Exklusiv: Jackie Earle Haley über seine Rolle als Rorschach in Watchmen

Verfasst von am 21.02.2009 um 00:00
Watchmen



1986 erschien die erste Ausgabe zu dem zwölfteiligen Comic WATCHMEN im Hause DC Comics. Damals hatte man bestimmt nicht gedacht, dass Alan Moores und Dave Gibbons Comic zu einem der bedeutendsten Werken des 20. Jahrhunderts wird und sogar von vielen Magazinen, wie z. B. des Time Magazines oder der New York Times ("Ein Meilenstein!") mit viel Lob überhäuft wurde. Im Zeitraum von mehr als 20 Jahren sollte dann auch eine Verfilmung folgen, doch das Projekt stand anscheinend immer unter einem schlechten Stern. Die Produktionsfirma wechselten fast so oft wie die Stars und auch mit den Drehbüchern war man nicht immer zufrieden. Bis sich irgendwann Warner Bros. die Rechte sichern konnte und ein angeblich grandioses Drehbuch von David Hayter und Alex Tse vorgesetzt bekam, dass an der Grundidee des Comics festhielt und die Helden als sehr menschlich zeichnete. Einer dieser Figuren ist Rorschach, der durch geprägte Gewalt in seiner Kindheit zu einem brutalen Rächer geworden ist, der die dunkelsten Straßen New Yorks durchstreift um sich um das für ihn menschliches Ungeziefer - wie z. B. Räuber und Mörder - zu kümmern. Sein Markenzeichen ist die Maske, die stark an einen Rorschachtest erinnert und durch einen speziellen Stoff das Muster verändert. Für ihn gibt es in der Welt nur „Schwarz und Weiß“. Verkörpert wird die Figur von dem in Kalifornien geborenen Jackie Earle Haley, der bei den Oscars 2007 für die Rolle des pädophilen Ronnie J. McGorvey in dem Drama LITTLE CHILDREN nominiert wurde. Dank Paramount Pictures hatten wir die Gelegenheit und konnten Jackie Earle Haley, einer der ganz großen Stars von morgen, zu seiner Rolle in WATCHMEN interviewen.


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Jackie Earle Haley als Walter Kovacs / Rorschach im Gefängnis



DVD-Forum.at (D): 2007 wurden Sie für die Rolle des Ronnie J. McGorvey (Little Children) bei den Oscars in der Kategorie „Best Performance by an Actor in a Supporting Role“ nominiert. Was ist das für ein Gefühl?

Jackie Earle Haley (J): Eines der großartigsten Gefühle, die ich je erlebt habe. Und das ist eine Untertreibung. Stelle dir vor, wie es sich anfühlt, wenn du ein erfolgreicher Kinderschauspieler bist, nur dass Du das alles vergessen kannst, wenn du erwachsen wirst. Die Leute fragen mich oft, ob ich einen Groll gegenüber Hollywood hege. Ich würde immer antworten „nein“. Es ist nicht so, dass sich alle zusammentaten und mich rauszuwählen. Es ist einfach die Art, wie es lief. Also fühlt es sich wirklich großartig an, dass sich alle zusammentaten und mich wieder reinwählten. Übrigens, als Zack mich auswählte, um Rorschach zu spielen, das war eine weitere unglaublich ermutigende Erfahrung. Ich erinnere mich an den Anruf als wäre es gestern gewesen. Wau! Ich bin ein glücklicher Mann, oder nicht?

(D): Sie traten als 6-Jähriger in einer TV-Sendung auf, spielten 1972 in der Serie „Wait Till Your Father Gets Home“ mit und waren als Produzent für Werbespots tätig. Was gefällt Ihnen mehr: ein Spielfilm, oder eine TV-Serie, die sich über mehrere Staffeln erstreckt?

(J) Filme sind mir am liebsten. Aber TV kann auch großartig sein. Besonders mit dem 16 zu 9 Bildverhältnis, HD und Surround-Sound.


(D): Was halten Sie von Allan Moore und Dave Gibbons berühmtem Comicband „Watchmen", das mit zu den wichtigsten Werken des 20. Jahrhunderts gehört?

(J): Watchmen ist ein großartiges fruchtbares Stück Arbeit. Es veränderte die Art wie die Leute über Comics denken. Daves Arbeit ist unglaublich … gebieterisch. Zuerst dachte ich Allans arbeit ist nur wenig brillant. Dann lass ich V und im Anbetracht von beiden Romanen realisierte ich, dass Allan mehr als brillant ist ... er ist ein Genie.

(D): Wie haben Sie es geschafft an die Rolle des Rorschachs (einer mit der beliebteste Charakter) zu kommen und gab es ein Casting, in dem man sich dafür qualifizieren musste?

(J): Ein Haufen meiner Freunde kamen rüber zu meinem Haus und wir machten eine Bewerbungskassette. Ich fügte dieses … na ja… billige Halloween-Rorchach-Kostüm zusammen, schrie meine Stimmbänder raus und hatte es.

(D): Wie sahen die Vorbereitungen für die Umsetzung Ihrer Rolle im Film aus?

(J): Ich musste mehr machen, als nur einfach in den Abgrund zu starren. Ich musste hineinspringen. Glücklicherweise war ich an ein Seil gebunden. Zack hielt das andere Ende.

(D): Gibt es etwas, was Sie an Ihrer Filmfigur Walter Kovacs aka Rorschach fasziniert und konnten Sie sich in irgendeiner Art damit bei den Dreharbeiten identifizieren?

(J): Rorschachs „Schwarz und Weiß-Sinn“ für alles. Sein Absolutismus. Menschen sind unglaublich komplex. Aber so viel von dem grau ist nichts als ichbezogene Manipulation ... maskiert durch Komplexität. Rorschachs Erscheinung mag unrealistisch sein in dieser Welt, aber es ist sicher ehrenhaft ... auf eine unerträglich seltsame Art.

(D): Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit mit dem Regisseur Zack Snyder (300 & Dawn of the Dead)?

(J): Zack ist wirklich großartig. Sein Feingefühl ist sehr enorm. Die gesamte Watchmen-Welt, die er kreierte, war phänomenal und unglaublich motivierend. Sein Verständnis für Rorschach war tief und inspirierend. Der Mann ist einer der nettesten Kerle, die man je treffen wird.

(D): Und wie mit den Schauspielkollegen?

(J): Ich hatte einige unglaubliche Erfahrungen bei der Arbeit mit den Männern und den Frauen. Es war eine Wucht. Ich denke wir alle wussten, wir arbeiten an einem speziellen Projekt und das machte die Erfahrung um so spezieller für uns. Ich bekam dadurch einige lebenslange Freunde.

(D): Jon Osterman / Dr. Manhattan (Billy Crudup) ist die einzige Person, die übermenschliche Fähigkeiten besitzt. Welche Art von Superheld bevorzugen Sie: die mit übernatürlichen Fähigkeiten oder die Menschen, die in Kostümen für Recht und Ordnung sorgen?

(J): Hmmm! Gute Frage. Ratlos.

(D): Finden Sie es schade, dass es „Tales from the Black Frighter“, die Geschichte in der Geschichte, nicht in den finalen Film geschafft hat?

(J): Ich bin sehr zufrieden mit der Art, wie Zack es getan hat. Man hat dadurch am Ende mehr von WATCHMEN .

(D): Vorab machte im Internet die Runde, dass man einige Änderungen an dem Drehbuch (Alex Tse) vorgenommen hat und das Zack Snyder trotzdem der Vorlage treu geblieben ist. Was erwarte Fans im Kino und was Leute, die nicht mit der Geschichte vertraut sind?

(J): Hier ist meine Hoffnung: Fans haben eine Obsession und Neulinge graben zu viel, die können nicht anders als das Buch zu lesen.

(D): Sie arbeiten an einigen weiteren Projekten wie z. B. „Bolden!“ oder auch „Shutter Island“. Können Sie uns vielleicht schon etwas über Ihre nächsten Projekte verraten?

(J): Als ich an „Shutter Island“ arbeitete, habe ich 1 ½ Stunden im Make-up Stuhl verbracht, während die Künstler Platzwunden, Umrandungen und Blutergüsse in mein Gesicht platzierten. Ich erinnere mich: Nach dem ersten Tag schrieb ich eine E-Mail an Jeffrey Dean und sagte ihm, dass ich neuen Respekt für ihn empfinde. Während der Dreharbeiten zu Watchmen, als Jeffrey den älteren Komödianten spielte, verbrachte er Stunden über Stunden über Stunden im Make-up Stuhl. Er war da so lange drin und wenn er rauskam, sah er aus wie ein alter Mann.

(D): Vielleicht noch eine Sache, die Sie allen Lesern und Fans des Comics sagen wollen?

(J): Ich danke für deine Unterstützung und hoffe, dass die Welt lange genug besteht, dass dich dies erreicht ...

(D): Vielen Dank für das Interview!

Ein großes DANKE noch mal an Paramount Pictures für den Support und die Bilder und an den Kollegen Jesse für die Unterstützung.



Quelle: DVD-Forum.at