Hitman [PlayStation 4]

Verfasst von Playzocker am 07.11.2016 um 16:12

 

Rote Rüben und Blaue Bohnen

 

Vor zehn Jahren hat IO Interactive mit „Hitman – Blood Money“ das für viele Fans mit Abstand beste Spiel aus der „Hitman“-Reihe geschaffen. Die Sandbox-artigen Level und die Tatsache, dass jeder Auftrag auf mehrere Arten absolviert werden kann waren einerseits wegweisend für das Franchise und andererseits ihrer Zeit eindeutig voraus. Die technischen Einschränkungen anno 2006 setzten der offenen Spielerfahrung klare Grenzen. Nach dem cinematisch erzählten und actionlastig inszenierten „Hitman – Absolution“ im Jahr 2012 möchte IO Interactive mit „Hitman“ nun wieder zurück zu den Wurzeln gehen und Gameplay im Stil von „Hitman – Blood Money“ liefern. Als erster Teil des Franchise erscheint allerdings nicht das komplette Spiel als Einheit, sondern wird in Episoden-Häppchen im Laufe des Jahres 2016 veröffentlicht. Die komplette Retail-Version soll aktuellen Informationen nach erst 2017 folgen. Heuer erscheint die digitale Version des Spiels in insgesamt sieben Teilen, der erste ist vor wenigen Tagen veröffentlicht worden. Wir haben uns den Inhalt des „Intro Pack“ auf der PlayStation 4 genau angesehen und verraten euch in unserem Testbericht, ob Agent 47 erneut zur Höchstform auflaufen kann oder ob das erste Todesopfer des neuen „Hitman“ das Andenken an ein beliebtes Franchise ist.

 

You don’t know jack … yet!

 

Das Intro Pack von „Hitman“ enthält den Prolog, der auch in der Beta bereits spielbar war, das Paris-Level und den Contracts-Modus. Wie es sich für einen guten Agenten gehört lassen wir uns zuerst von unseren Vorgesetzten ausbilden und auf unser blutiges Treiben vorbereiten. Das Spiel wird zwar offiziell nicht als Reboot des Franchise bezeichnet, erzählt aber dennoch eine von den anderen Titeln unabhängige Geschichte. „Hitman“ beginnt damit, dass Agent 47 aus dem Klonlabor geflüchtet ist und auf seine Kontaktperson Diana trifft. Diese übernimmt die Ausbildung von Agent 47 und seinen zahlreichen Komplizen hinter den Controllern. Und an genau diesem Punkt kommen wir ins Spiel – im wahrsten Sinne des Wortes. Der Prolog von „Hitman“ besteht aus zwei (eigentlich drei) Missionen, die uns in die Spielmechanik einführen sollen. Zu Beginn müssen wir eine Yacht stürmen und dort einen gefährlichen Terroristen ausschalten. Bei unserem ersten Spieldurchgang nimmt uns Diana in dieser Simulation sprichwörtlich an der Hand und erklärt uns jeden einzelnen Schritt genau. Danach dürfen wir in einer zweiten Simulation die selbe Mission noch einmal versuchen – diesmal aber mit einer anderen Taktik.

 

 

Angriff! Zugriff!

 

Diese bekommen wir nicht mehr direkt ins Ohr geflüstert, dennoch bietet „Hitman“ genügend Hilfestellungen um auch für Neueinsteiger spielbar zu sein. Leicht ist das Spiel aber trotzdem nicht, Geduld und vor allem eine herausragende Beobachtungs- und Antizipationsgabe sind nach wie vor Grundvoraussetzungen. Bereits diese erste offene Trainingsmission zeigt, wie vielfältig die Möglichkeiten in „Hitman“ sind. Wir können uns beispielsweise einfach als Mechaniker verkleidet an Bord schleichen und dem Opfer im richtigen Moment einen Kopfschuss verpassen. Wenig elegant und vor allem auch sehr unwahrscheinlich, nachher die Yacht wieder verlassen zu können. Also beginnen wir damit, das überschaubare Gebiet zu erforschen. Sich aufs Dach zu schlagen und das Opfer mit einem Rettungsboot zu erschlagen ist eine Möglichkeit, den Wein seines Partner zu vergiften und sich in dessen Verkleidung in die Privaträume des Terroristen einzuschleusen eine andere. Wer die volle „Hitman“-Erfahrung erleben will wird eine Menge Zeit und Hirnschmalz in eine Erfolg versprechende Strategie investieren müssen – alle anderen bekommen im Menü des Spiels zahlreiche Hilfestellungen. Dort finden sich beispielsweise ein Überblick über die Kill-Möglichkeiten des Levels oder aber eine Liste mit Verkleidungen oder Gegenständen, die man finden und einsetzen kann. Diese lassen sich sogar verfolgen und heben dann entsprechende Möglichkeiten auf dem Bildschirm bzw. der Minimap hervor.

 

*füge Goofy-Jodler an dieser Stelle ein*

 

Dem destruktiven Vorstellungsvermögen des Spielers sind dabei kaum Grenzen gesetzt. So kann man auch in der zweiten (dritten) Mission des Prologs auf verschiedene kreative Arten zu seinem Ziel kommen. Sich als Soldat zu verkleiden und das Opfer mit Blei vollzupumpen ist natürlich weiterhin möglich, dieses allerdings dazu zu überreden sich auf einen zuvor manipulierten Schleudersitz eines Kampfjets zu setzen wesentlich unterhaltsamer. Nachdem wir das Training abgeschlossen haben sind wir bereit für unseren ersten großen Auftrag. Dieser verschlägt uns nach Paris auf eine Modeschau – und damit in das größte Level der Geschichte von „Hitman“. Vor allem Fans von „Hitman – Blood Money“ werden sich in diesem Gebiet sofort wohl fühlen und mit der Erforschung der verschiedenen Möglichkeiten beginnen. Agent 47 kann nicht nur die Deckenbeleuchtung manipulieren und auf ein argloses Opfer herabsausen lassen, sondern sich sogar als Model auf die Modeschau schleichen und ein privates Treffen mit einem Opfer arrangieren. Dadurch hat „Hitman“ auch einen überraschend hohen Wiederspielwert. Aufgrund der vielen kreativen Tötungsmöglichkeiten fühlt man sich dazu verleitet, Level öfter zu spielen und dabei verschiedene Kills auszuprobieren.

 

 

Alles hat ein Ende, nur „Hitman“ hat sieben

 

Mit dem Prolog und der Paris-Mission kann man sich bei einmaligem Durchspielen knapp zwei Stunden beschäftigen, wenngleich das Intro Pack aufgrund der zahlreichen Möglichkeiten und der komplexen Spielmechanik auch weitaus länger dauern kann. Egal, wie viel Zeit man in der digitalen Welt der Auftragskiller verbringt, Spielspaß kann durchgehend gewährleistet werden. IO Interactive hat sich um einen tollen Soundtrack bemüht, die Musik stammt diesmal allerdings nicht mehr von Jasper Kyd sondern von Peter Kyed und Peter Peter. In grafischer Hinsicht ist „Hitman“ solide ausgefallen. Es wird definitiv nicht zu den schönsten Spielen des Jahres 2016 zählen, dafür wären wesentlich detailliertere Texturen und bessere Lichtdynamik erforderlich, aber mit beispielsweise der Massenszene bei der Modeschau in Paris sind einige optische Highlights vorhanden. Agent 47 nimmt eure Kommandos ohne Widerrede entgegen und setzt diese flüssig um, lediglich bei der Ausbildungslektion zum Thema Umgang mit Waffen dürfte er geschlafen haben. Diese zählten zwar immer zu den Schwachpunkten des „Hitman“-Franchise, im Jahr 2016 hätte man sich aber dennoch ein überzeugenderes Waffenhandling erwarten können. Selbst von einem Spiel, das eigentlich kein Shooter ist.

 

Digitale Halsschlagader

 

Die Framerate bleibt weitestgehend stabil, kann bei besonders komplizierten Szenen allerdings auch geringfügig in die Knie gehen. Störende Ruckler hatte dies während unseres Tests allerdings nie zur Folge. Störend war lediglich ein Aspekt von „Hitman“, nämlich die permanente und obligatorische Internetverbindung. Über diese werdet ihr in bestimmten Spielmodi mit Live-Inhalten versorgt. Dennoch ist es uns schleierhaft, warum man „Hitman“ offline überhaupt nicht spielen kann. Wenn man während einer Tutorial-Mission aus dem Spiel geschmissen wird, weil die Verbindung zum Server unterbrochen wurde, und trotz mehrmaliger Versuche diese wiederherzustellen einfach nicht weiterspielen kann, dann ist das einfach nur frustrierend. Neben dem Prolog und dem ersten Auftrag in Paris bietet das Intro Pack auch bereits Zugang zum Contracts-Modus, der euch mit weiteren Aufträgen versorgt. In Zukunft soll es sogar möglich sein, selbst Aufträge zu erstellen und diese mit anderen Spielern zu teilen sowie selbstverständlich auch Aufträge von anderen Spielern anzunehmen. Damit sollte man auch zwischen den Veröffentlichungen der nächsten Teile genug zu tun haben. Die nächsten sechs Episoden von „Hitman“ sollen im Monatsrhythmus erscheinen und euch nach Sapienza, Marrakesh, Thailand, in die USA und nach Japan verschlagen.

 

 

Fazit Episode 1 - Intro Pack: Vielversprechender Auftakt für den besten Auftragskiller der Welt

 

Episodenhaft erzählte und veröffentlichte Spiele sind heutzutage keine Seltenheit mehr. Bei einigen Konzepten wie beispielsweise den Story-Adventures von Telltale, ist diese Struktur in Anlehnung an eine interaktive TV-Serie auch durchaus passend. Bei anderen Titeln beschleicht einen aber eher das Gefühl, dass das Spiel nicht rechtzeitig fertig wurde und deswegen in Häppchen veröffentlicht wird. Bei Spielern machte sich über die Level-für-Level Veröffentlichung von „Hitman“ großer Unmut breit – und das ist auch durchaus nachvollziehbar. Auf die tatsächliche Qualität des Spiels hat dies allerdings keinen Einfluss – und wenn, dann bedingt durch die längere Entwicklungszeit eher einen positiven. Das im März 2016 veröffentlichte Intro Pack liefert den Prolog, die erste Mission in Paris und den Contracts-Modus. Allzu viel Spielzeit sollte man sich davon nicht erwarten, außer man möchte alle Tötungsmöglichkeiten in den drei Missionen erforschen.

Im Gegensatz zu anderen episodenhaft veröffentlichten Spielen haben wir uns bei „Hitman“ dazu entschlossen, bei den Einzelteilen auf eine Wertung zu verzichten. Diese wird im Rahmen unseres Reviews zum letzten Teil erfolgen.

 

 

Episode 2: Sapienza – Italien

 

Spätestens mit dem Release der zweiten Episode Ende April 2016 wird eines klar: “Hitman” ist kein klassisches Episodenspiel. Stattdessen handelt es sich um ein Spiel, bei dem die einzelnen Levels nicht als Komplettpaket sondern separat veröffentlicht werden. Während das vergangenen Monat erschienene Intro Pack sowohl die Tutorial-Missionen und den Zugang zu den Contracts als auch die erste Mission in Paris enthalten hat bekommen wir mit der Sapienza-Erweiterung lediglich ein weiteres Level sowie neue Möglichkeiten für den Contracts-Modus. Dafür allerdings wird die größte Schwierigkeit der episodenhaften Veröffentlichung deutlich: Während Episoden-Spiele von Telltale beispielsweise in jeder einzelnen Episode umfangreiche Geschichten erzählen bzw. den bislang aufgebauten Storyarc erweitern bietet Sapienza lediglich eine zweiminütige Zwischensequenz, die sich mit der eigentlichen Geschichte rund um Agent 47 befasst. Ansonsten bekommt man einen neuen Level, der fast schon den Charakter eines eigenständigen Spiels hat. Eines großartigen Spiels, wohlgemerkt.

 

Ciao, bella!

 

In Sachen Leveldesign übertrifft Sapienza Paris um einiges. Statt eines großen Gebäudes bekommt ihr nun Zugang zu einer Stadt, die optisch hervorragend gestaltet wurde und euch das Gefühl der typisch warmen italienischen Sonne ins eigene Wohnzimmer bringt. Die Sonne ist allerdings auch das einzige, das in diesem Level Wärme vermittelt – Agent 47 geht wieder einmal mit eiskalter Härte vor, diesmal mit dem Interesse einen Virus mit unvorstellbarem Gefahrenpotential unschädlich zu machen. Wissenschaftler haben nämlich einen Virus erschaffen, der an die DNA eines Ziels gekoppelt werden und dann unbemerkt verbreitet werden kann, bis er zu der Person gelangt, die er unschädlich machen soll. Eure Aufgabe ist es, die zwei an der Entwicklung des Virus beteiligten Wissenschafter – die verständlicherweise hervorragend bewacht werden – auszuschalten und letztendlich das Labor zu infiltrieren um den Virus zu vernichten. Alleine durch diese Beschreibung sollte klar werden, dass ein Spieldurchgang in Sapienza wesentlich länger dauert als einer in Paris – der Umfang des Levels ist vergleichbar mit dem des kompletten Intro Packs, inklusive der Tutorials.

 

 

Stupido!

 

In Sachen Aufbau unterscheidet sich Sapienza nicht von Paris. Auch hier habt ihr nahezu absolute Freiheit, wie ihr zu euren Zielen kommt und diese ausschaltet. Über das Menü des Spiels könnt ihr wieder zahlreiche Möglichkeiten einsehen und ausprobieren – oder aber einen komplett eigenen Weg gehen. Das Level-Design von Sapienza ist dabei hervorragend, die Qualität der Optik und Akustik auf dem Niveau des Intro Packs und Mankos nur selten wirklich wahrnehmbar. Vereinzelte Einbrüche der Framerate und immer noch lange Ladezeiten sind uns beim Spielen zwar aufgefallen, den Spaß an der Mission konnten diese allerdings nicht mindern. Die gelegentlich seltsam agierende KI ist hingegen in einem Spiel, das von eurer Seite aus rigorose Planung und Präzision erfordert allerdings ärgerlich, außerdem würden wir uns wünschen, dass IO Interactive und Sqare Enix endlich die Serverprobleme des Spiels in den Griff bekommen. Wie bereits beim Test des Intro Packs hatten wir auch ein Monat später noch mit Verbindungsabbrüchen sowie Schwierigkeiten beim Zugriff auf die Online-Funktionen des Spiels zu kämpfen. Trotz dieser Schwierigkeiten hinterlässt Sapienza aber vor allem aufgrund der riesigen, offenen Spielwelt und dem hervorragenden Leveldesign einen sehr guten Gesamteindruck.

 

Fazit Episode 2: Der wahrscheinlich bislang beste „Hitman“-Level

 

 

Episode 3: Marrakesch – Marokko

 

Nachdem IO Interactive mit der Sapienza-Episode von „Hitman“ den für viele Fans besten Level der Geschichte von Agent 47 geschaffen haben wurde die Episode in Marrakesch mit Spannung erwartet – und tatsächlich schafft es der Entwickler, das hohe Niveau des Vorgängers (fast) zu halten und zudem wieder eine Menge Abwechslung zu bieten. Allein das Leveldesign von Marrakesch bietet davon genug. Der Level ist in zahlreiche Gebiete unterteilt, die man aber frei und ohne nervige Ladezeiten erkunden kann. Subjektiv scheint der Schwierigkeitsgrad im direkten Vergleich zu den ersten Episoden des Spiels gestiegen zu sein, da es vor allem in den engen Gassen und Bazaren sehr schwierig ist, unbemerkt zu einer Verkleidung zu kommen. Denn natürlich ist Agent 47 nicht auf Urlaub – da wäre er sicherlich lieber in Sapienza geblieben – sondern muss wieder seinem unschönen Beruf nachgehen. Auf seiner Todesliste steht diesmal zum einen der Banker Claus Strandberg, der zuerst die marokkanische Bevölkerung gegen sich aufgebracht hat und dann in die schwedische Botschaft geflüchtet ist. Vor dem Gebäude wird heftig protestiert, dem entsprechend hoch sind auch die Sicherheitsvorkehrungen. All das spielt einem gewissen Reta Zaydan in die Karten. Er ist General des marokkanischen Militärs und wartet auf die Eskalation der Situation, um durch einen Militärputsch selbst an die Macht zu kommen. Logischerweise wird auch er hervorragend bewacht.

 

Agent 00 – Mit der Lizenz zum Totkneten

 

Die Signature Kills der Episode stellen wieder die Kreativität von IO Interactive unter Beweis. Die Piratenkanone aus Sapienza bleibt zwar nach wie vor unerreicht, in Marrakesch kann man sich dafür als Masseur versuchen oder (entsprechendes Timing vorausgesetzt) sogar eine abmontierte Toilette als Mordwerkzeug verwenden. Alleine dafür lohnt sich für viele vermutlich schon das Erforschen des Levels. Qualitativ ist es schwer, Sapienza und Marrakesch zu vergleichen. Beide Episoden sind hervorragend, unterscheiden sich spielerisch und optisch aber sehr stark. Subjektiv wirkt Marrakesch durch die Vielzahl an Menschen und die selbst für „Hitman“-Verhältnisse ungewohnt stark bewachten Locations schwieriger, macht dadurch aber nicht weniger Spaß. Zeitgleich mit der dritten Episode wurde auch ein neuer Patch veröffentlicht, der vor allem den Umgang mit Feuerwaffen verbessern sollte. Durch die Balancing-Korrekturen und das überarbeitete Trefferfeedback fühlen sich diese nun tatsächlich besser an, zum Shooter wird „Hitman“ dadurch aber noch lange nicht. Und das ist auch gut so, denn das soll das Spiel gar nicht sein. Dennoch verfügt das Spiel nach wie vor über einige technische Bugs wie zu spät einladende Texturen – störend sind diese Bugs aber keinen Fall.

 

Fazit: „Hitman“ wird immer besser – Marrakesch ist ein würdiger Nachfolger von Sapienza

 

 

Episode 4: Thailand - Bangkok

 

Nachdem die ersten drei Episoden im Monatsrhythmus veröffentlicht wurden schickte man den glatzköpfigen Assassinen offensichtlich in die Sommerpause und bot Spielern Mitte Juli lediglich zwei Bonusmissionen an bereits bekannten Schauplätzen an. Vergangene Woche, während der gamescom 2016, wurde allerdings die vierte Episode veröffentlicht, in der es Agent 47 nach Thailand verschlägt. Wir haben uns gleich nach unserer Rückkehr aus Köln damit beschäftigt, Bangkok mehr aufzumischen als das Wolfpack aus "Hangover" und berichten euch in diesem Testbericht, was es in der neuen Episode zu tun gilt. Nach Thailand wird es geneigte Auftragskiller noch nach Japan und die USA verschlagen, dann ist "Hitman" bereits zu Ende. Via Twitter hat IO Interactive allerdings bereits bekannt gegeben, dass man das Spiel über drei Staffeln hinweg am Leben erhalten möchte. Diese Episode fühlt sich komplett anders an als ihre beiden Vorgänger. So habt ihr in Thailand keine frei begehbare Stadt zur Verfügung sondern seid auf ein Hotel beschränkt. Der Schauplatz basiert auf dem wunderschönen Himmapan Hotel in Bangkok, allerdings hätte man sich bei der Immersion mehr Mühe geben müssen. Nahzu alle Charaktere sprechen mit amerikanischem oder britischem Akzent, sodass der Schauplatz austauschbar wirkt und man sich das asiatische Setting bzw. die Möglichkeiten in Bangkok leider nicht zu Nutzen gemacht hat. 

 

47, Agent 47!

 

Dafür allerdings spielt sich die vierte Episode deutlich schwerer als die letzten beiden, da die Sicherheitsvorkehrungen im Hotel sehr streng sind - und ihr es immerhin mit einem Superstar aufnehmen wollt. Indie-Rocker Jordan Cross hat seine Freundin ermordet und gemeinsam mit dem Familienanwalt Ken Morgan dafür gesorgt, dass er nicht verurteilt wird. Rückblickend gesehen hätte er sich das allerdings vermutlich gewünscht, so wäre ihm die Begegnung mit Agent 47 erspart geblieben. Die Mission trägt den Titel "Club 27", eine Anspielung an das Alter in dem einige berühmte SängerInnen (Janis Joplin, Kurt Cobain, Jimi Hendrix, etc.) gesporben sind. Auf den ersten Blick fühlt man sich durch den eingeschränkten Aktionsrahmen im Hotel an die Paris-Episode von "Hitman" erinnert, allerdings weist "Club 27" auch einige Parallelen mit der hervorragenden Mission "House of Cards" aus "Hitman - Blood Money" auf. Wie gewohnt gibt es auch in dieser Episode einige verschiedene Möglichkeiten, die beiden Ziele auszuschalten. Diese wirken allerdings weitaus weniger kreativ oder abgefahren wie in den letzten Episoden. Ein besonderer Kill lässt euch Cross mit dessen eigener Geburtstagstorte töten, mehr sei an dieser Stelle aus Spoilergründen aber nicht erwähnt.

 

Fazit: Sehr gute Mission, die mit ihrem Vorgänger allerdings nicht mithalten kann

 

 

Episode 5: USA – Colorado

 

In den ersten vier Episoden von „Hitman“ hat es Agent 47 an verschiedene, zumeist dicht bevölkerte, Orte auf der ganzen Welt verschlagen. Sein Ausflug in die Vereinigten Staaten von Amerika wird da sicher keine Ausnahme machen. Doch! Der glatzköpfige Meuchelmörder wird in das ländliche Gebiet von Colorado geschickt, das zwar die unspannendste Farbpalette aller bisherigen Episoden liefert, dafür allerdings auch die forderndste Spielerfahrung. Agent 47 muss diesmal vier verschiedene Ziele ausschalten, die in einer zur Basis der ortsansässigen Miliz umfunktionierten Farm untergebracht und entsprechend gut bewacht sind. Der Bombenbauer und Terrorist Sean Rose, die ehemalige Auftragskillerin und Trainerin Maya Parvati, der ehemalige Mossad-Agent und Verhörspezialist Ezra Berg sowie die Anti-Terror Analytikerin Penelope Graves. Vier Ziele in einer Location klingt nach einer besonderen Herausforderung – und das ist es auch. Colorado bietet ohne Zweifel den schwierigsten Auftrag des aktuellen „Hitman“, da ihr von der ersten Sekunde an in feindlichem Gebiet seid und die Gegner über das Aufgreifen eines Eindringlings verständlich unerfreut sind. Ohne Verkleidungen – inklusive einer Vogelscheuche! – kommt ihr in diesem Gebiet nicht weit. So schwierig und komplex der Level auf den ersten Blick auch scheinen mag, so packend wird das Gameplay nach einer kurzen Eingewöhnungszeit.

 

Old Milita has a Farm…

 

Wenngleich man zu Beginn vereinzelte Frustmomente erwarten muss sind es letztendlich die kreativen Tötungsmethoden, die den Auftragskiller in euch motivieren werden. Von manipulierten Smartwatches bis hin zum Alptraum für jeden Zwangsneurotiker bietet die Mission eine Menge Abwechslung, die das Gameplay mehr in Richtung Rätsel und weniger in Richtung Action bringt. Schleichen und unentdeckt bleiben ist in Colorado unerlässlich. Dadurch wird dieser Level für einige Spieler ein neuer Favorit sein, für andere allerdings eine ungewollt harte Nuss. Optisch hat der Level bedingt durch sein Setting deutlich weniger zu bieten als bisherige. Wachen sind – mit Ausnahme eurer Ziele – fast die einzigen Ziele, die euch über den Weg laufen. Die Farbpalette ist monoton, visuelle Abwechslung bekommt man innerhalb des zudem deutlich kleineren Gebiets kaum geboten. Dadurch hinterlässt der Level keinen dermaßen bleibenden Eindruck wie Sapienza oder Bangkok, kann seine visuelle Einfachheit allerdings durch das herausfordernde Gameplay locker ausgleichen.

 

Fazit: Visuell einfacher, dafür spielerisch die bislang größte Herausforderung

 

 

Episode 6: Hokkaido – Japan

 

Nach sieben Monaten endet die aktuelle Auftragsserie für Agent 47, den wohl bekanntesten Auftragskiller der Videospielwelt. Diesmal verschlägt es ihn nach Hokkaido, der zweitgrößten Insel von Japan. Diesmal geht es Eric Soders von der ICA an den Kragen, der eine Liste mit den Namen aller Auftragskiller-Kollegen von Agent 47 gestohlen hat. Sein japanischer Anwalt möchte diese Liste publik machen und hat sich damit ebenfalls ins sprichwörtliche Zielfernrohr begeben. Während der Anwalt ein Ziel wie viele andere ist, die ihr im Laufe der Staffel ins virtuelle Gras beißen lassen musstet. Soders hingegen bringt wieder ein völlig neues Element ins Spiel. Untypisch für das „Hitman“-Franchise hat er nämlich nicht die Möglichkeit, sich zu bewegen. Sein Aufenthaltsort ist nämlich ein Krankenhaus, in dem er sich einer Herzoperation unterziehen muss. Soders ist somit im wahrsten Sinne des Wortes an den Operationstisch gefesselt. Der Gedanke, dass die Mission dadurch für Agent 47 leichter wird, ist allerdings völlig falsch. Das Spital ist nicht nur hervorragend gesichert sondern wird von einer künstlichen Intelligenz kontrolliert, die Möchtegern-Meuchelmördern das Leben schwer machen wird. Dadurch ist es in Hokkaido besonders wichtig, die richtigen Verkleidungen und/oder IDs zu besitzen um in die wichtigen Teile des Geländes vordringen können.

 

Horror Horspital

 

Hokkaido bietet zwar nicht die größte Map des Spiels, balanciert die verschiedenen „Hitman“-typischen Gameplay-Elemente allerdings hervorragend. Die Bereiche der Map sind abwechslungsreich und visuell überzeugend. Vor der Türe erwartet euch verschneite Landschaft, die Zimmer der Patienten gleichen eher einem Hotel und es gibt sogar einen eigenen Spa-Bereich. Zudem wirkt das Krankenhaus innen wesentlich größer als von außen, das komplizierte Map-Design wird sicherlich einige Stunden Forschungsarbeit erfordern, bis ihr euch um eure eigentlichen Ziele kümmern könnt. IO Interactive hat sich diesmal dazu entschieden, die Möglichkeiten von Agent 47 deutlich einzuschränken. So könnt ihr zwar wie gewohnt alternative Einstiegspunkte freischalten, es fehlt allerdings die Option Ausrüstung in den Level mitzunehmen. Das kann etwas aufgesetzt wirken und für Frustration sorgen, weil der Level mit der euch normal zur Verfügung stehenden Ausrüstung wesentlich einfacher sein könnte, bringt allerdings wiederum etwas spielerische Abwechslung. Hokkaido ist sicherlich nicht so gut wie Sapienza – der bei vielen Spielern beliebteste Level der aktuellen Staffel – aber reiht sich problemlos in die Top 3 ein. Der Level bemüht sich zudem, die Geschichte rund um Agent 47 weiterzuerzählen und bietet mehr Details als bisherige Levels. Dennoch bleibt die Geschichte weiterhin sehr fragmentiert, findet kein richtiges Ende und fungiert zum Schluss eher als Setup kommender Staffeln.

 

Fazit: Abwechslungsreicher, komplexer Level mit einigen Neuerungen, aber auch nervigen Einschränkungen

 

 

Abschließendes Fazit: Viel Abwechslung und bemerkenswerter Umfang – eines der besten „Hitman“-Spiele aller Zeiten

 

Trotz des holprigen Starts gelingt IO Interactive 2016 mit „Hitman“ ohne Frage eines der besten Spiele des Franchises. Wenngleich „Blood Money“ in der Meinung zahlreicher Fans weiterhin die klare Nummer 1 bleibt überzeugt die 2016 mit episodenhaftem Charakter präsentierte Ausgabe vor allem mit ihrem Umfang und ihrer Abwechslung. Im Laufe des Jahres haben wir sechs verschiedene Levels erforscht und immer wieder neue, dynamische Aufträge erhalten. Sowohl die Locations als auch die Ziele boten dabei viel Abwechslung und ließen uns immer wieder gerne in die virtuelle Welt von Agent 47 zurückkehren. Zwar konnten nicht alle Levels die hohe Qualität der ersten Episoden halten und die zweite Episode in Sapienza bleibt nach wie vor die mit Abstand beste. Trotz der Schwankungen bieten alle Episoden einzigartige Elemente und bringen eine Menge Spielspaß für Fans. Auch die ursprünglich kritisierte Idee der episodenhaften Veröffentlichung kann rückblickend gesehen als richtige Entscheidung gewertet werden. Das einzige schwere Manko von „Hitman“ (2016) ist die Story, die nicht nur fragmentiert erzählt wird und sich sehr im Hintergrund hält, sondern die auch nach der letzten Episode kein Ende findet und sich mehr in Richtung Setup für kommende Episoden entwickelt hat. Wer auf die Komplettierung des Spiels gewartet hat kann jetzt ohne Bedenken zuschlagen, wer lieber auf eine physische Version des Spiels wartet bekommt diese im Jänner 2017 im Steelbook mit zusätzlichen Bonus-Inhalten.