Corey Feldman über Stand By Me

Verfasst von Playzocker am 23.07.2011 um 16:26

Sommer in Castle Rock, einer idyllischen Kleinstadt im US-Bundesstaat Oregon. Schon seit Tagen verfolgen Gordie, Chris, Teddy und Vern von ihrem Baumhaus aus die Radio-Meldungen über einen Jungen, der vom Blaubeerpflücken nicht zurückkehrte. Es heisst, dass der Junge von einem Zug überfahren wurde und dass die entsetzlich zugerichtete Leiche jetzt irgendwo neben den Gleisen liege. Vern und seine Freunde stellen sich vor, wie aufregend es doch wäre, nach dem Toten zu suchen. Beflügelt von dem Wunsch, als Helden gefeiert zu werden, machen sie sich auf den anstrengenden, abenteuerlichen Marsch quer durch die Bergwelt Oregons.

 

Zum Blu-ray Start des Kultfilms "Stand By Me - Das Geheimnis eines Sommers" wurde ein Interview mit Schauspieler Corey Feldman geführt, der im Film die Rolle des Teddy Duchamp übernommen hat. Dieses könnt ihr im Folgenden in einer deutsch übersetzen Version lesen.

 

Wir wünschen viel Spaß beim Lesen des Interviews!

 

Anmerkung: Deutsche Übersetzung von Don Alfredo

 


 

Wieso glaubst du, dass "Stand By Me" die Zeiten überdauert hat?

 

Ich glaube, dass wir mit "Stand By Me" sehr viel Glück hatten. Du kannst in deiner Karriere alle möglichen Dinge tun, doch nur wenige davon bleiben hängen und finden ihren Nachhall beim Publikum, wo sie ihren festen Platz einnehmen. Ich bin sehr glücklich darüber, Teil von etwas zu sein, das überdauert hat, solch ein Vermächtnis hinterließ und weiter fortbestand, als man erwartete.  Ich bin sehr dankbar dafür, Teil von etwas zu sein, was einen besonderen Platz in den Herzen der Menschen berührt.

 

Was sind deine schönsten Erinnerungen an den Dreh?

 

Ich glaube alle. Die gesamte Erfahrung war unglaublich, denn es war wie ein Sommercamp für Kinder, weißt du? Ich war nie in einem Sommercamp, da mein Leben war, was es eben war - aufgewachsen vor den Spotlichtern der Medien Hollywoods, zu Vorsprechen gehen, dauernd am Set arbeiten. I bekam keine wirkliche, normale Kindheit und ich war nicht immer in der Schule oder habe bei anderen Kindern übernachtet...

Meine Kindheit war zerstückelt und meist war es Arbeit, also waren die beiden Filme, die ich am liebsten gemacht habe "Die Goonies" und "Stand By Me". Ich machte sie hintereinander. "Die Goonies" brauchten neun Monate und ein Teil der Zeit war während des Schuljahres, also ging ich immer zwischen dem Wohnwagen und dem Set hin und her um meine Schularbeiten zu erledigen - aber "Stand By Me" wurde im Sommer gemacht und ich konnte diesen gesamten Sommer genießen. Wenn wir nicht gearbeitet haben, haben wir die Tage genossen und es war ein besonders warmer und schöner Sommer in Oregon.

 

Ist das ungewöhnlich?

 

Darauf kannst du wetten! Oregon ist vielleicht der wolkigste, dunkelste und kälteste Staat in den USA. In etwa wie London, weißt du? Es regnet die meiste Zeit im Jahr, aber aus welchem Grund auch immer gab es damals in diesem Sommer nur einen einzigen Regentag. Es war grandios. Rob [Reiner; der Regisseur, Anm.] ist mit uns Floß gefahren und hat kleine Softball-Spiele zusammengestellt, die Kinder gegen die Erwachsenen, und so weiter. Wir hatten wirklich eine gute Zeit und konnten großartige Arbeit erledigen. Die größte Belohnung ist letztendlich, dass wir einen Film gemacht haben, der eine Zeitkapsel ist. Die Leute mögen ihn bis heute und das ist das beste Zeugnis, dass du als Schauspieler erhalten kannst.

 

Hat es Spaß gemacht, den Bild-im-Bild-Kommentar mit Regisseur Rob Reiner und Co-Star Will Wheaton für das Blu-ray Release zu drehen?

 

Das war großartig. Ich habe ihn [den Film, Anm.] nur ein Mal in vielen Jahren gesehen, weil ich ihn meinem Kind gezeigt habe. Ich merkte, dass er alt genug war, um damit klarzukommen. Es gab keine "R-Rated" Elemente im Film außer einigen bösen Wörtern und ich habe ihm einfach gesagt, sich an diesen Stellen die Ohren zuzuhalten. Dann, als ich ihn wieder sah, zusammen mit Rob und Will, konnte ich mich an die Erfahrung erinnern, ihn zu machen. Die Hauptsache, die mich interessierte war, wie unterschiedlich die Perspektive ist wenn man ihn sich als Erwachsener ansieht im Gegensatz zu der, wenn man ihn sich als Kind ansieht. Da gab es viele Dinge, die bei mir bisher nicht nachgeklungen waren und deren Magie ich als Kind wirklich nicht erfassen konnte. Ich hatte Filme wie "Die Goonies", "Gremlins" und "Cap und Capper" gemacht, die alle ziemlich sensationelle, actiongeladene Kinderfilme waren. Das hier jedoch war etwas, dass so viel ernsthafter und fokussierter war und ich erinnere mich, als Kind gedacht zu haben: "Das ist okay, es ist ein anständiger Film, aber er ist irgendwie langweilig und etwas trocken". Für ein Kind ist das exakt der Fall, da es eine wirklich schwerwiegende Materie ist.

 

Wie bewertest du den Film jetzt als Erwachsener?

 

Es sind jetzt so viele Dinge dabei, die mich ansprechen, wie z.B. das Gefühl, wenn du am Computer sitzt, versuchst, deine Arbeit zu erledigen und dein Kind kommt rein und sagt "Los, Papa, du hast gesagt, dass du heute mit mir spielst" und du fühlst dich schrecklich schuldig, kannst dich aber nicht vom Bildschirm loslösen. Dieser Moment mit Richard Dreyfuss am Ende des Films ist so ehrlich und so real. Ich habe auf den Film als Erwachsener zurückgeblickt und Dinge wie diese machten für mich Sinn, während es als Kind einfach nur so war, mich selbst in einem Film zu sehen.

 

Kamst du sofort mit Will, River Phoenix und Jerry O'Connell klar?

 

River und ich waren bereits Freunde. Wir standen uns nicht wirklich nahe, aber wir kannten uns aus Los Angeles, wir haben uns immer bei den gleichen Vorsprechen gesehen und wir sind immer nach draußen gegangen und haben zusammen gespielt, da wir uns sofort verstanden. Wir kamen direkt miteinander klar und das passiert mit Kindern im Geschäft nicht oft, da sie sich von Anfang an gegen die anderen behaupten müssen. Aber wir waren beide nette, unbekümmerte Kinder und wir waren nicht da, um irgendwelche Spielchen oder Machttrips zu spielen. Es war also schön, beim Dreh zu "Stand By Me" jemanden zu haben, mit dem ich mich bereits gut verstand.

 

Und Will und Jerry?

 

Keiner von uns kannte Jerry oder Will. Wir haben uns alle 2 Wochen vor Drehbeginn getroffen. Es gab etwas Zeit zum Proben und dort hat Rob eng mit uns zusammengearbeitet. Im Grunde waren wir vier und Rob in einem Hotelzimmer eingeschlossen. Wir haben diese Spiele gemacht - typische Schauspieler-Spiele die man auch bei, sagen wir mal, Stella Adler Workshops macht... Sehr ernsthafter Schauspielkunst-Kram, wie z.B. ein Spiegelspiel, wo du etwas tun musstest und der andere Darsteller sollte dich kopieren. Oder wir spielten dieses Stimmenspiel, wo man eine bestimmte Tonhöhe treffen muss und die anderen versuchen dann, sich daran anzugleichen. Diese Arten von Spielen helfen dir in erster Linie, dich mit den anderen Leuten vertraut zu machen. Es war, als würde man anfangen zu verstehen, wie sie dachten. Man konnte fast ihre Gedanken lesen und schätzen, womit sie als nächsten ankommen würden - und das war sehr wertvoll, da es den Eindruck erzeugte, dass wir uns viel länger kannten, als es wirklich der Fall war. Es war das Beste, vier Kinder, die sich nicht alle kannten, in eine Situation zu stecken, wo es aussah, als wären sie schon ihr Leben lang miteinander befreundet.

 

Im Making Of der Blu-ray sagst du, dass du perfekt für die Rolle des Teddy Duchamp warst, der mit seiner Familie durch harte Zeiten geht. Warum?

 

Wie Rob sagt, wählte er die Darsteller, da sie die Charaktere waren. Als er Jerry O'Connell zum ersten Mal sah, dachte er "Das ist Vern", als er Will sah, wusste er, dass er Gordie war... Ich bin durch die Tür gekommen und er wusste sofort, dass dieses Kind so viel Schmerz und so viel Kraft in seinen Augen hatte. Er wusste, dass ich viel ertragen hatte und vielleicht das einzige Kind war, dass diese Rolle übernehmen konnte.

 

Was hattest du denn mit Teddy gemeinsam?

 

Wie er erfuhr ich eine sehr harte Erziehung und ein sehr missbräuchliches Leben zu Hause. Ich kam aus einer Art Irrenhaus. Meine Mutter war ziemlich geisteskrank und mein Vater war sehr selbstsüchtig - er war nur selten da und er ging, als ich acht Jahre alt war.

 

War alles geschrieben, oder waren Teile eurer Wortgeplänkel improvisiert?

 

Wir hielten uns hauptsächlich an das Skript. "Die Goonies" war viel improvisierter, aber "Stand By Me" ist ein ziemlich poetischer Film uns hat ein recht ernsthaftes Thema und ich glaube nicht, dass Rob viel Raum für Fehler lassen wollte. Außerdem rekreierten wir eine sehr berühmte Erzählung eines sehr berühmten Autors und wenn man das tut, möchte man den Autor oder die Drehbuchautoren die an der Filmfassung gearbeitet haben nicht kränken. Mit jedem gesprochenen Wort wird viel Politik verbunden und irgendwen wird es kränken, wenn man es nicht richtig vermittelt. Es gab etwas kontrollierte Improvisation. Rob sagte "Das ist, was in der Szene passiert und ich will, dass ihr weiter darüber redet, wer cooler ist" oder "Ihr könnt euch hier was ausdenken, aber hier ist das Thema, um das es gehen soll", wie z.B. Sputnik oder ob Goofy ein Hund ist oder nicht.

 

Hast du alle Anspielungen auf die 50er im Skript verstanden?

 

Wir wussten nicht, was viele von ihnen waren. Wir waren nur Kinder und hatten kein wirkliches Wissen über die Popkultur der 50er.

 

Gab es irgendwelche Szenen, die schwierig zu drehen waren?

 

Damals habe ich nichts als eine Herausforderung betrachtet, vielleicht weil diese Sachen als Kind so selbstverständlich kommen. Erst in späteren Jahren habe ich mich mehr darauf konzentriert, eine Figur zu entwickeln oder jemand zu werden, der weit von meiner realen Existenz entfernt ist, aber damals habe ich einfach nur getan, was auf dem Papier stand. Ich habe es vielleicht eine Spur aufgepeppt, aber hauptsächlich war es eine sehr ehrliche Darstellung.

 

Was ist mit der Szene im Sumpf mit den Blutegeln?

 

Eigentlich war es ein künstlicher Sumpf. Die Set-Designer haben ihn mitten im Wald gebaut. Das war cool, denn ich hatte Angst davor, in einen wirklich dreckigen See mit abgestandenem Wasser zu springen, aber sie sagten nur "Hey, es ist kein Problem, dort hineinzuspringen, denn es ist künstlich". Allerdings bauten sie den Sumpf während der Pre-Production, einige Monate bevor die Dreharbeiten begannen und es war eine letzten Szenen, die wir drehten. Es vergingen also einige Monate zwischen dem Zeitpunkt des Baus und dem Moment, in welchem wir ihn wirklich benutzten und er lag dort draußen, mitten im Wald. Selbst wenn der Sumpf künstlich war, wurde es ein wirklich natürlicher See, oder Sumpf, oder wie man es auch nennen möchte. Es ergaben sich viel Spannung beim drehen der Sequenz und es folgte viel Drama, aber zumindest waren die Blutegel nicht echt.



Quelle: Sony Pictures