"Vikings" - Season 1, Episode 1 "Initiationsriten"

Verfasst von Daniel Fabian am 17.07.2014 um 14:37

Versucht man eine wahre Begebenheit auf die große Leinwand zu bringen oder im Serienformat zu adaptieren, hat man eigentlich schon im Vorhinein verloren. Soll die Geschichte so umgesetzt werden, wie sie sich tatsächlich zugetragen hat, steigt das Publikum ob der dokumentarischen Inszenierung auf die Barrikaden. Peppt man die Thematik zu Gunsten des Unterhaltungswertes auf, wird die kaum authentische Umsetzung bemängelt. Wie man’s also macht, macht man’s falsch. 

Nach Die Tudors und Die Borgias erzählt Produzent und Drehbuchautor Michael Hirst mit Vikings aber dennoch eine teils fiktive und teils auf tatsächlichen Ereignissen basierende Saga. Erschwert wird jenes Unterfangen allerdings aufgrund des geringen Wissensstands über das Leben der Wikinger zu Beginn des Frühmittelalters. Hirsts Vorhaben spielt dieser Tatbestand aber zweifelsfrei in die Karten, denn so kann er sich einerseits auf lose Fakten berufen, im Sinne der Dramaturgie andererseits aber auch fiktive Elemente einstreuen – und das Konzept scheint aufzugehen.


 

Finstere Landstriche, Nebel, ein Schlachtfeld. Und die Schlacht ist noch nicht vorbei. Ragnar Lothbrok tritt bärtig und blauäugig erstmals vor die Kamera und lässt seine Feinde Schwert und Speer spüren. Die Kämpfe sind hart, verherrlichen Gewalt aber keineswegs, die Choreographien sind dynamisch, wirken aber niemals gekünstelt. Ein Einstieg, der vorerst Lust auf mehr macht…


Und es geht vielversprechend weiter. Die irische Landschaft, gezeichnet von kaltem Gebirge und endlosen grünen Wiesen, wird wunderschön eingefangen und lässt eine Einstellung nach der anderen wie ein Gemälde wirken. Von naturalistischen Aufnahmen über bildgewaltige Polarlichter bis zu Fantasy-Elementen, wie in den Himmel aufsteigende Seelen, beherrscht man die visuelle Inszenierung auf ganzer Linie. Es handelt sich bei Initiationsriten (Originaltitel: Rites of Passage) aber auch um die Pilotfolge, die auch rundum überzeugen sollte, um die Zukunft der Serie zu sichern. Wie steht’s also um das inhaltliche Potential von Vikings?


 

Gut, schon in der ersten Episode sterben einige Charaktere – dies aber keineswegs zur Befriedigung von Gorehounds. Wenn beispielsweise Verbrecher für ihre Sünden bestraft werden oder Männer in der Schlacht fallen, dann ist dies stets der Story und ihren Charakteren dienlich. Die Welt von Vikings wird also nicht nur optisch unterkühlt, auch die Figuren und die Zeit, in der Ragnar Lothbrok, sein Bruder Rollo und deren Lord Haraldson leben, strahlen Härte, aber auch Ehre und Pflichtbewusstsein aus. 


Wie der Titel der ersten Episode schon sagt, dient diese nicht nur zur Vorstellung der Charaktere, sondern auch zur Einführung von Riten. Und es sollte ein kohäsives Ganzes entstehen, wenn selbst der Nachwuchs Augenzeuge einer Enthauptung zu sein hat, um dem Betroffenen die letzte Ehre zu erweisen und ihm den Aufstieg nach Valhalla zu ermöglichen oder wenn der traditionelle Armring feierlich übergeben werden soll, um endlich zum Mann zu werden.

Inhaltlich geht es Hirst keineswegs ruhig an, so entsteht schon 30 Minuten nach Serienstart das brisante Verhältnis zwischen Graf Haraldson und Ragnar, der sich gegen seinen Lord auflehnt und gemeinsam mit seinem Bruder Rollo und dem Bootsbauer Floki gen Westen zieht. Den Grundstein für jenes angespannte Verhältnis legen aber nicht nur vorausgegangene Ereignisse, sondern auch die überzeugende Darbietung der Darsteller. Neben Hauptdarsteller Travis Fimmel ist es nämlich vor allem Gabriel Byrne - bekannt aus Die üblichen Verdächtigen oder Miller’s Crossing- der seiner Rolle gnadenlose Intensität verleiht. 

 


Fazit


Schon in den ersten 45 Minuten von Vikings veranschaulicht Rites of Passage das Weltbild der Wikinger ausdrücklich wie eindringlich. Ehre gebührt selbst dem, dem Gnade verwehrt wird und trotz barbarischer Verhältnisse lebt man in respektvollem Umgang mit Mensch und Natur. Die Computereffekte halten sich in Grenzen, werden aber mit Feingefühl in die gegebenen Locations eingebettet und gehören so zum Besten, was Serien im Jahr 2014 zu bieten haben. Gigantische Landschaftsaufnahmen, unterkühlte Bilder, ein dreckiger und authentischer Look – weiße Zähne, Fehlanzeige – und der Aufbruch in ein Abenteuer, mit dem sich der Protagonist gegen seinen Anführer auflehnt, lässt auf Großes hoffen. 

Tipp: Wer der englischen Sprache mächtig ist, sollte auf die deutsche Synchronfassung verzichten, um in den Genuss des damaligen Akzents zu kommen, der individuell und dennoch sehr verständlich ist.

 

A man fights and looks after his family.

 

 

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