Adam's Venture: Origins [PS4]

Verfasst von Playzocker am 10.04.2016 um 11:10

 

George Stobbart meets Nathan Drake

 

Zufälle gibt’s, die gibt’s gar nicht. Dass ein Abenteurer Adam Venture heißt, beispielsweise. Frei nach dem Motto „Nomen est Omen“ war seine Berufung wohl vorprogrammiert. Oder es liegt einfach in der Familie – immerhin hat auch Adams Vater einige Abenteuer hinter sich gebracht. Aber alles der Reihe nach. Seinen ersten Videospielauftritt hatte Adam Venture 2009 in dem Spiel „Adam's Venture: Episode 1 - Die Suche nach dem Garten Eden“, 2011 folgte dann die zweite Episode unter dem Titel „König Solomons Geheimnis“ und nur ein Jahr später wurde die dritte und letzte Episode „Offenbarung“ für den PC veröffentlicht. Vergangenes Jahr wurde die komplette Trilogie unter dem Titel „Adam’s Venture Chronicles“ zusammen gefasst und für die PlayStation 3 veröffentlicht. „Adam’s Venture Origins“ folgt in groben Zügen der bereits bekannten Geschichte und übernimmt auch die bekannten Charaktere und Schauplätze. Dennoch handelt es sich bei dem Spiel um weit mehr als eine gewöhnliche Remastered Edition. Wir haben Adam auf seinem Abenteuer begleitet, unsere Eindrücke der PlayStation 4 Version des Spiels findet ihr im folgenden Testbericht.

 

Mehr als nur ein Remaster

 

Bei „Adam’s Venture Origins“ handelt es sich allerdings keinesfalls nur um ein Remaster. Auch wenn die Geschichte, die Charaktere und die Schauplätze weitestgehend beibehalten wurden, die Präsentation des Spiels wurde von Grund auf neu gestaltet. Unter anderem wurden die Abschnitte von Adams Abenteuer neu angeordnet und das Erzähltempo stark verändert. „Adam’s Venture Origins“ spielt in den 1920er Jahren, euer Missionsziel ist nichts Geringeres als die Welt vor dem sicheren Untergang zu bewahren. Gemeinsam mit Evelyn, der neuen Assistentin eures Vaters bereist ihr verschiedene Schauplätze auf der ganzen Welt, erkundet antike Ruinen, erforscht Mythologien und versucht, den Schatz des König Salomon zu finden, bevor diesen die Mitglieder der Clairvaux in die Finger bekommen. Eine recht simple Story, die man in dieser oder ähnlicher Form bereits in zahlreichen anderen Adventures erlebt hat. Im Gegensatz zu den meisten erzählt „Adam’s Venture Origins“ diese Geschichte allerdings mit einem recht hohen Tempo, durch das es nicht immer leicht ist der Geschichte zu folgen und den Überblick über alle Ereignisse zu bewahren. Das Spiel ist mit einer Spielzeit von knapp fünf Stunden auch recht kurz ausgefallen. Wie lang euch Adams Abenteuer beschäftigt ist allerdings stark von euren Fähigkeiten im Lösen der Rätsel abhängig.

 

 

Gewalt ist keine Lösung!

 

Im Gegensatz zu „Uncharted“ und „Tomb Raider“, mit denen man das Spiel auf den ersten Blick vergleichen könnte, bietet „Adam’s Venture Origins“ eine völlig gewaltfreie Spielerfahrung ohne jegliche Kampfhandlungen. In direkten Kontakt mit euren Widersachern kommt ihr nur selten, in diesen Situationen ist es allerdings euer Ziel euch unbemerkt an diesen vorbei zu schleichen. Den Großteil der Spielzeit werdet ihr damit verbringen, über den zahlreichen Rätseln zu brüten. Diese reichen von einfachen Schalterrätseln über Logikaufgaben und mathematische Kombinationsgabe – eine gute Mischung, die bis auf wenige Ausnahmen die Balance aus fordernd und motivierend gut halten kann. Jeder Abschnitt des Spiels hat eine vorherrschende Rätselart, die sich dadurch zwar öfter wiederholt aber im Laufe des Spiels immer anspruchsvoller wird. Hinzu gesellen sich kurze Platforming-Segmente, sodass das Gameplay von „Adam’s Venture Origins“ angenehm abwechslungsreich bleibt. Das ist ohne Frage eine der großen Stärken des Spiels.

 

Ein Relikt aus vergangenen Tagen

 

Die größten Unterschiede zwischen „Adam’s Venture Origins“ und „Adam’s Venture Chronicles“ sind im Bereich des Leveldesigns zu finden. Hier merkt man Vertigos Interesse daran, die Spielerfahrung zu modernisieren. Im direkten Vergleich mit der Vorlage fällt auf, dass die Umgebungen stark überarbeitet wurden. Von der angekündigten Next (Current) Gen Erfahrung bleibt man allerdings dennoch weit entfernt. Das Spiel läuft auf der PlayStation 4 zwar mit einer FullHD-Auflösung von 1080p, erinnert optisch aber dennoch eher an ein Spiel der letzten Konsolengeneration. Besonders auffällig sind die starren Charaktermodelle, deren Lippen sich auch in Dialogszenen nicht bewegen. Die Umgebungen bieten zwar optische Abwechslung und lassen euch einige ansprechend gestaltete Orte erkunden, grafische Details sucht man allerdings vergeblich. Bodentexturen sind oftmals pixelig, ein Unschärfefilter verwischt gelegentlich bereits wenige Meter vor Adams Füßen sämtliche Details. In den statischen Gebieten fallen zudem zahlreiche Popups, Screen Tearing und deutliches Kantenflimmern auf. Im Vergleich mit anderen rätsellastigen Adventures der letzten Jahre ist die Grafik aber dennoch im oberen Durchschnitt anzusiedeln. Ein großes Manko ist allerdings die Kamera, die das Geschehen in vielen Szenen ohne manuelle Nachjustierung unzureichend einfängt und oftmals auch durch Adam hindurch fährt bzw. den Hauptcharakter plötzlich aus dem Spiel verschwinden lässt.

 

 

Unfreiwillige Komik ist auch Komik

 

Auf der akustischen Seite punktet „Adam’s Venture Origins“mit einem gelungenen Soundtrack. Die Dialoge zählen allerdings zu den größten Schwächen des Spiels. Die Gespräche verlieren bereits durch das Dialogbuch jegliche Glaubwürdigkeit, wurden allerdings leider zudem von bestenfalls unterdurchschnittlichen Sprechern vertont. Bei einem Nebencharakter zu Beginn des Luz-Kapitels verwischen die Grenzen zwischen französischem und russischem Akzent, am Schlimmsten hat es allerdings Adam Venture selbst getroffen. Dessen maue Kalauer können gelegentlich sogar unangenehm werden, vor allem wenn man dem Charakter gegen Ende des Hangar-Kapitels blanken Sexismus vorwerfen könnte. Gelegentlich geht dies sogar soweit, dass das Spiel durch die Dialoge zumindest kleine Dosen an unfreiwilligem Unterhaltungswert bekommt. Die Steuerung von „Adam’s Venture Origins“ ist simpel und entsprechend einfach zu erlernen. In den Platforming-Sequenzen stößt diese allerdings merklich an ihre Grenzen, fühlt sich schwammig an und sorgt gelegentlich auch für ungeplante Abstürze. Oftmals ist es auch nicht ersichtlich, welche Objekte Adam erklimmen kann und welche nicht. In unserem Test ist Adam nach einem Sprung plötzlich auf einer Plattform festgesteckt und konnte nicht mehr wegbewegt werden oder ist in einem besonders bizarren Moment beim Versuch auf eine Kiste zu klettern in der Luft eingefroren und nach wenigen Sekunden plötzlich gestorben. Das sind dann die Momente, an denen man dem Spiel die langen Ladezeiten richtig übel nehmen kann.

 

Fazit: Gewaltfreies Puzzle-Adventure für zwischendurch

 

„Adam’s Venture Origins“ hat ein großes Problem: Seinen Preis. Zum Launch kostet das Spiel als Download nämlich satte 49,99 Euro – und dieser ist in keinster Weise gerechtfertigt. Entwickler Vertigo Games hat sichtlich eine Menge Arbeit in die Modernisierung des Vorgängers „Adam’s Venture Chronicles“ gesteckt und das Level- und Puzzle-Design stark überarbeitet. Von einer Next Gen Erfahrung ist das Spiel dank seiner bestenfalls durchschnittlichen Grafik und den wenig überzeugenden Dialogen sowie der schwammigen Steuerung und einiger Glitches allerdings weit entfernt. Mit „Uncharted“ oder „Tomb Raider“ kann sich das Spiel auf keinen Fall messen, das will es zu weiten Teilen aber auch nicht. „Adam’s Venture Origins“ konzentriert sein Gameplay ausschließlich auf Puzzles und Platforming, bietet in seiner kurzen Spielzeit von ca. fünf Stunden dabei eine durchaus abwechslungsreiche Spielerfahrung und eine (gelegentlich zu) temporeich erzählte Geschichte. Puzzle-Fans können bei einer entsprechenden Preissenkung aber durchaus einen Blick riskieren.