"Vikings" - Season 1, Episode 4 "Der Prozess"

Verfasst von Daniel Fabian am 22.07.2014 um 13:00

 

Johan Renck verabschiedet sich nach Enteignet vom Vikings-Regiestuhl und macht für Ciarán Donnelly (Die Tudors,Robin Hood) Platz. Es wäre allerdings zu viel zu sagen, man würde einen markanten Unterschied zu den Vorgängern erkennen. Der inhaltliche Weg, den Vikings zurücklegt, sorgt aber immer mehr für zugespitzte Situationen rund um Gott, Tod und Verrat und zieht uns damit Stück für Stück tiefer in die Welt von Ragnar Lothbrok. 

Ragnar macht sich mit seiner Besatzung erneut auf die Suche nach Festland und einen weiteren Ort wie Lindesfarne, den es zu enteignen gilt. Nach der kleinen, aber deswegen nicht weniger bedeutungsvollen Schlacht am dortigen Strand – mit Bootskonstrukteur Floki an vorderster Front – gibt ihnen ein einheimischer Gefangener die Richtung zum nächsten Ziel vor. 

Während es seine barbarischen Mannen, nicht zuletzt auch seinen Bruder Rolle, gar nicht erwarten können, das nächste Dorf auszurauben, gibt sich Ragnar geduldig. Im Gegensatz zu seiner Besatzung machte er sich nämlich bereits das Grundwissen seines ehemaligen Sklaven Athelstan zu Eigen und weiß um die Bräuche und Traditionen der Engländer. Nach einer Wanderung durch Licht durchflutete Wälder, begleitet von der epischen Musik Trevor Morris‘, greifen Ragnar & Co. während eines Gottesdienst an – denn, wie der Protagonist mittlerweile weiß, legen die Einwohner ihre Waffen hierfür ab und servieren ihm die Möglichkeit eines Angriffes damit auf dem Silbertablett. 

 

God bless.

 

Auch im direkten Gespräch mit dem Priester lässt er diesen um die Kenntnis seiner Bräuche wissen. Doch während Ragnar dem Sprecher des Volkes sowie dessen Glaubenssymbol, dem Kreuz, schon ein gewisses Maß an Ehrfurcht und Respekt entgegenbringt, handelt es sich für seine Begleiter dabei nach wie vor um Fremde(s), der bzw. das sich in den Weg stellt und aus dem Weg zu schaffen ist.

 

 

Wherever they come from, they’re not welcome in my kingdom.

 

Nachdem König Aelle bereits in vorangegangenen Episoden Erwähnung fandt, lernen wir diesen nun endlich auch persönlich kennen. Ihm teilen die Überlebenden der gestrigen Schlacht am nahegelegenen Strand mit, dass es sich bei den Fremden um barbarische Mörder handelt, so groß wie Riesen. 

Und wenn ein Attribut auf das Wesen der Wikinger zutrifft, dann ist es wohl das des Barbarismus. Dem von Graf Haraldson mitgesandten Knut reicht es nämlich nicht, mit den Schätzen der Fremden nach Hause zurückzukehren und dafür gegebenenfalls auch zu töten. Er vergeht sich an einer Sächsin. Ragnars Frau, Lagertha, wird Zeuge der Vergewaltigung und schreitet ein, sollte aber zum neuen Objekt der Begierde Knuts werden. Diese weiß sich aber zu wehren und tötet Knut, einen Mann aus den Reihen Haraldsons.

Während Rollo & Co. die Wertigkeit eines Priesters noch nicht schätzen, Ragnar seinem Wissensdurst Taten folgen lässt und jetzt auch seine Frau zur Riege von Mördern gehört, halten sie alle im Kampf gegen die englischen Widersacher zusammen. Deren Meer aus Pfeilen halten sie mittels einer Schildformation stand, die im ersten Augenblick an die überzeichneten Geschichten von Asterix & Obelix, dann aber doch eher an den finsteren und dreckigen 300 von Zack Snyder erinnert. 

 

Each must die some day!

 

Ragnar führt seine Mannen zum Sieg – wenn auch nicht ganz ohne Verlust, Kauko stirbt. Es wird Rache an König Aelle für seine Befehle geschworen, vorerst läutet Ragnar mit seiner blutverschmierten Fratze aber die Heimreise ein. Zuhause breitet sich einerseits Krankheit als Schicksal der Zeit aus, während der Mönch Athelstan – inmitten von Heiden – an seinem Gott zu zweifeln beginnt. Warum antwortet er ihm nicht, warum ließ er die Ermordung und den Verkauf seiner Brüder zu und wo ist er nur, wenn er ihn am meisten braucht?

 

 

Believe me, there is something devilish in the way they look.

 

Ragnar kehrt nach dem Sieg über die Sachsen zurück und steht zugleich vor einer neuerlichen Gegenüberstellung mit Lord Haraldson. Wie sich nämlich herausstellt, war der von ihm entsandte Knut dessen Halbbruder. Nachdem Haraldson im Zuge einer öffentlichen Debatte über die Bestrafung Ragnars aber nicht nur die Meute, sondern auch Rollo versucht auf dessen Bruder aufzuhetzen, zeigt sich, dass Blut schon immer dicker als Wasser war. Entgegen aller Erwartungen lehnt sich Rollo, dem Haraldson Reichtum und sogar seine Tochter verspricht, nämlich nicht gegen seinen Bruder auf – ein durch und durch gelungener Plottwist am Ende der Episode. 

 

May Thor strike you dead.

 

Ragnar nimmt die Schuld an Knuts Ableben auf sich und befragt die Männer des Volkes, wie sie denn reagieren würden, wenn sie Zeuge der Vergewaltigung ihrer eigenen Frau werden würden – er dreht den Spieß somit um und gewinnt die Sympathie seines Volkes. Er wird freigesprochen und hat allen Grund für eine Feier mit Familie und Freunden, bis das Gelage von todbringenden Unbekannten gestört wird. Schnell wird klar, wer sie geschickt hat. Das, was von ihnen übrig bleiben sollte, laden die Männer vor den Toren Haraldsons rechter Hand ab. 

Längst wurde aus Ragnars Auflehnung gegen Graf Haraldson ein unerbittlicher Kampf, der nun zugespitzter nicht sein könnte. Während Regisseur Donnelly auch diese Episode nicht ohne Landschaftsaufnahmen verstreichen lassen will und am Ende noch im Nebel verschlungene Baumkronen zeigt, bereiten sich Haraldson und sein abenteuerlicher Widersacher auf die folgenden Auseinandersetzungen vor. Ragnar zieht sich auf einen einsamen Felsen zurück, während der finstere Lord beim Orakel um Rat sucht...

 

Fazit

 

Es scheinen sich die Ereignisse erstmals zu wiederholen. Ragnar begibt sich erneut auf Beutezug, kehrt triumphal zurück und sieht sich dennoch mit Lord Haraldson konfrontiert. Keineswegs bekommt man in der 4. Episode Vikingsaber das Gefühl, dass schon jetzt keine neuen Impulse gesetzt werden könnten. Denn während große Schritte hinsichtlich der Charakterzeichnung von Ragnar, Rollo, Lagertha und Athelstan getan werden, spitzt sich die Streitsituation mit Oberhaupt Haraldson immer mehr zu. Auch wenn Der Prozess wie im Fluge vergeht, scheint es am Ende fast so, als diene jene Folge nur der Vorbereitung auf Kommendes.