Regisseur Dan Scanlon und Produzentin Kori Rae über "Die Monster Uni"

Verfasst von Playzocker am 13.11.2013 um 16:19

 

Als Mike und Sulley das erste Mal an der Monster Uni aufeinandertreffen, können sie sich nicht ausstehen und sind erbitterte Konkurrenten, denn nur einer kann der schauderhafteste Erschrecker aller Zeiten werden! Die beiden machen sich gegenseitig das Leben so richtig zur Hölle und treiben es schließlich zu weit. Um ihren endgültigen Rausschmiss aus der Uni zu verhindern, hilft nur noch: Zusammenarbeiten. Mit ihrer Studentengruppe, einer bunt gemischten Truppe bestehend aus einem Langzeitstudenten, einem Muttersöhnchen, einem Esoterik-Freak und zwei ungewöhnlichen Brüdern, wollen sie bei den großen Schrecker-Spielen beweisen, dass sie es wirklich drauf haben ...

 

Anlässlich des DVD und Blu-ray Starts des Disney Pixar Animationsfilms "Die Monster Uni" hatten wir die Gelegenheit, mit Regisseur Dan Scanlon und Produzentin Kori Rae über die Entstehung des Films zu sprechen. In unserem Interview erfahrt ihr einiges über die Hintergründe des Films sowie über die Arbeit an dem Titel, die Rolle des Regisseurs und der Produzentin und die klassischen Pixar Running Gags.

 

Wir wünschen euch viel Spaß beim Lesen und freuen uns über eure Meinung zu den Antworten und über Feedback zum Interview in den Kommentaren.

 

DVD-Forum.at: Hallo! Guten Morgen und vielen Dank, dass ihr hier seid. Wie geht es euch heute? 


Dan Scanlon: Gut!

 

Kori Rae: Wunderbar!

 

DVD-Forum.at: Klasse! Die erste Frage, die ich euch stellen möchte, ist – und bitte versteht das nicht falsch, es ist nicht böse gemeint – warum ihr ein Sequel zu Die Monster AG gemacht habt und warum ihr es 12 Jahre nach dem Original gemacht habt.

 

Dan Scanlon: Ja, weißt du, ich glaube die ersten fünf Jahre waren wir einfach mit anderen Dingen beschäftigt. Peter Docter, der den ersten Film gemacht hat, beschäftigte sich mit Oben. Im Laufe der nächsten 5 Jahre merkten wir, wie sehr wir die ganzen Charaktere mochten und brachten eine große Gruppe von uns zusammen, darunter Pete [Docter, Anm. d. Verf.] und John Lasseter. Wir schauten, ob uns ein Einfall kommt - etwas, was wir tun könnten, denn es hätte uns nicht gestört ein Sequel zu machen, wenn uns etwas eingefallen wäre, dass wir hätten tun wollen. Zu diesem Zeitpunkt kam die Idee eines Prequels auf, die Idee, mehr über die Beziehung zwischen Mike und Sully zu erfahren – und es zu erfahren, indem man in der Zeit zurückgeht und dabei zuschaut. Und das brachte uns auf die Idee eines Charakters mit einem großen Traum, der am Ende nicht funktioniert. Das schien uns wie etwas, was man bisher noch nicht in Filmen gesehen hat – vor allem in Kinderfilmen. Wir glaubten, das sei etwas, was viele von uns schon durchmachen mussten. Und bei Pixar glaube ich, dass sich alles um das Herz eines Films dreht – also war dies gewissermaßen unser Wegweiser um mit dem Film voranzukommen.

 

DVD-Forum.at: Du hast gesagt, es sei etwas, was viele durchgemacht hätten. Habt ihr persönliche Erfahrungen in das Skript oder die Charaktere einfließen lassen? Und vor allem: Gibt es Anspielungen auf andere College-/Universitätsfilme o.ä.?

 

 

Kori Rae: Ja, klar. Wir haben unsere Nachforschungen angestellt, Universitäten besucht und festgestellt, dass die meisten Collegefilme in den 80ern spielen. Wir haben durchaus Anspielungen auf diese klassischen Collgefilme der 80er eingebaut und ich denke, dass wir uns auch bei unseren Erahrungen bedient haben während der Arbeiten am Film. Jeder im Storyroom sprach über seine Erlebnisse und brachte diese bei den Figuren und Situationen ein. Es ist definitiv persönliches Material dabei!

 

Dan Scanlon: Ich glaube, viele von uns konnten sich mit Mikes Geschichte identifizieren. Viele von uns gingen auf die Kunsthochschule, wo ein großer, harter Wettbewerb herrschen kann. Ich glaube, wir konnten konnten uns alle mit der Idee identifizieren, mit Sternen in den Augen an einer
Uni aufzutauchen und dann festzustellen "Wow, es liegt noch ein langer Weg vor mir". Viele zog es wirklich zum Kern dieser Thematik.

 

DVD-Forum.at: Okay, eine Frage für Dan: Es ist das erste Prequel, welches je zu einem Pixar-Film umgesetzt wurde. Die Originalautoren Daniel Gerson und Robert L. Baird waren an Bord. Wie hat es sich angefühlt, das Prequel zu einem erfolgreichen Film wie "Die Monster AG" zu übernehmen, auch wenn ihr einige der usprünglichen Autoren an Bord hattet?

 

Dan Scanlon: Oh, es ist wirklich hilfreich, einige aus dem Originalteam dabei zu haben – es war großartig mit Dan und Rob, da sie die Welt wirklich kannten.  Auch Corey arbeitete am ersten Film und einige andere. Und dann war es spaßig, Leute wie mich zu haben, für die das alles neu war – wir konnten eine Art von Außenseiterblick einbringen bzw. sogar die Ansichten eines Fans. Aber zum Glück hatten wir sogar Pete Docter als ausführenden Produzenten involviert und ich glaube das Hilfreichste an Leuten wie Pete, die den Film vorher bereits begleiteten war, dass sie uns eher Erlaubnis gaben, Dinge zu ändern, anstatt uns festzunageln und zu sagen "So würde Sully das nicht ausdrücken". Sie haben verstanden, dass ein Autor daran wächst(?) und der Film wie auch die Figuren für Änderungen offen sein sollten und wir neue Dinge mit ihnen ausprobieren mussten. Manchmal ist es wirklich nützlich, die ursprünglichen Schöpfer zu haben um Änderungen vorzunehmen.

 

 

 

DVD-Forum.at: Eine Frage an Kori: Wie können wir uns die Rolle eines Produzenten in einer Produktion wie dieser vorstellen?

 

Kori Rae: Ich glaube das Hauptziel des Produzenten ist mit dem Regisseur zusammenzuarbeiten und zu tun was auch immer nötig ist damit der Regisseur seine Vision umsetzen kann. Die Vision des Regisseurs für den Film. Es bedeutet also eine ganze Menge verteilt über die Entstehungszeit des Films, denn es ändert sich. Im ersten Jahr waren wir nur auf die Handlung konzentriert. Es musste sichergestellt werden, dass die Autoren tun, was sie tun sollten, dass alle Beziehungen laufen und es ändert sich einfach im weiteren Verlauf. Als wir mit der Produktion begannen, galt es sicherzustellen, dass der Regisseur von einer wirklich tollen Crew umgeben ist, dass er seine Unterstützung hat,

 

DVD-Forum.at: Also, wer war eurer Meinung nach der Chef in der Produktion?

 

Kori Rae (lacht): Ich glaube wir beide.

 

Dan Scanlon: Ja.

 

Kori Rae: Es ist geteilt. Ich arbeite logischerweise vor allem mit dem Produktionsteam und sorge dafür, dass der Film erledigt wird, helfe dabei, die für das Casting zu beschaffen und Tag für Tag weißt Dan die Kreativen an. Er macht Entscheidungen und ist gewissermaßen der Chef der Kreativen während ich mehr die Chefin der Produktion bin. Und diese beiden Teile müssen Hand in Hand gehen – du kannst nicht das Eine ohne das Andere haben.

 

 

DVD-Forum.at: Du sprachst vom Casting. Ihr hattet Synchronsprecher wie John Goodman, Steve Buschemi, Hellen Mirren, Billy Crystal, Alfred Molina, Nathan Fillion und so weiter. Wie würdet ihr es beschreiben, mit solchen Namen zusammenzuarbeiten?

 

Dan Scanlon: Weißt du, es ist eine echte Ehre. Wir hatten eine großartige Zeit mit unseren Darstellern - in der Hinsicht hatten wir sehr viel Glück und es schien als wären viele, vor allem die neuen Mitglieder, Fans von Pixar und Die Monster AG und sehr aufgeregt über ihre Teilnahme. Ich denke, dass sich das in ihrer Leistung niederschlägt. Es ist toll, wenn du einen solchen Cast hast, denn bei Animationsfilmen kann es schwierig werden, eine spontane Atmosphäre zu erzeugen -dass du etwas ansiehst, das gerade passiert- da es so viel Zeit in Anspruch nimmt und ich denke, dass solch ein guter Cast wie hier das durch seine Performance wirklich erschaffen kann, kleine Überraschungen liefert und hier und da eine Zeile beisteuert. Es war einfach der Knaller mit allen.

 

Kori Rae: Ja.

 

DVD-Forum.at: Wie ich gehört habe, ist es bei Animationsfilmen schwierig, zu vermeiden, dass einfach Wörter zu Bildern oder Bilder zu Wörtern hinzugefügt werden. Wie habt ihr das bei Die Monster Uni gemacht? Mit welcher Art von Produktionsmaterial arbeiteten die Synchronsprecher? Und wie habt ihr es geschafft, die Produktion so natürlich und fließend hinzubekommen?

 

Dan Scanlon: Die Darsteller sehen die Bilder nicht im Voraus, zuerst werden die Tonaufnahmen gemacht, sodass sie wirklich ihre Vorstellungskraft einsetzen müssen. Ein großer Teil meines Jobs besteht darin, ihnen einen Kontext zu geben und sie wissen zu lassen, was in der jeweiligen Szene passiert. Häufig haben wir frühe Skizzen, sodass die Sprecher wissen, wie die Charaktere aussehen. Das kann sie inspirieren in Bezug darauf, wie sie die Figur verkörpern möchten. Ein wichtiger Punkt bei Animationen ist das Nutzen der eigenen Vorstellungskraft.

 

 

DVD-Forum.at: Neben der Vorstellungskraft denke ich mir, dass auch die Technologie sehr wichtig ist. Was glaubt ihr, waren in dieser Zeitspanne von 12 Jahren zwischen Die Monster AG und Die Monster Uni die größten Änderungen im Bereich der CGI-Filmproduktionen?

 

Kori Rae: Ich denke, dass sich die Technologie definitiv stark verändert hat, aber Technologie ist auch ein Werkzeug. Wir denken bei jedem einzelnen Film über die Story nach und über das, was wir an Technologie brauchen. Die Fortschritte, die wir innerhalb der vergangenen 10-12 Jahre u.a. bei der Erzeugung der Charaktere gemacht haben, halfen uns wirklich dabei, die Welt regelrecht zu bevölkern. Wir konnten eine viel reichhaltigere Palette an Figuren erschaffen und bereits deren reine Anzahl wäre in Die Monster AG nicht umzusetzen gewesen. Wir wussten, dass wir so etwas für den Film benötigen würden, sodass es ein echter Vorteil war, die Möglichkeit zu haben, hunderte Charaktere in einer Aufnahme zu platzieren – und das in einem früheren Produktionsstadium, als es
bei Die Monster AG jemals möglich gewesen wäre. Außerdem nutzten wir einige Fortschritte bei unseren Lichtwerkzeugen, sodass das Beleuchten für
unseren Lighting Art Director zu einem Teil des Geschichtenerzählens wurde. Ich glaube nicht, dass das vorher möglich gewesen wäre. Wir nutzen, was wir brauchen um die Geschichte zum Laufen zu bringen und den Film so gut wie möglich zu machen.

 

DVD-Forum.at: Wie, denkt ihr, beeinflusst das verwendete 3D die Produktion an sich und die Technologie die ihr nutzt bzw. benötigt?

 

Kori Rae: Das 3D ist eher ein nachträglicher Prozess. Wir denken zwar während der Produktion darüber nach, aber im Grunde machen wir den eigentlichen Film und reden dann mit unserer 3DAbteilung über die Szenen, bei denen wir uns sicher sind, dass sie durch 3D aufgewertet werden. Wir sprechen dann über Dinge wie die Stärke der Tiefeneffekte, etc, aber im Wesentlichen kommt das alles nachträglich, sodass wir die Szene machen und uns dann mit der Abteilung
zusammensetzen.

 

 

DVD-Forum.at: 3D wird ja häufig nur als Beigabe oder Werkzeug genutzt, um die Verkaufszahlen nach oben zu treiben. Wie vermeidet ihr das? Wie schafft ihr es, dass das 3D ein zusätzliches Erlebnis für das Publikum wird?

 

Dan Scanlon: Wie bei vielem Anderen ist auch 3D ein Werkzeug, um die Geschichte zu erzählen, solange du einen Grund hast, es zu nutzen. In diesem Fall haben wir früh darüber gesprochen, weshalb wir es nutzen sollten. Ein wichtiger Grund für mich war, dass wir die Schule so real wie möglich wirken lassen wollten, sodass wir deren Geschichte fühlen. Wir wollten, dass auch das Publikum derart in die Monsteruni eintaucht wie Mike selbst. Das 3D bringt einen wirklich in diese Schule hinein – man kann ihre Ausmaße fühlen und erlebt richtig, wie man davon eingenommen wird. Es hilft dabei, in die Welt hineinzulangen, anstatt die Welt von uns zu trennen – das gefiel mir aus der Sicht des Storytellings.

 

DVD-Forum.at: Ich habe noch eine Frage an euch – und zwar zu den typischen Pixar (Running-)Gags wie dem 'Pizza Palace'-Truck. Wieso tauchen diese Gags in allen Filmen auf? Ist es verpflichtend, sie einzubauen oder warum habt ihr sie in Die Monster Uni genutzt.

 

Dan Scanlon (lacht): Genau, wir werden gezwungen, das zu machen.

 

Kori Rae: Wir wollen nicht diejenigen sein, die mit dieser Tradition brechen.

 

Dan Scanlon: Es ist eine amüsante Tradition geworden. Für uns ist es eine Herausforderung undich denke, dass es dem Publikum Spaß macht, nach diesen Elementen zu suchen. Wir hatten definitiv unseren Spaß dabei und das ulkige ist, dass man während der Produktion eigentlich überhaupt nicht darüber nachdenkt, aber immer mal wieder jemand dazwischenruft: 'Das wäre eine gute Stelle für den Truck!'. Es ist einfach eine spaßige Tradition, die wir gerne einbauen und wir hören oft von Fans, die regelrecht darauf stehen, danach zu suchen.

 

 

DVD-Forum.at: Ähnlich wie der Wilhelmsschrei, welcher ja auch eine Art Running-Gag in der gesamten Filmindustrie ist – auch ihr habt ihn genutzt. Könnt ihr uns eine kurze Erklärung dafür geben, warum der Wilhelmsschrei nach wie vor in Filmen zum Einsatz kommt?

 

Dan Scanlon: Wenn ich darüber nachdenke, bin ich gar nicht mal sicher, ob wir ihn benutzt haben.

 

DVD-Forum.at: Ich habe gelesen, es sei in der Szene, als Mike mit einem Bodenwachsgerät über einen Studenten stolpert. 


Dan Scanlon: Ich weiß nicht genau, ob das so ist. Ich weiß, dass wir den Falkenschrei genutzt haben, den man in jedem Film findet. Ich müsste bei Tom Myers nachfragen, ob auch der Wilhelmsschrei vorkam. Ich erinnere mich, dass mal darüber diskutiert wurde, aber ja: Alles spaßige Traditionen.

 

DVD-Forum.at: Ich danke euch, dass ihr euch heute Zeit genommen habt. Vielen Dank für eure Antworten und ich wünsche euch noch einen wunderbaren Tag!

 

Dan Scanlon: Danke!

 

Kori Rae: Danke, dir auch!

 


 

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