Dancer in the Dark

Verfasst von Daniel Fabian am 28.08.2014 um 16:57

 

Der dänische Skandalregisseur Lars von Trier ist zweifelsohne für den kontroversen Charakter seiner Werke berühmt berüchtigt. Lange vor Filmen wie Nymphomaniac oder Melancholia entstand mit der Golden Heart Trilogie ein besonders eigenwilliger Höhepunkt seiner Karriere. Dancer in the Dark ist das letzte Kapitel jener Reihe, in dem es sich von Trier zum Ziel machte, jeweils eine tragische Frauengestalt in den Mittelpunkt zu stellen. Mit Dancer in the Dark brach er aber schon im Jahr 2000 Tabus, die auch heute noch als unkonventionell gelten. Nie zuvor hat man die Stilmittel von Dogma 95 – ein Bündnis dänischer Regisseure gegen die Wirklichkeitsentfremdung des Medium Film – mit dem Charakter typisch amerikanischer Musicals vereint. Dancer in the Dark ist deswegen ein wahrlich ein unvergleichlicher Film, der uns erbarmungslos in die deprimierende Welt der erblindenden Selma Jezkova, eindrucksvoll gespielt von Björk, zieht. 

Jahre nach der Erstauflage auf DVD legt Koch Media nicht nur diese neu auf, sondern veröffentlicht das Drama erstmals auch auf Blu-ray in deutscher Sprache. Diese enthält den Film in DTS-HD 5.1 Master Audio (Deutsch & Englisch) sowie deutsche Untertitel. Für all jene, die sich stets auch für die Hintergründe eines Films interessieren, bietet die Blu-ray Auswertung von Dancer in the Dark aufschlussreiches Bonusmaterial in Form von Interviews mit Lars von Trier und Björk, eines Audiokommentars und einer Bildergalerie. Darüber hinaus enthält die Blu-ray Disc den englischen Original-Trailer zum Film sowie ein 4-minütiges Behind the Scenes Featurette. All das in einer handelsüblichen Blu-ray Hülle mit Wendecover ohne FSK-Logo. 

 

Details der Extras:

  • Audiokommentar
  • Interview mit Lars von Trier
  • Interview mit Björk
  • Behind the Scenes
  • Englischer Trailer
  • Bildergalerie

 

Digital Copy: Nein

 

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Inhalt:

Amerika in den 60er Jahren. Die tschechische Einwanderin Selma (Björk) lebt mit ihrem Sohn Gene (Vladica Kostic) am Rande Washingtons. Sie liebt amerikanische Musicals und die Musik hilft ihr die harte Arbeit in der Fabrik zu ertragen. Die Musik bringt Leben in ihre Welt, aus der nach und nach das Licht verschwindet, denn sie leidet an einer angeborenen Sehschwäche, die langsam zur Erblindung führt. Ihrem Sohn droht das gleiche Schicksal und so spart sie jeden Cent, um Gene eine Augenoperation bezahlen zu können. Als ihr Nachbar ihr wertvoll erspartes Geld stielt nimmt die Katastrophe ihren Lauf....

 

 

Fazit der Blu-ray:

Dancer in the Dark[I] ist von der Idee über die Verwirklichung bis zur jüngsten Auswertung auf Blu-ray ein einzigartiger Film, für den man in Stimmung sein muss. Denn mit dokumentarischen Aufnahmen in Verbindung mit Björks Musik und der tragischen Thematik ist der Abschluss der Golden Heart Trilogie genau das, was man im Film-Jargon unter „hartem Tobak“ versteht. Unkonventionell, unvergleichlich und nachhaltig. 

Ein Dogma-Film in High Definition – eigentlich schon ein Widerspruch in sich. Ja, bei der Auswertung auf Blu-ray macht es einem von Trier in diesem Fall nicht gerade leicht. Denn, befolgt man die Regeln des Bündnisses, verzichtet man auf künstliche Beleuchtung, Spezialeffekte und Filter, gefilmt wird zudem lediglich mit Handkameras. Bei einem technischen Fortschritt wie in den letzten fünfzehn Jahren bedeutet das heute Homevideo-Optik, die in keiner Weise HD-Feeling auszulösen vermag. Intensive Farben wie grellgrüne Wälder treten umso stärker in Erscheinung, farblose Settings verblassen umso mehr. Aber entspricht das Bild immerhin in ihrem Schärfegrad dem heutigen Standard? Nein, mit Sicherheit nicht. Kompressionsspuren und Unschärfen verstärken den dokumentarischen, unbearbeiteten Stil des Films. Damit darf sich Lars von Trier zwar durch und durch bestätigt fühlen – immerhin sieht sein Film auch nach 15 Jahren genauso aus, wie er soll – und das dürften Cineasten auch auf Blu-ray anerkennen, ein gewohntes Blu-ray Bild sollte man an dieser Stelle also nicht erwarten. In der deutschen Synchronfassung werden einmal mehr Dialoge hervorgehoben, wodurch Hintergrundgeräusche nahezu verschwinden oder zumindest stark ausgeblendet werden. Der Originalton hingegen wirkt roh, frei und weitaus ehrlicher und steht der Synchronfassung auch qualitativ in nichts nach.

Mit Dancer in the Dark sollte jeder, der sich selbst Cineast schimpft, spätestens auf Blu-ray ein intensives Stück Filmgeschichte nachholen. Für Freunde des Unkonventionellen zählt der Film, gerade ob seiner einzigartigen Erzählweise, zweifelsohne zum Pflichtprogramm. In Anbetracht seiner Machart muss aber jeder für sich selbst entscheiden, ob es gerade hier die HD-Variante sein muss.