Saints Row IV [PS3]

Verfasst von Johannes Mayrhofer am 20.08.2013 um 02:02

 

Saints Row – Vom GTA-Klon zum irrsinnigen Wahnsinn

 

Als Ende 2005 die aktuelle Konsolengeneration mit der Xbox 360 in den Handel kam, fehlte etwas, das von vielen Spielern vermisst und sehnsüchtig erwartet wurde: Ein neuer Ableger der Grand Theft Auto Reihe. Bis 2008, als schließlich Grand Theft Auto 4 für die Xbox 360 und die Playstation 3 erschien, galt es ein Loch zu füllen und so schuf der Entwickler Volition (The Punisher, Red Faction) mit Saints Row einen astreinen GTA-Klon. Saints Row hatte eigentlich alles was man von einem GTA-Klon erwartete. Die Saints Row Serie hat sich aber seit damals deutlich entwickelt und verändert. Spätestens wenn man im dritten Teil von Bürgermeister Burt Reynolds (gesprochen von Burt Reynolds) den Auftrag bekommt, die Zombie-Apokalypse aufzuhalten, sollte klar sein: Die Marke Saints Row hat sich von der einstigen GTA-Kopie zum eigenständigen und völlig absurden Open-World-Wahnsinn entwickelt, bei dem absolut alles möglich ist.

 

Teil 4 legt in allen Belangen noch eine gehörige Portion Irrsinn nach. Saints Row 4 wird am 23. August 2013 in mehreren Editionen für PC, Xbox 360 und Playstation 3 völlig uncut erscheinen. Wir haben bereits eine Presse-Version und nach exakt zwei Stunden Spielzeit wird es Zeit die ersten Eindrücke in einem Angespielt zu teilen!

 

 

 

Wie die Saints lernten, die Bombe zu reiten...

 

Irgendwo über einer Wüstenlandschaft fliegt ein Spezialeinsatzkommando der Saints. Die Saints sind eben jene Bande, die dem Spiel erstens den Namen verleiht, zweitens ursprünglich nur die die mächtigste Gang der Stadt werden wollte, mittlerweile aber auch den Präsidenten der Vereinigten Staaten stellt. Ein verrückter Terrorist mit einer ziemlich großen Atomrakete muss aufgehalten werden. Dieser Abschnitt dient als Tutorial und zeigt schön, in welche Richtung Saints Row 4 gehen wird. Schnell fallen die Quicktime-Events und die nahtlosen Übergänge zwischen Spielgeschehen und Zwischensequenz auf. Oft merkt man gar nicht, dass man nicht mehr selbst rennt, sondern schon wieder eine kurze Cut-Scene begonnen hat. Das lockert das Geschehen vor allem kinematographisch auf.

 

Der Terroristenführer ist erledigt, schafft es aber noch seine Rakete zu starten. Sein letzter tödlicher Wunsch könnte auch in Erfüllung gehen, wären hier nicht die Saints am Werk, die, egal wie weit der Weg ist und wie schwer der Fall ist, stets bereit sind alles zu tun. In dieser Situation ist die Lösung der Saints (genauer gesagt, des Spielers) auf die startende Rakete zu springen und während diese in den Himmel rast an ihrer Außenhülle höher zu klettern und sie im Flug zu entschärfen. Ein typischer Tag für die Saints eben. Dieser Einstieg macht von der ersten Sekunde an deutlich, dass Saints Row 4 dem Vorgänger zumindest im übertriebenen Missionsdesign nicht nachstehen wird.

 

 

 

Vom Independence Day in die Matrix

 

Fünf Jahre später. Als Präsident (oder Präsidentin) muss man sich zunächst um regierungstechnische Lappalien wie Welthunger oder Krebsheilung kümmern, als das White Crib (wie das Weiße Haus jetzt heißt) von fiesen Aliens angegriffen wird. Obwohl die Saints und ihr Regierungsstab eine wahrlich wehrhafte Truppe sind, wird schließlich auch der amerikanische Regierungschef in einem virtuellen Gefängnis eingesperrt. Während sich die Saints in bester Matrix-Manier befreien wollen, muss der Spieler tun, was er am liebsten tut. Chaos und Zerstörung über die doppelt virtuelle Stadt Steelport bringen. Hier wird bereits deutlich, dass Saints Row 4 einen großen Teil seines Charmes aus Anspielungen und Pop-Kultur-Referenzen zieht.

 

Alles beim Alten?

 

Grafisch hat sich in Steelport kaum etwas verändert. Das fällt bei aktuellen Titeln wie The Last of Us oder Beyond: Two Souls deutlich auf, sollte sich aber nicht negativ auf die bekannte Spielmechanik auswirken. Optisch hat das virtuelle Gefängnis Steelport einen finsteren Noir-Look, der sich irgendwo zwischen Deus Ex 3 und Blade Runner ansiedelt.

 

Auffallend und eine der Stärken der Saints Row Reihe ist die Möglichkeit, vieles anzupassen. Autos lassen sich tunen, der Charaktereditor ist dem des Vorgängers sehr ähnlich, Gewand lässt sich kaufen, Waffen lassen sich nicht nur aufrüsten, sondern können sogar in der Form angepasst werden. Wer anstelle eines modernen Sturmgewehrs lieber eine klassische Tommy-Gun will, kann die Form der Waffe problemlos ändern. Wer seine Schrotflinte gerne rosa hätte, kann auch diesen Wunsch ohne Weiteres erfüllen. Neben Autos und Waffen lässt sich auch der Charakter nicht nur optisch aufwerten. Durch Hacks im simulierten Steelport können immer mehr Superkräfte freigeschaltet werden.

 

Die simulierte Umgebung bietet aber noch weitere Vorteile: Autos lassen sich einfach materialisieren und müssen nicht erst mühsam geklaut oder aus der Garage geholt werden. Auf die Garage kann jederzeit zugegriffen werden und jedes neue Auto kann mit einem einfachen Knopfdruck der Garagen-Datenbank hinzugefügt werden. Aber wozu Autos, wenn man sowieso schneller laufen kann?

 

 

 

Erster Eindruck

 

Saints Row 4 sieht nicht sonderlich hübsch aus, die künstliche Intelligenz ist eher dümmlichs aber es zeigt von der ersten Mission an, was dieses Spiel will und der Anspruch besser und noch deutlich verrückter als der Vorgänger zu sein, ist zumindest nach den ersten zwei Stunden nicht zu widerlegen. Wer den Vorgänger dumm fand, wird sich auch an Saints Row 4 verbrennen, wer aber mit Saints Row the Third seine Freude hatte, dürfte auch mit den neuen Superkräften größten Spass haben. Ob sich Spielspass und kurioses Missionsdesign auf diesem Niveau halten können, lässt sich natürlich erst nach längerer Spielzeit sagen, aber der erste Eindruck verspricht einen großartigen Nachfolger.

 

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