"Vikings" - Season 1, Episode 3 "Enteignet"

Verfasst von Daniel Fabian am 19.07.2014 um 16:25

Ragnar hat sein Ziel erreicht und ist mit der Besatzung von Flokis Boot im Westen auf Festland gestoßen, wo Priester und Mönche der ansässigen Kirche dem Erdboden gleichgemacht werden, bevor sie überhaupt zu Wort kommen. Nur Athelstan weckt das Interesse des Wikingers, der sich entschließt, den Mönch und dessen materiellen Schätze in seiner Heimat zu präsentieren.


Ja, nach seiner erfolgreichen Erkundungstour und der bestandenen Bewährungsprobe für den nach der Sonne gerichteten Kompass treten Ragnar Lothbrok und seine Mannen die Heimreise an. Dort erwartet sie aber nicht nur die Schönheit der Landschaft, sondern auch das neugierige Volk, dem man berichten soll. Lord Haraldson hat mit dem sturen Ragnar aber noch eine Rechnung zu begleichen, immerhin setzte dieser sich über seine Befehle hinweg indem er die Reise gen Westen antrat. 

In der Heimat läuft alles in gewohnten Bahnen. Während Mädchen die Wäsche waschen, nehmen die Burschen Fische aus – ja, die Verbundenheit zur Natur sowie zu Leben und Tod ist deutlich spürbar. Ebenso offensichtlich ist die nach wie vor unumstrittene Machtposition von Haraldson, der sich mittels Erpressung einen jungen Burschen als Arbeitskraft aneignet. Aber was bleibt diesem auch für eine Wahl, wenn ihm ansonsten der Armring und somit die Ernennung zum Mann verwehrt bleibt?


 

Als Anführer seines Stammes bleibt es Haraldson erspart, anderen einen Gefallen zu tun. Zu geben hat er wenig, stattdessen nimmt er, wo er nur kann – zuerst die erbeuteten Schätze der Reisenden und anschließend das Leben jenes Jungen, den er sein eigenes Grab schaufeln lässt. Ja, Haraldson avancierte im Zuge von nur drei Episoden vom eiskalten Lord zum wahrhaftigen Teufel. Wohin das wohl noch führen wird?

Zur selben Zeit erkennt Ragnar den Nutzen des Mönchs Athelstan, den er folglich nicht mehr als Sklave an der Leine halten will. Er zeigt Interesse an dessen Kultur und Glauben und möchte von ihm lernen – schon damals galten Abenteuerlust, Interesse und Ehrgeiz also als Schlüssel zum Erfolg. Das aufstrebende Wesen Ragnars erkennt auch Haraldson, der ihn folglich bewachen lässt um sich seine Fortschritte zu eigen zu machen.

 

This is not the end, it’s just the beginning.

 

Ragnar weiß mittlerweile, dass es Lindisfarne war, dem er kürzlich einen Besuch abstattete und dass dies zu den vier Königreichen Englands gehört. Vier Königreiche, in denen es noch mehr zu holen gibt. Der Familienvater überredet seinen Herrn, sich ein weiteres Mal auf den Weg machen zu dürfen – diesmal nach Northumbia – um erneut auf Beutezug zu gehen. Doch es scheint fast so, als verfolge Ragnar einen anderen Plan. Aus diesem Grund schickt Haraldson auch einen seiner Gefolgsleute, Knut, mit, der den gefährlich interessierten und engstirnigen Ragnar begleiten und überwachen soll. 

 

 

Never doubt your power.

 

Um nach seinem Tod in Valhalla in Reichtum zu leben, hortet Haraldson den Großteil des von Ragnar erbeuteten Schatzes, woraufhin er mit einer Gräueltat zum unberechenbaren Bösewicht wird. Denn er vergräbt die beiden größten Schätze, von denen man einst zu träumen wagte – Silber und einen Erbe seines Volkes. 

Mit Hilfe seines vorzeitlichen Kompass‘ legen Ragnar, Floki, Knut & Co. erneut an Land an und treffen dort auf die Einwohner Northumbias. Doch was nach einem unspektakulären Aufeinandertreffen aussieht, in dem sich die Gesandten zweier Völker erstmals begegnen, baut sich im Zuge eines einzigen Gesprächs – nicht zuletzt aufgrund von Sprachbarrieren – aber ein intensiver Spannungsbogen auf, der jede noch so große Schlacht alt aussehen lässt. Man traut einander nicht, ist fremd. Und ganz nach dem Sprichwort „Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht“ bringt eine kleine Provokation einen Stein ins Rollen, der Enteignet in Blut getränkt enden lässt.

 

 

Fazit

 

Während Graf Haraldson zum ultimativen Bösen wird, ist längst klar, dass Vikings auf Schwarz-Weiß-Malerei verzichtet und es ein reines, unschuldiges Pendant zum dunklen Lord so nicht gibt. Während Ragnar längst zum Mörder Unschuldiger wurde, lässt uns in der dritten Episode auch seine Frau wissen, wozu sie fähig ist. Ob sie die ausgesprochene Drohung gegen Athelstan auch tatsächlich wahrmachen wird, bleibt vorerst aber abzuwarten.


Einzig die visuellen Effekte zeigen Vikings erste Grenzen auf. Man ist nun mal von Spielfilmen verwöhnt, die Abermillionen von Dollar zur Verfügung haben, um Effekte tatsächlich so hinzubekommen, wie sie aussehen sollen. In Anbetracht zu unzähligen Serien meckert man hier aber auf höchstem Niveau. Denn es lässt sich darüber hinwegsehen, wenn beispielsweise der unruhige Wellengang nicht ganz den Erschütterungen auf dem Boot entspricht. Sollte dies aber weiterhin der einzige Kritikpunkt bleiben, gibt es keinen Grund, Vikings nicht noch weiter zu verfolgen – für lange, lange Zeit.

 


 

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