Beyond – Two Souls [PS3]

Verfasst von Johannes Mayrhofer am 07.08.2013 um 23:33

 

Einer Einladung von Sony folgend, konnten wir selbst Hand an die Preview-Version von Beyond – Two Souls legen. Um sicherzustellen, dass wir auch am laufenden Stand bezüglich Beyond – Two Souls sind, wurden uns zunächst der Gameplay-Trailer und der Tribeca Filmfestival Trailer gezeigt. Beyond – Two Souls, bei dem unter anderem die Schauspieler Ellen Page (The East, Hard Candy, Juno, Inception), Willem Dafoe (Spider-Man, Der englische Patient, Der blutige Pfad Gottes) und Kadeem Hardison (Cult, Family Guy) mitwirken, ist eines der wenigen Videospiele, die ins Programm des Tribeca Filmfestivals aufgenommen wurden.

Die Präsentation von Beyond am Tribeca Filmfestival ist ein bahnbrechendes Beispiel für die Verschmelzung von Film und Spiel“, heißt es im Tribeca-Trailer zu Quantic Dreams neuestem Titel, der in der Tradition von Fahrenheit und Heavy Rain filmische Inszenierung und die Entscheidungsfreiheit eines Videospiels verbindet. Wie das funktioniert und wie sich das anfühlt, konnten wir in der Vorschau-Variante in den Spielabschnitten „Somalia“ und „Hunted“ ausprobieren.

 



Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust!

Zur Story ist bisher wenig bekannt. Die Spieler schlüpfen in die Rolle von Jodie Holmes (Ellen Page) und erleben Abschnitte zwischen ihrem 8. und 23. Lebensjahr. Seit ihrer frühen Kindheit wird sie von der übernatürlichen Präsenz Aiden begleitet, die durch ein mystisches Band mit ihr verbunden ist und immer wieder in ihr Leben eingreift. Aiden kann teilweise Menschen ganz wie Darth Vader zu Tode würgen, Besitz von manchen Menschen ergreifen und manche Dinge poltergeisthaft umstoßen. Der Spieler muss (oder kann) immer wieder zwischen Jodie und Aiden wechseln um Hindernisse zu beseitigen und die Handlung voran zu treiben.
Im Laufe von Jodies Leben bekommt auch die CIA Wind von ihren vermeintlichen telekinetischen Fähigkeiten und beginnt sie für sich zu benutzen. Wie im Abschnitt „Somalia“ bereits ersichtlich wird, belastet sie ihre Arbeit zu sehr, sie wird abtrünnig und von der CIA und der Polizei verfolgt.

 



Somalia

In Somalia muss Jodie für die CIA eine Zielperson ausschalten und deshalb schleicht sie durch ein vom Krieg erschüttertes Stadtgebiet. Hilfe bekommt sie einzig von Aiden, einem kleinen Jungen und seiner AK-47. Kindersoldaten? Ein heikles Thema, welches in einem Spiel wohl noch nicht direkt thematisiert wurde. Ohne zuviel verraten zu wollen, dürfte dieser Ausflug durch das sonnige Somalia einer der Gründe sein, weshalb sich Jodie von ihren amerikanischen Arbeitgebern abwendet.

Ein Beispiel für das Teamwork zwischen Aiden und Jodie: Zu Beginn des Abschnitts gehen Jodie und der Junge hinter einer kaputten Wand in Deckung. Sperrfeuer hindert sie daran, weiter zu kommen. Jodie erschießt einen Soldaten, die anderen sind außerhalb ihrer Reichweite. Zeit für Aiden, denn das Wesen kann problemlos durch Wände gleiten und so weitere Feinde erwürgen oder Kontrolle über sie erlangen.


 

Direkt sterben kann Jodie in diesem Abschnitt übrigens nicht, aber je nach Fähigkeiten des Spielers sieht der Weg durch das Level unterschiedlich aus. Irgendwann werden Situationen erreicht, in denen alle Handlungsvarianten wieder zusammen laufen. So muss Jodie beispielsweise gegen Ende vor wütendem Mob flüchten. Dabei kann sie auf der Straße angeschossen werden oder weiter flüchten, sich in einem Haus verbarrikadieren, im Haus gefangen werden oder über das Dach flüchten. In jedem Fall wird sie aber im letzten Moment von CIA-Truppen gerettet. Je nachdem, wie schnell der Spieler die ihm gestellten Probleme lösen kann oder nicht, verläuft die Handlung bis zu diesen Schlüsselmomenten unterschiedlich. Ob man einen Abschnitt neustarten kann, ist noch nicht bekannt, aber vermutlich muss man, wie bei Quantic Dream Titeln typisch, mit seinen Entscheidungen leben.



 

Hunted

Mussten wir in Somalia noch in gewisser Weise selbst auf die Jagt nach unserer Zielperson gehen, sind wir im Abschnitt „Hunted“ die Gejagten. Der Abschnitt beginnt bei Nacht, Jodie schläft in einem Zug. Aiden langweilt sich offensichtlich, denn in der Rolle Aidens kann man zunächst anderen Passagieren die Getränke umschmeißen, Koffer aus den Kofferfächern schubsen und versuchen Jodie aufzuwecken, indem man in ihrer Umgebung mit Gegenständen wackelt. Als die Polizei auf der Suche nach Miss Holmes den Wagon betritt, gilt es sie als Aiden schnellstens aufzuwecken und als Jodie Holmes zu fliehen.

Auf der Flucht durch den Zug muss man rechtzeitig über Koffer hüpfen, Polizisten zur Seite stoßen und schließlich aus dem Zug entkommen. Bis zu jener Schlüsselszene, in der Jodie vom fahrenden Zug springt, gibt es wieder verschiedene mögliche Wege. Der Geschickteste wäre, zum Ende des Zugs zu laufen, mit Aiden ein Fenster zu zerstören, am Dach die verfolgenden Polizisten in einen Nahkampf zu verwickeln und schließlich, als der Zug eine Brücke überquert, vom Dach zu springen. Weniger geschickte Spieler werden im Zug schon von der Polizei aufgegriffen oder verlieren am Dach den Nahkampf gegen die Polizisten. Der Nahkampf funktioniert „intuitiv“. Das Kampfmanöver beginnt, verfällt in Zeitlupe und der Spieler muss mit dem Stick „intuitiv“ in die richtige Richtung „treten“, „schlagen“, „blocken“, „ausweichen“. Das soll die altbekannten Quicktime-Events ersetzen, ist aber gewöhnungsbedürftig.


 

Wird man am Dach des Zuges gefasst, findet man sich mit Handschellen in einem Zug-Abteil wieder. Da die CIA ein Interesse daran hat, Jodie lebend zu fassen, kann man auch in diesem Abschnitt nicht sterben. Im Zugabteil ergreift Aiden von einem Polizisten Besitz, der daraufhin gerne die Handschellen entfernt, in ein anderes Abteil geht, seinen Kopf gegen eine Kante schlägt und so friedlich einschlummert. In der Folge kann Jodie ein Fenster öffnen und auf einer Brücke vom fahrenden Zug springen.

Es folgt eine hektische Flucht, bei der man neben Polizeihunden auch mit der schwammigen Steuerung zu kämpfen hat. So filmreif die Inszenierung über weite Strecken ist, so tollpatschig und ungenau stolpert Jodie in den Abschnitten, in denen man sie frei bewegt. Das ist angesichts der großteils dramatischen und gelungenen Erzählweise von Beyond – Two Souls aber durchaus tolerierbar und hatte in unseren beiden Testlevels auch keine negativen Auswirkungen.
Wer sich nicht fassen lässt, schafft es in eine kleine Stadt, in der es je nach Vorgehensweise auch zu einem wirklich explosiven Showdown kommen kann. Während Jodie in Deckung kauert, kann man als Aiden von Regierungstruppen Besitz ergreifen, diese dazu bringen sich gegenseitig zu erschießen oder die Autos, hinter denen sie in Deckung gegangen sind, wild durch die Luft wirbeln lassen. Auch der Showdown kann je nach Geschick des Spielenden länger oder kürzer dauern, bis die Schlüsselszene eintritt.

 

 

Der erste Eindruck

Jodie Holmes, aufwändig per Motion Capturing von Ellen Page dargestellt und natürlich auch synchronisiert, ist ein spannender Charakter. Der oder die an Jodie gekettete Aiden gibt bisher nur Rätsel auf: Wer ist Aiden? Was ist Aiden? Was will Aiden? Aiden will auf jeden Fall, dass Jodie lebt. Aiden rettet Jodie nicht nur einmal, hindert sie in Somalia unter anderem auch am Selbstmord, scheint aber nicht unbedingt eine gute Gesinnung im klassischen Sinne zu haben. Wie sich die weiteren (ebenfalls per Motion Capturing eingefangenen) Charaktere in die Geschichte fügen und welche Rollen sie spielen, ist aus den beiden Abschnitten noch nicht zu sehen. Die wenigen Aspekte, die von der Handlung und den Charakteren bekannt sind, machen auf jeden Fall Lust auf mehr. Die absolut filmreife Inszenierung wird sicherlich für ein spannendes Abenteuer sorgen, das neben Agenten-Thriller Elementen und einer offenbar esoterisch angehauchten Ebene auch auf große Emotionen setzen wird. Die Steuerung als Aiden ist simpel und angenehm, ebenso die Quicktime-Events, die ausgelöst werden, wenn Jodie einen Berg hinauf klettert oder durch einen Fluss watet. Sehr gewöhnungsbedürftig (aber deswegen nicht schlecht) ist das „intuitive“ Kampfsystem. Ärgerlich ist die ungenaue Steuerung, wenn Jodie zu Fuß unterwegs ist. Negative Auswirkungen auf den Handlungsverlauf hatte die unpräzise Steuerung in den Test-Kapiteln „Somalia“ und „Hunted“ aber nicht.

Im Gegensatz zum indirekten Vorgänger Heavy Rain führt die Handlung auf verschieden langen Wegen immer wieder zu Schlüsselszenen zurück. Wie sich das auf das gesamte Spielprinzip und vor allem den Wiederspielwert auswirkt, wird sich zeigen, wenn es mehr davon zu sehen gibt.

Beyond – Two Souls soll eine USK Freigabe ab 16 Jahren erhalten, wird die Stimmen der deutschen original Synchronsprecher von Ellen Page (Manja Doering) und Willem Dafoe (Reiner Schöne) haben und am 9. Oktober 2013 exklusiv für die Playstation 3 erscheinen.

 

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