"Vikings" - Season 1, Episode 2 "Der Zorn der Wikinger"

Verfasst von Daniel Fabian am 18.07.2014 um 12:46

Bereits in der zweiten Episode von Vikings bricht Ragnar Lothbrok in sein großes Abenteuer auf. Mit gefundener Besatzung sträubt er sich gegen das Verbot von Lord Haraldson und bricht gen Westen auf. Gemeinsam mit seinem Bruder Rollo und dem Bootskonstrukteur Floki begibt er sich auf eine Reise ins Nichts – fest mit dem Ziel vor Augen, auf Festland zu stoßen.

Nach dem man mit der ersten Episode, Initiationsriten, einen souveränen Start hinlegte, gilt es für Michael Hirst dort nicht nur inhaltlich, sondern auch qualitativ anzuschließen. Denn schon nach den ersten 45 Minuten Vikingsversinkt man regelrecht in der düsteren und kalten Welt von Ragnar Lothbrok, dessen Abenteuerlust zwangsläufig die eigene Fantasie anzuregen vermag. Und tatsächlich gelingt es Regisseur Johan Renck den Zuseher auch mit seiner zweiten Episode vollends mitzureißen.

Schon während die ersten Worte fallen, findet man auf Anhieb ins Geschehen. Keineswegs fühlt man sich gehetzt, wenn Ragnar seine Mannen schon zu Beginn versammelt und kurzerhand von seinem Vorhaben überzeugt hat oder einfache Plotverläufe nicht wie üblich breit erklärt, sondern schlicht vollzogen werden. Man taucht sofort ins Geschehen ein und ehe man sich versieht, läuft auch schon der Abspann über den Bildschirm. 

 

 

A man lives or dies by his honor.

 

Schon im Zuge seiner Vorstellung in Episode 1 stellte Graf Haraldson - überzeugend gespielt von Gabriel Byrne – klar, dass man ihm besser loyal gegenübertritt. Fehlverhalten wird nicht toleriert und mit dem Tode bestraft. Doch auch wenn davon auszugehen ist, dass die Charaktere der Serie ebenso wie der Plot nur langsam in die Gänge kommen, läuft einem schon jetzt ein kalter Schauer über den Rücken, wenn Haraldson seine Leute förmlich herausfordert, sein Vertrauen zu missbrauchen. 

Währenddessen langweilt sich die Besatzung von Ragnars Schiff und hat genügend Zeit, um sich über den Sinn ihrer Reise Gedanken zu machen. Und als die ersten Zweifel aufkommen, zeigt auch Ragnar, dass er aus Überzeugung handelt und dafür auch über Leichen geht. Wer hierbei aber schon schluckt, wird regelrecht in Atemnot gelangen, wenn die Gruppe tatsächlich Festland erreicht – denn dort bereiten sich die Mönche eines nahegelegenen Klosters schon auf ihre Ankunft vor…

 

 

Who is here? – Hell and all its devils!

 

Bevor Ragnar und seine Gefolgschaft den Mönch Athelstan entdecken und überhaupt zu Wort kommen lassen, lassen die Wikinger ihre geistlichen Gegenüber erst einmal ihre physische Überlegenheit spüren und beseitigen diese mühe- sowie skrupellos. Man fühlt sich vom Aufeinanderstoßen der beiden Kulturen regelrecht vor den Kopf gestoßen – während die einen das, was sie nicht kennen, aus dem Weg räumen und die Konfrontation suchen, versuchen die anderen eben jener aus dem Weg zu gehen und weiterhin ein friedliches Leben unter sich zu führen. Dabei sind sich Mönche und Wikinger gar nicht mal so verschieden, glauben doch beide Völker an eine höhere Macht, die ihnen stets den richtigen Weg weist.

Der Grundstein für eine düstere Wikinger-Saga wurde bereits gelegt, wird in Der Zorn der Wikinger ohne Zweifel aber weiter Richtung dramaturgischer Spitze getrieben. Jenen Zorn verspüren nämlich nicht nur die unschuldigen Mönche, sondern auch die Frauen, die dem männlichen Stolz und den hierarchischen Strukturen des 12. Jahrhunderts zum Opfer fallen. Fast schon in HBO-Manier gehen Sex und Gewalt Hand in Hand. 

Gut, die Einleitung der Episode verspricht Ereignisse wie etwa Mord und Verrat, die sich später tatsächlich so zutragen sollten. Nicht nur dank überzeugender Darsteller, nach wie vor authentischer Settings und einer wahnsinnig intensiven Atmosphäre werden jene vorhersehbaren Schachzüge gut getarnt, auch die mühevolle Recherche macht sich ob der Geschichtstreue bezahlt – beispielsweise mit der blutigen Bemalungen vor einem Kampf. 

 

 

Without the word of god, there is only darkness.

 

Auffallend ist auch der Look der Episode, der stets in Einklang mit dem Verlauf der Story steht. Während zu Beginn noch der unglaublich starke Hell-Dunkel-Kontrast den (Farb-)Ton angibt, folgt nach dem blutroten Zorn der Wikinger ein hoffnungsvolles Ende unter blauem Himmel. Ein kleiner, aber umso feinerer inszenatorischer Geniestreich, wie wir ihn hoffentlich noch öfter sehen werden.

 

Fazit

 

Nur zu oft steckt man die besten Ideen schon in die Pilotfolge, um das Fortbestehen einer Serie zu sichern – Ernüchterung stellt sich meist schon in der zweiten Episode ein. Vikings kommt jetzt aber erst so richtig in Fahrt und setzt vorerst auf ein schlüssiges Gesamtbild. Man fühlt sich langsam schon mit den Traditionen der Wikinger vertraut, wenn man diesen auch mit äußerster Vorsicht begegnen sollte. Das Faktum ihrer Unberechenbarkeit macht aber nur einen zusätzlichen Reiz aus, der es einem beinahe unmöglich macht, frühzeitig aus der Serie auszusteigen.

 

 

 

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