Oscars 2014 – Was wirklich zählt

Verfasst von Daniel Fabian am 26.02.2014 um 11:44

 

Die Oscars stehen vor der Tür! Am 2. März 2014 findet die 86. Verleihung der Oscars im Dolby Theatre in Los Angeles statt. Doch bis wir uns mit euch gemeinsam die sonntägliche Nacht um die Ohren hauen und unser Tippspiel im Diskussionsforum beendet wird, versorgen wir euch täglich mit interessanten Berichten rund um die Academy Awards. So widmen wir uns heute der Frage, ob es bei den Oscars Bevorzugungen für gewisse Personen oder Darsteller gibt…

Die Academy of Motion Picture Arts and Sciences rief jene Veranstaltung ins Leben, um die besten Filme eines Jahres zu ehren. Doch handelt es sich dabei tatsächlich um die „besten“ Filme? Was unterscheidet nun die richtig guten Filme von den besten? Und nehmen sich tatsächlich alle Mitglieder der Academy, die mit ihrer Stimme die Sieger küren, die Zeit, sich alle in Frage kommenden Filme anzusehen? Werden da nicht zwangsläufig zahlreiche Filme ausgegrenzt? Natürlich, denn die Abstimmenden arbeiten ja stets an neuen Projekten und können sich demnach nicht zurücklehnen und alle Kandidaten in Ruhe ansehen und reflektieren. Doch, zeichnen sich nicht gewisse Trends ab, die größere Chancen auf die goldene Statue versprechen? Können Filmemacher also schon vorab ihre Chancen steigern, in dem sie sich lediglich ausgewählter Thematiken annehmen? Mit jenem etwas brisanten Thema möchten wir uns heute auseinandersetzen.

Da sich der Charakter des Medium Films über die Jahrzehnte hin natürlich stets weiterentwickelte, setzen wir in der Gegenwart an. Bei einem Blick auf die Nominierten dieses Jahres fällt eines sofort auf, wahre Geschichten liegen voll im Trend! So steht gerade der engste Favoritenkreis, Alfonso Cuaróns Gravity ausgenommen, ganz im Zeichen tatsächlicher Ereignisse. Dabei scheint es kaum eine Rolle zu spielen, wie man die Guten und Bösen in Szene setzt. Filme wie The Wolf of Wall Street, 12 Years a Slave, Dallas Buyers Club, American Hustle, Captain Phillips oder Philomena könnten viel unterschiedlicher nicht sein. Doch sie alle sind nicht nur als Bester Film nominiert, sondern auch in einigen weiteren Kategorien. Zufall?

Ben Affleck gelang es bei der letzten Verleihung tatsächlich als Regisseur den Oscar für den besten Film zu gewinnen – und zwar mit der wahren Geschichte, die hinter dem erfundenen Science Fiction-Film Argo steht. Damit stach er u.a. Konkurrenten wie Zero Dark Thirty oder Lincoln aus, die ebenfalls Wahrheitsbezug besitzen. Darüber hinaus wurde auch die wahre Geschichte Flight, sowie Quentin Tarantinos Interpretation der Sklavenhaltung in der amerikanischen Geschichte für mehrere Oscars nominiert. Und auch wenn man weitere Gewinner der Hauptkategorien in den letzten ansieht fällt dies nicht minder auf. 2010 räumten beispielsweise The King’s Speech und The Fighter ab, während auch 127 Hours und The Social Network einige Nominierungen verzeichneten. Mit Moneyball, Milk oder The Queen seien nur einige wenige weitere Beispiele genannt.

Darf man nun aber auch so weit gehen, zu sagen, dass nicht nur wahre Begebenheiten gern gesehenes Material bei den Oscars sind, sondern auch die Behandlung bestimmter Thematiken? Die Sklavenhaltung beispielsweise ist kein 08/15-Stoff, dem man alle paar Monate in den Kinos begegnet. Nur wenige Regisseure wagen sich an jenes Thema, sind dafür aber aller Voraussicht nach bei den Oscars vertreten. So erging es in jüngster Vergangenheit 12 Years a Slave, Django Unchained, The Help und The Blind Side, sowie schon vor einigen Jahren Die Farbe Lila, Glory oder Amistad. Holt man mit der Rassismuskeule noch etwas weiter aus, sind Miss Daisy und ihr Chauffeur, Schindler’s Liste und viele weitere ebenfalls noch mit im Boot. Doch auch wenn die Qualität jener Filme unumstritten ist, gehörten sie tatsächlich zu den besten ihres Jahrgangs um gleich vielfach nominiert und ausgezeichnet zu werden?

Viel umstrittener dürfte aber noch jene Theorie der Academy-Lieblinge sein, die sich immer wieder auf’s Neue aufzwängt. Es handelt sich hierbei um mehr oder weniger kurzlebige Trends, die sich lediglich über den Zeitraum weniger Jahre halten. David O. Russell scheint sich beispielsweise mit The Fighter in die Herzen der Academy gespielt zu haben und als Fixstarter bei den Oscars zu gelten – denn mit seinen letzten drei Filmen verbuchte er sagenhafte 25 Nominierungen, wobei vor allem der Anteil des jüngsten, American Hustle, angezweifelt werden darf. Ein eben solcher Trend zeichnet sich womöglich auch bei Jennifer Lawrence ab, gewiss aber bei Amy Adams, die in den letzten acht Jahren ganze fünf Mal nominiert wurde. Meryl Streep bleibt jedoch außer Konkurrenz, denn 3 Oscars und 18 Nominierungen machen sie ohnehin zur Königin der Academy. Aber, gehörten McAdams und O.Russel beispielsweise tatsächlich zu den fünf besten der letzten Jahre oder macht es sich die Academy mit ihrer Wahl schlichtweg etwas einfach?

Die Oscar-Kandidaten sind berechenbar, so viel steht wohl fest. Dramen, die im Optimalfall auch noch den Bezug zur Realität wahren, haben die Veranstaltung in der Hand. Daran ändern auch unorthodoxe Ausnahmen wie Robert Downey Jr.‘s Nominierung für Tropic Thunder oder die der neunjährigen Quvenzhané Wallis für Beasts of the Southern Wild nichts. Daran wird sich wohl auch demnächst nicht allzu viel ändern, doch die Hoffnung stirbt zuletzt – irgendwann wird auch ein Christopher Nolan im Kampf um die begehrte Trophäe mitmischen! Und wenn nicht? Dann erfreuen wir uns auch weiterhin an seinen Werken, die deswegen keinen Deut schlechter sind.

Was zählt eurer Meinung nach wirklich, um bei den Oscars eine Rolle zu spielen? Teilt uns eure Meinung in den Kommentaren mit!