Ben Snow - Visual Effects Supervisor von Pirates of the Caribbean - Fremde Gezeiten

Verfasst von Playzocker am 06.11.2011 um 22:05

 

Als Captain Jack Sparrow Angelica, einer Frau aus seiner Vergangenheit (Penélope Cruz) begegnet, ist er sich nicht sicher, ob sie seine große Liebe ist oder doch nur eine skrupellose Trickbetrügerin, die ihn dazu benutzen will die Quelle der ewigen Jugend zu finden. Durch sie landet er auf dem Schiff des grausamen Piraten Blackbeard (Ian McShane) und damit in einem völlig unerwarteten Abenteuer. Vor wem muss er sich mehr in Acht nehmen: vor Blackbeard oder der temperamentvollen Angelica?

 

Ben Snow arbeitet als Visual Effects Artist bei Industrial Lights & Magic und hat in seiner Karriere schon bei zahlreichen Hollywood-Blockbustern mitgearbeitet. Seine Filmographie reicht von seinem Debut 1994 mit "Star Trek: Treffen der Generationen" über "Twister" und "Die Mumie" bis hiin zu "Pear Harbor", "Star Wars: Episode II - Angriff der Klonkrieger", "Iron Man" bis hin zu "Pirates of the Caribbean - Fremde Gezeiten".

 

Walt Disney Studios Home Entertainment hat erneut zu einem Virtual Rountable geladen, bei dem wir Ben Snow einige Fragen über seine Arbeit bei "Pirates of the Caribbean - Fremde Gezeiten" stellen konnten.

 

Wir wünschen viel Spaß beim Lesen des Interviews!

 

Anmerkung: Deutsche Übersetzung von Don Alfredo

 


 


 

Nach den "Iron Man"-Filmen mit ihren kalten, technologischen Waffen musstest du dich um die Meerjungfrauen im aktuellen "Fluch der Karibik"-Teil kümmern. Wie war diese Erfahrung? Wo sahst du beim ersten Anlauf die größten Herausforderungen?

 

Es war großartig, nach all dem Metall aus "Iron Man" und "Terminator" wieder an einer organischen Kreatur zu arbeiten. Doch wie auch bei "Iron Man" mussten wir die besten unserer Tracking-Tools am Set nutzen und einige neue entwickeln um diese den Körpern der Darsteller anzupassen, nur, dass es in diesem Fall die Hautoberfläche betraf. Wir mussten diese Haut zudem von Grund auf erzeugen, genau wie Haare und alles andere, womit eine organische Kreatur ausgestattet ist, was eine ganz andere Art der Herausforderung ist als ein Metallanzug.

 

Als ihr die Meerjungfrau-Szenen geschaffen habt, was waren zu dem Zeitpunkt deine Inspirationen für ihre Bewegungen und ihren allgemeinen "Look"?

 

Wir wollten die klassische "Frau in einer Monoflosse"-Optik vermeiden, die in früheren Meerjungfrau-Filmen zum Einsatz kam - also beobachteten wir eine Menge Meeressäuger und -fische für die Bewegungen der Meerjungfrauen. Wir filmten zudem Synchronschwimmer und professionelle Sportler am Set um die spätere Animation besser führen zu können. Was das Aussehen betrifft, versuchten wir, etwas anderes zu erschaffen als dies bisher der Fall war und dieses gleichzeitig in der Realität verwurzelt zu lassen. Wir nutzten Referenzen aus dem Meeresleben, menschliche Haut, usw. Zudem kauften wir etwas Fisch auf dem Fischmarkt und fotografierten die Hölle aus ihm heraus. Zum Schluss hatten die Meerjungfrauen einen schuppigen Körper mit einer dünnen, quallenähnlichen Schicht aus Ranken. 

 

Wenn ihr an einer animierten Figur arbeitet, was ist euch am wichtigsten dabei?

 

Wir wollen, dass die Figur etwas Einzigartiges und Fantastisches wird, aber genügend Bezug zur Realität besitzt, um glaubhaft zu sein. Für die Meerjungfrauen half uns das Videomaterial der Meerestiere, der Schwimmer und der Darsteller dabei.

 

Welchen Einfluss hatte das Filmen in 3D auf euren Arbeitsablauf - und welche Probleme & Möglichkeiten hattet ihr dadurch?

 

Wir waren sehr gespannt von der Aussicht auf 3D. ILMs 3D-Pipeline war ziemlich solide nach unserer Arbeit an Disneys "Star Tours 3D" und "Avatar" und wir trugen etwas Pionierarbeit dazu bei, um sicher zu gehen, dass das 3D-Setup für visuelle Effekte perfekt war. Auf kreativer Ebene spielten wir mit dem Konzept, etwas mehr Tiefe in die Unterwasserszenen einfließen zu lassen. Außerdem sorgten wir dafür, dass wir unsere Arbeit im größten Vorführraum von ILM sehen zu können, denn bei 3D kommt es bei der Kontrolle auf die Größe des Bildes an - wir wollten es so sehen, wie es ein Publikum sehen würde.

 

Wenn du "Fluch der Karibik: Fremde Gezeiten" mit den anderen Teilen der Reihe vergleichst, wo glaubst du, sind die größten visuellen Unterschiede?

 

Wir wollten bewusst in die Welt der Filme passen und der Effektqualität vorangegangener Teile das Wasser reichen. Dennoch brachte Rob Marshall sein eigenes, visuelles Gespür in die Reihe ein. Er wollte sichergehen, dass auch die fantastischsten Elemente in der Realität verwurzelt blieben und brachte eine "Sandigkeit" in den Film. Er legte zudem viel Wert auf die Handlung und die Figuren in "Fluch der Karibik: Fremde Gezeiten", und die Effekte spielen, trotz hoher Qualität, dieses Mal eher eine unterstützende Rolle - es geht eher um das Abenteuer und die Geschichte.

 

 

Woher hattet ihr die Ideen für das Aussehen der Meerjungfrauen?

 

Das Aussehen der Meerjungfrauen folgte einer langen Reihe von Diskussionen mit Rob Marshall und einer Menge Erkundungen von Konzeptbildern. Während wir mit Rob sprachen zeigte er uns einige frühere Entwürfe wie auch einige klassische Gemälde von Meerjungfrauen, Unterwasser-Modefotografie und sogar einige Meerjungfrau-PinUps. Er erzählte unserem Visual Effects-Verantwortlichen Aaron McBride und mir was ihm jeweils am Material gefiel und was nicht. Ein Bild, dass er mochte, zeigte eine Frau in einer Dünnen Stoffflosse, bei der man noch die Beine erkennen konnte. Er sprach auch viel von der Schönheit Astrid Berges-Frisbeys und dass einige ältere Konzepte zu Kreaturenhaft waren. Gleichzeitig schauten wir uns verschiedene Arten des Lebens im Meer an  und als wir versuchten, die Meerjungfrau in dieses Lebensgefühl der vorigen Filme zu integrieren sprachen wir auch darüber, wie sie sich wirklich verwandeln könnte. [...] Es hat Spaß gemacht, die Wissenschaft hinter diesen Figuren zu erfinden.

 

Was war eure Hauptsorge in Bezug auf das Endprodukt während der Planung der Szenen?

 

Unsere größte Sorge war, ob wir es schaffen würden, die besten Merjungfrauen    abzuliefern, die uns möglich waren - definitive Film-Meerjungfrauen auszuprobieren und zu erschaffen und die Qualität zu erreichen, die wir aus den vorigen "Fluch der Karibik"-Filmen kennen.

 

Bezieht ihr die Darsteller in eure Arbeit ein? Und wenn ja, wie?

 

Ja, wir sind von der Mitarbeit der Darsteller bei unserer Arbeit abhängig. Eine Sequenz an der wir arbeiteten beinhaltete Jack Sparrow, wie er mit einem kleinen Wassertropfen spielt und ich musste mithilfe eines Filzstiftes Punkte auf Johnny          Depps Finger platzieren. Er war sehr hilfsbereit und tolerant. Johnny und einige der anderen Darsteller durchliefen einen umfassenden Fotografie- und Scanning-Prozess, sodass wir ihre digitalen Abbilder erschaffen konnten, wenn wir diese brauchten. Für die Meerjungfrauen war es sogar noch anstrengender, aber sie gingen großartig damit um. Wir haben sie in diese psychedelischen Badeanzüge gepackt die wir entwickelten, um das digitale Tracking zu vereinfachen und ihre Körper besser mit den Flossen verschmelzen lassen zu können - und wir malten Punkte über ihr ganzes Gesicht.  Astrid Berges-Frisbey (die Schlüsselfigur der Meerjungfrauen) war etwas besorgt, als wir ihr Gesicht mit Punkten für eine eine emotionale Schlüsselszene bemalen mussten (ursprünglich sollte sie sich am Ende der Szene verwandeln), doch ich versprach ihr, dass sie retuschiert würden und und niemand davon erfährt. Gottseidank hatten wir eine so talentierte Retusche- und Farbtruppe die, selbst in 3D jeden einzelnen Punkt entfernen konnten. 

 

Wenn du dich für eine Szene als Repräsentant für die visuelle Arbeit des Films entscheiden müsstest, welche wäre das und warum?

 

Ich schummle mich mit 2 Szenen durch. Ich liebe die Szene, als die feuerspruckende Queen Anne's Revenge die  Meerjungfrauen jagt. CG-Shiff, CG-Feuer, CG-Wasser und CD-Meerjungfrauen und das dann mit digitalen Erweiterungen unter echte Piraten an einem Set legen. Es war ein spannender Dreh, der viele unterschiedliche Techniken erforderte. Mein anderer Favorit ist der Schwenk von Syrena zu ihrer Flosse direkt nachdem Phillip sie mit seinem Schwert bewegungsunfähig macht. Astrid sieht in dieser Szene großartig aus. Die Beleuchtung der Flosse ist bezaubernd und die Mischung ist fließend - ich denke also, dass dies eine wunderschöne Szene ist, die die Flosse der Meerjungfrau hübsch zur Schau stellt.

 

Hattet ihr Richtlinien seitens Disney, wie düster und unheimlich ihr die Meerjungfrauen gestalten durftet?

 

Ja, sie haben uns sogar dazu ermutigt, wirklich die unheimliche Seite zu erforschen. Zum Schluss hin entschied Rob Marshall, die kreaturesken Aspekte etwas zurückzunehmen und sich für etwas zu entscheiden, was die Schönheit der echten Darstellerinnen besser bewahrte. Und ich denke, dass das die richtige Entscheidung war - sie wirken immernoch unheimlich genug.

 

Es ist eine Sache, ILMs Tracking-Anzüge auf trockenem Land oder einem Schiff zu nutzen, doch eine ziemlich andere ist es, diese Art der Technik in einer wassergefüllten Umgebung einzusetzen. Kannst du erzählen wie du und dein Team diese Herausforderung bei der Produktion gemeistert habt?

 

Wir mussten definitiv noch einend rauflegen. Während wir unsere patentierten Imocap-Anzüge und die zugehörige Technik nutzten, entwickelten wir zusätzlich neue Tracking-Anläufe um eine Anpassung zur Haut zu ermöglichen (da wir Haut zu Haut nahtlos verbinden mussten) sowie Werkzeuge um die Lichtbrechung des Wassers entfernen zu können.

 

Was waren die visuellen Effekte von Industrial Light & Magic neben der   beeindruckenden Meerjungfrauen?

 

Wir haben die Schiffe in den Flaschen kreiert, die Szenen mit dem Jungbrunnen, Blackbeards Tod, einen Haufen digitaler Bilder für die Insel und die Bucht der Meerjungfrauen. Außerdem beaufsichtigten wir die Arbeiten von Scanline VFX in Deutschland, als Jack Sparrow tanzende Wassertropfen auf seinen Fingern hatte sowie das animierte Wasser, als sie den Jungbrunnen betreten.

 

Was tust du, wenn du einen bestimmten Effekt in einem Film erzeugen möchtest, aber nicht die geeigneten Mittel besitzt? Kam so etwas je vor?

 

Ein großer Teil des Spaßes an meiner Arbeit ist die Aufgabe, neue Technologien zu entwickeln um einen bestimmten Effekt zu bekommen. Zum Glück arbeite ich hier bei ILM mit einer fantastsichen Gruppe von menschen und ich glaube nicht, dass wir je eine Herausforderung ablehnen würden.

 

Ben, irgendwelche letzten Gedanken, die du mit uns zum Thema "Fluch der Karibik: Fremde Gezeiten" teilen möchtest?

 

Ich habe dieses Interview wirklich genossen, danke euch allen. Ich liebte die Gelegenheit, unsere Version der Meerjungfrauen für "Fluch der Karibik: Fremde Gezeiten" zu erschaffen. Es gab sicherlich einige große Herausforderungen, doch ich bin glücklich mit den Ergebnissen und sehr froh darüber, dass die Zuschauer auf der ganzen Welt den Film und die Meerjungfrauen schätzen. Obwohl ich Menschen eher davor warnen würde, Meerjungfrauen zu sehr zu mögen, wie der Film zeigt.