Quantum Break [Xbox One]

Verfasst von Playzocker am 04.04.2016 um 11:27

 

Wer hat an der Uhr gedreht?

 

„Interaktives Drama“ wird immer mehr zum Schlagwort der Gaming-Industrie. Was bereits vor einigen Jahren bei Quantic Dreams und Telltale begonnen hat entwickelt sich immer mehr zu einem Trend mit dem Interesse, interaktive Spielerfahrung mit der emotionalen Tragweite und dem Erzählcharakter eines Films zu verknüpfen. Und in vielerlei Hinsicht könnte man meinen, dass diese Bemühungen in dem von Remedy entwickelten Spiel „Quantum Break“ ihren Zenit erreicht haben. Die ca. 120 GB große (volle) Installation des Spiels enthält nämlich nicht nur das Spiel und etliche Zwischensequenzen in ingame Grafik sondern auch eine vierteilige TV-Serie, die mit Schauspielern realisiert wurde. Als Bonus bekommen alle Käufer von „Quantum Break“ auch das Remedy-Spiel „Alan Wake“ inklusive der beiden DLCs „The Signal“ und „The Writer“, das dank der Abwärtskompatibilität der Xbox One auch auf der Current Gen Konsole gespielt werden kann. Die Live-Action Serie „Alan Wake’s American Nightmare“ sowie die Windows 10 Version von „Quantum Break“ ist ebenfalls dabei. Wir sind für euch in die atemberaubende Welt des Microsoft-Exklusivtitels eingetaucht und präsentieren euch unsere Eindrücke in diesem Test.

 

Zurück in die Zukunft

 

Die Installation von „Quantum Break“ ist auf zwei Teile aufgeteilt. Die Pflichtinstallation des Spiels misst ca. 45 GB, wer die Episoden der TV-Serie ebenfalls auf seiner Xbox One Festplatte haben möchte muss zusätzliche ca. 75 GB reservieren. Alternativ kann man die Episoden auch streamen, für optimale Performance empfiehlt es sich allerdings, die Szenen zu installieren. Die Erzählstruktur von „Quantum Break“ ist in verschiedene Akte unterteilt, an deren Ende immer eine ca 22 Minuten lange Episode der TV-Serie zu sehen ist. Wer das Spiel streamen möchte bekommt sogar eine Option, lizenzierte Musik auszuschalten um keine Probleme auf den Streaming-Seiten zu bekommen. Für das Spiel konnte Remedy bekannte TV-Darsteller wie beispielsweise Lance Reddick („Fringe – Grenzfälle des F.B.I.“), Dominic Monaghan („Lost“), Shawn Ashmore („The Following“) und Aidan Gillen („Game of Thrones“) verpflichtet. Einige Gesichter wird man auch von der großen Kinoleinwand wieder erkennen, Monaghan hat auch in „Der Herr der Ringe“ mitgewirkt und Ashmore war Teil des „X-Men“ Universums. Die Schauspieler sind nicht nur in den TV-Episoden zu sehen sondern leihen selbstverständlich ihren Charakteren auch in den Spielsequenzen die Stimme.

 

 

Kaffee Monarch

 

Paul Serene (Aidan Gillen) arbeitet an einer Zeitmaschine und bittet seinen alten Freund Jack Joyce (Shawn Ashmore) in bei dem Beweis, dass die Maschine tatsächlich funktioniert, zu unterstützen – und das, obwohl die nötigen Sicherheitstests noch nicht abgeschlossen sind. Wenig überraschend schlägt das Experiment fehl und die Auswirkungen sind schwerwiegend. Im Gegensatz zum realen Leben trägt Jack von dem Unfall aber keine schweren Verletzungen davon sondern ist mit brandneuen Superkräften ausgestattet. Zudem scheint die Zeit immer wieder nicht nur sprichwörtlich stillzustehen. Paul ist das Experiment weniger gut bekommen, er ist plötzlich 17 Jahre älter und zudem der Chef des unheimlichen Monarch-Konzerns. Seine Freundschaft mit Jack dürfte ebenfalls zu Ende sein, da bereits wenige (Spiel-)Minuten nach dem Unfall Pauls Soldaten Jagd auf Jack machen. Der bekommt dadurch allerdings die Möglichkeit, seine neuen Fähigkeiten auszuprobieren und gerät dabei nicht nur selbst ins Staunen. Auch als Spieler wird man vor allem in der ersten Stunde von „Quantum Break“ oftmals überrascht sein von der visuellen Wucht des Spiels.

 

Cool story, bro!

 

„Quantum Break“ ist ein gelungener Mystery-Thriller, dem vor allem der Aufbau der Geschichte und die Verstrickung von Gameplay und TV-Serie hervorragend gelingt. Dass man als Spieler dabei oftmals etwas verwirrt ist und Geschehnisse oder Charaktere nicht so richtig einzuordnen weiß ist genau im Sinne des Erfinders. Das Mysterium rund um die Welt von „Quantic Dreams“ bleibt – obwohl tatsächliche Überraschungen im Spielverlauf leider rar gesät sind – bis zum Ende der Geschichte interessant und motivierend. Der Kontrast zwischen dem Spiel und der TV-Serie ist ebenfalls gut gewählt. Während einen das Spiel die Rolle des Helden Jack übernehme beschäftigt sich die TV-Serie überwiegend mit den Antagonisten. Dadurch können beide Elemente von „Quantum Break“ aufeinander Bezug nehmen, ohne dass allzu häufig Wiederholungen oder gar Leerlauf auftreten. Zudem ist dies eine geschickte Möglichkeit, dem Spieler/Zuschauer die Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln zu erzählen. Der Cast wurde hervorragend gewählt, alle Performances sind durchgehend auf hohem Niveau. Die Nebenrollen hätten in der deutschen Synchronfassung zwar mit etwas passenderen Sprechern besetzt werden können, bietet aber dennoch weitestgehend kompetente Performances.

 

 

Make your choice!

 

An bestimmten Stellen im Spielverlauf könnt ihr auch Entscheidungen treffen. Ihr könnt euch beispielsweise aussuchen, ob ihr das misslungene Experiment vertuscht indem ihr alle Zeugen aus dem Weg räumt oder doch lieber Unwahrheiten durch die Medien schickt. Diese Entscheidungen haben auch Auswirkungen auf den Inhalt der folgenden Episode aus der TV-Serie, wirklich gravierend fallen diese allerdings nicht aus. Immerhin muss der eigentliche Handlungsverlauf des Spiels schnell wieder auf Schiene kommen um auch für die nächsten Szenen/Episoden passend zu bleiben. Da hat man beispielsweise bei den interaktiven Dramen von Quantic Dreams („Heavy Rain“, „Beyond: Two Souls“) wesentlich mehr Einfluss auf den Verlauf der Handlung gehabt. Wie sich die Geschichte entwickelt verraten wir euch an dieser Stelle natürlich nicht – nur so viel: Stories mit Zeitreisethematik leiden oft unter stark ausgeprägten Logiklücken und verworrener Conclusio. Umso überzeugender, dass Remedy es wirklich geschafft hat ein weitestgehend zufrieden stellendes Ende zu finden. Abgespielt werden die Episoden der TV-Serie am Ende eines Aktes in einem eigenen Videoplayer. Dieser ermöglicht es euch auch, die Episoden jederzeit zu pausieren oder aber auch zu überspringen. Über das Menü habt ihr allerdings die Möglichkeit, die bereits freigeschalteten Episoden erneut zu starten.

 

Pimp my skills

 

In den Spielsequenzen erinnert „Quantum Break“ am ehesten an einen Deckungsshooter, hat allerdings mit den bekanntesten Vertretern wie „Gears of War“ dennoch recht wenig zu tun. Wenn ihr euch neben Umgebungsobjekten bewegt geht ihr automatisch in Deckung. Dynamisch zwischen verschiedenen Deckungen zu wechseln oder blind das Feuer auf eure Gegner zu eröffnen ist allerdings nicht möglich. Auch erinnert die Steuerung weniger an einen rasanteren Shooter, Jacks Bewegungen werden zwar flüssig aber dennoch etwas großräumiger umgesetzt. Lediglich Animationen beim Springen, Fallen und Klettern machen einen sehr antiken Eindruck. Feuergefechte machen zwar einen nicht gerade geringen Teil des Spiels aus, im Zentrum stehen aber dennoch die hervorragend umgesetzten und unterhaltsamen Zeiteffekte. Mit diesen könnt ihr unter anderem eure Gegner anhalten, schnell auf sie zusprinten und noch vieles mehr. Im Laufe des Spiels werdet ihr die Möglichkeit haben, diese Fähigkeiten mit wenigen aber wirkungsvollen Upgrades zu verbessern. Auch eure Fähigkeiten mit Schusswaffen lassen sich erweitern, hier sind die Auswirkungen auf das Spielgeschehen aber deutlich reduzierter. Jack ist bereits zu Beginn des Spiels ein recht mächtiger Charakter – vielleicht sogar etwas zu stark. Die ersten Kapitel werden vor allem erfahrene Spieler kaum vor eine Herausforderung stellen können, gegen Ende steigen die Anforderungen teilweise sogar sprungartig an. Vor allem, weil Jack nicht gerade vielen Kugeln standhalten kann.

 

 

Technische Spielereien

 

Neben der in der deutschen Fassung weitestgehend überzeugenden und im englischen Original hervorragenden Synchronisation punktet „Quantum Break“ vor allem mit seiner hervorragenden Musik. Die Soundeffekte wurden toll abgemischt und vermitteln vor allem in Kombination mit den wuchtigen Vibrationen des Xbox One Elite Controllers ein sehr gutes Spielgefühl. Die Präsentation des Spiels, insbesondere der verschiedenen Zeitfähigkeiten ist außergewöhnlich und hat bis zum letzten Kapitel immer wieder einige Überraschungen parat. Auch in grafischer Hinsicht kann das Spiel überzeugen, wenngleich man bei näherer Betrachtung einige Tricks erkennen kann, mit denen sich Remedy geholfen hat um die Optik auf der Xbox One umzusetzen. So läuft das Spiel nur in 720p mit einer Framerate von meist 30fps. Gelegentlich fällt die Bildwiederholungsrate geringfügig ab, ins Stocken gerät das Spiel glücklicherweise nie. Zudem machen sich starkes Anti-Aliasing und andere Grafik-Effekte bemerkbar. Gelegentlich, vor allem in Zeitlupensequenzen, fallen diese recht deutlich auf. So kann es sein, dass einzelne Bildelemente wie zum Beispiel Schatten im Hintergrund recht grob aufgelöst sind, wohingegen das eigentliche Bild hervorragend aussieht. Das sind allerdings bestenfalls Kleinigkeiten, die sich zu keiner Zeit störend auf den Spielspaß auswirken.

 

Billige Tricks

 

Auch beim Gameplay bedient sich Remedy gelegentlich einiger Tricks, die teilweise allerdings etwas billig und nicht mehr zeitgemäß sind. So sieht man sich recht oft mit unsichtbaren Wänden konfrontiert. Gegen Ende des Spiels gibt es beispielsweise eine Szene, in der ihr in eine Lobby gehen müsst. An Rand des schmalen Weges ist ein nicht abgesperrtes Baugerüst, das ihr aber trotzdem nicht betreten könnt. Über den Balkon klettern ist sowieso Fehlanzeige. Dadurch fühlt man sich etwas stark in den vorgegebenen Rahmen des Spiels hineingedrückt, zumal man in vielen Szenen noch etwas mehr mit seinen Zeitfähigkeiten experimentieren hätte wollen. Diese kann man zwar nicht nur zum Kämpfen verwenden sondern muss sie auch zum Lösen kleinerer Rätsel-Einlagen einsetzen, diese sind aber weitestgehend einfach zu lösen. Etwas schwieriger könnte es bei den glücklicherweise raren Plattforming-Sequenzen werden, die aber in erster Linie durch die Steuerung zu einer Herausforderung werden. Trotzdem sei wie bereits bei der Grafik zu sagen, dass all diese Kritikpunkte zwar vorhanden und bemerkbar sind, den Spielspaß aber keinesfalls in störendem Maße beeinträchtigen.

 

 

Fazit: Hervorragende Balance zwischen Gameplay und TV-Serie mit faszinierender Zeitmanipulation

 

Remedy liefert mit „Quantum Break“ eine erfrischend neue Spielerfahrung, bleibt den Studiowurzeln aber dennoch treu. Vor allem die vielen Querverweise auf „Alan Wake“ können überzeugen und Fans Rätsel aufgeben. Passend, dass das Spiel inklusive beider DLCs gratis mitgeliefert wird. „Quantum Break“ spielt sich wie ein Cover-Shooter, bei dem vor allem eure Spezialfähigkeiten nicht nur visuell überzeugen können sondern auch eine Menge Spaß machen. In den zahlreichen Feuergefechten im wahrsten Sinne des Wortes mit euren Gegnern herumexperimentieren zu können und zwischendurch kleine Rätsel zu lösen unterhält bis zum Finale – trotz offensichtlicher Einschränkungen in Grafik und Gameplay. Von den vier jeweils ca. 22 Minuten langen Live-Action TV-Episoden wird die Geschichte weitererzählt, wobei sich eure Entscheidungen im Spielverlauf geringfügig auf deren Inhalt auswirken. Dass die Geschichte ein für eine Zeitreise-Story überraschend wohl überlegtes und logisches Ende nimmt rundet die Gesamterfahrung positiv ab und sorgt dafür, dass „Quantum Break“ insgesamt ein sehr empfehlenswertes Spiel ist.

 

 

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