"The Walking Dead" - Season 1, Episode 1 "Gute Alte Zeit"

Verfasst von Johannes Mayrhofer am 14.07.2014 um 17:15

 

Zombie-Hype seit 2010

 

Seit Frank Darabont im Jahr 2010 mit The Walking Dead die Zombies auf dem amerikanischen Sender AMC nach der Comic-Vorlage von Robert Kirkman und Tony Moore losgelassen hat, ist einige Zeit vergangen. Während die Serie vor allem hinter den Kulissen immer wieder auch mit negativen Meldungen auffällt (etwa Frank Darabont, der sich betrogen fühlt und AMC verklagt), ist der Erfolg beim Publikum ungebrochen und bereits am 12. Oktober 2014 wird die fünfte Staffel anlaufen. Grund genug, einen Blick in die Vergangenheit zu werfen und die Serie noch einmal Revue passieren zu lassen! 

 

Früher war alles besser...

 

Das Land ist verlassen, nur ein Polizist fährt die Straße entlang, bis sein deutlich mitgenommenes Auto stotternd aufgibt. Vorsichtig macht er sich auf die Suche nach einer Benzinquelle. Rick Grimes (Andrew Lincoln) heißt der Mann, dessen Lebenssituation sich plötzlich so drastisch verändert hat. Aber immerhin lebt er noch – ein Schicksal, das die meisten seiner ehemaligen Mitmenschen nur noch indirekt mit ihm teilen. Inszenatorisch verstärkt die Serie die präsentierte Einsamkeit in diesen ersten Szenen durch das Fehlen eines Soundtracks.

 

 

Don’t open, dead inside!

 

Für Rick ging alles ganz schnell: Gerade noch spricht er mit seinem Polizei-Partner und Kumpel Shane Walsh (Jon Bernthal) über seine Eheprobleme, als ein Einsatzbefehl kommt. Er wird angeschossen und landet im Koma im Krankenhaus. Als er aufwacht, ist das Krankenhaus verwüstet und verlassen. Eine verwesende Leiche liegt am Flur, auf einer verriegelten Tür prangt der Hinweis Don’t open, Dead inside. Durch einen Türspalt schieben sich bleiche Finger, die den geschockten und benommenen Rick weitertaumeln lassen. Wie lang Rick im Koma lag wird nicht wirklich klar. Die Blumen am Nachttisch sind verwelkt, die Geräte alle ausgefallen, die Uhr ist stehengeblieben. Zu lange dürfte Rick den Ausbruch der Zombie-Apokalypse aber nicht verschlafen haben, denn sonst wäre er ohne medizinischer Versorgung wohl verhungert.

 

28 Days Later, anyone?

 

Vor dem Krankenhaus findet Rick Berge von Leichen. Stimmungsvolle Panorama-Aufnahmen zeigen, wie sich die Welt während Ricks Auszeit verändert hat und die neue Lebenssituation, mit der der einsame Überlebende fortan zurecht kommen muss. Am Boden kriecht eine beinlose Zombie-Frau vorbei, die in ihrer Hilflosigkeit Ricks Zustand fast schon spiegelt. Im Gegensatz zur willenlosen Zombie-Dame kann Rick sich im Verlauf der Folge aber sammeln und aufraffen und demonstriert seine Stärke letztendlich, indem er in den Park zur fast bewegungsunfähigen Zombie-Frau zurückkehrt und diese mehr oder weniger erlöst. Eine Szene, die durchaus als symbolisches Erstarken von Rick zu interpretieren ist, denn der Weg zurück in den Park, um eine hilflose und völlig ungefährliche Zombie-Frau zu erschießen, ist rein handlungstechnisch weder nötig noch sinnvoll. 

 

 

Zombie-Mutter, Vater, Kind...

 

Rick begibt sich nach Hause, sein Sohn Carl (Chandler Riggs) und seine Frau Lori (Sarah Wayne Callies) sind logischerweise nicht mehr hier. Vor dem Haus wird er von einem Vater und dessen Sohn überwältigt. Sie fesseln ihn in ihrem abgedunkelten Unterschlupf. Nachdem sie sicher sind, dass Rick nicht gebissen wurde, befreien sie ihn. Er erfährt, dass die Ehefrau und Mutter der Familie mittlerweile unter den Untoten vor dem Haus wandelt. Tagsüber wagen Rick und die beiden einen Ausbruch, um sich in der Polizeistation mit Waffen und Nachschub zu versorgen und auch die warme Dusche ist eine willkommene Abwechslung im tristen Alltag der Postapokalypse. 

 

Drama am Horizont

 

Rick und die beiden trennen sich, denn Rick will in die Stadt, während der Vater noch etwas abschließen muss: Er will sich überwinden und seine Frau erlösen. Rick fährt los, er will nach Atlanta. Am Weg schickt er mehrere Funksprüche, die sogar bei einer anderen Gruppe Überlebender ankommen, allerdings schaffen sie es nicht, zurück zu funken. Unter diesen Überlebenden sind Ricks Kumpel Shane, seine Frau Lori und sein Sohn Carl. Shane und Lori haben offenbar mittlerweile eine Beziehung, die – sollten sich Rick und die Gruppe treffen – zweifellos noch für jede Menge unnötiges und aufgesetztes Drama sorgen wird. Ob die Serie, die in dieser ersten Folge eine so großartige Stimmung erzeugt und von ihrer Endzeit-Atmosphäre lebt, wirklich durch konstruierte zwischenmenschliche Dramen noch aufgewertet werden kann, bleibt abzuwarten. Die Vorfreude auf diese sicherlich unvermeidlichen Konflikte hält sich jedoch in Grenzen.

 

Lonesome Cowboy

 

Nachdem Ricks Auto liegen bleibt, findet er bei einer herrenlosen Farm ein Pferd, auf dem er seinen Weg fortsetzt. Vor seinem Aufbruch hatte ihn der Vater gewarnt, dass die Walker erst in großen Gruppen wirklich zu einer Bedrohung werden und lange bleiben die Straßen Atlantas nicht menschenleer. Nach kurzer Zeit findet sich Rick von allen Seiten umringt, das Pferd wird schnell ein Opfer der Fleischfresser. In letzter Sekunde flüchtet er sich in einen verlassenen Panzer, umgeben von einem Meer aus Zombies. Wie er aus dieser stählernen Falle entkommen soll, wird als Cliffhanger offenbleiben, doch bevor der Nachspann über den Bildschirm flimmert, meldet sich noch eine unbekannte Stimme über das Funkgerät des Panzers bei Rick.

 

 

Fazit: Stimmungsvoller Ausbruch der Zombie-Apokalypse

 

Gute Alte Zeit (Originaltitel: Days Gone Bye) ist ein stimmungsvoller Auftakt zu einer Serie, die sich schnell zu einem der absoluten Publikumslieblinge entwickeln sollte und deren Erfolg bis heute ungebrochen ist. Das Geschehen wird großteils von ruhigen Szenen getragen, die in starkem Kontrast zu den kurzen und heftigen Gewaltakten stehen, die vom Genre wohl kaum wegzudenken sind. Höchst angenehm ist, dass die Spannung dabei nicht durch billige Schockeffekte erzeugt wird, sondern viel mehr durch die Inszenierung der allgegenwärtigen und fast schon erdrückenden Hilfs- und Ausweglosigkeit im Szenario der Zombie-Apokalypse. 

Detail am Rande: Als Abschluss-Song der Folge wird Space Junk von Wang Chung gespielt.

 

 

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