspielen und auszuprobieren müsst ihr locker zig Stunden in das Spiel investieren. Und genau hiermit beginnt das größte Problem von „Battleborn“. Mit acht Story-Missionen (Dauer ca. 4-6 Stunden) und drei Mehrspieler-Modi zu je zwei Maps bietet die Launch-Version des Spiels schlichtweg nicht genügend Inhalt, um über eine derartige Spielzeit Motivation zu liefern. Zudem hat Gearbox zwar ihren einzigartigen Humor, der bereits „Borderlands“ zu einem der besten Spiele der letzten zehn Jahre gemacht hat, auch in „Battleborn“ treffend eingesetzt, durch die knappe Story kann sich dieser allerdings nur auf die Designs und kurze Filmsequenzen sowie One-Liner während der Schlachten beschränken. Trotz aller Stärken des Spiels in Sachen Optik, Gameplay und Sounddesign fehlt ein gewisses Gefühl der Immersion, das „Borderlands“ noch ausgezeichnet hat. Man darf allerdings gespannt sein, inwieweit Gearbox die „Battleborn“-Erfahrung in den kommenden Monaten noch erweitern wird.

 

 

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