Exklusiv: David Gebroe über Zombie Honeymoon 2 (von Herbert M. Brindl)

Verfasst von am 28.12.2008 um 00:00

David Gebroe, der Vorzeigeregisseur einer neuen Generation des Horrorfilms entkommt den Schatten von New Jersey. Ja, ihr habt richtig gehört! Mr. Dave (“Zombie Honeymoon”), Gewinner des Fangoria Chainsaw Award, hat es endlich nach Los Angeles geschafft.


Für seinen Film „Zombie Honeymoon”) wurde er von beinahe jeder wichtigen Publikation gelobt – von Fangoria zur New York Times und über Variety zurück zur Village Voice. (Wie ihr seht nicht nur Horror-Magazine!) Die L. A. Times ging sogar so weit und setzte „Zombie Honeymoon“ auf die Liste der Top Ten must-see Filme zu Halloween – ein großer Erfolg, wenn Mr. Gebroes Independentfilm auf der selben Liste steht wie Ridley Scott’s „Alien”. Nachdem diese großartige Meldung auch die Aufmerksamkeit von DVD-Forum.at erweckt hatte, kontaktierte ich sofort Mr. Gebroe und erkundigte mich, ob er für ein Interview bereit wäre. Dank seiner ehrlichen und unkomplizierten Persönlichkeit sagte er sofort zu, DVD-Forum.at die Ehre zuzusprechen, das erste Interview seit seinem Umzug nach Los Angeles zu bekommen. Mit einer Menge neuer Drehbücher und positivem Image geladen ist der „New Master of Horror“, wie John Landis ihn nennt, bereit dazu, Hollywood kräftig aufzumischen.

Das Interview fand in Mr. Gebroes neues Heimat, zwischen dem trendigen Silverlate und dem guten alten Hollywood statt. (Sieht so aus, als umgibt sich Dave mit den richtigen Leuten.)
Dort sprach ich mit einem sehr entspannten und witzigen Dave Gebroe über vergangene Zombie-Erinnerungen, Tracy Coogan und darüber, wie „American Werewolf“-Regisseur John Landis sein Mentor wurde.
Zu guter Letzt sprachen wir natürlich auch über eine mögliche Fortsetzung zu „Zombie Honeymoon“.




DVD-FORUM: Zuerst möchte ich mich bei dir herzlichst bedanken, dass du deine Freizeit für DVD-Forum.at aufbringst!

DG: Was mein ist, ist auch dein! Abgesehen von allem außer Interviewzeit, versteht sich.

DVD-FORUM: Erzähle uns ein bisschen über deinen persönlichen Hintergrund. Wo bist zu aufgewachsen und wann hast du dich dazu entschlossen, Filme zu drehen?

DG: Ich bin in der Wildnis von Livingston, New Jersey, aufgewachsen. Seit ich ein Fötus im Bauch meiner armen Mutter war wusste ich, dass ich Filme drehen wollte. Ich habe sogar ein Buch über Filmkritiken geschrieben, als ich 15 Jahre alt war. Es heißt „Pleasures of the Dark“ – Eine Zweideutigkeit, bevor ich überhaupt meine Jungfreulichkeit verlor, wie frühreif ist das denn? Zu dieser Zeit hatte ich auch eine lang anhaltende Phase, in der ich inspiriert durch Tom Savini’s Arbeit abgetrennte Körperteile aus Ton hergestellt habe. Ich wusste immer schon, dass es sich dabei um das handelt, das ich auch beruflich machen wollte.

DVD-FORUM: Erzähle uns über deinen ersten Film, “The Homeboy”.

DG: Nun ja, “The Homeboy” könnte sich nicht mehr von meinen aktuellen Arbeiten unterscheiden. Es ist eine Komödie über einen Rapper namens MC Squared, der sich mit seinem Helden, dem britischen Rapper Hoolie Hooligan, zusammentut um seine sterbende Karriere wiederzubeleben. Der Film stellt den Tag von zwei Vorstadt-Dummköpfen dar und ist so weit wie möglich von den „guns and bitches“ Hip-Hop Szenen entfernt wie nur irgend möglich. Es ist ziemlich lustig.

DVD-FORUM: Mit deinem nächsten Film, “Zombie Honeymoon” hast du etwas Einmaliges und Besonderes kreiert. Von nahezu jedem Kritiker, von der New York Times über die Variety und die Fangoria hochgelobt, war der Film nicht nur dein künstlerischer Durchbruch sondern auch ein großer kommerzieller Erfolg. Erzähle uns bitte, wie du mit „Zombie Honeymoon“ angefangen hast ... und wer Danny Fraunhofer war?

DG: Ich hatte noch immer nicht herausgefunden, dass ich dafür bestimmt war, Horrorfilme zu drehen, obwohl ich mit diesem Genre aufgewachsen bin. Als der deutsche Ehemann meiner Schwester – Danny Fraunhofer – im März 2002 bei einem seltsamen Surfunfall ums Leben kam, kam mir der Gedanke, dass ich die Erinnerung an ihn mit einem Film, der das künstlerisch wertvolle Drama eines Cassavetes mit der Trash-Atmosphäre eines Romero verbindet verewigen wollte. Das Ziel war, die Details so nahe wie möglich an der Realität zu halten – ich behielt die Vornahmen von Danny und meiner Schwester, deren Sprachmuster, ihre Lebensumstände und vieles mehr. Lediglich bei den Horror-Details nahm ich mir etwas künstlerische Freiheit. Besonders aufregend war daran für mich, eine extrem persönliche Geschichte zu erzählen und diese als Genre-Achterbahnfahrt zu verkleiden. Die Spannung in dieser Dichotomie war es letztendlich, die das Projekt so reizvoll werden ließ.

DVD-FORUM: Wann hast du bemerkt, dass du mit “Zombie Honeymoon” etwas Besonderes geschaffen hast?

DG: Eigentlich sofort. Ich wusste, dass ich es nicht verhauen konnte. Wenn du einen Film über deine Schwester und ihren verstorbenen Ehemann drehst und der Film schlecht ist, wirst du aus der Familie ausgeschlossen – für immer. Der Film musste also super werden ... sonst!

DVD-FORUM: ”Zombie Honeymoon” hat bei der 2006 Fuse Fangoria Chainsaw Awards die “Best With Less” Trophäe erhalten. Wie war das für dich und wo hat die Kettensäge ihren Platz gefunden?

DG: Das war eine unglaubliche Ehre. Ich bin mit dem Fangoria Magazin groß geworden und auf diese Art entdeckt zu werden war wirklich toll. Ich bin so stolz, dass ich aus dem Award einen Anhänger gemacht habe und diesen um meinen Hals hängen habe. Obwohl es 25 Kilo wiegt und ich mir schon mehrmals einen Bruch damit gehoben habe ist es eine allgegenwärtige Erinnerung, wie toll ich bin..:-)

DVD-FORUM: Ich habe für dieses Interview auf einigen französischen und deutschen Horror-Blogs recherchiert und war überrascht, wie viele Fans „Zombie Honeymoon“ in Europa gefunden hat. Eine der Fragen, die immer wieder aufgetaucht ist war „Wo ist ‚Zombie Honeymoon 2’?“ Also ... können wir uns auf ein Sequel freuen?

DG: Ich arbeite in der Tat an einer Idee für “Zombie Honeymoon II”. Ich habe mich schon mit der Hauptdarstellerin Tracy Coogan darüber unterhalten die Rolle ein weiteres Mal zu spielen und wir sind beide durch die Vorstellung, wieder zusammen arbeiten zu können, sehr aufgeregt. Ich brauche nur mehr Geldgeber und es kann losgehen. Ich hatte mir immer vorgenommen mich nicht um Sequels zu kümmern, außer der Film war erfolgreich genug eines zu bekommen. Er war es auf jeden Fall und es gibt definitiv ein Publikum für eine Fortsetzung. Ich habe auch schon ein großartiges Konzept, die Idee über einen zweiten Teil hinweg frisch und unvorhersehbar zu halten.

DVD-FORUM: Ich habe ein Interview mit John Landis gesehen, in dem er dich als den neuen “Master of Horror” bezeichnet hat. Wie kamen John Landis und “Zombie Honeymoon” in Verbindung?

DG: Ich traf John bevor ich mit den Dreharbeiten begonnen habe. Ich schickte ihm das Skript und er war bei der gesamten Produktion des Films eine große Hilfe. Er war für mich eine Art Mentor in den letzten 5 Jahren – er gab mir alles, von moralischer Unterstützung, Ratschlägen bezüglich des Drehbuchs und wenn es darum ging, mich mit Festival-Versanstaltern und Filmvertrieben zusammen zu bringen. Er ist ein toller Kerl und seine Unterstützung hat mir sehr viel bedeutet.

DVD-FORUM: Was magst du und was magst du nicht an der Filmindustrie?

DG: Ich mag an der Filmindustrie, dass sie Filme hervorbringt. Was ich nicht mag ist alles andere.

DVD-FORUM: Hast du einen Rat für Nachwuchsregisseure?

DG: Sucht euch eine andere Karriere

DVD-FORUM: Was wird als nächstes mit Dave Gebroe passieren?

DG: Neben “Zombie Honeymoon 2” habe ich noch zwei weitere Drehbücher vorliegen. Ich arbeite gerade noch an diesen. Die beiden neuen Drehbücher haben nichts mit Zombies zu tun.

DVD-FORUM: Wähle fünf Menschen aus dem Filmbusiness (tot oder lebendig), die du gerne an deinem Esstisch versammeln würdest.

DG: Russ Meyer, Harpo Marx, Hal Ashby, Luis Bunuel undGerard Damiano.

DVD-FORUM: Danke für das Interview, David!

DG: Ich danke.


Das Interview wurde von Herbert M. Brindl geführt.



Quelle: Herbert M. Brindl