Franka Potente über Shanghai

Verfasst von Playzocker am 30.08.2011 um 16:47

Mikael Håfström, der Regisseur von "Zimmer 1408" inszenierte mit "Shanghai" einen Thriller mit Starbesetzung - John Cusak, Ken Watanabe, Chow Yun-Fat, David Morse und Franka Potente werden in diesem Thriller zu sehen sein, der am 15. September 2011 in den deutschen Kinos startet. Passend zum Kinostart des Films hat uns Senator Films ein Interview mit Darstellerin Franka Potente zukommen lassen, in dem sie einige Fragen zum Film und zu ihrer Karriere beantwortet.

FRANKA POTENTE verkörpert in dem Spionagethriller im Shanghai der 40er Jahre die deutsche Diplomatengattin Leni Müller, mit deren Hilfe sich der amerikanische Geheimagent Paul Soames (John Cusack) Zugang zu der einflussreichen Unterwelt Shanghais und insbesondere zu dem Gangsterboss Anthony Lan-Ting, gespielt von Chow Yun-Fat, verschafft. Paul möchte den Mord an seinem besten Freund aufklären, doch angesichts der angespannten politischen Lage – wir befinden uns eine Woche vor dem Angriff auf Pearl Harbor – gerät er zunehmend in das Fadenkreuz des japanischen Geheimdienstoffiziers Tanaka (Jen Watanabe) und der deutschen Militärs. Seine Annäherung an die schöne Ehefrau Lan-Tings, Anna (Gong Li), bleibt auch von Leni Müller nicht verborgen. Aus nationalen Loyalitäten werden emotionale und in einem Wettlauf gegen die Zeit versuchen Soames und Anna, den Mordfall zu lösen und aus dem besetzten China zu entkommen, bevor die Stadt untergeht…

 


 

Sie drehen gelegentlich Filme mit historischen Sujets speziell aus der Zeit der 30er/40er, wie eben auch „Shanghai" -- Worin besteht die Faszination und ggf. die persönliche Beziehung zu dieser Epoche?

 

Das ist Zufall, ja. Die 30er und 40er Jahre haben so ein bisschen was „Mystisch-romantisches“ vielleicht. Frauen fingen an ihre Rechte einzuklagen, romantische Beziehungen waren gesellschaftlich sehr „reguliert“, es war Krieg, in den Geschichten wimmelt es von Spionen, Überläufern etc...

 

Die Vielfalt Ihrer Rollen ist enorm -- von Beate Uhse bis zu „Shanghai", von US-Thriller-Serien bis zu „Laconia". Gibt es etwas, was diese Rollen verbindet?

 

Man kann, wenn man möchte, immer ein verbindendes Element finden. Alle Frauenfiguren die sie nennen verbindet etwas Hoffnungsvolles und darin etwas Kämpferisches. Oft ist eine mehr oder weniger schwierige Liebe im Spiel, was die jeweiligen Geschichten emotionalisiert und Hoffnung und Kampfgeist noch mehr schürt. Eben das „wahre Leben“ auf die Spitze getrieben, was ja das Tolle an Filmen sein kann.

 

Gibt es konkrete Pläne, nach "Shanghai" an weiteren großen Hollywood-Produktionen mitzuwirken? Haben diese Projekte Qualitäten, die Sie persönlich mögen? Oder spielt die Größe eines Films keine Rolle für Sie?

 

Die Größe eines Projekts ist oft gar nicht richtig einschätzbar, wenn man das Drehbuch bekommt, finde ich. Klar, ein historischer Film kostet mehr, das liegt in der Natur der Dinge. Man hofft dann einfach, dass das Budget gut „eingesetzt“ wird, damit dann alles auch gut und überzeugend aussieht. Ich muß ganz einfach Lust auf eine Geschichte, eine Figur haben. Mir muss etwas dazu einfallen, sonst macht es keinen Sinn. Ganz banal.

 

Auch wenn Sie womöglich nicht mehr auf „Lola rennt" angesprochen werden möchten, der einen gewissen Wendepunkt in Ihrer Karriere. Können Sie rückblickend beurteilen, in welcher Hinsicht Sie sich seither verändert haben?

 

„Lola rennt“ ist nun 11 Jahre her! Ich bin einfach mal 11 Jahre älter - und hoffentlich „weiser“ geworden. Ich glaube ich habe in den 11 Jahren relativ konsequent das gemacht, worauf ich Lust hatte, habe noch mit dem Schreiben begonnen, was mittlerweile mein zweites Standbein geworden ist. Ich habe grade meinen ersten Roman begonnen. Ich habe die Möglichkeit gehabt in England, Frankreich und USA zu arbeiten, was sicher ohne den Erfolg von „Lola“ nicht so gekommen wäre. Ich bin zufrieden damit, wie es gelaufen ist, wie es läuft.
Es gab schon Leute, die tatsächlich so was gesagt haben wie „Sie ist ohne Oscar® nach Hause gekommen“. Was schon ziemlich boshaft und unrealistisch ist. Man lernt den künstlichen Druck von außen zu ignorieren.

 

Sie leben vornehmlich in den USA. Was gibt Ihnen dieser Kontinent, im Gegensatz zu Europa/Deutschland? Was finden Sie an Deutschland angenehm/unangenehm?

 

Das ist so, ja. Mein Lebensmittelpunkt ist jetzt einfach hier. Das hat sich so entwickelt und hat natürlich auch private Gründe. Ich bin glücklich hier. Das hat nichts mit „ich mag dies oder jenes nicht in Deutschland“ zu tun. Überhaupt nicht. Natürlich vermisse ich Freunde und Familie, aber ich komme regelmäßig zu Besuch.

 

Laut einem Interview sind Goethe und Schiller zwei Autoren, die Ihnen viel bedeuten. Warum ist das so? -- Welche ihrer Werke sind für Sie besonders wichtig?

 

Ich mag die Sprache. Goethes Liebesgedichte sind fantastisch, ich mag Schillers Balladen (Glocke, Der Handschuh usw.), das sind wahrscheinlich noch Überbleibsel aus meiner Zeit im Deutsch Leistungskurs... Und ein Stück Heimat auf eine seltsame Weise. Ich lese hauptsächlich auf Englisch und viele US Autoren, da sind Goethe und Schillergedichte manchmal „a little piece of home“.

Eines Ihrer Tattoos lautet offenbar "Liberty" -- Wo finden Sie Freiheit? Was kann diese gefährden?
Ich versuche Stückchen von „Freiheit“ – im Kopf z.B., wenn ich schreibe – jeden Tag zu finden. Manchmal ist das schwierig, man ist abgelenkt, eingebunden usw...
Ich versuche „Kommunikationsmittel“ wie Handy (nein, ich habe KEIN iphone), Blackberry, Computer usw. so minimal wie möglich einzusetzen. Man ist sich nicht klar wie sehr einen das einnimmt und den Kopf verseucht.



Quelle: Senator Films