25 Jahre Andreas Bethmann – Der deutsche Horrormeister im Interview

Verfasst von Johannes Mayrhofer am 13.07.2013 um 13:23

 

Andreas Bethmann zählt mit Filmen wie Angel of Death 1 und 2 und Dämonenbrut zu den ganz Großen des deutschen Horrorfilms. Die Geschichte der Anderen oder Help Me I am Dead ist sein neuestes Projekt, bei dem es sich um eine klassische Geistergeschichte handelt. Mitspielen werden unter anderem die Melancholie der Engel-Darstellerin Margarethe von Stern und Andreas Bethmann selbst. Bei Effekten und Make Up ist Olaf Ittenbach – ebenfalls einer der bedeutendsten Männern der deutschen Horror-Szene – im Einsatz. Andreas Bethmann feiert dieses Jahr sein 25 jähriges Jubiläum als Filmemacher. Anekdoten aus 25 Jahren filmischen Schaffens, was Margarethe von Sterns Sternzeichen mit ihrer Besetzung in Help Me I am Dead zu tun hat, ob Terror Creek noch existiert, brisante Details zu Vanille Milch und mehr hat uns Andreas Bethmann im Interview erzählt. Außerdem hat er uns mit neuen und teils bisher unveröffentlichten Bildern zu Die Geschichte der Anderen / Help Me I am Dead versorgt. Wir bedanken uns ganz herzlich für die Bilder, das Interview und wünschen alles Gute zum 25 jährigen Jubiläum!

 

 

DVD-Forum.at: Du hast erzählt, dass du für "Help me I am Dead" im März das Drehbuch geschrieben hast, weißt du noch, wie lang du ungefähr für die Fertigstellung gebraucht hast?


Andreas Bethmann: In der Regel ist es so, dass ich nicht an einem Drehbuch „herum schreibe“, also über einen längeren Zeitraum immer mal ab und zu, sondern es ist Tradition bei mir, mich eine Woche komplett abzuschotten und nichts anderes zu machen. Für das Drehbuch zu „Terror Creek“ bin ich damals beispielsweise nach Venedig gefahren und habe ohne Ablenkungen nur geschrieben. Für „Help me I am Dead“ habe ich etwa 6 Tage am Stück geschrieben. Die Grundidee entstand aus der Tatsache heraus, dass ich für „Terror Creek 2“ eine Hauptdarstellerin suchte und mit ihr ein Casting in Form eines Kurzfilms machen wollte. Dazu kam es nie, weil die Filmidee sich als größere Geschichte herausstellen sollte. Als ich im Frühjahr für das Projekt Feuer und Flamme fing, verwarf ich den Plan, das Drehbuch zu „Terror Creek 2“ dieses Jahr zu verfilmen, sondern stellte es erstmal in die Warteschleife für irgendwann später. Während ich Anfang des Jahres Nachdrehs zu „Terror Creek“ hatte, liefen parallel meine Planung zum neuen Film. Besonders schwierig erwies sich für mich die komplette Umstellung auf HD. Die neuen Profikameras und das ganz neue Equipment, angefangen vom Studio bis hin zum Steadycam, welches ich extra für diesen Film erwarb, musste ich erstmal in den Griff kriegen. Ohne einen 2wöchigen Kurs im März mit Profis hätte ich das nicht hin bekommen. Gerade wochenlange Drehs mit dem schweren Steadycam haben an meiner Substanz gefressen und mich 18 kg abnehmen lassen. Die gefürchtete Hitzewelle im Mai und Juni blieben zum Glück aus. Das Drehbuch schrieb ich auch erst, als ich das perfekte Haus für den Film gefunden hatte, denn mit ihm stand und fiel eine ganze Menge. Anfang Mai wurde das Drehbuch fertig gestellt und an die Hauptdarsteller geschickt. Nebendarsteller bekommen bei mir immer nur die Seiten im Auszug, in denen sie mitspielen. Ende Mai begannen dann die Dreharbeiten. Seit 3 Monaten drehe ich an dem Film, mit wenigen Unterbrechungen.  

 

 

DVD-Forum.at: Kannst du uns schon etwas über die Handlung von "Help Me I am Dead" erzählen?


Bethmann: Ja, ein wenig. Er spielt entgegen meiner anderen Filme ausnahmsweise in Deutschland. Jennifer, eine Psychologiestudentin, sitzt im Rollstuhl, weil sie vor Jahren einen Unfall hatte. Die Ärzte bescheinigen ihr, dass sie eigentlich laufen müsste können. Das dem nicht so ist, scheint eine psychosomatische Blockade zu sein. Jedenfalls arbeitet Jennifer an einer Studie für die Uni und befragt dazu in einem Dorf Leute auf der Strasse. Dabei stößt sie auf eine seltsame Geschichte und gerät in eine unglaubliche Situation. Mehr darf ich nicht verraten, da der Film fast nur von der Handlung getragen wird. Ein Trailer zu produzieren wird schon schwer werden. In letzter Zeit stelle ich fest, dass bei diversen Filmtrailern aktueller Produktionen der halbe Film verraten wird, wodurch wirklich Spannung verloren geht. Verraten kann ich noch, dass der Film in 2 Epochen spielt, d.h. einige Szenen spielen 1939, was einen besonderen Reiz ausgemacht hat, besonders bei den Kulissen- und Requisiten. Ich erinnere mich an einen Dreh morgens um 4:30 Uhr kurz vor Sonnenaufgang. Es war eine düstere Stimmung, etwas Bodennebel war noch vorhanden und zwei Nazis richten eine Bäuerin hin. Diese perfekte, düstere Stimmung hielt keine Stunde an und hätte man im Studio kaum besser hinbekommen können.

 

 

DVD-Forum.at: Auch gibt es Informationen, dass der Film ganz anders werden soll, als deine anderen Werke. Kannst du schon Beispiele nennen? 

 

Andreas Bethmann: Nun, wer meine Werke von 1999-2009 kennt, weiß dass es sicherlich untypisch für mich ist, plötzlich eine solide, klassische Geistergeschichte zu machen. Aber das war schon immer ein Wunsch von mir. Ich erinnere mich noch, als einer der Hauptdarsteller das Drehbuch bekam und seine Reaktion darauf war „Also Andreas, was soll ich dir dazu sagen? Ich hatte das Gefühl, ich lese ein altes Manuskript eines Hörspiels von Europa aus den 70er Jahren“. Viele junge Filmmacher, die mit Kunstblut und Wackelkamera in den Wald rennen, hätten das als Beleidigung empfunden. Ich empfand das als Kompliment. Das sagt schon alles. Die Geschichte des Films ist so komplex und anders, dass mir schon klar war, dass einige Leute sagen werden, die gerne Splatter- oder Pornos gucken, das ist ja langweilig! Wer allerdings einen Gruselfilm mit interessantem Hintergrund, einigen echt krassen Wendungen, sehr atmosphärischen Kulissen und wirklichen Charakterschauspielern sehen will, der wird mit diesem Film glücklich werden. Treu geblieben bin ich mir allerdings in der Hinsicht, dass ich einen psychologischen Aspekt wieder mit einbringe. Alle Figuren sind sehr unterschiedlich und „originell“. Besonders der cholerische Soziopath zieht eine wirklich kranke Nummer im Film ab. Wichtig war mir auch eine klassische, solide Photographie zu fabrizieren. Mit der in letzten Jahren immer mehr in Mode gekommener Wackel-Handkamera kann ich nichts anfangen.

 

 

DVD-Forum.at: Margarethe von Stern hat eine Hauptrolle in deinem Film, hat dich ihre Schauspielerischleistung in "Melancholie der Engel" überzeugt, dass du sie dafür besetzt hast oder war ein anderer Faktor ausschlaggebend? 

 

Andreas Bethmann: Weder noch. Den Engel-Film habe ich nie ganz gesehen. Sicher gut gemacht, aber war nicht so mein Geschmack. Ich war für meinen Film auf der Suche nach einer Skorpion-Frau, die obendrein sehr dünn ist, besonders an den Beinen, damit sie gut in die Rolle der Rollstuhl-Fahrerin passt. Echte Fans wissen, dass in meinen letzten 9 Filmen alle meine Hauptdarstellerinnen Skorpion waren. Margarethe bot einfach alle Faktoren und war für mich perfekt für die Hauptrolle. Einige Szenen spiele ich mit ihr zusammen, denn ich verkörpere im Film ihren Freund Mike. Gleichzeitig Kamera, Regie und Darsteller war bei diesen Szenen immer sehr anstrengend für mich. Aufgrund ihrer Ausbildung habe ich im Vorfeld nicht an ihren Fähigkeiten gezweifelt, auch wenn „Help me I am Dead“ ihr erster richtiger Spielfilm ist. Bislang hat sie nur in Kunstfilmen und im Theater gespielt.

 

 

DVD-Forum.at: In "Angel of Death 2" und "Rossa a Venezia" hast du mit Jess Franco (R.I.P.) und Lina Romay (R.I.P.) zusammengearbeitet und du bist auch großer Franco Fan. Bei "Help me I am Dead" ist nun Antonio Mayans dabei welcher in vielen Jess Franco Filmen mitgespielt hat. War es schon immer ein Wunsch von dir, dass du ihn mal in einem deiner Filme besetzen könntest?


Andreas Bethmann: Die Parallele ist natürlich nicht zu übersehen, aber Zufall. Ich war schon immer ein Fan von Mayans. Habe in meiner Jugend schon unzählige Videos von ihm gehabt. Ich habe für die männliche Hauptrolle einen Stier gesucht, der obendrein etwas älter ist, weil das die Rolle erforderte. Mayans bot beides. Dass er verfügbar war und ihm das Projekt obendrein sehr gefiel, hat mich sehr gefreut. Er hat 1 Woche bei mir verbracht und es war eine tolle Zusammenarbeit. Er hat sich sehr stark eingebracht, war unermüdlich trotz seiner 74 Jahre und ich habe viel von ihm lernen können. Er ist irgendwie jung geblieben.

 

 

DVD-Forum.at: Du arbeitest bei "Help me I am Dead" wieder einmal mit Olaf Ittenbach zusammen. Wird der Film blutig oder macht er andere Spezialeffekte? 

 

Andreas Bethmann: Es gibt zwar nicht viele blutige Sachen in dem Film, aber ich bin der Meinung, dass wenn schon wenig, dann richtig und professionell. Um so mehr knallen die Sachen dann an den Stellen. Olaf war aber auch für einige Schminksachen zuständig. Wir beide waren wie immer mit unserer Zusammenarbeit zufrieden. 

 

 

DVD-Forum.at: Hast du schon eine Vorstellung, wie der Soundtrack von "Help me I am Dead" werden könnte?

 

Andreas Bethmann: Ja, auf jeden Fall. Ich arbeite schon daran. Er muss die unheimlich melancholische Stimmung des Filmes wiedergeben können. 

 

 

DVD-Forum.at: Was wird jetzt eigentlich aus "Terror Creek", ist der Film fertig oder ist er wieder auf Eis gelegt wegen "Help me I am Dead"? 

 

Andreas Bethmann: Der Film ist im Schnitt. Es fehlt noch 1 Szene zu drehen. Ich werde den Winter daran weiterarbeiten und ihn 2014 fertig stellen. Ich drehe und arbeite seit 3 Jahren an dem Film, da kommt es auf ein halbes Jahr auch nicht mehr an. Zuerst beende ich meinen aktuellen Film. Was mir bei den Nachdrehs allerdings echt gegen den Strich ging ist die Tatsache, dass ich, obwohl ich hier fette HD-Kameras stehen habe, den Film mit meinen alten, um Welten schlechteren SD-Kameras zu Ende drehen muss, damit der Bildeindruck einheitlich bleibt. Nun gut, kann ich halt nicht ändern.  


 

DVD-Forum.at: Du feierst dieses Jahr dein 25. jähriges Jubiläum als Filmemacher, gibt es einen Film, den du gern noch mal neu drehen würdest, wenn du könntest?

 

Andreas Bethmann: Ja, meinen ersten von 1988, den „Begrabt ihn tief“. Ich feiere mein Jubiläum Anfang November mit einigen Gimmicks und einer Überraschungs-DVD, mit der keiner rechnet. Außerdem ist es mein Wunsch, am Tag des Jubiläums den „Help me I am Dead“ fertig zu haben. Die Chancen stehe 50/50. Ich gebe Gas.

 

 

DVD-Forum.at: Gibt es einen Moment in deinem 25. jährigen Filmschaffen, der dir in besonderer Erinnerung geblieben ist?

 

Andreas Bethmann: Ja, die „60 Sekunden-Todes-Blowjob-Szene“ in Exitus-Interruptus. Ich hatte vorher extra 3 Müller-Milch Vanille getrunken. Das war der seltsamste und intensivste Dreh meines Lebens.

 

 

DVD-Forum.at: Gibt es noch etwas, was du deinen Fans sagen willst?

 

Andreas Bethmann: Ich freue mich auf die Premiere zu meinem neuen Film und habe mir vorgenommen, über dieses Board vielleicht Film-Promos oder vielleicht sogar eine Eintrittskarte zur Premiere zu verlosen. Vielleicht klappt es ja.

 

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