Nymphomaniac Vol. I & II - Director's Cut

Verfasst von Daniel Fabian am 11.12.2014 um 18:35

 

Anfang dieses Jahres lieferte Skandalregisseur Lars von Trier, der Mann hinter Filmen wie Dancer in the Dark,Antichrist oder Melancholia, den vermutlich provokantesten Film der letzten Jahre ab. Mit einer malerischen Bildgewalt, radikaler Konsequenz und unter dem bedachten Einsatz von Musik erzählt von Trier eine Geschichte von Identität, Gesellschaft und Glauben. Ja, Nymphomaniac ist wahrlich ein bizarres, kontroverses Machwerk, das man nicht so schnell vergessen wird, hat es sich einmal ins Gedächtnis gebrannt. 

Der Film wurde vorab aber nicht nur in zwei Kapitel geteilt, sondern für das Kino auch großzügig gekürzt. Trotz einer Gesamtlaufzeit von ungefähr vier Stunden fehlten Nymphomaniac Vol. 1 & 2 auf der Leinwand knapp eineinhalb Stunden. Doch jene knapp 90 Minuten sollten der Welt nicht länger vorenthalten werden…

Concorde Home Entertainment veröffentlicht nun sowohl die Kinofassung als auch den Director’s Cut auf Blu-ray. Letzterer liegt diesem Bericht zugrunde und liegt auf 2 Discs – geteilt in Volume 1 und – vor. So ausgiebig das Filmvergnügen selbst mit knapp fünfeinhalb Stunden sein mag, so spärlich fällt das Bonusmaterial zu diesem einzigartigen Mammutwerk aus. Nur Interviews mit Charlotte Gainsbourg, Stellan Skarsgard, Stacy Martin und Shia LaBeouf sowie Trailer verirren sich auf die Blu-ray. Der Hauptfilm selbst liegt in DTS-HD 5.1 Master Audio in deutscher sowie englischer Sprache, inkl. Untertitel, vor. All das findet Platz in einer handelsüblichen Blu-ray Hülle, die mit einem Wendecover ausgestattet wurde.

 

Details der Extras:

  • Interviews mit Charlotte Gainsbourg, Stellan Skarsgård, Stacy Martin, Shia LaBeouf
  • Trailer

 

Digital Copy: Nein

 

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Inhalt:

An einem kalten Winterabend findet der charmante, ältere Junggeselle Seligman (Stellan Skarsgård) eine halb bewusstlose, zusammengeschlagene Frau namens Joe (Charlotte Gainsbourg) in einer dreckigen Seitenstraße. Er nimmt sich ihrer an, bringt sie zu sich nach Hause und pflegt die Schwerverletzte. Als diese irgendwann wieder zu sich kommt und Joe ihre Wunden behandelt, fragt er sie was geschehen ist. Joe fängt an, Seligman ihre Lebensgeschichte zu erzählen, ohne jegliche Scheu vor dem fremden Mann zu haben. Eingeteilt in acht Kapitel erzählt sie ihren Werdegang von der Geburt bis zu ihrem fünfzigsten Lebensjahr. Die eigene Lebensdiagnose als Nymphomanin ist geprägt von mannigfaltigen Facetten und erotischen Erlebnissen. Die mit Anekdoten gespickten Geschichten zeugen von ihren tief verborgenen Emotionen und Bedürfnissen...

 

 

Fazit der Blu-ray:

Nymphomaniac ist eine filmische Grenzerfahrung, dank Director’s Cut jetzt noch intensiver als schon im Kino. Wer also stets auf der Suche nach Neuem, nach Anderem oder nach Grenzwertigem ist, der sollte sich dieses einmalige Meisterwerk nicht entgehen lassen. Ob man Nymphomaniac nun lediglich als abstoßend empfindet oder man darin die Neudefinition des Films in seiner Urform als Kunst sieht, bleibt natürlich jedem selbst überlassen. So oder so wird man den Film aber wohl nicht so schnell wieder vergessen…

Es ist schon löblich, dass Concorde Home Entertainment nicht nur Volume 1 & 2 ausschließlich im Doppelpack veröffentlicht, sondern wahlweise auch als Director’s Cut oder Kinofassung. Denn ausnahmsweise mag Letztere zwar weit dünner, deswegen aber noch lange nicht schlechter ausfallen. Beide Versionen haben ohne jeden Zweifel ihre Vor- und Nachteile, die jeder für sich selbst abzuwägen hat. 

Die Auswertung auf Blu-ray fällt zufriedenstellend aus. Akustisch stellt Nymphomaniac vor keine allzu großen Herausforderungen, denn abgesehen vom seltenen, aber umso intensiveren Einsatz von Musik, beschränken sich die fünfeinhalb Stunden fast ausnahmslos auf die Kraft des Dialogs. Das Bild ist scharf, detailreich und je nach Tenor des Films warm oder kalt gehalten.

Mit der Auswertung auf Blu-ray wird man diesem wahrlich einzigartigen Stück Film mehr als gerecht. Ein Wunsch, der für all jene in Erfüllung geht, die den Director’s Cut schon sehnlichst erwarteten. Und dennoch: Die Kinofassung sollte man deswegen noch lange nicht abschreiben. Denn in diesem Fall handelt es sich weniger um eine drastisch geschnittene Fassung, als um eine angepasste, leichter verdauliche Version eines Ausnahmefilms.